Haben Sie deshalb Ihr Buch „Alt genug“ genannt?
Ich wollte dem Bashing des Alters etwas entgegensetzen. Also Sprüchen wie „Ich bin zu alt, um in die Disco zu gehen“ oder „Ich bin zu alt, um hohe Hacken zu tragen“. Ich drehe das um und sage: „Ich bin alt genug, um flache Schuhe zu tragen und von einer Party früh nach Hause zu gehen oder ein Mittagsschläfchen zu halten.“
Was hat sich noch positiv verändert?
Ich lasse mich nicht mehr so leicht einschüchtern und mir nicht mehr meine Zeit stehlen. Und ich habe heute das Selbstbewusstsein, einem Mann zu sagen, wenn ich eine Bemerkung nicht lustig finde oder unangemessen. Früher habe ich viel zu oft blöde gegrinst, obwohl ich eigentlich hätte sagen sollen: „Halt einfach mal die Fresse!“
Woody Allen hat einmal gesagt: „Komödie ist Tragödie plus Zeit“. Gilt das auch für Ihr Leben?
Zum einen lautet die Antwort: Nein. Es gibt Tragödien, die bleiben ewig tragisch, und es gibt Wunden, die nie ganz verheilen. Aber andererseits ist mein Humor natürlich mit mir gereift, hochwertiger und feiner geworden.
Mit dem Älterwerden geht ja oft eine gewisse Nostalgie einher. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Ich hatte viel zu lang ein sehr melancholisches Verhältnis zu meiner Vergangenheit, bestimmt auch, weil meine Eltern früh gestorben sind. Erst allmählich habe ich das Gefühl, dass ich wirklich lang genug zurückgeblickt habe. Ich interessiere mich jetzt mehr für die Alte, die ich einmal werden will, als für das Kind, das ich einmal war. Sehr nostalgisch werde ich allerdings schlagartig bei Musik: Ich tanze ausschließlich zu den Songs der Achtziger.
Sie stellen sich in Ihrem Buch einigen Challenges, zum Beispiel fliegen Sie allein nach New York, und Sie bewerben sich für „Germany's Next Topmodel“. Warum haben Sie sich das angetan?
Ich habe mich mein Leben lang von meinen Ängsten wie Klaustrophobie, Höhen- und Flugangst einengen lassen und fand nun, ich sei endlich alt genug, mich ihnen zu stellen. New York war kein Traum von mir, sondern ein Albtraum, eine riesige Mutprobe. Und wenn ich anderen Frauen damit Mut machen könnte, ihre Grenzen zu überschreiten, dann wäre das mein größtes Geschenk.
Waren Sie bei Ihren Challenges erfolgreich?
Bei einigen ja, bei anderen nicht. Auf einen Wolkenkratzer habe ich es ebenso wenig geschafft, wie es mir gelungen ist, die Brooklyn Bridge zu überqueren. Da bin ich nach 150 Metern kleinlaut und zitternd wieder umgekehrt. Was „Germany's Next Topmodel“ angeht: Ich wurde zum Casting eingeladen und habe dort zehn ältere Frauen getroffen, die sich nur meinetwegen beworben hatten. Das werte ich als Bombenerfolg.
Ihr Buch hat bei aller Leichtigkeit auch eine ernsthafte Seite, Sie schreiben zum Beispiel über die Krebserkrankung einer engen Freundin. Gehört das zum guten Altern, sich auch furchterregenden Dingen offen zu stellen?
Im besten Fall befähigt einen das Alter, das Alter zu verkraften. Ich habe das Gefühl, dass ich reif genug bin, um das Schicksal einerseits zu ertragen, aber es auch mitzutragen und meiner Freundin zur Seite zu stehen.
Denken Sie auch mehr über die eigene Sterblichkeit nach?
Ich versuche, dem Tod nicht allzu viel Raum in meinem Leben zu geben. Das Gefühl, jeder Tag könne mein letzter sein, würde mich nicht motivieren, sondern verängstigen.
Sie sind mit Romanen bekannt geworden, schreiben aber inzwischen auch Autobiografisches. Was ist der Unterschied - und gibt es Grenzen?
In meinen Romanen habe ich auch schon oft Persönliches verarbeitet, aber das konnte ich gut innerhalb der Fiktion verstecken. „Alt genug“ hingegen erforderte eine für mich noch nie da gewesene Offenheit. Natürlich gibt es hier Grenzen, aber die setzen mir vor allem andere, nämlich meine Söhne und mein Mann, der als gebürtiger Hanseat leider sehr diskretionsbedürftig ist.
Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen?
Mir selbst und anderen mit Wohlwollen zu begegnen, mit einer Geisteshaltung der Freundlichkeit. Das ist eine ziemliche Herausforderung.
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