»Profit Over People« – so bezeichnet Noam Chomsky den Neoliberalismus, der den Profit über alles Menschliche stellt. Scharfsichtig kritisiert er die Logik des freien Marktes und plädiert für demokratischere Alternativen. »War Against People« ist eine Abrechnung mit den westlichen Staaten – denn sie sind die wahren Schurkenstaaten und nicht die Diktaturen der sogenannten Entwicklungsländer. Die Machtpolitik der USA missachtet die Menschenrechte und missbraucht diese zur Legitimation ihrer Gewaltanwendung.
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"Profit Over People - War Against People" - brillant logische Analyse unserer ungerechten Weltordnung
Bewertung am 14.05.2015
Bewertungsnummer: 878522
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Noam Chomsky gibt in diesem Buch eine wichtige Gegenstimme in Mitten von einer US-Propaganda geprägten Medienlandschaft, gegen die Ungerechtigkeiten des vorherrschenden Wirtschaftssystems, gegen die Gewaltanwendungen (Kriege und Unterstützungen von Diktatoren durch westliche Regierungen und Grosskonzerne) und entlarvt sie so als die »wahren« Schurkenstaaten in dieser Welt. 2005 wurde Chomsky im Magazin Prospect vor Umberto Eco(2.) und Richard Dawkins(3.) zum wichtigsten Intellektuellen weltweit gewählt. Im ersten Teil geht es um das globale Wirtschaftssystem, welches mit allen Mitteln in der Welt verbreitet wird, auf Kosten der Demokratie, auf Kosten der Gerechtigkeit, auf Kosten der Armen, auf Kosten des Friedens.
»Der neoliberale Konsens von Washington bezieht sich auf eine Reihe von Marktprinzipien, die die US-amerikanische Regierung mit den von ihr weitgehend beherrschten internationalen Finanzinstitutionen entworfen und durchgesetzt hat was für die ärmere Gesellschaften oftmals einschneidende strukturelle Anpassungsprogramme zur Folge hat. Die Grundsätze dieser neoliberalen Ordnung lauten: Liberalisierung von Handel und Finanzen, Preisregulierung über den Markt, Beendigung der Inflation, Privatisierung. Die Regierung sollte den Weg frei machen- und folglich auch die Bevölkerung, insofern die Regierung demokratisch ist, wobei dieser Schluss nur implizit gezogen wird. Naturgemäss sind die Entscheidungen derjenigen, die den Konsens durchsetzen, von grösstem Einfluss auf die globale Weltordnung.«
(S.21&22)
Regeln und soziale Gesetze sollten abgeschafft werden, der Markt würde sich selbst am besten Regulieren und so die besten Voraussetzungen für alle schaffen, verspricht die Ideologie des Neoliberalismus. Dies ist eine bewusste Täuschung, denn in hunderten von Beispielen kann man belegen, dass dies nicht stimmt und nur den Profit einiger Weniger immer mehr steigert und die Machteinflüsse der westlichen Welt festigt.
»Die hauptsächlichen Architekten des neoliberalen Konsenses von Washington sind die Herren und Meister der Privatwirtschaft, in der Hauptsache riesige Konzerne, die weite Bereiche der internationalen Wirtschaft kontrollieren und über Mittel zur Beherrschung der politischen Willensbildung wie zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung verfügen. Aus ersichtlichen Gründen spielen die Vereinigten Staaten in diesem System eine Sonderrolle.
(S.23)
Und wie geht es, dass man dieses System weltweit verbreiten kann, das ganz offensichtlich nicht im Interesse der grossen Massen sein kann, da daraus Armut, giftige Lebensmittel, zerstörte Urwälder, verpestete Luft, und viele weitere menschliche wie umwelttechnische Katastrophen entstehen und man sich im Westen trotzdem als »die Guten« wahrnimmt?
»Vor 250 Jahren hat sich David Hume in einem Essay mit diesen Fragen auseinandergesetzt. Hume war erstaunt darüber, mit welcher Leichtigkeit sich die vielen von den wenigen regieren lassen und sich unterwerfen, indem sie ihr Schicksal in die Hände ihrer Herrscher legen, obwohl doch die Macht immer auf Seiten der Regierten liege. Würden die Beherrschten das erkennen, würden sie sich erheben und ihre Herren stürzen. Er schloss daraus, dass Regierungsherrschaft auf Meinung beruht; ein Grundsatz, der für die despotischsten und militärischsten Regierungen ebenso gelten wie für die freiesten und republikanischsten. Sicherlich unterschätzt Hume die Wirksamkeit brutaler Gewalt. Zutreffender dürfte sein, dass eine Regierung um so stärker auf Meinungskontrolle zur Sicherung ihrer Herrschaft bedacht sein muss, je freier und republikanischer sie ist.«
(S.55)
Chomsky geht in der Folge auf die »Meinungsbildung« in Demokratien ein. Er zitiert mehrere PR-Spezialisten, die alle der gleichen Meinung sind: »die Masse muss beherrscht & gelenkt werden« und so wählen die Menschen Politiker und treffen Entscheidungen, die eigentlich gegen ihr eigenes Interesse gerichtet sind.
Im zweiten Teil geht Chomsky auf »War against People« ein. Er schreibt über die »wahren Schurken« (und meint damit nicht die Diktaturen in der Welt). Er bringt viele Beispiele, in denen die US-Regierung mit Diktatoren zusammengearbeitet hat, um die eigenen Wirtschaftsinteressen zu festigen, wie linke Regierungen durch faschistische oder religiös-fundamentalistische Gruppen weggeputscht wurden, usw.
»Die kubanische Bedrohung wurde von Arthur Schlesinger verdeutlicht, der in einem Bericht der Lateinamerika-Mission an den zukünftigen Präsidenten Kennedy zu folgenden Aussagen gelangte: Es sei die Verbreitung von Castros Idee, die Sache in die eigenen Hände zu nehmen, wodurch die Armen und Unterprivilegierten in anderen Ländern ermutigt würden, wie Schlesinger später formulierte, jetzt bessere Lebensbedingungen zu fordern. Das wurde auch Viruseffekt genannt.
( )Die Massnahmen wurden: durch die Vereinten Nationen (...) einmütig die Verletzung internationalen Rechts durch die USA anprangerte. Nur wenige zweifeln daran, dass die Massnahmen der USA auch von der Welthandelsorganisation (WTO) verurteilt werden würden, aber Washington hat unmissverständlich erklärt, dass man, dem Grundsatz von Schurkenstaaten folgend, alle eventuellen Verfügungen der WTO missachten werde.
Ein anderes bedeutsames Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit ist die Invasion indonesischer Streitkräfte in Ost-Timor 1975. Indonesien wurde vom UN-Sicherheitsrat aufgefordert, sich umgehend zurückzuziehen, schenkte dem jedoch keine Beachtung. Die Gründe erklärte UN-Botschafter Daniel Patrick Moynihan in seinen 1978 erschienenen Memoiren:
Die Vereinigten Staaten wollten die Angelegenheit nach ihren Vorstellungen geregelt haben und taten alles dafür, um dieses Ziel zu erreichen. Das Aussenministerium wünschte, dass jegliche von den Vereinten Nationen ergriffenen Massnahmen erfolglos blieben. Diese Aufgabe sollte ich übernehmen, und ich habe sie mit nicht unbeträchtlichem Erfolg durchgeführt.
Moynihan berichtet weiter, dass binnen zwei Monaten an die 60000 Menschen getötet wurden. Innerhalb der nächsten Jahre stieg die Zahl der Ermordeten auf etwa 200000, wobei Indonesien in zunehmendem Masse militärische Unterstützung seitens der USA und, als die Grausamkeiten 1978 ihren Höhepunkt erreichten, auch von Grossbritannien erhielt.«
(2.Teil-S.8&9)
Und weiter:
»Diese Unterstützung währte bis 1999, als von den USA ausgebildete und bewaffnete Kopassus-Kommandos ab Januar die Operation Clean Sweep organisierten, bis zum August 3000 bis 5000 Menschen töteten, später 750000, 85% der Bevölkerung, vertrieben und das Land praktisch zerstörten. Die Regierung Clinton blieb bei ihrer Haltung, die Angelegenheit liege in der Verantwortung der indonesischen Regierung, die wir ihr nicht abnehmen wollen. Unter wachsendem Druck deutete Washington den indonesischen Generälen endlich an, dass jetzt Schluss gemacht werden müsse. Sie warfen daraufhin sehr schnell das Ruder herum und kündigten den Abzug der Truppen an, was zeigt, dass die USA die Macht hatten, schon sehr viel eher zu intervenieren.«
(2.Teil-S.9&10)
Chomskys Buch ist brillant! Für seine Behauptungen hat er die Quellen aufgelistet und besticht durch seine logische Analyse. Es ist erschreckend, wie die Meinungsbildung beeinflusst wird und was westliche Regierungen, allen voran die USA, Konzerne und Finanzinstitutionen, in anderen Teilen der Erde anrichten, nur der Macht und des Geldes wegen.
Achtung: Noam Chomskys Analysen können Ihr Weltbild ins Wanken bringen. Lesen Sie dieses Buch, wenn Sie verstehen möchten, wie die Welt und die Wirtschaft wirklich funktionieren.
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