Meine letzte RezensionDie Abendröte im Westenvon Cormac McCarthy
Amerikanischer Mythos, Höllenritt und transzendente Erfahrung. So oder so ähnlich könnte man "Blood Meridian" oder auch "Die Abendröte im Westen" beschreiben und der eigentlichen Wucht dieses Werkes dennoch kaum gerecht werden. McCarthy reiht sich allein mit diesem Roman neben Faulkner und Melville in die Riege größten amerikanischen Autoren ein.
Was einen von Zeile eins an völlig wegbläst ist der archaische, beinahe biblisch anmutende Schreibstil. Die Metapthern, Symbole und Ausdrücke, die McCarthy verwendet, lassen den wilden Westen wie eine blutige Märchenwelt wirken.
Dann sind da die Figuren. Ob es der Richter ist, Glanton oder der Junge - jede Figur steht für eine Ideologie, einen Lebensabschnitt oder ein Schicksal. Sie erforschen die Abgründe des Menschen und deren Grenzen, werden dabei erprobt, gemartert und gebrochen.
Letztendlich ist "Blood Meridian" hinter all der Gewalt und dem Mythos ein zynisches Werk voller düsterer Philosophie. Es fordert unser Bild von Gott und Mensch, Gut und Böse, Möglichkeit und Unmöglichkeit, Sinn und Unsinn heraus.
"Die Abendröte im Westen" ist ein Buch, das man beim ersten Lesen nicht aus der Hand legen und beim zweiten und dritten Lesen immer wieder von neuen Seiten kennenlernen wird.