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Ingbert Edenhofer Buchhandlung: Thalia Mayersche Bottrop

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Meine letzte Rezension Anton und Alma von Dana Vowinckel
"Anton und Alma" ist das Portrait einer Beziehung und gleichzeitig die Auseinandersetzung mit jüdischen Identitäten. Zwei sehr unterschiedlich aufgewachsene Menschen finden zueinander, wenn auch auf sehr zerbrechliche Art. Das ist alles sehr interessant, aber doch eher auf intellektueller als auf emotionaler Ebene. Das liegt gar nicht so sehr an den Figuren - beide sind durchaus von ihren Gefühlen getrieben - aber über Strecken überwiegt die Erörterung von Themen gegenüber der Suche nach Empathie. Das Buch verdient sicherlich eine Leserschaft - ob dabei aber viele Herzen schlagen, finde ich schwer einzuschätzen.
ab 26,00 €
Produktbild Anton und Alma
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  • Ingbert Edenhofer
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3/5

Anton und Alma

"Anton und Alma" ist das Portrait einer Beziehung und gleichzeitig die Auseinandersetzung mit jüdischen Identitäten. Zwei sehr unterschiedlich aufgewachsene Menschen finden zueinander, wenn auch auf sehr zerbrechliche Art. Das ist alles sehr interessant, aber doch eher auf intellektueller als auf emotionaler Ebene. Das liegt gar nicht so sehr an den Figuren - beide sind durchaus von ihren Gefühlen getrieben - aber über Strecken überwiegt die Erörterung von Themen gegenüber der Suche nach Empathie. Das Buch verdient sicherlich eine Leserschaft - ob dabei aber viele Herzen schlagen, finde ich schwer einzuschätzen.

Meine Lieblingswerke

  • Produktbild Broder
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    5/5

    Broder

    Ähnlich wie Robert Seethaler hat Dörte Hansen ein beeindruckendes Händchen dafür, Empathie zu schaffen für Figuren, die sich zumeist nicht sehr polternd über ihre inneren Dramen auslassen. Im wirklichen Leben würde ich viele der Figuren vehement dazu auffordern, mal mit jemandem zu sprechen, Hansen macht es aber glaubwürdig, wieso sie es nicht tun. Zwar mochte ich "Zur See" schon noch etwas lieber - ein paar Informationen werden mir bei "Broder" zu oft wiederholt - aber schon der Buchtitel ist sehr schlau gewählt. Der Name des Protagonisten wird im Buch anders begründet, aber letztendlich ist Broder definiert darüber, Bruder zu sein, Anhängsel, nicht vor Allem seine eigene Person. Und das liest sich nicht nur in den Kapiteln, die aus seiner Perspektive geschrieben sind. Kurz vor Ende gibt es eine Entwicklung, die mich kalt erwischt hat und die gleichzeitig vollkommen plausibel ist - umso mehr, wenn man schon etwas von Hansen gelesen hat. Für Freund*innen leiser Literatur eine absolute Empfehlung!

  • Produktbild Wer möchte nicht im Leben bleiben
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    5/5

    Wer möchte nicht im Leben bleiben

    Es gibt so oft Bücher, die Preise gewinnen oder nominiert sind oder anderweitig hochgelobt sind, ohne dass sich mir die allgemeine Begeisterung erschließt - und dann gibt es "Wer möchte nicht im Leben bleiben" von Helene Bukowski. Ich bin relativ zuversichtlich, dass das der beste Roman ist, den ich dieses Jahr bisher gelesen habe - und wenn nichts Besseres mehr kommt in 2026, dann zeigt das nur, wie wunderbar dieses Buch ist. Es ist sehr modern - einmal durch eine Beschreibung von Depression, die gleichzeitig schonungslos und behutsam ist, andererseits aber auch durch den beeindruckenden Erzählansatz: Helene Bukowskis Erzähl-Ich erzählt vom Leben einer ostdeutschen Pianistin, die mir 24 Selbstmord begeht. Diese Biografie schreibt sie als Du-Erzählung an die Tote, und sie spricht immer wieder die Leerstellen an, die sie kreativ füllt. Das ist etwas, das in den meisten Biografien und allen biografischen Romanen passieren wird, aber es dermaßen in die Erzählung zu integrieren, habe ich noch nicht gelesen. Wenn irgendein anderer Roman auf der diesjährigen Longlist für den Deutschen Buchpreis da mithalten kann, haben wir ein wirklich hochwertiges literarisches Jahr!

  • Produktbild Tanzen lernen
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    5/5

    Tanzen lernen

    Seit fast einem halben Jahr sind mein Lebensgefährte und ich in der Tanzschule - ich hatte schon einen Kurs in der Schule, für ihn ist es komplett neu. Unser Tanzlehrer ist super, aber trotzdem haben wir in den 167 Stunden in der Woche, in der der Kurs nicht läuft, immer wieder Fragen. Da ist dieses Buch extrem hilfreich. Den historischen Abriss zur Entwicklung des Tanzens findet man vermutlich andernorts profunder, aber die Anleitungen der Tanzschritte gefallen mir sehr gut. Für unterschiedliche Lerntypen sind die Schritte beschrieben, auf Elemente wie Fußstellung, Drehung und Hebung heruntergebrochen, in Grafiken dargestellt und in Videos gezeigt. Das ist ein wirklich guter Service. Allerdings empfehle ich dringend die gedruckte Ausgabe. Ich hatte das Buch zunächst als eBook und hatte große Probleme mit Seitenumbrüchen. Dass QR-Codes zu den Videos führen sollen, merkte ich auch erst nach Wochen, da die Codes sehr klein dargestellt sind - zu klein, um funktional zu sein. Im gedruckten Buch ist es hingegen sehr übersichtlich. Im richtigen Format hat das Buch mindestens auf dem deutschsprachigen Markt definitiv Anrecht auf die Bezeichnung als Standardwerk.

  • Produktbild Die Namen
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    5/5

    Die Namen

    Spätestens "Die Mitternachtsbibliothek" hat sicherlich dazu beigetragen, dass Romane, in denen verschiedene mögliche Entwicklungswege eines Grundszenarios gezeigt werden, in den Focus gerückt sind. Ob "Die Namen" für mich Holly Gramazios "Ehemänner" entthront, kann ich noch nicht final sagen, aber es spielt für mich zumindest ganz oben mit bei den Romanen 2026. Die Ausgangssituation ist simpel: Heißt der Neugeborene fortan Gordon wie sein Vater, Julian, wie seine Mutter es wollen würde, oder Bear, die Wahl seiner 9-jährigen Schwester. Alle drei Geschichten werden erzählt, und natürlich ist es ein bisschen überspitzt, alles auf den Namen zurückzuführen, allerdings macht die hochgradig narzisstische Persönlichkeit des Vaters das glaubwürdiger. Ich habe mehrfach geweint bei diesem Buch und mich gleichzeitig in einige Figuren verliebt. Oben gab ich schon zwei Romane an, deren Leser*innen auch hier ein tolles Buch für sich finden, aber auch wer "Eine Frage der Chemie" oder "Stay away from Gretchen" genossen hat, hat hier die nächste starke Empfehlung!

  • Produktbild Only Margo
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Only Margo

    "Only Margo" ist spektakulär. Eine alleinerziehende Frau beschließt, sich über einen OnlyFans-Account zu finanzieren und wird dabei von ihrem bisher distanzieren Vater, einem Ex-Wrestler gecoacht, denn er weiß, wie man etwas aufregend aussehen lassen kann, ohne sich ernsthaft zu verletzen. Das klingt als Konstellation erstmal skurril, ist aber die Grundlage für eine der liebenswertesten Familiendynamiken, die ich in einem Buch las, und man findet einiges an Respekt für Berufsgruppen, die man eher belächeln würde. Das Buch ist viel weniger spicy, also man vermuten würde - die zentrale Körperflüssigkeit ist Herzblut! Wer Jojo Moyes mag, ist hier genau richtig.

  • Produktbild Finanzen ganz einfach
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Finanzen ganz einfach

    Natürlich lese ich immer mal Sachbücher, einfach um auch in diesen Genres vernünftig beraten zu können. Trotzdem habe ich normalerweise weit mehr Leidenschaft für Figuren und Geschichten. "Finanzen ganz einfach" ist eine beeindruckende Ausnahme. Ich mache mir keine dramatischen Sorgen um meinen Ruhestand - also über die allgemeinen Sorgen in Bezug auf die Entwicklung der Welt von Klima bis Rechtsrutsch, aber finanziell vermute ich, dass es mir vergleichsweise okay gehen wird. Aber das heißt natürlich nicht, dass das das Level sein muss, zu dem ich mich mit finanzieller Sicherheit auseinandersetzen sollte. Saidi Sulilatu trägt einige hochgradig spannende Informationen und Tipps zusammen, die sich zum Teil sehr leicht umsetzen lassen (der Wechsel des Bankkontos zu einem Kreditinstitut, das ab einem gewissen Monatseingangs keine Kontoführungskosten erhebt), zum Teil auch längere Planung erfordern (die Entscheidung, welcher ETF der passendste ist). Ich habe das Buch zunächst als Hörbuch gehört und dann zusätzlich als Buch gekauft, um es mit meinem Lebensgefährten zusammen durchzuarbeiten, es wird also länger einen direkten Einfluss auf mein Leben haben - und wenn ich in 25 Jahren längst im Ruhestand bin und mit einem Cocktail auf dem Balkon sitze, werde ich das Glas auf Sulilatu erheben!

  • Produktbild Pi mal Daumen
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Pi mal Daumen

    Ich hatte "Pi mal Daumen" immer mal bei uns in der Buchhandlung legen sehen, aber ich war nie motiviert, ausgerechnet zu diesem Buch zu greifen - offensichtlich hatte ich nie den Klappentext gelesen, sonst hätte mich vermutlich die Mathematik-Verbindung direkt angesprochen. Es geht hier um Oscar, einen siebzehnjährigen Mathematik-Studenten, dessen Neurodivergenz im Roman zwar nie mit einer Diagnose benannt wird, die aber sehr wahrnehmbar ist, und seine Kommilitonin Moni, eine 54-jährige Großmutter aus einem niedrigeren Milieu. Es geht viel um Familie - biologisch und gefunden -, aber natürlich auch um verschiedene Formen von Intelligenz. Dabei ist "Pi mal Daumen" aber kein Buch, das sich in den Problemen der Figuren verliert, sondern bleibt ein hochgradig unterhaltsamer Roman, der besonders Oscar teils in abstruse Situationen stürzt und doch viel Herz hat. Unter den Nebenfiguren stechen besonders Monis Enkel Justin und Quentin heraus, aber das gesamte Ensemble darf sich facettenreicher präsentieren, als die Figuren bei ihrer jeweiligen Einführung vermuten lassen. Wer "Was man von hier aus sehen kann" oder "Der Buchspazierer" mochte, wird sich hier seine Freude finden!

  • Produktbild Wie Hund und Katze
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Wie Hund und Katze

    "Wie Hund und Katze" ist meine erste Begegnung mit Colette, und ich bin hingerissen. Neun Dialoge zwischen Bulldogge Toby und Karthäuserkatze Kiki La Doucette zeichnen zwei tolle Portraits. Schon die Namen sprechen Bände hinsichtlich der Persönlichkeiten der beiden Tiere, und die Beziehungen der beiden zum menschlichen Paar in ihrem Leben verleiht dem Text weitere Nuancen. Man muss sich darauf einlassen, Dialoge wie in einem Theaterstück zu lesen, und ich finde es weiterhin bizarr, dass Kiki La Doucette offenbar ein Kater ist, aber ansonsten stellt das Buch wunderbaren Eskapiamus dar - meine liebste Episode ist "Das erste Feuer" mit seiner hypnotischen Besinnlichkeit.

  • Produktbild James
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    James

    Ich bin immer dabei, wenn es um Neuerzählungen bekannter Stoffe geht - ob nun "Wicked", Jennifer Saints Variationen auf die griechische Mythologie oder so viele andere Werke, die mit Märchen, Shakespeare oder Bibelgeschichten spielen. Hier nun Huckleberry Finn aus der Perspektive von Jim, dem Sklaven, der ihn begleitet - bzw. James, ein Name, der weniger infantilisiert. Percival Everett ist ein hochgradig intelligenter Autor, der der Rassendynamik des Originals noch so manche spannende Nuance verleiht. Unter den Weißen in der Vorlage ist Huckleberry schon sehr unproblematisch, aber Everett gestaltet es sehr griffig, dass James' Situation so viel komplexer und gefährlicher ist. Viel spielt Everett auch mit Sprache und lässt den Dialekt der Schwarzen zu einem gewählten Soziolekt werden, was ganz neue Dimensionen erschließt. Spannender - aber natürlich herausfordernder ist es also natürlich, das Buch im Original zu lesen - es lohnt sich aber auf jeden Fall!

  • Produktbild Hey guten Morgen, wie geht es dir?
    • Ingbert Edenhofer
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    5/5

    Hey guten Morgen, wie geht es dir?

    Love-Scamming ist nicht dass erste Thema, das mit eingefallen wäre für einen Roman, der den Deutschen Buchpreis gewinnt, aber Martina Hefters "Hey guten Morgen, wie geht es Dir?" hat sich sofort in die Riege meiner liebsten Preisträger geschlichen. Es ist schon ein bisschen her, dass ich das Buch las, ich erinnere mich also nicht mehr an die Namen oder alle Details, aber genau das wird der Protagonistin auch bleiben von ihrer Internet-Interaktion mit einem jungen Mann aus einem armen Land und ihrem Erfolg, daraus dennoch ein bisschen Wahrhaftigkeit zu ziehen. Das Buch ist modern, humorvoll und gleichzeitig ehrlich aus der Suche danach, was Menschen ausmacht über die Schubladen hinaus, auf die man erstmal schaut. Hochgradig lesenswert.

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