Man schreibt das Jahr 1591, Istanbul ist vom Schnee bedeckt. Ein Toter spricht zu uns aus der Tiefe eines Brunnens. Er kennt seinen Mörder, und er kennt auch die Ursache für den Mord: ein Komplott gegen das gesamte Osmanische Reich, seine Religion, seine Kultur, seine Tradition. Darin verwickelt sind die Miniaturenmaler, die beauftragt sind, für den Sultan zehn Buchblätter zu malen, ein Liebender und der Mörder, der den Leser bis zum Schluß zum Narren hält. Ein spannender Roman, der, als historischer Krimi verkleidet, immer wieder auch auf die gegenwärtige Spannung zwischen Orient und Okzident verweist.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Orient trifft Okzident und zerfleischt sich deshalb selbst. Könnte man beinahe als aktuelle politische Parabel lesen. Bei Pamuk sind es osmanische Illustratoren, die mit den Einflüssen der fränkischen Porträtmalerei ringen. Deren Widerspruch zum Islam führt zu Mord und Totschlag unter Muslimen. Erzählt aus unzähligen Perspektiven, von Lebenden und Toten, Menschen, Tieren und Fantasien.
Serena
3/5
01.06.2022
eBook (ePUB)
Nicht als erwartet
Als ich dieses Buch gekauft hatte, hatte ich ganz andere Erwartungen. Ich dachte das war ein Krimi aber, obwohl einen Mann tot gefunden wird, bleiben die Ermittlungen im Hintergrund und das ganze Buch dreht sich um die Malerei.
Es ist sehr interessant, etwas über die Malerei in Instanbul im Mittelalter zu erfahren, aber die Geschichte ist so oft von Beschreibungen unterbrochen worden, dass das Lesen schwer war.
Außerdem ändert sich der Erzähler in jedem Kapitel und das ist am Anfang ein wenig störend.
Ich mochte auch die Figuren nicht und fande sie ab und zu eigentlich ärgerlich.
Bories vom Berg
aus München
2/5
23.12.2015
Buch (Taschenbuch)
Gipfel literarischer Ambivalen…
Gipfel literarischer Ambivalenz Der Nobelpreisträger Orhan Pamuk nutzt seine Reputation als hochgeachteter Schriftsteller gern zu politischer Einflussnahme. Er ist als Mahner unbequem in seiner vom Selbstverständnis her zwischen Orient und Okzident zerrissenen, türkischen Heimat, in der man ihn als besonnenen Vermittler denn auch heftig anfeindet. Von diesen spezifisch nationalen Identitätsproblemen handelt auch sein Roman «Rot ist mein Name», der die Konflikte historisch am Buchmalerstreit Ende des 16ten Jahrhunderts spiegelt. Die zunächst nur auf prachtvoller Kalligrafie und üppiger Ornamentik beruhende orientalische Buchkunst wurde damals zunehmend ergänzt durch eine figurale Malerei, die im Widerspruch stand zum streng orthodoxen Islam. Einige Maler jener kunstvollen Miniaturen in den wertvollen Büchersammlungen der osmanischen Herrscher sind Protagonisten des vorliegenden Romans. Die zeitlich neun Tage im schneereichen Winter des Jahres 1591 umfassende, in 59 Kapiteln multiperspektivisch erzählte Geschichte beginnt furios: «Ein Toter bin ich nun, eine Leiche auf dem Grund eines Brunnens.» Fein Efendi, ein Ornamentierer und Vergolder aus einer Malertruppe in Istanbul, die im Auftrag des Padischahs an einem geheimen Buch arbeitet, wurde erschlagen und in einen Brunnen geworfen, er spricht nun aus dem Zwischenreich, jener Zeit zwischen Tod und Jüngstem Gericht, direkt zum Leser und fordert ihn auf, seinen Mörder zu finden. Im nächsten Kapitel «Mein Name ist Kara» berichtet der Meister-Illustrator von seiner Ankunft in Istanbul nach zwölfjährigem Aufenthalt in fernen Ländern. Sein Oheim, der ihm damals die Hand seiner Tochter Şeküre verweigert hatte, braucht ihn zur Fertigstellung des geheimen Buches. Außer dem Oheim, Kara und Şeküre kommt ein Hund zu Wort, ein Baum, der Altmeister Osman, die Straßenhändlerin Esther, der Mörder, die drei Maler aus der Werkstatt des Oheims Schmetterling, Storch und Olive, eine Münze, der Tod, die Farbe Rot natürlich, die dem Roman seinen Titel gab, Satan, eine Frau und zwei Gottesnarren. Die Liebe zwischen Kara und Şeküre bildet den einen, die Suche nach dem Mörder, der später auch den Oheim umbringt, den zweiten Handlungsstrang in dem chronologisch erzählten Plot. Im letzten Kapitel, ganz am Ende, überrascht uns Şeküre: «Weil es unmöglich sein wird, diese Geschichte zu malen, habe ich sie meinem Sohn Orhan erzählt, damit er sie vielleicht aufschreibt.» Sic! Neben der kurz skizzierten eigentlichen Handlung nehmen endlos scheinende Gespräche der Buchmaler den weitaus breitesten Raum ein, historische Einschübe und ausufernd detaillierte Erörterungen der orientalischen Maltechniken, bis zum letzten Pinselstrich sozusagen. Die aus Venedig stammende Neuerung perspektivischer Malerei und die «fränkischen» Art der realistischen, nicht idealisierten Darstellung, zu der zum Beispiel auch das Hinzufügen von Schatten gehört, die das vorher flächige Bild erstmals plastisch wirken lässt, erregt die Gemüter ebenso wie ganz neuartige Bildmotive. Diese im Islam als Revolution, ja als Ketzerei empfundene neue Malweise ist denn auch der Anlass für die beiden Morde. Wem, fragte ich mich am Ende bestürzt, könnte man diesen Roman zur Lektüre empfehlen? Nur hartgesottenen Lesern, die auch noch unendliche Geduld mitbringen! Geduld mit einer verschnörkelten, überbordend arabesken Erzählweise, mit in epischer Breite abgehandelten, kulturhistorischen Details, mit einer auch für Orientalisten wohl kaum verifizierbaren, inflationären Schar von Herrschern, Kriegern, Malern, deren eigentlich völlig irrelevante Namen die Verwirrung des Lesers vollends auf die Spitze treiben. Zudem stehen dem beim Lesen zuweilen wohltuenden Humor schockartig brutalste Grausamkeiten gegenüber, viel abstoßender noch wirkt die omnipräsente, häufig thematisierte Päderastie. Ich habe selten einen so ambivalenten Roman gelesen - und mich auch noch nie so schwer getan, ihn für mich stimmig zu bewerten!
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4/5
11.03.2026
Buch (Taschenbuch)
Verwirrend, spannend und einfach faszinierend.
Verwirrend ist das Buch im doppelten Sinne. Das Buch spielt in der Welt der Buchmaler und Vergolder im Osmanischen Reich Ende des 16. Jahrhunderts und auch ein Konflikt im Islam zu dieser Zeit spielt eine Rolle, für mich als Laien in beiden Themen einerseits verwirrend und andererseits eine faszinierende Einsicht. Außerdem ist das Buch in kapitelweise wechselnden Perspektiven geschrieben, aus den Perspektiven fast aller Charaktere, manchmal aus der Sicht eines Kunstwerks oder einer Münze oder eines Baumes der über religiöse Bedeutung philosophiert. Auch das ist verwirrend, aber unglaublich gut gescheieben. Auch aus Sicht des nicht bekannten Mörders wird erzählt. Der Krimi-Anteil des Buches bleibt sehr lange spannend und auch die restliche Story ist einfach spannend und gut, ein Buch, das man konzentriert und wach lesen muss, das zu faszinierenden Gedanken anregt und was gut unterhält. Insgesamt eine absolute Leseempfehlung für alle Interessierten, aber auch echt ein Stück Arbeit und nichts für den nächsten entspannten Urlaubsread :)
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