Konsequenzen des kulturellen Hintergrundes für die medizinisch-psychosoziale Aids-Beratung von Menschen aus Schwarzafrika in Deutschland
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- Deutsch ausgewählt
38,00 €
inkl. gesetzl. MwSt.,
Beschreibung
Produktdetails
Einband
Taschenbuch
Erscheinungsdatum
11.10.1999
Verlag
GRINSeitenzahl
136
Maße (L/B/H)
21/14,8/1 cm
Gewicht
208 g
Auflage
4. Auflage
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-8386-1813-5
Wir leben heute in einem Europa, welches das Ziel von Zuwanderern aus allen Teilen der Welt geworden ist. Mit den zunehmenden Migrationsbewegungen weltweit verbreiten sich auch solche Krankheiten über den ganzen Globus, die einst nur in einem kleinen und begrenzten Gebiet endemisch waren (siehe AIDS!). Mit den Menschen aus anderen Ländern gelangen neue kulturelle Einflüsse nach Europa und damit auch nach Deutschland.
Aber das Bewußtsein für die vorhandene größer gewordene Vielfalt der Kulturen und die damit einher gehenden Veränderungen für das gesellschaftliche Leben ist in den Köpfen der Einheimischen bisher noch nicht ausreichend gereift. Von den Zuwanderern wird verlangt, daß sie sich integrieren sollen, wobei Integration vielerorts mit Assimilation gleichgesetzt wird. Diese Haltung behindert eine angemessene gesellschaftspolitische Handlungsweise, welche die Migranten berücksichtigt, wenn sie sich nur an der Mehrheitsbevölkerung orientiert.
Im Falle von AIDS werden somit viele Migrantengruppen nicht erreicht, wenn es um Präventionskampagnen geht, die als Zielgruppe nur einheimische Bevölkerungsgruppen im Visier haben. Auf diese Weise können falsche Annahmen zu AIDS und risikobehaftetes Sexualverhalten unberührt fortbestehen und sich damit die Gefahr erhöhen, daß sich AIDS eben in jenen Gruppen weiter ausbreitet. Das Robert Koch-Institut stellt anläßlich des Welt-AIDS-Tages 1998 in einer Pressemitteilung fest, daß aus Entwicklungsländern stammende Ausländer von den in den letzten Jahren erweiterten therapeutischen Fortschritten faktisch weitgehend ausgeschlossen werden, und nur vereinzelt von den verbesserten Behandlungsmöglichkeiten durch eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung der HIV-Infektion profitieren [68].
Auch innerhalb der Sozialarbeit in Deutschland wird diese multikulturelle Realität nur in unzureichender Weise berücksichtigt. Dies spiegelt sich auch in der Literatur zur AIDS-Beratung wider, die sich weitestgehend an den "klassischen" heimischen "Risikogruppen": Homosexuellen Männern, Intravenös Drogenabhängigen, Blutern und in gewissem Maße auch Heterosexuellen, orientiert. Menschen aus anderen Kulturen werden in dieser Kategorisierung meistens nicht explizit erwähnt. Dahinter steckt vielleicht die Annahme, daß "ein bißchen mehr vom Gleichen" auch in der Beratung mit ethnischen Minderheiten Erfolge zeitigen wird. Andererseits könnte auch der Gedanke dahinter sein, daß eine explizite Erwähnung und Berücksichtigung dieser ethnischen Minderheiten im Katalog der "Risikogruppen" eine weitere (neben ihrem Stigma als Migrant) zusätzliche Stigmatisierung zur Folge haben könnte, die man aber diesen Gruppen nicht noch zusätzlich aufbürden möchte. Beide Gedankengänge bewirken aber letztendlich, daß nichts unternommen wird, um für jene Gruppen eine kulturell angemessene Form der Beratung zu schaffen.
Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich diesem Defizit im Rahmen der Möglichkeiten entgegenwirken. Die These, welcher dieser Arbeit zugrunde liegt, lautet, daß eine AIDS-Beratung mit einem Klienten aus Schwarzafrika nur dann Erfolg haben kann, wenn der Berater den kulturellen Hintergrund des Klienten kennt und diesen auch angemessen in der Beratung berücksichtigt.
Gang der Untersuchung:
Der Aufbau der Arbeit orientiert sich an der Theorie der Interkulturellen Sozialarbeit nach Silvia Staub-Bernasconi. Mit Hilfe des Geschichts-, Beschreibungs- und Erklärungswissens zeichne ich in dieser Arbeit die Stationen exemplarisch nach, die ein Klient aus Schwarzafrika bis zur AIDS-Beratung in Deutschland durchlaufen hat: Lebenssituation in Afrika - Migration - Lebenssituation in Deutschland - AIDS-Beratung. Dieser Aufbau sol...
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