»Wenn er mir entgegenlächelt, die Hand nach mir ausstreckt, dann brauche ich keine Sicherung.
Er wird mich auffangen.
Egal, aus welcher Höhe ich falle.«
Ein Tanz auf dem Drahtseil, ein Deal, der zum Verrat zwingt und eine Nacht am Strand, getaucht in Geborgenheit und Nähe.
Doch die Sonne geht auf und der neue Tag schlingt vertraute Fesseln um Ciros Leben.
Ein toter Bruder, ein missratenes Outing und eine Spontanreise in die Toskana. Noah braucht Abstand. Zu sich und seinen Eltern – nicht zu dem Italiener mit dem verträumten Blick und den braungebrannten Füßen in sandigen Flip-Flops.
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direkt, gefühlvoll, erschütternd und gleichzeitig ergreifend
Dana am 07.05.2020
Bewertungsnummer: 1325409
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Noah hatte sich seine Sommerferien eigentlich anders vorgestellt, aber als sich ihm die Chance bietet spontan mit seinem Onkel in die Toskana zu fahren, schlägt er das Angebot nicht aus. So entkommt er der angespannten Situation zu Hause, der Vergangenheit und den Gefühlen seiner Eltern, die nach seinem Outing ein wenig in Schieflage geraten sind. Ein paar schöne Stunden unter der italienischen Sonne hatte er sich erhofft, doch bekommen hat er etwas ganz Anderes. So viel mehr, aber auch viel weniger Entspannung, als eigentlich gedacht und am Ende ist das Chaos in ihm und um ihn herum noch viel größer, als vorher.
Viel zu lange hat dieses Buch auf dem SuB darauf gewartet von mir gelesen zu werden und nun endlich habe ich es befreit und es absolut genossen. Ich habe schon einige Bücher der Autorin gelesen und mag ihren Stil sehr gern, auch wenn er vielleicht nicht für jeden etwas ist. Auch in diesem Werk hat sie mich nicht enttäuscht. Es wird derb, erschütternd, emotional, aufwühlend, chaotisch, direkt, aber auch immer wieder einfach wunderschön und herzerwärmend. Wer vor expliziten Szenen, ungeschönten Momenten, ehrlichen Worten und den tiefen, aufrichtigen, zugleich vernichtenden, als auch haltspenenden Gefühlen zweiter Männer zurückschreckt, der sollte die Finger von dem Buch lassen. Wer jetzt neugierig ist, für den könnte die Geschichte etwas sein.
Ciro und Noah haben sich mitten in mein Herz gesetzt. Beide Charaktere sind einfach toll, mit reichlich Ecken und Kanten, mit Problemen, Macken, Wünschen, Träumen, Hoffnungen, gefangen in Zwängen und Zweifeln. Auf den ersten Blick erscheint Noah als deutlich stärkerer Protagonist, nicht nur körperlich, sondern auch mental. Und in gewisser Weise zieht sich das durch das gesamte Buch, aber in Ciro schlummert auch eine ganz besondere Stärke, die man nicht unbedingt sofort sieht. Aber Ciro ist auch verletzlich, unsicher und durch sein Leben ein wenig aus dem Gleichgewicht geraten. Und doch ist er einfach großartig, mutig und das nicht nur beim Tanz auf dem Seil, sondern auch bei den anderen Dingen, die er erträgt, die er duldet, die er schluckt, weil sich der Ausweg im Moment eben auch einfach nicht bietet.
Gemeinsam ergeben Ciro und Noah eine emotional aufgeladene, explosive Mischung, die einen mit nimmt auf eine turbulente, überraschende Achterbahnfahrt, die immer wieder auch Einblicke in die Abgründe ihrer Seelen liefert. Dieses Buch ist voller Leid und Schmerz, Kummer und Zweifeln und daneben scheint trotzdem die Sonne, es gibt so tolle Momente, Gespräche oder auch einfach nur Gesten, die deutlich machen, dass es manchmal einfach mehr als tausend Worte sagt, jemanden zu halten und für ihn da zu sein.
Klingt alles noch ein wenig wirr und unverständlich? Nun ich will hier nicht spoilern, euch aber trotzdem versuchen die Bandbreite an Gefühlen, Elementen, tollen und aufwühlenden Situationen zu schildern. Mit Ciro und Noah wird es nie langweilig und auch wenn die Dinge, die man mit ihnen erlebt und über sie erfährt, nicht alle leicht zu schlucken sind, so hat sich für mich doch jede Seite gelohnt.
Gut gefallen hat mir auch der Vergleich mit der Situation auf dem Drahtseil, beziehungsweise auf dem Drahtseil mit dem Leben. So zieht sich der Name durch das Buch wie ein roter Faden. Es hat einen direkten Bezug zu Ciro, denn er läuft über dieses Seil, wieder und wieder. Aber auch außerhalb der Arbeit taucht es immer wieder auf. Ich mochte diese Assoziationen dazu, es hat vieles sehr schön veranschaulicht und gleichzeitig die Dramatik in manchen Situationen noch verstärkt.
Die Geschichte wird sowohl aus der Perspektive von Ciro, als auch aus der von Noah geschildert. So hat man die Möglichkeit beide Protagonisten sehr intensiv zu begleiten und direkt in ihre Köpfe zu schauen. Die Kämpfe, die sie mit sich selbst austragen, sind teilweise noch größer, als die, die sie nach außen hin austragen müssen. Durch die Ich-Perspektive erlebt man auch all ihre Gefühle hautnah mit, was das ganze noch intensiver und authentischer macht.
Fazit
Ein Buch, das einfach unter die Haut geht, auf ganz verschiedene Weise. Das Zusammentreffen und Kennenlernen von Ciro und Noah war ziemlich spontan, die folgen für beide verheerend. Der Kampf um Anerkennung, um Respekt, Verständnis und einfach darum, sein und leben zu dürfen, wie man ist und sich fühlt, nimmt viel Platz im Buch ein und wurde auf eine Art beschrieben, die einen erst innerlich zerreißt und dann wieder heilt. Der Schreibstil der Autorin ist direkt, ehrlich, beschönigt nicht, wo es nichts schön zu reden gibt und transportiert trotzdem oder gerade deswegen enorm viele Emotionen. Und obwohl ich öfter schlucken musste und die Protagonisten in den Arm nehmen wollte, um ihnen zu zeigen, dass da noch mehr Menschen sind, die für sie da sind, liebe ich die Sasori-Bücher einfach.
Drahtseiltänzer
Manuela Hahn am 12.07.2015
Bewertungsnummer: 883944
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Eins vorweg: Ich lese keine Liebesromane, die sind kitschig und vorhersehbar und immer gleich , voller unrealistischer Romantik und enden meist mit einem Spaziergang in den Sonnenuntergang oder so , soweit die graue Theorie, nur manchmal packt auch mich die Neugier: Wie sieht denn das aus, wenn eine mir bisher nur als Fantasyschreiberin bekannte Autorin, eine Liebesgeschichte erzählt, die zwischen zwei Männern spielt, von denen sich einer ab und zu als Frau wohler fühlt als als Mann?
Kurz zum Inhalt:
Noah, 17,selbstbewusst,beliebt bei seinen Freunden und Klassenkameraden und schwul, hat sich endlich getraut sich auch seinen Eltern gegenüber zu outen, nachdem sein restliches Umfeld schon lange Bescheid weiß. Was zunächst reibungslos über die Bühne zu gehen scheint, macht seinen Eltern dann doch ziemlich zu schaffen, sie brauchen mehr Zeit und Abstand um die Neuigkeit zu verarbeiten und gemeinsam beschließen sie das Noah mit seinem Onkel Urlaub in Italien zu machen. Dort trifft er Ciro und damit ändert sich sein gesamtes Leben, denn schon bald wird ihm klar, das Ciro seine große Liebe ist
Und natürlich fangen die Probleme damit erst an, denn Ciro muss seine Neigungen geheim halten und er versteckt in sich noch einen weiteren Menschen (ich habe keine Ahnung wie ich das sonst ausdrücken soll) Chiara, eine junge wunderschöne Frau, die den Lebensunterhalt für sich und ihren Bruder als Drahtseilartistin verdient und die die Bewunderung des Publikums und besonders der Männer genießt.
Mehr verrate ich nicht ;o)
Meine Meinung:
Die Geschichte von Noah und Ciro ist eine Liebesgeschichte, manchmal kitschig, manchmal zum heulen schön und manchmal machten die Handlungen der Protagonisten wirklich wütend, manchmal wollte ich die Hauptpersonen schütteln damit sie aufwachen und so handeln wie es vernünftig wäre und wie es sie schneller und problemloser zum Happy End führen würde, nur ganz ehrlich das wäre dann ja schon etwas langweilig.
Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, sie beschreibt ihre Charaktere und Örtlichkeiten sehr anschaulich, man kann sich gut vorstellen das die fiktiven Personen doch irgendwo existieren und genau das im Buch beschriebene Leben führen.
Sie findet klare und schnörkellose Worte wenn es um Sex geht (Warnung für Prüde *Ja die schlafen miteinander und küssen sich und so*) und herzerwärmende (ich habe immer noch kein weniger blödes Wort gefunden) wenn es um Gefühle geht.
Mein Fazit:
OK, ich lese doch Liebesromane, aber sie müssen etwas besonderes sein.
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