1905 aus St. Petersburg geflohen, findet die kleine Hildegard mit ihrer Familie auf dem Landgut der adligen Vorfahren in Königsberg ein neues Zuhause. Das aufgeweckte Mädchen steckt voller Energie und Wissensdurst, sehnt sich aber zutiefst nach Liebe und Anerkennung. Als sie dem Studenten Gustav von Langner aus Deutsch-Südwestafrika begegnet, beginnt sie zaghaft zu träumen – vom Sehnsuchtsland Afrika und von Gustav.
Doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus und ihre Träume zerplatzen wie eine Seifenblase. Hildegard ahnt nicht, welch turbulente Zeiten ihr noch bevorstehen. Sie ahnt nicht, dass sie schon bald im Berlin der 20er-Jahre
leben und nicht nur einen, sondern zwei Weltkriege wird
meistern müssen. Vor allem aber ahnt sie nicht, welche Umwege das Leben sie noch führen wird, bevor sie endlich das findet, wonach sie sich am meisten sehnt: ein Zuhause.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Die Protagonistin Hildegard von Plötzke muss bereits als Kind erfahren, was es bedeutet, alles zurück lassen und ein neues Leben in einem fremden Land beginnen zu müssen. Nach dem Petersburger Blutsonntag im Jahre 1905 flieht ihre Familie vor den Bolschewisten und lebt fortan in einem herrschaftlichen Haus in Ostpreußen, in der Nähe von Königsberg. Irma Joubert stellt ihren Lesern ein trauriges kleines Mädchen vor, deren Eltern eine lieblose Ehe führen, wo es auch keine Zärtlichkeit oder gar Liebe für ihre einzige Tochter gibt. Das einsame Kind wendet sich ihrer geliebten Nanny Miss Jones zu, die sie mit Wärme und mütterlicher Zuneigung überschüttet Dinge, die sie bei ihren leiblichen Eltern nicht erfährt. Als es in Deutschland zum Krieg kommt, scheint sich der Schrecken der Flucht aus Russland zu wiederholen. Hildegard muss jedoch nicht nur den ersten, sondern auch den zweiten Weltkrieg überstehen, und aus dem verwöhnten, fremdbestimmten Mädchen aus adeligem Hause wird eine selbständige junge Frau, die gelernt hat, sich an die schlimmen Umstände anzupassen. Über kurz oder lang verliert sie geliebte Familienangehörige und Bekannte, aber trotz allen Entbehrungen und allem Leid findet auch Hildegard letztendlich ihr kleines, persönliches Glück.
Irma Joubert erzählt in diesem Buch vom Leben einer tapferen Frau, die unerschütterlich ihren Weg geht und es versteht, sich den Gegebenheiten anzupassen. Ihre Protagonistin macht im Verlauf des Buches eine enorme persönliche Wandlung durch und entwickelt sich zu einer charakterstarken und selbständigen Frau. Was diesen Roman auszeichnet, sind die exzellent recherchierten Schilderungen der historischen/politischen Ereignisse des Jahres 1905 bis hin zum Ende des zweiten Weltkrieges. Durch die Person der Protagonistin und etlicher, sehr gut ausgefeilter Nebenfiguren lässt die Autorin diese Zeitspanne für ihre Leserschaft lebendig erlebbar werden. Sowohl der Müßiggang und die Oberflächlichkeit des Adels, als auch die bittere Armut und die tristen Zustände der gesamten Bevölkerung in Kriegszeiten werden dermaßen lebhaft geschildert, dass man nicht umhin kann, ganz tief in diese Geschichte einzutauchen. So liest man von der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre und der damit verbundenen Arbeitslosigkeit von Millionen Menschen, vom Kampf um die Machtübernahme zwischen den Nationalsozialisten und den Kommunisten in Deutschland, den immer stärker ausartenden Antisemitismus, dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich und den Ausbruch des zweiten Weltkriegs, der Explosion des Zeppelins Hindenburg und letztendlich den Überlebenskampf im ausgebombten Berlin, als die Invasion der Russen einmarschiert. Dieser Flut von Ereignissen wird auf beinahe fünfhundert Seiten Raum gegeben, wobei es der Autorin stets trefflich gelingt, sie kunstvoll mit der Geschichte ihrer Protagonistin zu verweben.
Den Schreibstil von Irma Joubert, der Emotionen, Spannung und christliche Werte mit dem Zeitgeschehen verwebt, kann ich nur als brillant bezeichnen. Leider hat die Autorin sich auch in diesem Buch dafür entschieden, ihre Geschichte im Präsens zu erzählen. Eine Schilderung von Ereignissen in der Gegenwartsform, die im Verlauf mehrerer Jahrzehnte stattgefunden haben, irritiert mich stets und behindert meinen Lesefluss erheblich. Bei dieser Neuerscheinung von Irma Joubert bin ich dennoch froh, mich trotz meiner Abneigung gegen den Erzählstil für die Lektüre dieses Buches entschieden zu haben. Sehnsuchtsland war für mich ein gewaltiges Epos, ein Buch, das seine Leser fesselt und nachhaltig zu beeindrucken vermag. Mit diesem Roman ist Irma Joubert ein wahres Meisterwerk gelungen, das ich persönlich als eines meiner Lese-Highlights dieses Jahres bezeichne.
smillas_bookworld
aus Rheinland Pfalz
5/5
03.09.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wenn Geschichte plötzlich fesselnd wird
...ein ganzes Leben muss sie zurücklassen. Wieder einmal. (S. 314)
1905 muss Hildegard als kleines Mädchen mit ihren Eltern vor den Bolschewisten fliehen. In Königsberg kommt die adlige Familie bei Verwandten unter. In Königsberg begegnet Hildegard auch Gustav aus Deutsch-Südwestafrika. Doch kurz vor Beginn des 1. Weltkriegs reist er überstürzt zurück in seine Heimat. Auch ihre englische Nanny wird von ihrem Vater entlassen, ohne dass sich Hildegard von ihr verabschieden kann. Um sich von diesen beiden Trennungen abzulenken pflegt Hildegard verwundete Soldaten. All das Leid, das ihr dabei begegnet, lässt sie den Krieg aus tiefstem Herzen verabscheuen. Und so sieht sie die Entwicklungen zu Beginn der dreißiger Jahre auch mit sehr kritischen Augen. Inzwischen lebt sie in Berlin, erneut geflohen vor den Bolschewisten...
...und das ist nicht die letzte Flucht für Hildegard. Es gibt noch einige Trennungen für sie, oftmals ohne richtige Verabschiedungen. Träume, die zerplatzen, Sehnsüchte, die begraben werden müssen.
Halt in diesen schwierigen Zeiten gibt ihr der Glaube an Gott, von dem ihr die englische Nanny erzählt hat. Hildegard geht in die Kirche, betet und fleht zu Gott. Oftmals schafft sie es nur Herr, Herr zu seufzen. Etwas, was mir sehr bekannt vorkommt. Trotz all der dunklen Stunden hält Gott ein Happy End für Hildegard bereit.
Irma Joubert baut von Anfang an eine Spannung auf, die zunächst zwar nur unterschwellig ist, aber sich stetig steigert. In kurzen, schnörkellosen Sätzen, die sich aneinanderreihen wie Perlen auf einer Perlenkette, schildert sie die turbulente Zeit der zwanziger, dreißiger und vierziger Jahren. Ungewöhnlich ist, dass sie den Roman (wieder) im Präsens geschrieben hat. Irgendwann kam mir die Erkenntnis: Hätte sie alles in Vergangenheitsform erzählt, hätte man das Gefühl ein Geschichtsbuch zu lesen. So aber steckt man mitten in der Handlung, für den Leser wird die Geschichte gegenwärtig und wesentlich greifbarer! Zum ersten Mal konnte ich die Zusammenhänge klar erkennen, die politische Entwicklung und wie diese aus der Sicht der Bevölkerung wahrgenommen wurde. Da kann ich nur sagen: Chapeau, liebe Historikerin! Was ich im Geschichtsunterricht als langweilig und kompliziert empfand, konnte mich auf einmal fesseln!
Manchmal fehlte mir eine Zeitangabe, in welchem Jahr man sich gerade befindet. Glücklicherweise hatte ich ein Interview mit der Autorin gehört und erfahren, dass sie ihrer Protagonistin das Geburtsjahr 1900 gegeben hatte, damit sie selbst nicht so viel rechnen muss, wie alt diese nun sei.
Fazit: Wer fundierte, spannende historische Romane mag, sollte bei Irma Joubert zugreifen! Seit Das Mädchen aus dem Zug hat sie sich in mein Herz geschrieben und ich hoffe noch viele Romane aus der Feder der Südafrikanerin lesen zu dürfen.
Petra Donatz
5/5
26.07.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein grandioser Roman
Klappentext
1905 aus St. Petersburg geflohen, findet die kleine Hildegard mit ihrer Familie auf dem Landgut der adligen Vorfahren in Königsberg ein neues Zuhause. Das aufgeweckte Mädchen steckt voller Energie und Wissensdurst, sehnt sich aber zutiefst nach Liebe und Anerkennung. Als sie dem Studenten Gustav von Langner aus Deutsch-Südwestafrika begegnet, beginnt sie zaghaft zu träumen vom Sehnsuchtsland Afrika und von Gustav.
Doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus und ihre Träume zerplatzen wie eine Seifenblase. Hildegard ahnt nicht, welch turbulente Zeiten ihr noch bevorstehen. Sie ahnt nicht, dass sie schon bald im Berlin der 20er-Jahre leben und nicht nur einen, sondern zwei Weltkriege wird meistern müssen. Vor allem aber ahnt sie nicht, welche Umwege das Leben sie noch führen wird, bevor sie endlich das findet, wonach sie sich am meisten sehnt: ein Zuhause.
Die Autorin
Irma Joubert lebt in Südafrika. Sie studierte Geschichte an der Universität von Pretoria und war fünfunddreißig Jahre lang Lehrerin an einem Gymnasium. Nach ihrer Pensionierung begann sie mit dem Schreiben. Die Historikerin liebt es, gründlich zu recherchieren und ihre Romane mit detailreichen Fakten zu untermauern. In ihrer Heimat und den Niederlanden haben sich ihre historischen Romane zu Bestsellern entwickelt und sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden.
Meine Meinung
Story
Schon nach wenigen Seiten hat mich das Buch gefesselt. Die Handlung beginnt sofort recht spannend, denn wir erleben die Flucht von der kleinen Hildegard und ihrer Familie, die 1905 aus St. Petersburg vor den Bolschewisten fliehen müssen. Man erlebt wie Hildegard auf dem Landsitz ihrer Vorfahren in Königsberg langsam zur jungen Frau heranwächst. Sie hat es nicht immer leicht, denn zu ihren Eltern hat sie stehts ein kühles, sehr distanziertes Verhältnis und ihre Nanny, an der ihr Herz hing, wurde von jetzt auf gleich aus ihrem Leben gerissen. Man erlebt als Lesser mit wie Hildegard sich entwickelt, wie sie den Ersten und Zweiten Weltkrieg meistert und wie sie erneut immer wieder fliehen muss und dabei ihr Hab und Gut zurücklassen muss.
Leider hat Hildegard immer jemanden in ihrem Leben, der ihr vorschreibt was sie tun und lassen soll und wer sie zu sein hat. Erst als der Zweite Weltkrieg sie wieder aus ihrem gewohnten Leben reißt, Berlin in Schutt und Asche liegt und sie erneut fliehen muss, lernt sie was Freiheit und Glück bedeuten.
Als dieses und vieles mehr hat die Autorin Irma Joubert in eine wahnsinnig spannende und mitreißende Geschichte gepackt, die mich zu 100% überzeugen konnte.
Schreibstil
Das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen. Einmal begonnen mag man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Irma Joubert schreibt sehr bildhaft, so das man die Schauplätze und auch die Personen förmlich vor Augen hat, Sie lässt viele reale Ereignisse und historisch belegte Fakten einfließen, besonders über die beiden Weltkriege erfährt man sehr viel Hintergrundwissen.
Charaktere
Hildegard mochte ich von der erste Seite an. Sie tat mir so unendlich leid, weil ihre Eltern, besonders die Mutter, sehr kühl und distanziert waren. Ich hätte sie so gerne zwischenzeitig getröstet.
Man erlebt als Leser ihre Entwicklung vom eigenwilligen Kind bis zur mutigen jungen Frau. Liebe erfährt Hildegard nur selten und es gibt immer jemanden der sie in eine Rolle hinein presst, in der sie eigentlich nicht glücklich ist.
Alle anderen Charaktere waren auch sehr authentisch und sehr gut wiedergegeben. Ich mochte Andreas Mäkinen so gerne. In ihm findet Hildegard einen wahren Freund oder man könnte sogar sagen, einen zweiten Vater.
Mein Fazit
Ein grandioser, fesselnder und sehr spannender Roman mit vielen historisch belegten Fakten. Ein Roman über eine starke, mutige Frau die die Wirren und das Grauen zweier Weltkriege meistert und dabei meistens völlig auf sich gestellt ist. Ein Roman über Hoffnung, Glaube und Neuanfang.
Ich vergebe volle fünf von fünf Sterne / Leseratten und eine absolute Leseempfehlung. Wer historisch gut recherchierte Romane mag, die über die Zeit der beiden Weltkriege handelt, ist hier genau richtig.
Klaudia K.
aus Emden
4/5
29.09.2016
Buch (Gebundene Ausgabe)
Krieg,Tod und Hoffnung
Der einmalige Roman "Sehnsuchtsland" von Irma Joubert umspannt beide Weltkriege und das Leben der Menschen zu damaligen Zeit.
Hildegard, gerade sechs Jahre alt, muss 1905 über Nacht mit ihren Eltern und ihrer Nanny aus Russland flüchten. Auf dem Landgut der adeligen Vorfahren in Königsberg findet sie ein neues Zuhause. Hildegard ist eine kluge und wissensdurstige Seele und nimmt jede Gelegenheit wahr Neues in sich aufzunehmen und zu verstehen. Sie lernt den Nachbarsenkel Gustav aus Deutsch - Südwestafrika kennen, und träumt davon irgend wann einmal selbst in diesen faszinierenden Teil der Welt reisen zu können.
Leider bricht der erste Weltkrieg aus und Hildegards Träume zerstreuen sich über Nacht. Sie hilft in einem Spital die Verwundeten zu trösten und zu versorgen. Durch die brutale Realität wird sie aus ihrer jugendlichen Traumwelt gerissen und sieht sich jäh in der schonungslosen Wirklichkeit der Welt wieder. In dieser für sie sehr bitteren Zeit lernt sie auch den zwanzig Jahre älteren Arzt kennen, der letztendlich über eine mehr oder weniger arrangierte Hochzeit später ihr Ehemann wird und mit dem sie Kinder hat. Sie kann nicht ahnen, dass sie auch noch den Schrecken eines zweiten Krieges durchleben muss. Wird sie ihre Familie, ihre Kinder, dem zweiten Krieg opfern müssen? Ob sie jemals ihren Jugendschwarm Gustav wieder sehen wird?
Irma Joubert untermalt die in einer historisch enorm dramatischen Zeit handelnde Geschichte mit sehr interessant gestalteten Charakteren. Ihre Sichtweisen, Lebenseinstellungen und deren Empfinden während der dramatischen Ereignisse lässt den Leser in das Geschehen eintauchen und die dargestellte Welt einer von gesellschaftlichen Umbrüchen und schließlich auch brutalen Kriegsgeschehen aus den Angeln gehobenen Gesellschaft in den unterschiedlichsten Blickwinkeln miterleben und mitfühlen.
Hildegard, die sich eigentlich nur nach Liebe und Anerkennung sehnt und doch immer nur Distanziertheit und Kühle zunächst in ihrer Kindheit von den Eltern dann über ihren Mann in ihrer Ehe erfährt, verzagt jedoch nie.
Ganz besonders ist mir der Arzt Mäkinen aufgefallen, der so viel Verständis und Liebe allen Menschen und insbesondere Hildegard entgegen bringt. Er war ihr guter Freund und rettender Engel in der Not.
Die Atmosphäre des Romans erschien mir immer etwas düster. Dies ist auch kein Wunder und lässt sich auf die präzise Recherchearbeit und Erzählkunst der Autorin zurückführen. Denn schließlich wird die Story von den beiden Weltkriegen, der damit verbundenen Armut, dem Verlust und den Ängsten der Menschen geprägt, die sehr eindringlich und genau beschrieben sind. Diese Präzision, mit der die Autorin ihren Roman in den historischen Kontext stellte war für mich schon fast ein wenig zu viel, doch es ist mir klar, dass diese Dinge in der Zeit der Handlung nun leider so statt gefunden haben.
Die Autorin bedient sich einer sehr schönen, bildgewaltigen Sprache, die sie besonders gekonnt einsetzt, wenn es darum geht Land und Leute zu beschreiben. Sie schafft somit ein unvergleichliches Kopfkino der Extraklasse.
Irma Joubert Geschichte hat über ihr professionelles Wissen die historischen Ereignisse und Fakten vortrefflich zu einer spannenden Geschichte verwoben. Manchmal sind ein paar Längen in den Roman eingebaut, doch im Gesamtwerk verlieren sich diese.
Der Autorin ist ein wunderbarer, sehr gut zu lesender Roman in historischem Kontext gelungen, der über viele Emotionen, Hoffnung und Neuanfang berichtet. Die Lektüre ist aus meiner Sicht eine vortreffliche Unterhaltung auf angenehm hohem Niveau.
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