Aufmerksamkeitsstörungen und das Leib-Seele-Problem. Versuch eines empirischsozialwissenschaftlichen Zugangs
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Beschreibung
Produktdetails
Einband
Paperback
Erscheinungsdatum
25.01.2011
Verlag
Cuvillier, ESeitenzahl
378
Maße (L/B/H)
21/14,8/2,1 cm
Gewicht
488 g
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-86955-637-6
1. Aufmerksamkeitsstörungen können als Bewusstseinsstörungen (Störungen der exekutiven Bewusstseinsfunktionen und des Arousals) angesehen werden. Als solche eignen sich Aufmerksamkeitsstörungen gut für die empirische Untersuchung des Leib-Seele-Problems, denn dies taucht immer dann auf, wenn es um Fragen des Bewusstseins geht (z.B. in der neurophysiologischen Bewusstseinsforschung und in der analytischen Philosophie des Geistes).
2. Grundannahmen zum Zusammenhang von Leib und Seele sind Teil unseres Menschenbildes, mit dem wir als Pädagogen und Psychotherapeuten unsere Arbeit machen. Unser Menschenbild beeinflusst das, was und wie wir es tun, wesentlich. Wie soll ich z.B. einen Schüler dabei unterstützen, mehr Eigenverantwortung und Autonomie zu entwickeln, wenn ich davon ausgehe, dass Autonomie eine Illusion ist?
3. Populäre Hirnforscher behaupten, es sei empirisch erwiesen, dass es sich bei Phänomenen der psychologischen Ebene (z.B. freier Wille, Ich-Erleben, Identität o.ä.) um Illusionen handelt, da es aufgrund der vollständigen Determiniertheit psychischer Phänomene durch die Hirnphysiologie keine freien Entscheidungen geben kann. Diese Illusions-Behauptung ist aber nie direkt empirisch untersucht worden, sondern wird aus Untersuchungen abgeleitet, die in der Regel nie zu diesem Zweck durchgeführt worden sind (Ausnahme: B.Libet, der jedoch andere Schlussfolgerungen aus seinen Untersuchungen zieht als der derzeitige Mainstream). Reduktiver Materialismus und Epiphänomenalismus als auch die Identitätstheorien beruhen damit auf nicht empirisch untersuchten und damit auf unhinterfragten metaphysischen Grundannahmen. Zugute halten muß man jedoch den oben genannten Modellvorstellungen, dass sie im Rahmen des klassischen physikalischen Weltbildes sich bemühen, das Rätsel der mentalen Verursachung zu lösen.
4. Die vorliegende Studie legt bei allen Vorbehalten nahe, dass mentale Verursachung, bzw. der Einfluss der psychologischen auf die physiologische Ebene keine Illusion, sondern empirische Tatsache ist. Dieser Befund ist im Rahmen des klassischen Weltbildes der Physik nicht erklärbar. Deswegen bedarf es der Erweiterung des Weltbildes durch die Quantenphysik (s. Teil I, Kap.1.2 und Teil III, Kap. 1.2. der vorliegende Arbeit).
5. Der Zusammenhang zwischen Leib und Seele rsp. Geist und Gehirn entzieht sich experimenteller Methodik (Ausnahme: die Untersuchungen im Gefolge W. Penfields, die jedoch nicht extern valide sind, sich also nicht auf die Lebenswelt außerhalb des Labors generalisieren lassen: eine direkte elektrische Reizung des Gehirns findet im Alltag nicht statt). Darüber hinaus ist die experimentelle Methodik ungeeignet zur Untersuchung zirkulärer Kausalitäten.
6. Mittels Strukturgleichungsmodellierung lassen sich Identitätsmodelle, materialistische und Wechselwirkungsmodelle (zirkuläre Kausalität) gegeneinander testen.
7. Die Testung mittels Strukturgleichungsmodellierung gelingt schon bei Stichproben ≥30 unter bestimmten Bedingungen (z.B. ULS-Schätzer verwenden, ausreichende Stabilitätskoeffizienten [Stability Index <1] bei den Wechselwirkungsmodellen, Ausgewogenheit von Quasi-Alpha und Quasi-Beta-Fehler, s. Simulationsstudien im Anhang: Reihenfolgeeffekte der latenten Variablen).
8. Der empirische Teil der vorliegenden Studie hat gezeigt, dass der Leib-Seele-Zusammenhang nicht identitätstheoretisch erfasst und beschrieben werden kann, sondern in der Regel von einer Wechselwirkung im Sinne zirkulärer Kausalität ausgegangen werden kann, wobei die Gewichtungen der Kausalrichtungen je nach infrage stehendem Aspekt unterschiedlich sind. Betrachtet man automatisierte Handlungen (z.B. die Reaktionszeiten in einem continuous performance test), dann ist der Anteil des Einflusses der psychologischen auf die physiologische Ebene deutlich geringer als vice versa. Geht es jedoch um Prozesse, bei denen der Anteil an prinzipiell bewusst steuerbaren Handlungen hoch ist (z.B. bei aggressiven Verhaltensweisen), dann steigt der Beeinflussungsanteil, der von der psychologischen Ebene auf die physiologische ausgeht, deutlich an.
9. Da der Leib-Seele-Zusammenhang am besten mittels Wechselwirkungsmodellen beschrieben werden kann, dabei durchaus je nach untersuchtem Phänomenbereich mit unterschiedlichen Gewichtungen, ist Erziehung zur Autonomie und Selbstmanagementtherapie möglich, ohne dabei in die Aporien des materialistischen Weltbildes zu verfallen.
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