Lange gewartet habe ich auf das neue Album, gespannt wie ein Flitzebogen! Die Werbetrommel wurde diesmal auch massiv gerührt, daher war ich umso neugieriger was mich erwarten würde. Nun ist das Album also da, seit fast 2 Monaten im Handel, in 2 Versionen erhältlich und ich muss sagen, ich hätte es mir anders vorgestellt. Es ist keineswegs schlecht und wesentlich breit gefächerter als das erste Album. Jedoch fehlen mir einfach ein paar richtige Kracher.
Fast kein Song ist wie der andere, alles bunt gemischt. Das ergibt zwar eine enorme Reichweite, ist aber nicht zwingend jedermans Geschmack. Die beiden Mini-Instrumental-Songs "Ode an die Zeit" und "Ode an den Raum" passen allerdings perfekt in dieses Konzept. Gute Songs sind sicher "Machsmaulauf), "Fleisch" oder "Sekte oder Selters".
Auch wurde viel experimentiert, "Fleisch" und "Furor" zum Beispiel erinnern eher an Rammstein und auch beim Refrain von "Fleisch" erinnert die Zeile "du bist, was du isst" doch sehr an selbige Band. Alle, die hier einen Onkelz-Nachfolger erwarten, sollten gut aufpassen. Lieber erstmal Probe hören, bevor ihr enttäuscht seid! Das Album ist ein vollkommen eigenständiges Werk ohne jeglichen Onkelz-Pathos oder Ähnlichkeit zum Erstlingswerk.
Mir persönlich fehlt die ein oder andere extravagante spitze Feder, die den W immer so ausgezeichnet hat. Ist mir einfach vieles zu lasch, es plätschert irgendwie vor sich hin, der Funke will aber nicht so recht überspringen. Es ist für meinen Geschmack zu seicht und wohl etwas zu massentauglich geschliffen worden. Das finde ich schade und (gerade für Herrn Weidner) fast schon peinlich. Man kann es sich anhören (ich habe dies schon mehrfach getan), aber der absolute Drang das Teil immer wieder anhören zu wollen ist einfach nicht da, es fehlt etwas. Ich kann das nicht beschreiben, aber es ist einfach so! Das beste Beispiel dafür ist für mich der Titel "Lei(d)figuren", bei welchem ich vom Sound her immer auf den Durchbruch warte, aber der große Knall ausbleibt.
Das Fehlen von Rupert Keplinger wird auch sehr deutlich. Keine ansprechenden Soli vorhanden, find ich schade! Es sind wenige bis gar keine charakteristischen Melodien mit eingängigem Charakter und hohem Wiedererkennungswert vorhanden. Was auch immer zur Trennung zwischen Stephan und Rupert geführt haben mag, es wurde kein Ersatz für ihn gefunden und das merkt man spürbar.
"Autonomie" ist zwar schon kaufenswert (für Weidner-Fans sowieso) und ich werde auch auf der kommenden Tour dabei sein, allerdings reißt es mich nicht vom Hocker und ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir das erste Album besser gefallen hat, auch wenn es vielleicht noch nicht so ganz ausgereift war. Aber es muss ja noch nicht das Ende der Fahnenstange gewesen sein ;-)...
Abschließend kann ich sagen, dass es durchaus ein hörenswertes Album mit einer extrem breiten Mischung ist, allerdings die ganz großen Höhen fehlen. Wenige schnelle Songs, alles eher etwas ruhiger gehalten (z. B. Songs wie "Sterne" oder "Der Hafen") und zum Nachdenken anregend! Wen das nicht stört bzw. wessen Kragenweite genau das ist, der liegt hier goldrichtig. Alle anderen sollten das Album wenigstens 1x vor dem Kauf anhören!
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