Beschreibung
Produktdetails
Einband
Taschenbuch
Erscheinungsdatum
02.04.2009
Verlag
BoD – Books on DemandSeitenzahl
340
Maße (L/B/H)
22/17/2,1 cm
Gewicht
594 g
Auflage
1
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-8370-2188-2
Das erste Mal wurde die Ethik in der Ökonomie durch DAVID RICARDO gekappt. Er zerstörte die Symmetrie in der Definition des Begriffs „Wert“, so wie sie von ADAM SMITH als Folge seiner Ethik angelegt war – mit der schlichten Behauptung, er verstehe nicht, was Smith damit meine, dass Wert nicht nur aus Arbeit entstehe, sondern auch wieder in Arbeit zurück zu tauschen sei. ADAM SMITH hatte mit dieser sozialen Symmetrie zwischen Arbeit und Kapital das Recht der Teilhabe der Arbeiter am Produktivitätsfortschritt unterlegt - und mit diesem Argument die ethische Begründung des Kapitalismus geliefert. Ohne diese Symmetrie zwischen Kapital und Arbeit verkam die Werttheorie zur Ausbeutungstheorie. Und leider hatte auch KARLS MARX RICARDOs plumpe Verfälschung nicht erkannt; so wurde sie zur Grundlage der Klassenkampftheorie.
Das zweite Mal wurde die Moral in der Ökonomie Anfang der 1930er Jahre zerstört – durch die „österreichische Schule der Volkswirtschaftslehre“. Diese, als auch die Philosophie des „Wiener Kreis“, hatte sich aus derselben Quelle entwickelt, der in den 1870er Jahren von dem Wiener Philosophen FRANZ BRENTANO begründete „österreichische Philosophie“. Das auf diesen zurück reichende gemeinsame Grundaxiom beider Theorielinien ist der „methodische Individualismus“.
1931 entdeckte der Logiker KURT GÖDEL, dass ein wissenschaftliches Begriffssystem auf dieser Basis nicht aus sich selbst vollständig und widerspruchsfrei begründet werden kann. GÖDELs "Unvollständigkeitssatz“ besagt, dass eine Theorie auf der Basis des „methodischen Individualismus“ keine eigenständige Theorie, somit keine Wissenschaft sein kann. RUDOLF CARNAP und LUDWIG WITTGENSTEIN revidierten darauf ihre philosophischen Ansätze – die Entwicklungen in der Philosophie orientierten sich völlig neu.
Dagegen ignorierte die dritte Generation der Austro-Ökonomie, LUDWIG VON MISES und FREDRICH VON HAJEK, diese Erkenntnis. Sie begannen zur gleichen Zeit den Siegeszug der neoliberalen Theorie über die Neoklassik der angelsächsischen Schule zu organisieren – bewusst und nachdrücklich auf dem Prinzip des „methodischen Individualismus“.
Mit diesem wissenschaftstheoretisch falschen Axiom werden von ihnen jene theoretischen Ansätze bekämpft und umdefiniert, durch welche die ethische Methode in die Institutionen der Ökonomie transformiert wird (etwa „Grenznutzen“, „vollkommener Markt“, die „Gossenschen Gesetze“; das grundlegende Verständnis des Tausches, der marktbasierte Geldbegriff etc.). In der Folge wurden die ethischen Bestandteile der klassischen und neoklassischen angelsächsischen Traditionen aus dem Bewusstsein der heutigen ökonomischen Wissenschaftsgemeinde fast ausgelöscht. An die Stelle der Ökonomie mit ethischem Hintergrund tritt die neoliberale Ökonomie als ein System der institutionellen Macht auf der Basis von „Eigentum und Vertrag“.
„Ethikonomie“ ist die Rekonstruktion der ethischen Grundlagen der Ökonomie vor allem aus den angelsächsischen Traditionslinien, beruhend auf der mit wissenschaftstheoretischen Mitteln rekonstruierten Ethik von ADAM SMITH. Dabei zeigt sich: es ist nicht „weltanschauliche“ Beliebigkeit, ob die Makroökonomie auf Ethik oder Sozial-Darwinismus aufgebaut wird, sondern zwingende systematische Methodik einer objektiven Sozialwissenschaft.
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