Ein zutiefst menschlicher Roman über eine liebenswerte Truppe von Lebens- und Überlebenskünstlern
Was, wenn ein Zeitungserbe seinem Basset mehr Interesse entgegenbringt als dem Schicksal seines Blattes? Was wird aus der unglückseligen Ruby (alleinstehend, immer auf der Suche nach dem Mann fürs Leben)? Aus Ed, der gefeuert wird und sich an der zuständigen Sachbearbeiterin (alleinerziehend, drei Kinder und keine Zeit für die Liebe) rächt? Aus der Chefredakteurin Kathleen (verheiratet mit einem Weichei und verliebt in einen anderen)? Und aus Lloyd, der, einsam wie ein Straßenhund, aus Not eine Story erfindet und auffliegt?
Rachmans wunderbar hintergründiger, ernst-komischer Gesellschaftsroman über eine internationale Tageszeitung und ihre Macher in Rom ist von bezwingender Leichtigkeit und ein Panoptikum unserer Zeit.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Wovor ich wirklich Angst habe, ist die Zeit. [ ] Die peitscht uns vorwärts, wenn wir uns viel lieber räkeln würden, und dabei rennt uns die Gegenwart davon, wird ungreifbar, und plötzlich ist alles Vergangenheit, eine Vergangenheit, die nicht stillstehen will, die in all die unauthentischen Geschichten hinübergleitet. (S. 59)
Das Jahr 2016 wird wohl in meinen (literarischen) Erinnerungen einen hohen Stellenwert einnehmen. Auch wenn gerade erst März ist, hab ich dieses Jahr schon eine literarische Berg- und Talfahrt hinter mich gebracht, die der Tour de France ebenbürtig ist nur ohne Doping und die körperliche Anstrengung *g*.
Okay, ganz so schlimm ist es nun auch nicht, aber nach der Bruchlandung mit Jorge Semprun´s Zwanzig Jahre und ein Tag folgte mit Die Unperfekten von Tom Rachman das komplette Gegenteil nämlich ein Lese-Highlight des noch relativ jungen Jahres und eins, was ich (so viel sei verraten) auch nicht zum letzten Mal gelesen habe. Warum das so ist, will ich versuchen in den nächsten Sätzen zu erklären ob´s mir gelingt: keine Ahnung; das entscheidet ihr, die diese Rezension lest :-)
In 11 Kapiteln serviert uns Tom Rachman die Geschichte einer (fiktiven) Zeitung von der Gründung in den 1950er Jahren in Rom bis zu ihrem unrühmlichen Ende im Jahr 2007. Das ist der rote Faden, der sich Kapitel für Kapitel (jeweils die letzten Seiten) durch das Buch schlängelt dargestellt in kursiver Schrift. Darin lernen wir den Gründer der Zeitung, die persönlichen Ups and Downs von einigen seiner Angehörigen (aber auch sein persönliches Schicksal) sowie den Ablauf HINTER der Zeitung kennen. Das alles verpackt in eine unprätentiöse Sprache, die einem recht schnell deutlich macht, dass Tom Rachman einiges an Insiderwissen und Erfahrung hat was nicht weiter verwundert, da er vor seiner Tätigkeit als Vollzeitschriftsteller Redakteur verschiedener Zeitungen war.
Was für mich dieses Buch aber zu einem Highlight werden lässt, sind die Einblicke in die Leben verschiedener Redakteure und Angestellten der Zeitung oder einer jahrzehntelangen Leserin, die plötzlich mit alten Gewohnheiten bricht (nein, ich bin kein Voyeur *g*). Es sind Menschen wie Du und ich; Menschen die Dir im täglichen Leben begegnen und die alle die gleichen Probleme haben: mit Partnern, mit Kindern, mit sich selber in jeder vorgestellten Figur findet man sich selber oder andere einem nahestehenden Personen wieder.
Jede einzelne Figur macht sich Gedanken über sich und ihr Leben mal mehr, mal weniger philosophisch, aber auch mal selbstkritisch Es sind laute und viele leise Töne, die angeschlagen werden, mal voller Hoffnung, dann aber auch tottraurig. Tom Rachman ist es meiner Meinung nach gelungen, in jeden von uns einen Blick zu werfen und diese Beobachtungen zu einem großartigen, tiefgehenden und MENSCHLICHEN Opus zu verarbeiten, dass mich von nun an stets und immer (nämlich in meinem Herzen) begleiten wird.
Sie spürt Tränen aufsteigen. Ganz leise sagt sie: Danke. Sie wischt sich die Nase. Wenn ich einmal alt und klapprig bin, dann kommst Du, um mir die Hand zu halten. Machst Du das? Das ist dann dein Job. Okay? Er nimmt ihre Hand und küsst sie. Nein, sagt er. Wenn du alt und klapprig bist, bin ich längst weg. Ich halte sie jetzt, für später, wenn dir nur die Erinnerung daran bleibt. (S. 188)
Das kleine Leben im großen Weltgeschehen
Edith Depner aus Wien am 16.06.2012
Bewertungsnummer: 451540
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Cyrus Ott gründet eine internationale Zeitung in Rom. Wir lesen über die Geschichte der Zeitung und über die einzelnen Mitarbeiter. Manche wichtig für die Zeitung, manche weniger wichtig. Einige sind uns sympatisch und einige können wir gar nicht leiden. Tom Rachmann besitzt ein wunderbare Leichtigkeit beim Beschreiben seiner Protagonisten. Sie sind weit davon entfernt perfekt zu sein, egal, ob es sich um die ehrgeizige Chefredakteurin Kathleen handelt oder den abgehalfterten Lloyd Burk in Paris und schon gar nicht die unglückliche Ruby. Aber, jede einzelne Lebensgeschichte ist spannend und bunt. Ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen.
In diesem Roman wird eine Zeitung und deren Mitarbeiter in Rom der 50. Jahre vorgestellt. Es geht um den Idealismus der einzelnen Mitarbeiter. Und natürlich auch um deren persönliche, private und berufliche Gegenbenheiten und Empfindungen. Es wird eine Person pro Kapitel vorgestellt. Diese Zeitung versucht im Laufe der Jahre, den Anschluß an die aktuellen Entwicklungen nicht zu verpassen. Aber die Zahl der Leser verringert sich immer mehr. Am Ende muss die Gründerfamilie der Zeitung sich entscheiden was passieren wird...
Ein guter Einblick in die Welt einer fiktiven Zeitung. Allerdings sind einige Personen und Handlungen im Roman nicht immer vollständig erläutert. Dies wird aber am Ende der Geschichte teilweise nachgeholt.
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