Ein Leitfaden wider die spirituelle Verwahrlosung der Republik - Aufarbeitung eines unterschätzten gesellschaftlichen Problems
- Hilfestellungen, wie man sich gegen offene und subtile Anwerbemethoden wehren kann
- Dieses Buch zeigt, welche Gefahren hier für Menschen und gesellschaftliche, demokratische Strukturen schlummern
In den letzten Jahren hat es den Anschein, als seien die so genannten Sekten zu einem gesellschaftlichen Randproblem geworden. Doch der Markt boomt - nach wie vor suchen die Menschen nach einem sinnstiftenden Umfeld, das sie bei den Kirchen nicht mehr finden - und verlieren sich in der Esoterik. Insbesondere das Internet ist zu einem spirituellen Supermarkt geworden, unüberschaubar die Zahl der Anbieter, mehr oder weniger subtil ihre Anwerbemethoden.
Warum sind wir so empfänglich für Seelenfänger, Wunderheiler und andere vermeintliche Heilsbringer? Ist Esoterik wirklich harmlos? Die Sekten-Expertin Ursula Caberta klärt auf: Hintergründe und Methoden, Gruppen und Netzwerke, Gefahren und Maßnahmen. Mit ihrem Buch liefert sie praktikable Hilfestellung im Umgang mit einem unterschätzten gesellschaftlichen Phänomen.
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Ein gut durchdachtes Buch, mit sehr stark recherchierten Esoterik-Informationen!
Bewertung (Mitglied der Book Circle Community) am 06.12.2023
Bewertungsnummer: 2082969
Bewertet: eBook (ePUB)
Als ich vor sechs Monaten per Zufall eine Literatur-Sendung geschaut habe, wurde Ursula Caberta interviewt. Es wurde über ihr aktuelles Buch “Schwarzbuch Esoterik” berichtet. Anders als der Titel zu verheissen vermag, soll dieses Buch über die Gefahren von Esoterik in der heutigen Gesellschaft aufklären. Das Thema machte mich sehr neugierig und darum habe ich gleich am nächsten Tag das Buch online bestellt.
Ursula Caberta wurde am 22. März 1950 in Hamburg geboren. Sie ist eine deutsche Politikerin und ehemalige Leiterin der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology und der Obersten Landesjugendbehörde. Sie ist Diplom-Volkswirtin und als Verwaltungsangestellte tätig. Ihre wichtigste politische Arbeit sieht sie im Kampf gegen die Scientology-Sekte. Am 1. August 2007 forderte sie ein Verbot gegen die Sekte an. Die zahlreichen Bücher Cabertas über Esoterik und Sekten sollen aufklären und den Lesern die Augen öffnen vor den dubiosen Glaubens-Machenschaften.
Die Geschichte:
Wer kann der Versuchung widerstehen, etwas Besseres zu sein als alle anderen dies sind
Oder einfach dazuzugehören oder von allen akzeptiert zu werden. Oder sogar zu glänzen, zu strahlen. Ja, sogar Göttliches zu vollbringen. Der Wunsch nach etwas Höherem ist seit tausenden von Jahren eine treibende Motivation des Menschen, über die eigene Nasenspitze schauen zu können und Unbegreifliches zu ergründen. Etwas über die eigene Existenz zu erfahren und über das grosse “Warum” zu erfahren. All dies treibt die Menschen auch heute noch mehr als je zuvor an. Doch Vorsicht vor den Übeltätern wie Glaubensgemeinschaften, Sekten oder dubiosen Religionen. Die Sucht “Esoterik” weiss auch heute noch gekonnt, wie eine fiese Falle, zuzuschlagen. Wieder herauszukommen scheint für viele Menschen schier unmöglich. Die Gefahr lauert stets unter uns, wie Ratten in der Kanalisation. Wer glaubt, Sekten und dergleichen seien ein Randproblem, irrt sich gewaltig. Ernsthafte esoterische Gefahren werden in unserer Gesellschaft oft runtergespielt und können so ihr Dasein fristen, da sie erst gar nicht “mehr” als ernsthafte Gefahr erkannt werden. Man denke bloss an die zahlreichen Esoterik-Messen mit den dubiosen Anbietern von Wundermitteln oder “göttlichen” Heilmethoden.
Beim Lesen von Ursula Cabertas Buch wird sehr schnell klar, wie verbreitet selbsternannte Glaubens-“Gruppen” weltweit sind. Sie lauern regelrecht unter uns und verdienen einen Haufen Geld mit falschen Versprechungen und mit unserem hungrigen, ungestillten Willen an Höheres zu glauben. Sie machen alles im Zeichen der Güte und Nächstenliebe (!), selbstverständlich. Dass sogar Pop-Sänger wie Nena oder Madonna Esoterik für ihre Karriere eingesetzt haben, wird auch beim Lesen des Buches deutlich. Sekten können ganze Familien abhängig machen, indem sie eigene, geschlossene Welten aufbauen, in denen dann ausschliesslich eigene Glaubens-Strukturen und Regeln herrschen. Oft werden diese Regeln von einem Glaubens-Guru erstellt, der angeblich “Erleuchtung” erlangt hat. Meistens dienen die Regeln nur dazu, viele Menschen seelisch sowie körperlich (sexuell) auszubeuten. Diese Regeln können selbstverständlich nach Belieben geändert werden, selbstverständlich nur vom Ober-Guru höchstpersönlich. Die Ausbeutung fängt bei den Kindern an und wird von deren Eltern sogar akzeptiert, denn es dient schliesslich der sozialen Anpassung. Die “Seelen-Experten” schlagen meistens dann zu, wenn ein Mensch seelisch angeschlagen ist, um sie/ihn für sich und seine Glaubensgruppe zu gewinnen. Diese Machenschaften (auch sexuelle Misshandlungen) werden meistens auch vom Staat toleriert und die sonst üblicherweise geltenden Gesetze schlagen bei den Glaubens-Gurus nur zurückhaltend oder gar nicht erst an. Man denke z.B. an die römisch-katholische Kirche und die zahlreichen Vergehen an Kindern. Wie weit die Esoterik-Lobbyisten gehen, um an die Macht-Ansprüche der Glaubensgemeinschaften zu gelangen, steht auch deutlich im Buch “Schwarzbuch Esoterik” beschrieben und zeichnet ein erschreckendes Bild von Lügen, Intrigen und bösen Machenschaften. Und dies mitten in unserer Gesellschaft.
Meine Meinung:
Das Buch hat in mir ein Gefühl der Ablehnung allen Sekten und Religionen gegenüber hinterlassen. Auch werde ich in Zukunft vorsichtiger mit Esoterik-Literatur umgehen. Konkret heisst das, dass ich zuerst die Hintergründe über den Autoren eines Buches und seine Intentionen so gut wie möglich eruieren werde, bevor ich überhaupt wieder eine Glaubens-Lehre oder dergleichen zulassen werde. Vielfach ist man dazu geneigt, ins nächste Büchergeschäft zu rennen und die Regale mit der Aufschrift “Lebenshilfe / Esoterik” zu durchstöbern. Auf eine solche Vorgehensweise sollte allgemein verzichtet werden. Dies ist zumindest meine “verstärkte” Meinung, nachdem ich Ursula Cabertas Buch “Schwarzbuch Esoterik” gelesen habe. Die Schreibweise in Cabertas Buch ist sehr einfach und klar verständlich. Nur teilweise bemerkte ich die grosse Abneigung der Schriftstellerin allen Sekten und Glaubensgemeinschaften gegenüber. Auch scheint sie mir zu oft “pro” Politik geneigt zu sein. So als ob die Sekten alles falsch machen und die Politik eben nicht. Da hätte ich mir vor allem durch Cabertas politischen Hintergrund mehr Kritik gegenüber Politikern gewünscht.
Fazit:
Alles in allem ein gut durchdachtes Buch mit sehr stark recherchierten Esoterik-Informationen. Für Leser, die gerne mal auch ihre eigene Religion oder Glaubenseinstellung hinterfragen wollen.
Schwarzbuch Esoterik
Bewertung am 26.05.2015
Bewertungsnummer: 879320
Bewertet: eBook (ePUB)
In mehreren Rezensionen kommt dieses Buch nicht gut weg. Es wird als undifferenziert, polemisch, gar politisch motiviert abgetan. Es wird als ›Hetzschrift gegen Andersdenkende‹ bezeichnet. Das kann ich so keinesfalls bestätigen. Auch wenn die Autorin, Ursula Caberta, Volkswirtin ist und ›nur‹ in verschiedenen Arbeitsgruppen sich mit Sekten, Esoterik und Psychogruppen auseinandergesetzt hat, und selbst keine Psychologin oder Psychoanalytikerin ist, leistet sie mit diesem Buch, nach meiner Auffassung, ein gutes Stück Aufklärungsarbeit.
Ich selbst habe nichts gegen einen gewissen Grad an Spiritualität oder dergleichen - ich habe auch nichts gegen Andersdenkende - doch wie jegliche extremen religiösen Ausrichtungen, können auch esoterische Überzeugungen Leben kosten oder gar gewaltverherrlichend sein.
Wenn man weiss, dass Adolf Hitler sich als Helden in einem ewigen Kampf von ›Gut‹ (christlich-arische Herrenrasse) gegen ›Böse‹ (alle anderen - Juden, Roma, Sinti, Schwarze, Kommunisten, Behinderte, Homosexuelle, usw.) gesehen hat und mit gütiger Mithilfe der Katholischen Kirche schreckliche Verbrechen begangen hat, wird es einen nicht überraschen, wenn man erfährt, dass auch gewisse esoterische Vorstellungen in die völkische Ideologie Einzug erhielt.
Insbesondere der führende Politiker und SA-Befehlshaber Heinrich Himmler und der späterer Hitler Stellvertreter Rudolf Hess hatten starke esoterische Welt-(Wahn)-Vorstellungen und bis heute gibt es im rechtsextremen Bereich (braune Esoterik) gewisse Vorstellungen, die auf diese Lehren (z.B. Ariosophie oder Theosophie) zurückgreifen und häufig mit Verschwörungstheorien vermischt werden. In diesen Vorstellungen spielen oft göttlich-ganzheitliche oder karmische Ideologien eine Rolle, die Sozialdarwinismus Vorschub leisten, da ein ›ewiger Kampf zwischen den Starken und den Schwachen‹ propagiert wird und dass ein ›natürlicher Ausleseprozess‹ nötig sei. Als Beispiel hier ein Satz von Trutz Hardo (deutscher Reinkarnationstherapeut, Autor und antisemitischer Esoteriker): »Die meisten, die vergast wurden, mussten durch diesen Gewalttod noch nicht ausgeglichenes Karma abtragen. Auschwitz kann man im Grunde genommen ein welthistorisches Ausgleichen vorvergangener Vergehen nennen.«
Neben New-Age, käufliche Spiritualität und kuriose Geistheiler geht sie auch immer wieder auf die »normalen« religiös/politischen Auswüchse ein.
»In einer anderen Ausgabe des Nachrichtenmagazins wird der ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen, Reinhard Bütikofer, zitiert mit der Formulierung, die Truppe um die damaligen US-amerikanischen Politiker Rumsfeld und Wolfowitz sei eine ›politische Sekte‹«
(S. 19)
Sie erläutert auch, wieso religiöse und eben auch esoterische Ideologien oft verdeckten Rassismus fördern:
»Häufig gilt der Grundsatz: Christentum ist positiv, andere Auffassungen sind negativ. In besonderem Mass betrifft das auf eine andere Weltreligion zu: den Islam. Die Angst vor dieser fremden Kultur wird geschürt, und im Gegensatz dazu erhält das Christentum das Etikett einer stets friedfertigen Religion. Durch diese Diskussion entwickelt sich ein gefährliches politisches Klima.«
(S. 101)
Und sie zeigt auch auf, dass neben religiös motivierten Weltuntergangsmythen, die Auswirkungen auf die Erziehung der Kinder, auch die Rechtsprechung in ›Demokratien‹ darunter leiden:
»Das wahre ›gelobte Land‹ für alle religiösen Experimente sind und bleiben wahrscheinlich die Vereinigten Staaten von Amerika. In den USA gibt es eine für Europäer unverständlich hohe Akzeptanz der verschiedensten religiösen Ansätze. Eigentlich ist es egal, wer daherkommt; wenn er behauptet, aus dem christlichen Glauben heraus zu handeln, hat er erst einmal Ruhe und kann seine Idee entwickeln. Irgendwann schaffen es die meisten über den grossen Teich und ›beglücken‹ Europa. Es gibt genug Beispiele dafür: Scientology, Die Kinder Gottes und viele andere.«
(S. 137)
Alle reden immer über den Gottesstaat Iran oder andere Diktaturen. Über radikal christliche Auswüchse in Europa oder den USA (z.B. Evangelikale), wissen hingegen die wenigsten bescheid, oder nehmen die Gefahr, die aus diesen Denkweisen hervorgehen jedenfalls nicht richtig wahr.
»Seit einigen Jahren muss man zur Kenntnis nehmen, dass in den USA die christlichen Evangelikalen inklusive ihrer fundamentalistischen Zweige immer mehr Raum im öffentlichen Leben einnehmen und sich grösserer politischer Unterstützung erfreuen. Die Grossmacht USA zeichnete sich schon immer dadurch aus, dass ihre Lebens- und Denkweise Vorbild für den Rest der Welt sein sollte. Dies gilt nun auch, der Eindruck ist unvermeidlich, für das radikale Christentum.«
(S. 139 & S. 140)
Ihr Fazit: Esoterische wie auch jegliche religiösen fundamentalen Auswüchse sind extrem gefährlich und haben teilweise schon erheblichen Einfluss auf die Politik. Auch in Europa . . .
»Alle Religionen erheben Anspruch auf die einzige, beglückende, göttliche Wahrheit und würden nur zu gerne auf der Grundlage ihrer Wahrheit staatliches handeln bestimmen. Aber keine freiheitliche Demokratie ist denkbar in einem Gottesstaat, auch nicht in einem christlichen. ›Der Fundamentalismus im Namen des Christentums ist so alt wie das Christentum selbst. Er ist keineswegs, wie etwa der Fundamentalismus islamischer Migranten in Großbritannien, Frankreich oder der Bundesrepublik, eine Historisch neuartige sich entwickelnde Erscheinung‹«
(S. 183)
Ich fand das Buch gut und informativ. Es ist kurz und prägnant und gibt einen guten Überblick. An manchen Stellen könnte man vielleicht noch mehr in die Tiefe gehen, doch dafür gibt es ja noch genügend andere Bücher über dieses Thema.
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