Drews schreibt nicht einfach über einen Garten — sie lässt ihn atmen. Hazelthorn ist weniger Roman als vielmehr eine Erfahrung: dicht, klaustrophobisch, sinnlich verstörend. Jede Seite riecht nach feuchter Erde und verwelkten Blüten, jeder Satz windet sich wie Efeu um dein Herz.
Die wahre Magie liegt nicht in der Handlung, sondern in dem, was zwischen den Zeilen wächst. Der Garten wird zur Metapher für das Unbewusste: wild, ungezähmt, hungrig nach Wahrheit. Evander und Laurie sind das emotionale Herzstück des Romans. Ihre Beziehung ist komplex und gefährlich: Anziehung und Misstrauen durchdringen jeden Dialog. Drews entwickelt beide Charaktere nicht linear, sondern in Schichten, wie das Aufdecken von Geheimnissen. Evander, jahrelang isoliert und manipuliert, ist emotional verwundbar und leicht zu beeinflussen. Laurie hingegen ist Charme und Lüge in einer Person. Diese gegenseitige Abhängigkeit und das Spiel zwischen Vertrauen und Verrat treiben die Geschichte voran. Während Evander und Laurie durch dieses grüne Labyrinth navigieren, navigieren sie gleichzeitig durch ihre eigenen psychologischen Abgründe. Ihre Anziehung ist elektrisch und gefährlich, durchdrungen von Zweifeln, die wie Dornen stechen.
Drews verwebt Horror mit Intimität. Es geht nicht um äußere Bedrohungen, sondern um das Verstörenste überhaupt: die Unmöglichkeit, dem anderen zu trauen, während man sich ihm völlig ausliefert. Der Roman atmet Melancholie und Sehnsucht — eine queere Liebe, die inmitten von Verfall und Geheimnis erblüht.