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Ingbert Edenhofer Buchhandlung: Thalia Mayersche Bottrop
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Meine letzte Rezension Mädchen allein zu zweit von Daniela Dröscher
In dem Jahr, in dem "Lügen über meine Mutter" auf der Shortlist war, hätte Daniela Dröscher gern den Deutschen Buchpreis erhalten dürfen - ganz so viel Begeisterung löst "Mädchen allein zu zweit" nicht in mir aus, aber es ist ebenfalls ein gelungenes Buch über zwei Freundinnen zwischen Hilflosigkeit, Desillusion und Selbstrettungsimpuls. Die Altersempfehlung ist ab 14 - und da finde ich es ein wenig schwer einzuschätzen, wie viele Leser*innen in dem Alter sich auf die doch eher rationale Erzählweise anspringen, in der Dinge thematisiert werden wie das Mindestgewicht von Brüsten, um eine medizinisch indizierte Brustverkleinerung haben zu können, oder die Gründe, wieso eine Harfe ein ideales Geschenk ist. Für Leser*innen von "Pi mal Daumen" oder "Der Bademeister ohne Himmel" ist es aber die ideale nächste Lektüre.
ab 18,00 €
Produktbild Mädchen allein zu zweit
4/5
  • Ingbert Edenhofer
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4/5

Mädchen allein zu zweit

In dem Jahr, in dem "Lügen über meine Mutter" auf der Shortlist war, hätte Daniela Dröscher gern den Deutschen Buchpreis erhalten dürfen - ganz so viel Begeisterung löst "Mädchen allein zu zweit" nicht in mir aus, aber es ist ebenfalls ein gelungenes Buch über zwei Freundinnen zwischen Hilflosigkeit, Desillusion und Selbstrettungsimpuls. Die Altersempfehlung ist ab 14 - und da finde ich es ein wenig schwer einzuschätzen, wie viele Leser*innen in dem Alter sich auf die doch eher rationale Erzählweise anspringen, in der Dinge thematisiert werden wie das Mindestgewicht von Brüsten, um eine medizinisch indizierte Brustverkleinerung haben zu können, oder die Gründe, wieso eine Harfe ein ideales Geschenk ist. Für Leser*innen von "Pi mal Daumen" oder "Der Bademeister ohne Himmel" ist es aber die ideale nächste Lektüre.

Meine Lieblingswerke

  • Produktbild Die Namen
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Die Namen

    Spätestens "Die Mitternachtsbibliothek" hat sicherlich dazu beigetragen, dass Romane, in denen verschiedene mögliche Entwicklungswege eines Grundszenarios gezeigt werden, in den Focus gerückt sind. Ob "Die Namen" für mich Holly Gramazios "Ehemänner" entthront, kann ich noch nicht final sagen, aber es spielt für mich zumindest ganz oben mit bei den Romanen 2026. Die Ausgangssituation ist simpel: Heißt der Neugeborene fortan Gordon wie sein Vater, Julian, wie seine Mutter es wollen würde, oder Bear, die Wahl seiner 9-jährigen Schwester. Alle drei Geschichten werden erzählt, und natürlich ist es ein bisschen überspitzt, alles auf den Namen zurückzuführen, allerdings macht die hochgradig narzisstische Persönlichkeit des Vaters das glaubwürdiger. Ich habe mehrfach geweint bei diesem Buch und mich gleichzeitig in einige Figuren verliebt. Oben gab ich schon zwei Romane an, deren Leser*innen auch hier ein tolles Buch für sich finden, aber auch wer "Eine Frage der Chemie" oder "Stay away from Gretchen" genossen hat, hat hier die nächste starke Empfehlung!

  • Produktbild Only Margo
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Only Margo

    "Only Margo" ist spektakulär. Eine alleinerziehende Frau beschließt, sich über einen OnlyFans-Account zu finanzieren und wird dabei von ihrem bisher distanzieren Vater, einem Ex-Wrestler gecoacht, denn er weiß, wie man etwas aufregend aussehen lassen kann, ohne sich ernsthaft zu verletzen. Das klingt als Konstellation erstmal skurril, ist aber die Grundlage für eine der liebenswertesten Familiendynamiken, die ich in einem Buch las, und man findet einiges an Respekt für Berufsgruppen, die man eher belächeln würde. Das Buch ist viel weniger spicy, also man vermuten würde - die zentrale Körperflüssigkeit ist Herzblut! Wer Jojo Moyes mag, ist hier genau richtig.

  • Produktbild Finanzen ganz einfach
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Finanzen ganz einfach

    Natürlich lese ich immer mal Sachbücher, einfach um auch in diesen Genres vernünftig beraten zu können. Trotzdem habe ich normalerweise weit mehr Leidenschaft für Figuren und Geschichten. "Finanzen ganz einfach" ist eine beeindruckende Ausnahme. Ich mache mir keine dramatischen Sorgen um meinen Ruhestand - also über die allgemeinen Sorgen in Bezug auf die Entwicklung der Welt von Klima bis Rechtsrutsch, aber finanziell vermute ich, dass es mir vergleichsweise okay gehen wird. Aber das heißt natürlich nicht, dass das das Level sein muss, zu dem ich mich mit finanzieller Sicherheit auseinandersetzen sollte. Saidi Sulilatu trägt einige hochgradig spannende Informationen und Tipps zusammen, die sich zum Teil sehr leicht umsetzen lassen (der Wechsel des Bankkontos zu einem Kreditinstitut, das ab einem gewissen Monatseingangs keine Kontoführungskosten erhebt), zum Teil auch längere Planung erfordern (die Entscheidung, welcher ETF der passendste ist). Ich habe das Buch zunächst als Hörbuch gehört und dann zusätzlich als Buch gekauft, um es mit meinem Lebensgefährten zusammen durchzuarbeiten, es wird also länger einen direkten Einfluss auf mein Leben haben - und wenn ich in 25 Jahren längst im Ruhestand bin und mit einem Cocktail auf dem Balkon sitze, werde ich das Glas auf Sulilatu erheben!

  • Produktbild Pi mal Daumen
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Pi mal Daumen

    Ich hatte "Pi mal Daumen" immer mal bei uns in der Buchhandlung legen sehen, aber ich war nie motiviert, ausgerechnet zu diesem Buch zu greifen - offensichtlich hatte ich nie den Klappentext gelesen, sonst hätte mich vermutlich die Mathematik-Verbindung direkt angesprochen. Es geht hier um Oscar, einen siebzehnjährigen Mathematik-Studenten, dessen Neurodivergenz im Roman zwar nie mit einer Diagnose benannt wird, die aber sehr wahrnehmbar ist, und seine Kommilitonin Moni, eine 54-jährige Großmutter aus einem niedrigeren Milieu. Es geht viel um Familie - biologisch und gefunden -, aber natürlich auch um verschiedene Formen von Intelligenz. Dabei ist "Pi mal Daumen" aber kein Buch, das sich in den Problemen der Figuren verliert, sondern bleibt ein hochgradig unterhaltsamer Roman, der besonders Oscar teils in abstruse Situationen stürzt und doch viel Herz hat. Unter den Nebenfiguren stechen besonders Monis Enkel Justin und Quentin heraus, aber das gesamte Ensemble darf sich facettenreicher präsentieren, als die Figuren bei ihrer jeweiligen Einführung vermuten lassen. Wer "Was man von hier aus sehen kann" oder "Der Buchspazierer" mochte, wird sich hier seine Freude finden!

  • Produktbild Wie Hund und Katze
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Wie Hund und Katze

    "Wie Hund und Katze" ist meine erste Begegnung mit Colette, und ich bin hingerissen. Neun Dialoge zwischen Bulldogge Toby und Karthäuserkatze Kiki La Doucette zeichnen zwei tolle Portraits. Schon die Namen sprechen Bände hinsichtlich der Persönlichkeiten der beiden Tiere, und die Beziehungen der beiden zum menschlichen Paar in ihrem Leben verleiht dem Text weitere Nuancen. Man muss sich darauf einlassen, Dialoge wie in einem Theaterstück zu lesen, und ich finde es weiterhin bizarr, dass Kiki La Doucette offenbar ein Kater ist, aber ansonsten stellt das Buch wunderbaren Eskapiamus dar - meine liebste Episode ist "Das erste Feuer" mit seiner hypnotischen Besinnlichkeit.

  • Produktbild James
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    James

    Ich bin immer dabei, wenn es um Neuerzählungen bekannter Stoffe geht - ob nun "Wicked", Jennifer Saints Variationen auf die griechische Mythologie oder so viele andere Werke, die mit Märchen, Shakespeare oder Bibelgeschichten spielen. Hier nun Huckleberry Finn aus der Perspektive von Jim, dem Sklaven, der ihn begleitet - bzw. James, ein Name, der weniger infantilisiert. Percival Everett ist ein hochgradig intelligenter Autor, der der Rassendynamik des Originals noch so manche spannende Nuance verleiht. Unter den Weißen in der Vorlage ist Huckleberry schon sehr unproblematisch, aber Everett gestaltet es sehr griffig, dass James' Situation so viel komplexer und gefährlicher ist. Viel spielt Everett auch mit Sprache und lässt den Dialekt der Schwarzen zu einem gewählten Soziolekt werden, was ganz neue Dimensionen erschließt. Spannender - aber natürlich herausfordernder ist es also natürlich, das Buch im Original zu lesen - es lohnt sich aber auf jeden Fall!

  • Produktbild Hey guten Morgen, wie geht es dir?
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Hey guten Morgen, wie geht es dir?

    Love-Scamming ist nicht dass erste Thema, das mit eingefallen wäre für einen Roman, der den Deutschen Buchpreis gewinnt, aber Martina Hefters "Hey guten Morgen, wie geht es Dir?" hat sich sofort in die Riege meiner liebsten Preisträger geschlichen. Es ist schon ein bisschen her, dass ich das Buch las, ich erinnere mich also nicht mehr an die Namen oder alle Details, aber genau das wird der Protagonistin auch bleiben von ihrer Internet-Interaktion mit einem jungen Mann aus einem armen Land und ihrem Erfolg, daraus dennoch ein bisschen Wahrhaftigkeit zu ziehen. Das Buch ist modern, humorvoll und gleichzeitig ehrlich aus der Suche danach, was Menschen ausmacht über die Schubladen hinaus, auf die man erstmal schaut. Hochgradig lesenswert.

  • Produktbild Klytämnestra
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Klytämnestra

    Es gibt so viele Neuerzählungen griechischer Mythen, die vor Allem darauf achten, alles richtig zu machen, so nah am Original zu bleiben, dass Experten das Werk nicht niedermachen können. Natürlich ist das ein legitimer Ansatz, aber normalerweise finde ich solche Bücher relativ blutarm. "Klytämmestra" gehört nicht zu dieser Sorte Roman. Ja, die grundlegenden Elemente ihrer Geschichte sind da, ihre Verbindungen zu Leda, Helena, Castor, Polydeuces, Agamemnon, Iphigenie, Orestes, Elektra und Aigisthos sind relevant für die Handlung, aber ich kann mich nicht erinnern, je an einer Freundschaft zwischen ihr und Odysseus vorbeigekommen zu sein, die einigen Handlungspunkten zusätzliche Tiefe verleiht. Auch ihre Schwester Timandra, kaum mehr als ein Name in der Mythologie, ist eine sehr wichtige Beziehung für Klytämnestra. Die neuen Charaktere des Romans erwähne ich nicht einmal, um ihre Bedeutung nicht zu verraten. Die Götter kommen hier nicht vor, was ich zunächst enttäuschend fand, aber es macht Sinn. Klytämmestra lebt in einer ziemlich sinnentleerten Welt, in der Liebe ein rares Gut ist und Loyalität nicht gerade häufiger. Überleben gehört zu den Hauptmotivationen der Figuren, und das hätte nicht die gleiche Durchschlagskraft, wenn allmächtige Gottheiten diese Welt bevölkerten. Unter allen Neuerzählungen, die ich bisher gelesen habe, ist Jennifer Saints "Hera" weiterhin meine liebste, aber "Klytämnestra" ist direkt dahinter.

  • Produktbild Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104

    Nach "Stay away from Gretchen" und "Was ich nie gesagt habe" ist "Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104" eine Art Neubeginn für Susanne Abel. Ja, es spielt im gleichen Universum, aber behandelt andere Figuren als die, die sie uns bisher nahegebracht hat. Funktioniert das ähnlich gut? Ja! Abel bleibt ihrem Stil zweier Zeitebenen treu, aber vielleicht ist ihr neuer Roman sogar niederschmetternder als ihre bisherigen Werke. Manchmal schrappt sie haarscharf dran vorbei, das Leid der Figuren auszuschlachten, aber sie hat dann doch auch genug positive Erlebnisse für die Figuren parat, um die Balance zu finden. Und Hartmut ist eine Figur, die mich einfach extrem berührt. Ja, es geht auch um Margret und um Emily, aber er ist es, dessen Schicksal mich teilweise zu Tränen rührte, besonders zum Ende hin. Da kann ich jedes Klischee verzeihen und auch die etwas reißerische Offenbarung kurz vorm Schluss, die sicherlich einen Folgeroman einleitet. Hartmut ist auf Gretchens Niveau.

    • Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
    • Susanne Abel
    • ab 19,99 €
  • Produktbild Gym
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Gym

    Was für ein Text! Der Klappentext ließ das Buch unterhaltsam klingen, und so ging es auch am, um dann aber tiefer und tiefer in den Abgrund einer Frau vorzudringen, deren psychischer Abstieg ziemlich plausibel bleibt. Was kann schon hinter der kleinen Lüge, ein Kind zu haben, stecken, fragt man sich anfangs, und schon nimmt uns Verena Kessler mit auf einen wahnwitzigen Ausflug in den Zusammenbruch. Witzig ist so einiges, wahnsinnig das meiste. "Gym" ist kein Buch für alle. Wer aber z.B. "Die Vegetarierin" mochte, ist hier genau richtig.

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