Buchhändler/-innen im Portrait

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Timo Sieger Buchhandlung: Thalia Mayersche Köln – Neumarkt
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Meine letzte Rezension Box Hill von Adam Mars-Jones
This book feels like a pleasant punch to the gut. While that may sound confusing, it will make sense by the time you finish reading the book. The story that author Adam Mars-Jones unfolds here is one of a love of a more or less unique kind. Clearly, the book depicts a relationship dynamic that, at first glance, doesn’t align with societal norms for relationships (if such a thing even exists or should exist). Yet this dom-sub relationship, as the book makes clear in its brief runtime, is a relationship like any other. There is no sensationalism here in the sense of “Look how different they are.” No, this relationship that our protagonists enter into is simply presented as another possible form of relationship, entirely free of judgmental glances. Far more remarkable, however, is the way in which this book (and the fantastic film adaptation, for that matter) challenges our own habits of perceiving the world. After all, as a reader, one also assumes the role within a dom-sub relationship, completely surrendered to the authors’ will. And so, ultimately, it is happiness and affection—yes, love—that this story tells us about. A story for everyone who loved the film or would like to see it, and especially for those who want to have a good, good cry!
ab 18,29 €
Produktbild Box Hill
5/5
  • Timo Sieger
  • Buchhändler/-in

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5/5

Box Hill

This book feels like a pleasant punch to the gut. While that may sound confusing, it will make sense by the time you finish reading the book. The story that author Adam Mars-Jones unfolds here is one of a love of a more or less unique kind. Clearly, the book depicts a relationship dynamic that, at first glance, doesn’t align with societal norms for relationships (if such a thing even exists or should exist). Yet this dom-sub relationship, as the book makes clear in its brief runtime, is a relationship like any other. There is no sensationalism here in the sense of “Look how different they are.” No, this relationship that our protagonists enter into is simply presented as another possible form of relationship, entirely free of judgmental glances. Far more remarkable, however, is the way in which this book (and the fantastic film adaptation, for that matter) challenges our own habits of perceiving the world. After all, as a reader, one also assumes the role within a dom-sub relationship, completely surrendered to the authors’ will. And so, ultimately, it is happiness and affection—yes, love—that this story tells us about. A story for everyone who loved the film or would like to see it, and especially for those who want to have a good, good cry!

Meine Lieblingswerke

  • Produktbild Rot (Hunger)
    • Timo Sieger
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    5/5

    Rot (Hunger)

    Dieses Buch ist ein Kunstwerk! Senthuran Varatharajah erzählt im Grunde zwei Geschichten: die einer Trennung, die den Erzähler noch nach den Geschehnissen plagt, ihn nachts wachhält und in Melancholie ertrinken lässt, und die Geschichte des „Kannibalen von Rothenburg“, dessen Geschichte eine der düstersten und bekanntesten Kriminalgeschichten sein dürfte und hier mit echten Nachrichtenverläufen, doch in kunstvoller Form, nacherzählt und bereichert wird. Diese zwei besagten Geschichten verschmelzen, verbinden sich und thematisieren Liebe und Kannibalismus, die sonst doch eher kontradiktorisch erscheinen, miteinander und werden zu einer ganz großen Erzählung über Liebe, über Menschen, die wir begehren, gar verzehren wollen, die uns dennoch immer entfernt und unerreichbar bleiben, und all das in der wohl lyrischsten Form, die die Prosa zu bieten hat. Wenngleich diese Geschichte wohl nichts für den zart besonnenen Gaumen ist, sollte sich jeder auf die Sprache, auf die Schönheit, auf das wundersame Sprachspiel aus sanfter, wehmütiger Trauer und leidenschaftlicher, allumschlingender Liebe dieses makaberen Kunstwerks einlassen, welches uns zeigt, dass die hellsten Seiten der menschlichen Existenz nur einen Bissen von den dunkelsten Seiten der menschlichen Begierde entfernt sind; unsere Sprache der Liebe ist eine kannibalische Sprache, und Varatharajah zeigt dies in einer morbiden, vor lyrischer Qualität nur so trotzenden Sprache, welche man in der hier präsentierten Art und Weise kaum woanders finden wird. 

  • Produktbild Box Hill
    • Timo Sieger
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    5/5

    Box Hill

    Dieses Buch fühlt sich an wie ein angenehmer Schlag in die Magengrube. Was durchaus verwirrend klingen mag, wird spätestens beim Lesen des Buchs Sinn ergeben. Die Geschichte, die der Autor Adam Mars-Jones hier aufmacht, ist die einer Liebe der mehr oder weniger besonderen Art. Offensichtlich wird hier eine Beziehungsdynamik aufgezeigt, die auf den ersten Blick eben nicht mit den gesellschaftlichen Beziehungsnormen (wenn es sowas überhaupt gibt oder geben sollte) übereinstimmt. Dabei ist diese Dom-Sub-Beziehung, wie uns das Buch über seine kurze Lesedauer klarmacht, eine Beziehung wie jede andere auch. Hier wird keine Sensationshascherei im Sinne von "Guck mal, wie anders die doch sind" betrieben. Nein, diese Beziehung, die unsere Protagonist:innen hier eingehen wird schlichtweg als eine weitere mögliche Form von Beziehungen dargestellt, ganz frei von wertenden Blicken. Viel bemerkenswerter ist jedoch die Art und Weise, in der dieses Buch (und die fantastische Verfilmung im übrigen auch) unsere eigenen Weltwahrnehmungsgewohnheiten hinterfragt. Immerhin begibt man* als Rezipient:in auch in die Rolle einer Dom-Sub-Beziehung, ganz dem Willen der Autor:innen ergeben. Und somit ist es schlussendlich das Glück und die Zuneigung, ja, die Liebe, von der uns hier erzählt wird. Eine Geschichte für alle, die den Film geliebt haben oder noch sehen möchten, und besonders für diejenigen, die mal wieder richtig gut weinen möchten!

  • Produktbild >>I think of you constantly with love …<<
    • Timo Sieger
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    5/5

    >>I think of you constantly with love …<<

    Jene Worte entstammen Wittgensteins vorletztem Brief, welchen er knappe zwei Wochen vor seinem Tod an seinen Geliebten Ben Richards schickte; sie zeugen von der innigen Leidenschaft, die diese, nichtsdestoweniger auch von Tragik durchzogene, Liebesgeschichte durchzieht. Die gesamte Korrespondenz der beiden stellt Wittgenstein, der sonst eher als Zyniker, mit Hang zur Melancholie, bekannt ist, in ein ganz anderes, geradezu menschliches Licht. Man lernt einen zerbrechlichen, angreifbaren Wittgenstein kennen, der immerzu geplagt ist von Selbstzweifeln, von Angst, aber auch hofft, und, man darf es wohl so interpretieren, vor allem verliebt ist, der es kaum erwarten kann, Richards wiederzusehen, ihm Briefe zu schreiben, denen oft Musikempfehlungen, getrocknete Blumen und andere Geschenke beiliegen, eben jenem Richards, der der Grund dafür ist, dass Wittgenstein auf seinem Sterbebett von einem "erfüllten Leben" spricht, zum Unverständnis der Anwesenden. Ein zutiefst ergreifendes Buch, das sich nicht nur für "Wittgensteinfans" (so viele wird es da wohl auch kaum noch geben) eignet, sondern auch für all diejenigen, die einfach nur Zeuge einer der berührendsten Liebesgeschichten des 20. Jahrhunderts werden möchten!

    • >>I think of you constantly with love …<<
    • Ludwig Wittgenstein
    • ab 24,90 €
  • Produktbild Meine Mutter lacht
    • Timo Sieger
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    5/5

    Meine Mutter lacht

    Chantal Akerman, Filmemacherin, Künstlerin und Autorin, legt hier ein Buch des Schweigens vor. Eine Geschichte, eine verschwommene und doch sehr klare Erinnerung an Zeiten, in denen geschwiegen wurde, obwohl so viel hätte gesagt werden können, gesagt werden sollen. Eine melancholische Skizze von Beziehungen, die von Missverständnissen und Misskommunikation geprägt waren. Eine Mutter, die nicht reden wollte, oder auch nicht reden konnte, und eine Tochter, die nicht fragen wollte, oder eben auch nicht fragen konnte. Akerman, selbst dem düsteren Verlangen des Todes ergeben, wirkt, als sei dies ein Abschied. Ein Abschied nicht nur von ihrer Mutter, sondern auch von ihrem Leben, ihrem Wirken, ihrem ganzen Sein. Und tatsächlich sollte dieses Buch eines ihrer letzten Werke sein. Man* darf Zeuge werden dieses inneren Monologs, der sich wie ein einziger Bewusstseinsstrom liest und voller zu Tränen rührender Momente ist. Gerade deswegen ist dieses Buch mit ruhigem Gemüt zu lesen. Die Tränen verlassen das Auge dann ganz von allein. Schwer und doch leichtfüßig, manchmal voller Komik, fast wie einer ihrer Filme, ist dieses Buch etwas ganz Besonderes und sehr dringend zu empfehlen. Ich weiß nicht für wen; das Buch wird zu denen kommen, die es brauchen.

  • Produktbild Der Vulkan
    • Timo Sieger
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    5/5

    Der Vulkan

    Klaus Mann schuf mit seinem Vulkan nicht nur sein persönliches Opus Magnum, sondern auch das der gesamten Exilliteratur! Mann malt hier ein Porträt einer gesamten Generation, einer Generation von Geflüchteten, Verfolgten, Moribunden, und somit vor allem eines von Menschen oder von der Menschlichkeit. Seine Figuren, die immerzu auf des Messers Schneide stehen, durchleben innerhalb ihres großen Exilschicksals einzelne, nahezu immer tragische Schicksale, durchgehend überschattet von großen existenziellen Fragen, von den Fragen nach Humanität, Religion, aber auch Sicherheit und vor allem Heimat. Die Fremde, das Fremdfühlen, das erschwerte Eingliedern in eine neue Stadt mit neuen Menschen, neuen Eindrücken, neuen Sprachen und was es mit einem Menschen macht, dem dieses Eingliedern misslingt, wird in diesem Roman so eindringlich, so empathisch geschildert, dass man sich wenigstens ein Stück weit in jene hineinversetzen kann, die dieses grausige Schicksal ereilte. Am Abgrund des Vulkans, der kurz vor dem Ausbruch steht, stehen Menschen, die zwischen Heimweh und Angst, zwischen Rausch und Ekstase, zwischen Liebe und Hoffnung leben, Menschen, die fliehen, doch nie ankommen. Ein Schicksal, das der Autor selbst nur zu gut kennt und auch am eigenen Leibe erfahren musste. Das in der Überschrift genannte Zitat dürfte wohl am ehesten das beschreiben, was dieses Buch zusammenfasst oder aufzeigt, denn über all der Menschlichkeit, den doch auch schönen Geschichten, der kleinen Dinge, die das große Ganze erleichtern dürften, stehen Schmerzen, die in Qualen enden, Kriege, die Kriege bleiben, Heimatlose, die heimatlos bleiben, Menschen, die entmenschlicht werden. Ein Werk, das weh tut, das bedrückt, das den Rezipienten nachdenklich und tränenselig zurücklässt, aber auch genau das tun muss, vielleicht genau das tun will, damit diese düstere Zeit nicht in Vergessenheit gerät, sich aber auch nicht wiederholt.

  • Produktbild Pflaumenregen
    • Timo Sieger
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    4/5

    Pflaumenregen

    Ganz sanft und zart, fast schon ein wenig wehmütig erzählt Stephan Thome hier die faszinierende Geschichte Taiwans; der kleinen Insel vor der Küste des großen Nachbarn Chinas, die auch heute noch eine enorme politische Relevanz hat. Thome spannt ein historisches Panorama, ausgehend vom Taiwan der 1940er Jahre und erzählt dabei die Geschichte einer Familie, also die der Menschlichkeit, des Verlusts, dem Gefühl sich in seiner eigenen Heimat nicht heimisch zu fühlen, und all das in einer so wortgewandten, zarten Sprache, die einen sentimental zurücklässt, wenn man sich wieder von den liebgewonnenen Figuren verabschieden muss. Jene Familiengeschichte wird jedoch selbstverständlich von politischen Ereignissen überschattet, der Kolonialisierung Japans, der späterer Einmarsch der KMT; Thome zeigt auf, was all diese Erschütterungen mit den Menschen machen und erschafft dabei eine fast schon vertraute Verbindung zwischen Rezipient und Figur. Darüber hinaus ist "Pflaumenregen" bei weitem nicht nur Familiengeschichte, sondern sogar viel mehr als das. Durch die historischen Aspekte lernt man Taiwan und seine Bewohner, mit ihrem Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit kennen, versteht die Hintergründe dieser und möchte noch tiefer in die Geschichte der Insel und des Buches eintauchen. Wenngleich auch manchmal etwas plätschernd, ist Thomes "Pflaumenregen" ein überaus lesenswertes Buch, das voller Zärtlichkeit und Empathie ist, mit einem sanften Hauch einer lieblichen, gerade zu Tränen rührenden Familiengeschichte, die von einschneidenden Erlebnissen geprägt ist, denen trotz allem die Familie als solche zu widerstehen versucht.

  • Produktbild Jeder für sich und Gott gegen alle
    • Timo Sieger
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    5/5

    Jeder für sich und Gott gegen alle

    Was für eine eindrucksvolle Autobiographie! Einer der größten deutschen Regisseure erzählt hier von seinem Leben. Ein Leben, wie es uns sonst nur in Filmen begegnet, geprägt von Extremen, von schier unerreichbaren Projekten, ein Leben wie ein Drahtseilakt, mit einer Prise Genie! Herzog erzählt in so wunderbar wunderlich einfacher Sprache, jedes Wort ist genau gewählt, von der Kindheit, vom Leben und Arbeiten mit Klaus Kinski, von Abenteuern, die einen gar fernsüchtig werden lassen, von all den Malen, an denen er Grenzen überschreiten musste für die Leidenschaft, und all das mit genau dem richtigen Maß an Humor und Augenzwinkern. Ebendiese Art und Weise des Erzählens macht dieses Buch zu etwas ganz Besonderem, einem Schatz unter den Autobiographien. Selbst diejenigen, die doch mit Werner Herzog nichts zu tun haben, ja auch keinen Film gesehen haben, ist dieses Buch, dieses Leben eines Grenzgängers, eines Virtuosen und eines Menschen etwas ganz Besonderes; Herzog zeigt sich menschlich, weder abgehoben noch arrogant, mehr noch: Dieses Buch fühlt sich an, als erzählte Großvater von seinen Abenteuern! Ein unfassbar schönes Buch, das sich wie eine warme, aber total dichte, informative Decke anfühlte, und das ziemlich sicher zu meinem neuen Komfortbuch an schweren Tagen geworden ist.

  • Produktbild Madame Bovary
    • Timo Sieger
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    5/5

    Madame Bovary

    Mit einer lieblichen und poesiereichen Sprache entführt uns Gustave Flaubert in die Welt der jungen Emma Bovary, die wohlgemerkt keine wünschenswerte ist. Umso beeindruckender ist es dafür von dieser Welt zu lesen; von dieser Welt einer jungen Frau deren Heirat mit dem Landarzt Charles Bovary sie geradezu langweilt, von diesem Leben, das sie langweilt, von dieser Liebe, die sie langweilt. Um dieser Langeweile zu entfliehen, stürzt sich Emma in ein immer tiefer gehendes, immer wirrer werdendes Konstrukt aus Lügen, aus Liebschaften zu anderen Männern, von denen sie sich erhofft leidenschaftlich geliebt zu werden, in eine Kaufsucht, um dieses ach so öde Leben endlich zu bereichern. Doch die erhoffte Leidenschaft bleibt aus, das erhoffte Prestige bleibt aus, all ihre Träume zerbarsten, ist das Konstrukt der Lügen doch zu wirr und die Wasser der Lügen doch zu tief, und all die Sehnsucht nach einem anderen Leben treibt die junge Bovary über ihre eigenen Grenzen hinaus bis zu ihrem Ende, das schmerzhafter und tragischer nicht sein könnte. Flaubert schuf hier einen von Modernität nur so strotzenden Skandalroman, der bis heute nichts an seiner Spannung, an seiner Offenheit und vor allem nichts an seiner Leidenschaft einbüßen musste. Die Sprache ist so schön, so wundersam, so eindringlich, dass man* der jungen Emma ganz ähnlich tiefer und tiefer nicht in ein Konstrukt aus Lügen, aber in die Handlung hineingesogen wird und es nicht schafft, dem Sog dieses Buches zu entfliehen – was wohl auch nichts allzu Schlechtes sein dürfte. Ein Meisterwerk der realistischen Literatur, bei der die wunderschöne, liebliche Sprache ganz im Kontrast zum aufwühlenden Inhalt steht, und das immer und immer und immer wieder gelesen werden sollte!

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