Fünfhundert Dollar – monatlich! Der Transportunternehmer Felícito denkt überhaupt nicht daran, auf die Schutzgeldforderung der peruanischen Mafia einzugehen. Bis plötzlich die Liebe seines Lebens spurlos verschwindet.
Zur gleichen Zeit spielt sich in Lima ein turbulentes Familiendrama ab: Ismael, ein erfolgreicher Geschäftsmann auf dem Sprung in den Ruhestand, vermählt sich im Gefühlstaumel mit seiner bildhübschen Haushälterin Armida. Damit bringt er jedoch seine unberechenbaren Söhne um ihr Erbe und wird kurzerhand das Opfer einer hitzigen Medienkampagne.
Zwei Männer alten Schlages, die sich Hals über Kopf in Schwierigkeiten manövrieren und die viel mehr miteinander verbindet, als sie ahnen …
Wohlmeinende Väter und habgierige Söhne, die Fallstricke erotischer Hingabe – »Ein diskreter Held« ist eine pralle, vor Erzähllust sprühende Geschichte über die Wirrungen des Lebens.
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Potenzschwäche In seinem 2013 erschienenen Roman «Ein diskreter Held» thematisiert der peruanische Schriftsteller Mario Vargas Llosa die Ehrbarkeit - nicht die Diskretion, wie der Titel suggeriert - am Beispiel zweier älterer Männer, die sich standhaft mafiosen Machenschaften widersetzen. Der vielfach prämierte, in seiner Heimat hochangesehene Autor mit politischen Ambitionen hat sich nach der verlorenen Stichwahl um das Amt des peruanischen Präsidenten wieder ganz dem Schreiben zugewandt und wurde 2010 mit dem Nobelpreis geehrt «für seine Kartographie der Machtstrukturen und scharfkantigen Bilder individuellen Widerstands, des Aufruhrs und der Niederlage», wie es das Nobelkomitee in seinem typisch gestelzten Ton formuliert hat. Felícito aus der Stadt Piura im Norden Perus, der sich mit harter Arbeit eine florierende Firma aufgebaut hat, sieht sich plötzlich mit Schutzgeldforderungen konfrontiert. Unbeirrt bleibt er jedoch hart, hält sich strikt an die Worte seines Vaters «Lass dich niemals von irgendwem herumschubsen», er weigert sich zu zahlen. Vielmehr wendet er sich an die Polizei und veröffentlicht außerdem eine Zeitungsanzeige, in der er den Erpressern lakonisch erklärt, von ihm würden sie nichts erhalten, nicht mal einen Centavo. Dabei bleibt er, auch nachdem Feuer gelegt wird in seinem Büro, erst als seine Mätresse entführt wird, beginnt er zu wanken. Als im zweiten Handlungsstrang der 81jährige Chef des gerade in den Vorruhestand gegangenen Don Rigoberto in Lima seine halb so alte Haushälterin heiratet, setzten dessen missratene Söhne wegen der ihnen entgangenen Erbschaft alle Hebel in Bewegung, um diese Ehe annullieren zu lassen. Ihr Vater sei unzurechnungsfähig, behaupten sie, und natürlich versuchen sie mit allen Mitteln, die beiden Trauzeugen, den Chauffeur des reichen Unternehmers ebenso wie dessen ehemaligen Generaldirektor, unter Druck zu setzten, damit sie dies bezeugen. Es ist ein spannender Plot, zeitlich in der Gegenwart angesiedelt, wobei die zwei tragenden Stränge der Handlung am Ende zusammenlaufen, mehr sei hier aber nicht verraten. Dies ist bereits der vierte Roman des in wenigen Tagen 79jährigen Autors, den ich gelesen habe, ein Alterswerk mithin. Und ein recht handlungsreicher Roman, von seinem Autor gekonnt erzählt in farbenfrohen Bildern, mit lebendigen Figuren bevölkert, von denen die eine oder andere aus den vorhergehenden Romanen schon bekannt ist. Auch das Grüne Haus wird erwähnt, obwohl dieses Bordell aus dem berühmten gleichnamigen Roman von 1965 inzwischen längst abgerissen ist. Viele der für Vargas Llosa typischen Techniken finden sich auch in diesem Roman. Er erzählt seine Geschichte in Fragmenten, lässt bewusst Lücken in der Handlung, verschachtelt nicht zusammengehörende Teile der Handlung ineinander. So wechselt er zum Beispiel mehrfach von einem Dialog zweier Figuren völlig unvermittelt und ohne jede Kennzeichnung, also direkt Satz an Satz montierend, in einen ganz anderen Dialog zweier ganz anderer Personen. Diese von ihm bewusst betriebene, den Lesefluss arg störende Desorientierung ziele darauf ab, wie er in einem Aufsatz erklärt hat, die orientierungslose Sinnsuche seiner Romanfiguren analog auch auf den Leser zu übertragen. Zusätzlich benutzt er auch esoterische Elemente, hier eine an den «Doktor Faustus» von Thomas Mann angelehnte, den gesamten Plot begleitende, mysteriöse Teufelserscheinung. Im Duktus von Elke Heidenreich handelt es sich zweifellos um eklige Altmännerliteratur, hier in der Variante des südamerikanischen Machismo. Und auch der Ödipus-Mythos wird variiert, in zwei sehr spezielle Vater-Sohn-Beziehungen nämlich, den Vätern allein aber gilt die Sympathie des Autors. Vieles bleibt ungesagt, die Erwartung des Lesers auf Szenen aus dem Mafiamilieu zum Beispiel wird geradezu konterkariert. Nach dem kitschigen Schluss musste ich konsterniert feststellen, dass Vargas Llosas Erzähltalent ebenso schwächelt wie die Potenz der alten Männer, über die er berichtet.
Bewertung
aus Hilden
4/5
10.08.2017
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein weiterer sehr einfühlsamer...
Ein weiterer sehr einfühlsamer Roman von Vargas - guter Held, guter Plot. Gut gemacht!
Marie-Therese Reisenauer
aus Wien
4/5
26.09.2013
Buch (Gebundene Ausgabe)
Südamerika, Du hast es besser
Irgendwie scheint das pralle Leben mit all seinen Facetten in Südamerika zu Hause zu sein. Dürfte an Schriftstellern wie Marquez, und in diesem Fall Vargas Llosa liegen. Die Geschichte von Ismael, der sich von der peruanischen Mafia nicht ins Bockshorn jagen lässt, und von Ismael, einem äußerst erfolgreichen Geschäftsmann, dessen frisch entflammte Liebe zur bildschönen Haushälterin seine Söhne ums Erbe, und auch in Rage bringt, ganz einfach lesenswerte Taggestaltung. Kann natürlich auch im Bett gelesen werden.
Bewertung
aus wien
2/5
20.07.2014
Buch (Gebundene Ausgabe)
leider enttäuschend
Wer das "Fest des Ziegenbocks" oder "Der Taum des Kelten" gelesenhat, wird in diesem Buch vergeblich die Sprachgewalt und Bilderstärke eines Vargas LLosa finden. Auch habe ich keine humorvolle Stelle gefunden, wie auf dem Klappentext versprochen. Nein - leider muß ich sagen, dass dieses Buch eher trivial und nicht sehr packend ist. Das mag auch an einer schlampigen Übersetzung liegen, denn Beschreibungen wie "toll" oder "lecker" sind mir ein wenig dürftig. - Warten wir auf den nächsten Roman von ihm.
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