Was die Nacht nie vergisst
Nervenaufreibend, dramatisch, in weiten Teilen realistisch, ich glaube so eine Show hätte deutlich mehr Teilnehmer, aber der Rest... Ufff...
Ihr wolltet schon immer wissen wie Fake Reality-TV ist, wie Interviews gecuttet und die Show manipuliert wird...
Dann los hört oder lest diese Geschichte.
“Ich dachte, ich würde ein Monster erkennen, wenn ich es sehe. Doch alles, was ich sehe, sind Menschen, die ihre Rollen so perfekt spielen, dass ich nicht mehr weiß, was real ist und was nicht.”
"Nein heißt nur so lange nein, bis niemand hinsieht."
“Hilflos sehe ich meine beste Freundin an, lege die Arme um sie und versuche, das zusammenzuhalten, was ihr genommen wurde.”
“Die Bedeutung des Wortes ''Wahrheit'' wird mit jedem Tag an diesem Set mehr verwischt. Undeutlicher mit jedem Mal, mit dem die Kameras uns aufzeichnen. Unklarer mit jeder Frag, die wir beantworten sollen.”
“Ich habe schon oft mitbekommen, wie bei Datingshows Hände an Stellen gerutscht sind, an die sie nicht gehörten. Oder wie so lange auf jemanden eingeredet wurde, bis man sich dazu bereit erklärt hat, vor der Kamera Sex zu haben. Auch wenn man es eigentlich nicht wollte. Wer nicht für Unterhaltung sorgt, hat in der Reality-Branche keine Zukunft. Aber ist das wirklich der Preis, den wir dafür zahlen müssen? Wir Frauen? ... wie kann all das immer wieder passieren, vor den Augen von Millionen Zuschauern, und trotzdem tut niemand etwas dagegen?”
"Es gibt kaum etwas, das einen so in die Knie zwingt wie das Gefühl der Hilflosigkeit. Wenn man genau weiß, dass man Hilfe braucht, aber kaum noch die Kraft hat, darum zu bitten. Oder wenn man aus voller Kehle schreit - aber niemand hört es. Niemand hört es, obwohl wir Frauen so oft schreiben."
Wenn ich da allein an die Medien der letzten Monate denke... Thomas Gottschalk, der meinte er habe Frauen rein dienstlich angefasst. Oder Aleks Petrovic, der seine Partnerinnen bloßstellt und sich völlig im Recht sah als er stolz erzählte seine Verlobe nach der Verlobung zum Sex gedrängt zu haben. “Nach einer halben Stunde hatte die ein schlechtes Gewissen und kam dann zu mir und dann hatten wir Sex. Aber nur, weil sie ein schlechtes Gewissen hatte!”
Ich liebe auch sehr die Widmung:
"Für alle, denen nicht geglaubt wurde: Ich glaube dir. Dieses Buch ist für dich. Und es ist für mich. Keines meiner Worte wird etwas ändern, aber wir werden weiter dort hinsehen, dort laut sein, wo Männer versuchen, uns zum Schweigen zu bringen."
Und ein letztes Zitat dazu:
"Es wird immer wieder danach gefragt, warum man nichts sagt. Warum man es nicht öffentlich macht, was einem passiert ist. Warum man sie nicht zur Rechenschaft zieht. Doch die traurige Wahrheit ist, dass es gar nicht darum geht. Es geht nicht darum, dass wir nichts sagen. Es geht darum, wer versucht, uns zum schweigen zu bringen - und wer an unserer Seite steht, damit wir trotzdem gehört werden."
Seit der ersten Geschichte der Autorin und dem Nachwort darin, weiß ich leider, dass die Autorin weiß, worüber sie schreibt.
Es geht nicht nur um das, was am Set passiert. Es wird gezeigt, wie Fake Reality TV ist, es wird gezeigt wie mit Menschen gespielt wird, es behandelt Schicksalsschläge, die manche der Teilnehmer einstecken mussten. Es geht um Frauenpower und Feminismus.
Darum den Mund aufzumachen und zu handeln, auch wenn etwas in der Branche gängig ist.
Mein letztes Highlight für 2025, Buch steht auch schon zuhause im Regal. 4,9*
Ab hier Mini Spoiler aber nix konkretes.
Samu ist eine absolute Greenflag, fast alle anderen männlichen Personen in diesem Buch definitiv nicht. Ich habe nicht ganz verstanden, warum alle so lange gebraucht haben, rauszufinden, wer es ist vor allem, nachdem die die ganzen Beweise hatten, weil es irgendwie offensichtlich war, meiner Meinung nach. Viel spannender war zu raten, wer ihnen die ganze Zeit hilft, ich hatte jemanden in Verdacht, aber ich war bei weitem nicht wirklich sicher das war nur so ein ich könnte mir vorstellen und die Person war es tatsächlich auch. Aber war mehr Ausschlussprinzip als wirklich wissen.
Anfang des Jahres hat die Autorin schon ein Buch rausgebracht mit zumindest teilweise ähnlichen Thematiken, nur in einem ganz anderen Setting mit einem ganz anderen Hauptthema aber eben auch über eine junge Frau, die durch die Hand eines Mannes wirklich Schlimmes erlebt hat.
In keinem der beiden Bücher wird aktiv oder sehr ausführlich körperliche Taten beschrieben hier wird aber ein bisschen mehr darüber geredet, wenn auch nicht superausführlich weshalb ich hier die Emotionen einfach viel mehr greifen konnte. Man muss nicht immer eine ganze Szene zu diesen Gräueltaten schreiben, das braucht es wirklich nicht aber es komplett außen vorlassen ist auch irgendwie blöd. Hier die Geschichte ist nun einfach ein Ticken packender und noch ein Ticken besser.