Politische Denkmäler im 19. Jahrhundert: Das Hermannsdenkmal
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Produktdetails
Format
ePUB
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Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
20.08.2003
Verlag
GRINSeitenzahl
31 (Printausgabe)
Dateigröße
422 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783638212281
Das Hermannsdenkmal
1. Einleitung
"Er hat die Stadt zum Erben eingesetzt", erklärte Doktor Scheffelweis wichtig. "Wahrscheinlich bauen wir von dem Geld ein Säuglingsheim."
"Bauen Sie?" Diederich feixte verachtungsvoll. "Einen nationaleren Zweck können sie sich wohl nicht denken?"
Heinrich Mann: Der Untertan (1916)
Das 19. Jahrhundert war ein "Jahrhundert der Denkmäler", nicht nur in Deutschland. Denkmäler galten allgemein als Medien politischer Inhalte, die dauerhaft und öffentlich transportiert werden sollten. Denkmäler beschwören kulturelle und politische Inhalte aus einer mythischen Vergangenheit, schreiben die symbolischen Sinnzusammenhänge in die Gegenwart fort und haben den Anspruch, auch noch in die fernere Zukunft zu wirken. Insbesondere nach 1871 setzte eine regelrechte "Denkmalwuth" ein, die im Sinne des nation buildings die innere Einheit des jungen deutschen Kaiserreichs symbolisch vorantreiben sollte. "Nationen sind geistige Wesen, Gemeinschaften, die existieren, solange sie in den Köpfen und Herzen der Menschen sind, und die erlöschen, wenn sie nicht mehr gedacht und gewollt werden [...]" (Schulze 1994, 110). Analog zur Nation gilt für die nationalpolitischen Denkmäler: Die Integration gelingt nur soweit, wie sich die Staatssubjekte freiwillig der Idee anschließen. Die hierbei wirksamen Mechanismen von Inklusion und Ausschluss lassen sich an den Denkmälern selbst, stärker jedoch an der überlieferten Rezeption und Deutung der Zeitgenossen analysieren. Hier liegt der Interessenschwerpunkt der jüngeren Forschung. In welcher Weise werden Mythen gedeutet und in symbolische Politik umgewandelt, welcher soziale Raum wird durch die Denkmäler geschaffen, welche Nation konstituiert sich in welcher Weise? Diese Fragestellung soll auch die vorliegende Arbeit leiten, der Schwerpunkt liegt deshalb auf der politischen Öffentlichkeit, die sich in den Denkmalsfesten entfaltete sowie auf der Rezeption in der Presse. Außerdem soll die Finanzierung untersucht werden, eine Analyseebene, die Reinhard Ahlings in seinem umfangreichen Werk "Monument und Nation" als "Indiz für die tatsächliche Relevanz eines Projektes" (Ahlings 1996, 19) anführt.
Ahlings erweitert die Typologie der Nationaldenkmäler, die Thomas Nipperdey in seinem für die Denkmalforschung grundlegender Aufsatz "Nationalidee und Nationaldenkmal im 19. Jahrhundert" von 1968 entwickelt hat. Nipperdey entwirft fünf Idealtypen der polit. Denkmäler
[...]
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