Das "hessische Salzburg" - Festspiele in Bad Hersfeld Entwicklung, Strukturen und Ideologie einer Institution kultureller Repräsentation der frühen Bundesrepublik
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Produktdetails
Format
ePUB
Kopierschutz
Nein
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Nein
Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
06.01.2009
Verlag
GRINSeitenzahl
186 (Printausgabe)
Dateigröße
626 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783640239788
Die Anwesenheit von Theodor Heuss und all seinen Nachfolgern deutet auf die politische Dimension der Festspiele hin: Sie wurden von Bundesseite stark gefördert, vielmehr noch - ohne die von Anfang an starke Unterstützung des Bundesstaates wären die Festspiele in ihrer qualitativ hochwertigen Form undenkbar gewesen. Dies hat in erster Linie mit der Lage Bad Hersfelds an der Zonengrenze zu tun. Das Theater sollte "Leuchtturm" und "Bollwerke" gegenüber der kommunistischen Kulturauffassung sein. Nicht weniger bedeutend ist aber auch das kulturelle Programm, das in den Augen der Kulturabteilung des Bundesinnenministeriums in besonderem Maße die Programmatik des jungen deutschen Staates traf: Christliche Werte, Klassizität, Öffnung gegenüber dem Westen - in einem Wort: die kulturelle Beschwörung des Abendlandes.
In dieser Studie wird detailliert untersucht, welche Einrichtungen am Erfolg der Festspiele teilhaben: in erster Linie freilich die Bürger der Stadt, die die Ruine bereits seit Jahrzehnten, seit der Zeit des rührigen Gymnasialdirektors Duden, zu beleben versuchten, war doch die Ruine ein einziger zu füllender Leerraum inmitten der Stadt. Nach Anfängen im Goethejahr und unter Nutzung von Verbindungen aus der NS-Zeit nahmen die Festspiele unter den Fittichen des FDP-Bundespolitikers August-Martin Euler einen rasanten Aufstieg, den sich auch der Gründungsintendant Johannes Klein nicht hatte träumen lassen.
Ausgehend von den Mysterienspielen Hugo von Hofmannsthals, insbesondere "Jedermann" und dem "Salzburger Großem Welttheater" wurde in Bad Hersfeld ein Klassikerprogramm entwickelt, das die Bildungselite des Weststaates, aber auch von jenseits der Zonengrenze nach Bad Hersfeld kommen ließ.
Detailliert werden politische Entscheidungen hinter den Kulissen des Festspielbetriebs nachgezeichnet, werden Förderströme und politische Widerstände benannt, die anfangs vom Land Hessen kamen, dem die Bundesinitiative in Bad Hersfeld gar nicht recht war.
So sind die Festspiele letztlich Ergebnis nicht nur einer künstlerischen Anstrengung, die seinesgleichen im sommerlichen Kulturleben der Bundesrepublik Deutschland suchen musste, sondern auch eines politischen Willens.
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