Die Wertschätzungskonzeption der Toleranz. Praktische Analyse und Erklärungszusammenhang
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Sprache:Deutsch
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Produktdetails
Format
ePUB
Kopierschutz
Nein
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Nein
Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
27.01.2014
Verlag
GRINSeitenzahl
20 (Printausgabe)
Dateigröße
308 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783656582380
Der Begriff der Toleranz hat aus heutiger Sicht einen klar religiösen und kulturvergleichenden Schwerpunkt, was mitunter den Blick darauf verstellt, wie vielfältig ihr Anwendungsbereich eigentlich ist. Dieser erste Eindruck geht entscheidend auf die Schlichterfunktion der Toleranz zurück, mit der bis weit in die Neuzeit hinein der Brückenschlag zwischen den Absolutheitsansprüchen der Offenbarungsreligionen versucht wurde. Ursprünglich bezeichnet sie hingegen, wie etwa Ottfried Höffe zusammenfasst, "[...] die Leidensfähigkeit angesichts unangenehmer Widerfahrnisse [...]" . Eine geistige Last, deren Schwere sich aus kollidierenden Weltanschauungen oder Lebenspraktiken ergibt, wird ertragen. Ihr Charakter ist folglich der einer präventiven, gewaltverhindernden Tugend, die individuell erlernt werden muss, und funktional dient sie in einem ethischen Konzept der allgemeinverträglichen Kanalisierung von Differenzen. Da diese Differenzen fast ausschließlich zwischenmenschlicher Natur sind und erst in Gemeinschaften zur reellen Bedrohung des friedfertigen Umgangs werden, ist die Toleranz Teil der Sozialethik. An dieser Stelle muss die signifikante Verschiebung in der Toleranzbegründung betont werden; zunächst war duldsames Handeln - wie in der Mailänder Vereinbarung von 313 oder im Augsburger Religionsfrieden von 1555 - eher an pragmatische Überlegungen geknüpft, Toleranz wurde als Einsicht in den (ephemeren) Nutzen geübt. In der Aufklärung verschiebt sich die Begründung hingegen auf das Feld der allgemeinen Menschenrechte und erlangt somit ihren bis heute konsensuell gültigen normativen Charakter, der sie erst zur Tugend macht.
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