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Yvonne Wonnerth Buchhandlung: Thalia Mayersche Sankt Augustin – huma
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Meine letzte Rezension Eine Hymne an das Leben von Gisèle Pelicot
Es gibt Bücher, deren literarischer Wert weit über die bloße Aneinanderreihung von Worten hinausgeht, sie sind historische Dokumente, Manifeste des Widerstands und Zeugnisse unvorstellbarer menschlicher Resilienz. „Eine Hymne an das Leben“ ist genau ein solches Werk. ​Wer hier jedoch eine reine, deprimierende Chronik des Grauens erwartet, wird vom Titel und dem Inhalt gleichermaßen überrascht. Pelicot wählt bewusst den Ansatz einer „Hymne“. Das Buch ist eine tiefgründige, oft erstaunlich ruhige und beharrliche Reflexion. Sie führt das Publikum durch fünf Jahrzehnte eines vermeintlich normalen Familienlebens, blickt auf ihre Kindheit, ihre Karriere und das Muttersein zurück, um das Unfassbare zu konfrontieren: die Spaltung zwischen der friedlichen Realität, die sie am Tag lebte, und dem absoluten Grauen, dem sie nachts ahnungslos ausgesetzt war. ​Besonders eindringlich beschreibt sie den Moment im Jahr 2020 auf der Polizeistation, in dem ihr bisheriges Leben abrupt endete, und die schmerzhafte Reise, das Wort „Vergewaltigung“ überhaupt für sich selbst anzunehmen. Ihre Sprache bleibt dabei entwaffnend ehrlich, präzise und frei von melodramatischem Pathos. Sie fordert unmissverständlich ein, was sie auch vor Gericht demonstrierte: Dass Opfer sexueller Gewalt keine Schuld tragen und die Scham endlich und endgültig die Seite wechseln muss, hin zu den Tätern. ​Was dieses Buch letztlich so außergewöhnlich macht, ist Pelicots unerschütterlicher Wille zur Lebensfreude. Trotz des ultimativen Verrats durch ihren langjährigen Partner weigert sie sich, sich als reines Opfer definieren zu lassen. Sie schreibt über die heilende Kraft der Natur, die Liebe zu ihren Enkelkindern und sogar über den Mut, sich wieder auf eine neue Partnerschaft einzulassen. „Eine Hymne an das Leben“ ist ein zutiefst bewegendes, würdevolles und aufrüttelndes Buch, das nicht nur ein Schlaglicht auf die Abgründe patriarchaler Gewalt wirft, sondern vor allem zeigt, wie eine Frau sich ihre eigene Stimme und ihre Würde zurückholt. Ein absolut notwendiges, meisterhaftes Werk, das man gelesen haben muss.
ab 25,00 €
Produktbild Eine Hymne an das Leben
5/5
  • Yvonne Wonnerth
  • Buchhändler/-in

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5/5

Eine Hymne an das Leben

Es gibt Bücher, deren literarischer Wert weit über die bloße Aneinanderreihung von Worten hinausgeht, sie sind historische Dokumente, Manifeste des Widerstands und Zeugnisse unvorstellbarer menschlicher Resilienz. „Eine Hymne an das Leben“ ist genau ein solches Werk. ​Wer hier jedoch eine reine, deprimierende Chronik des Grauens erwartet, wird vom Titel und dem Inhalt gleichermaßen überrascht. Pelicot wählt bewusst den Ansatz einer „Hymne“. Das Buch ist eine tiefgründige, oft erstaunlich ruhige und beharrliche Reflexion. Sie führt das Publikum durch fünf Jahrzehnte eines vermeintlich normalen Familienlebens, blickt auf ihre Kindheit, ihre Karriere und das Muttersein zurück, um das Unfassbare zu konfrontieren: die Spaltung zwischen der friedlichen Realität, die sie am Tag lebte, und dem absoluten Grauen, dem sie nachts ahnungslos ausgesetzt war. ​Besonders eindringlich beschreibt sie den Moment im Jahr 2020 auf der Polizeistation, in dem ihr bisheriges Leben abrupt endete, und die schmerzhafte Reise, das Wort „Vergewaltigung“ überhaupt für sich selbst anzunehmen. Ihre Sprache bleibt dabei entwaffnend ehrlich, präzise und frei von melodramatischem Pathos. Sie fordert unmissverständlich ein, was sie auch vor Gericht demonstrierte: Dass Opfer sexueller Gewalt keine Schuld tragen und die Scham endlich und endgültig die Seite wechseln muss, hin zu den Tätern. ​Was dieses Buch letztlich so außergewöhnlich macht, ist Pelicots unerschütterlicher Wille zur Lebensfreude. Trotz des ultimativen Verrats durch ihren langjährigen Partner weigert sie sich, sich als reines Opfer definieren zu lassen. Sie schreibt über die heilende Kraft der Natur, die Liebe zu ihren Enkelkindern und sogar über den Mut, sich wieder auf eine neue Partnerschaft einzulassen. „Eine Hymne an das Leben“ ist ein zutiefst bewegendes, würdevolles und aufrüttelndes Buch, das nicht nur ein Schlaglicht auf die Abgründe patriarchaler Gewalt wirft, sondern vor allem zeigt, wie eine Frau sich ihre eigene Stimme und ihre Würde zurückholt. Ein absolut notwendiges, meisterhaftes Werk, das man gelesen haben muss.

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