Da Romance, Dark Romance oder klassische Fantasy normalerweise überhaupt nicht zu meinem Lese-Repertoire gehören, wusste ich erst mal gar nicht, was mich hier erwartet. Mein persönlicher Auslöser für dieses Buch war ein ganz anderer: Ich interessiere mich für die slawische Kultur, Geschichte und Mythologie. Da es auf dem deutschsprachigen Buchmarkt dazu aber leider kaum etwas gibt, halte ich nach jedem Buch Ausschau, das dieses Thema aufgreift. Die Ankündigung, slawische Sagen in Romanform aufzuarbeiten, hat deshalb sofort meine Neugier geweckt, sodass ich das Buch einfach mitnehmen musste. (Und ja – die Kolleginnen an der Kasse haben nicht schlecht gestaunt...)
Das Experiment hat sich gelohnt, denn zum einen hat mich die Atmosphäre von Anfang an abgeholt: Das abgelegene Dorf, die alten Bräuche, die düstere Folklore – das alles war richtig gut und stimmungsvoll eingefangen.
Auch die Charaktere selbst sind interessant gezeichnet, weil sie keine perfekten Abziehbilder sind. Sie haben beide ihre Ecken, Kanten und egoistischen Motive – man bekommt hier definitiv weder eine hilflose Prinzessin noch einen weichgespülten Märchenprinzen geliefert. Was mein eigentliches Hauptkaufargument angeht – die slawische Mythologie –, bin ich ebenfalls voll auf meine Kosten gekommen. Die Götter, ihre komplexen Beziehungen untereinander und die alten Sagen werden schön in die Handlung eingewoben, und einige Gottheiten haben sogar ihren großen Auftritt.
Trotz dieser Stärken gab es für mich ein paar deutliche Kritikpunkte. In der Mitte hatte das Buch leider massive Längen. Das ewige Hin und Her – er will sie, sie will ihn nicht (oder vielleicht doch?), er schickt das nächste "Bies" (Monster) ins Dorf, sie bekämpft es, und das Spiel beginnt von vorn – hat den Lesefluss ziemlich ausgebremst. Zum anderen fand ich die erotischen Stellen zwischendurch einfach deplatziert. Sie haben sich für meinen Geschmack zu unpassend in die eigentlich spannende Handlung gedrängt.
Der Cliffhanger verrät, dass der nächste Teil in Slawa spielen wird. Ich hoffe inständig, dass die Götter dort noch mehr Raum einnehmen und die Mythologie noch tiefer ergründet wird. Das bedeutet wohl: Ich werde trotz der Längen und des überflüssigen Spices auch den zweiten Band lesen!