Charakter und Liebesleben der Kaiserin, Politik und Intrigen am Wiener Hof
Die hochintelligente und bildschöne Hofdame Gräfin Marie Festetics, die engste Freundin Kaiserin Elisabeths, führte über Jahrzehnte hinweg ein ausführliches Tagebuch. Diese sensationelle Quelle wird nun erstmals veröffentlicht. Auf mehr als 2000 Seiten beschrieb Festetics ungeschminkt das Leben am Kaiserhof und seine Intrigen, vor allem gegen die von ihr so verehrte Kaiserin. Die Hofdame analysiert "Sisis" Charakter und berichtet über ihre Gefühle, ihre Beziehung zu Kaiser Franz Joseph und zu Graf Gyula Andrássy, in den sie selbst verliebt war; sie urteilt messerscharf über die kaiserliche Verwandtschaft und die bedeutenden Politiker ihrer Zeit.
Ein faszinierendes Diarium!
Kundinnen und Kunden meinen
1.0/5.0
Bewertung
aus Wien
1/5
12.05.2022
eBook (ePUB)
Außer als Schmöker unbrauchbar
Zunächst: es war wichtig, einmal das Tagebuch zu veröffentlichen. Die Herausgabe einer echten Biographie unter Einbeziehung des kritisch betrachteten, gründlich bearbeiteten Tagebuchs wäre aber sinnvoller. Eine Überprüfung des Wahrheitsgehaltes einzelner Aussagen wäre wünschenswert gewesen. Es gibt nur dürftige, historisch unbedeutende Kommentare ohne Reflexion. Es fehlt eine psychologisch hinterfragte, kritische Würdigung.
Fragwürdig ist schon einmal der Untertitel dieses Buches. Von einer "intimsten Freundin" kann keine Rede sein. Das hätte die Festetics gern gehabt, aber da gab es einige andere, die Elisabeth sich zur Vertrauten erkor. Das führte zu ständigen Rivalitäten und Intrigen gegen alle, die in der Nähe ihrer verehrten Königin waren, sei es aus beruflichen oder verwandtschaftlichen Gründen. Die Gräfin war eine Vertraute von Andrassy und dessen Trumpf in der Nähe von Elisabeth. Dieses "Opfer für Ungarn sei ihre Pflicht" - entsprechend wurde sie argwöhnisch beobachtet und abgelehnt, was wiederum zu Re-Aktionen der Festetics führte. Die Eintragungen sind äußerst subjektiv - nach dem Aphorismus, wer Tagebuch schreibt hat etwas zu verbergen, will im Nachhinein einen Ablauf anders darstellen oder sich rechtfertigen.
In absoluter kritikloser Bewunderung will sie Elisabeth verteidigen, sieht überall Intrigen und initiiert selbst welche, verbreitet und hinterbringt Elisabeth Tratsch über sie. Sie will ihr "ein Denkmal setzen". Elisabeth als altjüngferlicher Ersatz für einen Ehemann. Ihre Eintragungen zeigen Eifersucht, Neid, Intoleranz, Unduldsamkeit und Mißgunst bis zur Bösartigkeit gegen alle, einschließlich der kaiserlichen Kinder, was wohl auch eine Kompensation für das eigene verlorene Liebesglück war. Ein Zwang, andere zu beurteilen, zu maßregeln, Zensuren zu verteilen, Urteile und Vorurteile über Kolleginnen, Hofbeamte, die Adligen und Bediensteten, aber auch ihre eigenen und Elisabeths Verwandte. Sie sieht sich einsam, verlassen, fühlt sich zurückgesetzt, kommt mit niemandem aus und v.a. hat sie etwas gegen die Leichtigkeit und Lebensfreude des Adels. Sie strebt nach Sitte, Anstand, Reinheit, Ehe, Moral. Sie überhöht ihre eigene Bedeutung, ihren Fleiß und wertet andere ab, sieht überall Feinde, Rivalen und Intrigen. Vieles klingt nach psychologischer Übertragung.
Es war keine gute Idee, die Aufzeichnungen thematisch und zeitlich zu zerhacken. Dabei wurden Vorgänge aus dem Zusammenhang gerissen, Mißverständnisse geschaffen, auch auf Seiten der Autorinnen. Warum die Gräfin wie urteilt, ergibt sich oft aus ihrer persönlichen Befindlichkeit, die wiederum bedingt war durch persönliche und familiäre Schicksalsschläge, durch private Probleme und den anstrengenden Dienst. Dies sieht man aus vorhergehenden Eintragungen, die aber irgendwo in einem anderen Kapitel stehen. Dazu mitunter und ohne Notwendigkeit auch ein zeitliches Durcheinander innerhalb eines Kapitels, z.B. S. 175f - April 1876, Nov. 1876, Dez. 1875, Okt.1878.
Wichtige Quellen wurden nicht benutzt, z.B. der Friedjung-Nachlaß. Die Quellen sind überhaupt dürftig, die Aufbereitung mangelhaft. Seitenlang werden die Eintragungen über die Freiin von Wallersee zitiert, aber die wichtigste Quelle dazu, ihre Biographie, wird nicht angeführt, obwohl die Autorin Infos daraus benutzte oder aus Wikipedia falsch abschrieb. Die Nichte der Kaiserin wäre aufgrund ihres "Stammbaumfehlers", der eine gute Heirat hätte verhindern können, eine Anwärterin auf den Posten einer Hofdame gewesen, zumal sie als Verwandte, wirkliche Vertraute, gute Reiterin, Sportlerin und Jagdteilnehmerin Elisabeth näher stand. Die Festetics fürchtete um ihre Stellung und unternahm alles, um die Konkurrenz durch eine arrangierte Heirat in die ihr bekannte Familie Larisch aus der Nähe der Kaiserin zu bringen.
Das Register ist unzuverlässig, mehrere im Text vorkommende Namen fehlen, ebenso einzelne Seitenzahlen, ein erwähnter "Großherzog" wäre leicht zu identifizieren gewesen, andere Einträge nur mit dem Familiennamen werden ungeprüft einem beliebigen Vornamen zugeordnet. Die Festetics schreibt regelmäßig falsch "Wiederhofer", was leider auch in das Register übernommen wurde. Unerklärlich, warum manche Adelige unter ihrem Vornamen, andere unter dem Familiennamen angeführt sind (Marie, Liechtenstein, aber Metternich, Pauline und Liechtenstein, Prinz Rudolf). Eintragungen über eine "Madame Vecsera" - 1876 und 1883 eindeutig Helene - werden im Register Mary zugeordnet.
Immer wieder findet man Namen oder Seitenzahlen, die nicht ins Register Eingang gefunden haben. Ist im Text jemand nur mit "die Königin" oder "ihr Bruder" vermerkt, muß auch das ins Register, wo unerklärlicherweise manche Frauen mit ihrem Mädchennamen, andere mit dem als Ehefrau vorkommen (zusätzlich noch zu der willkürlichen Alphabetisierung (s.o. und z.B. "Ludwig II (Bayern)" aber "Ludwig IV., Großherzog von Hessen" und "Luitpold von Bayern").
Auf Seite 193 ein Kinsky-Schloß "Hermanrectic" mit einem Hinweis zu den Anmerkungen: "Das Wort ist nicht gut leserlich, der Ort konnte nicht identifiziert werden". Hermanmestec war nicht zu ermitteln?
Positiv die Durchnummerierung der Anmerkungen, warum dort aber Herzog Ludwig in Bayern "in geistiger Umnachtung Selbstmord beging" ist nicht nachvollziehbar und definitiv falsch.
Ein mitunter schwierig zu lesendes Buch für Insider, ob dies am Schreibstil der Gräfin mit der eigentlich leicht lesbaren Schreibschrift oder an der Übersetzung liegt, sei dahingestellt. Vieles bleibt unklar, dazu die Mißverständnisse durch das Auseinanderreißen aufeinanderfolgender Einträge.
Bei einer chronologischen Übersicht der Tagebuchstellen ergab sich, daß sehr oft ein Eintrag von einem Tag in mehrere Teile zerschnitten und in verschiedenen Kapiteln untergebracht wurde, ohne daß der Leser einen Hinweis auf die Abfolge bekommt. Es ist unprofessionell, Quellen so zu behandeln.
Im Tagebuch von Elisabeths Tochter Marie Valerie habe ich folgende Stelle gefunden:
"24.Nov.1898, Maria Festetics geladen, da ich alles tun will, um die 'Getreuen', die ja doch jedenfalls mit bestem Willen, wenn auch oft verkehrt, Mama dienten, wenigstens äußerlich hochzuhalten...
26.Nov, Ich bat und erhielt ihr Versprechen, dass sie nach ihrem Tode ihre Tagebücher mir oder meiner Familie vermachen werde....denn ich glaube nicht, dass ihre Aufzeichnungen wahrheitsgetreu genug sind, um etwa ohne weiteres veröffentlicht zu werden...."
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5/5
20.01.2018
eBook (ePUB)
Die Vertraute Kaiserin Elisabeths...
Die Vertraute Kaiserin Elisabeths beschreibt in ihrem Tagebuch anschaulich die Zeit am Wiener Hof und ihre Arbeit als Hofdame. Spannende Unterhaltung mit historischem Hintergrund.
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5/5
10.11.2017
eBook (ePUB)
Die Hofdame und einzige Vertraute...
Die Hofdame und einzige Vertraute der legendären Kaiserin Elisabeth analysiert loyal und auch kritisch, wer die Kaiserin wirklich war, wie sie zum Kaiser und zum Hof stand. Super!
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