London 1889: Lady Gloria Wingfields Projekt eines Frauenbildungsvereins nimmt Formen an. Doch am Eröffnungsabend geschieht während der Feierlichkeiten ein Mord. Das sorgt einerseits für Aufmerksamkeit für den Verein, andererseits aber für jede Menge Ärger. Zusammen mit dem Journalisten Morris beginnt Gloria, Nachforschungen anzustellen. Was ihrem Freund Lord Lyndon gar nicht gefällt. Wie sich herausstellt, hat er seine Gründe.
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Lady Gloria Wingfield hat es mit viel Zeit, Organisationstalent u. mit Hilfe gleichgesinnter Damen geschafft, ihren Frauenförderverein zu gründen. Endlich steht die Eröffnung an,doch gerade während dieser Feierlichkeit wird Alfred von Sachsfeld u. Thalburg, einer der Sponsoren des Vereins mit einem afrikanischen Dolch erstochen. Gerade dieser Dolch hatte zuerst für Aufsehen gesorgt. Das wertvolle Geschenk stammte von James Labulo Dickson,einem weiteren Sponsoren des Vereins, der dieses Präsent erst kurz vorher den Gründerinnen überreicht hatte. Lady Gloria beginnt wieder einmal eigene Ermittlungen, weil sie den von der Polizei verdächtigten Bedwin Sands für unschuldig hält.Hilfe erhält sie dabei von Reporter Gregory Morris,sehr zum Ärger von Lord Lyndon,denn Gloria fühlt sich zu dem gut aussehenden Journalisten sehr hingezogen. So gut wie die beiden Vorgänger haben mir "Die Londoner Liebschaften" nicht gefallen! Das lag zum einen an dem etwas zähen Einstieg in das Buch. Hier wird man schon auf den ersten Seiten mit unzähligen Namen,Persönlichkeiten u.deren berufl. o.privaten Aktivitäten konfrontiert,die sicher für den Frauenverein von Wichtigkeit sind,in ihrer geballten Masse aber sehr unübersichtlich sind u.sich zudem wie eine Abhandlung lesen lassen.Zum Glück gibt es ein Personenverzeichnis,in dem man immer mal wieder nachlesen kann u.muß,welche Person eigentl.diese o.jene Funktion erfüllt.Wenn man den historischen Hintergrund betrachtet,ist es natürlich schon lesenswert,welche historisch verbürgten Personen sich für Frauenrechte einsetzten, aber gerade am Anfang wirkt die geballte Informationsflut einfach nur langatmig u.trocken. Ein weiterer Kritikpunkt war für mich diesmal auch Gloria, die ich in den beiden Vorgängern wirklich mochte,die mir aber diesmal mehr als nervig erschien.Da entdeckt sie einerseits ihre Gefühle für Lord Lyndon, verfällt aber in eine geradezu mädchenhafte Schwärmerei für den ach so gut aussehenden Reporter Morris.Daß der Mann soooo attraktiv ist, wird so oft wiederholt, daß ich es irgendwann nicht mehr lesen konnte. Der Krimifall ist an sich ganz gut konstruiert u.vor allem auch in das historische Geschehen integriert,das hat mir gut gefallen,auch wenn ein versierter Krimileser schon recht bald erkennt, wo hier der Hase lang läuft, da wäre dann doch ein wenig mehr Raffinesse nötig gewesen. Insgesamt liegt der Fokus aber hier doch mehr auf dem Aspekt Gesellschaftsroman mit Liebesgeschichte als auf dem Krimibereich,der Krimianteil hätte für meinen Geschmack durchaus etwas größer sein dürfen,dafür etwas weniger Geseufze über den ach so attraktiven Mr. Morris! Was mir am Besten im Buch gefallen hat,ist wieder die wirklich gelungen eingefangene Atmosphäre des viktorianischen Zeitalters. Hier bekommt man als Leser einen sehr guten Einblick in eine spannende Zeit im Umbruch.Frauenrechte werden ebenso thematisiert,wie Veränderungen im Pressebereich.Durch moderne Technik gab es eine ganze Flut von Magazinen u.Zeitungen, ebenso änderte sich die Form der Berichterstattung u.auch Rufmord durch Falschmeldungen wird hier angeschnitten,so daß man einen sehr gelungenen Einblick in die viktorianische Ära bekommt,die durch eine Vielzahl von historisch verbürgten Personen gekonnt abgerundet wird. Sehr schön ist wieder das Cover des Dryas Verlages,das zum einen gut zu den beiden Vorgängern paßt u.sich ebenso stimmig in die "Baker Street" Reihe einfügt. FaziT: Teil 3 der Reihe konnte mich nicht ganz so begeistern wie die beiden Vorgänger,neben einem etwas zähen Einstieg ins Buch kann auch das Verhalten der Hauptfigur nicht wirklich überzeugen u.für meinen Geschmack hätte der Krimiteil ruhig etwas größer sein dürfen.So ist am Ende nicht ganz ersichtlich, wo die Autorin eigentlich hin wollte,Gesellschaftsroman o. Krimi? Sehr schön ist aber wieder der historische Hintergrund, der viel Zeitgeist u.Lokalkolorit vermittelt u.den Leser in die viktorianische Ära eintauchen läßt.
Ein toller Roman!
Zeit der Buecher am 24.05.2017
Bewertungsnummer: 1021455
Bewertet: eBook (ePUB)
Handlung
Im Jahre 1889 wagt sich Lady Gloria Wingfield an ein revolutionäres Projekt; sie gründet einen Frauenbildungsverein. Doch schon der Abend der Eröffnung steht unter keinem guten Stern, denn es geschieht ein Mord. Dies sorgt für jede Menge Aufmerksamkeit und einige Gäste scheinen sich besonders komisch zu verhalten. Gloria kann nicht widerstehen und beginnt Nachforschungen anzustellen und tritt dabei mehr als einer Person auf die Füße.
Charaktere
Gloria ist ein sehr angenehmer Hauptcharakter, der sich wunderbar in das viktorianische Zeitalter einfügt. Als starke, selbstständige und selbstbewusste Persönlichkeit entspricht sie nicht unbedingt dem damaligen Frauenbild und überzeugt aber gerade dadurch den Leser vom Tiefgang und der Authentizität der Figur. Ein wenig erinnerte sie mich an eine nicht ganz so schrullige, dafür dezentere und natürlich wesentlich jüngere Miss Marple.
Neben Gloria erwartet den Leser eine ganze Reihe an komplexen Figuren, die allesamt sehr authentisch wirken und wunderbar den Zeitgeist des viktorianischen Zeitalters widerspiegeln. Etwas anstrengend wäre dies vor allem auf den ersten Seiten, da schon recht viele Figuren auf wenig Seiten eingeführt werden. Das Personenregister am Ende des Buches bietet dem Leser jedoch einen tollen Überblick aller beteiligten Personen samt Kurzbeschreibung, welches das Lesen ungleich angenehmer macht.
Schreibstil
Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, erzeugt hier jedoch einen eher ruhigeren Krimi. Die Sprache ist sorgsam gewählt und erzeugt eine tolle Atmosphäre des viktorianischen Zeitalters und passt sich dem wunderbar an. Die Kapitel haben zudem eine angenehme Länge.
Mein Fazit
"Gloria und die Londoner Liebschaften" ist der dritte Teil der Gloria-Romane und gleichzeitig der Erste, den ich aus der Reihe gelesen habe. Dies machte für mich jedoch keinen Unterschied, da ich auch ohne Kenntnisse der Vorgängerbände wunderbar in die Geschichte hinein kam und auch zu Gloria sofort einen Zugang fand.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen, der gewählte und dennoch flüssig zu lesende Schreibstil in Kombination mit authentischen und tiefgründigen Figuren bilden einen tollen Rahmen für einen atmosphärisch dichten Roman, der den Leser geradewegs in die gehobenen Kreise des viktorianischen Londons entführt. Gemeinsam mit einer angenehmen Hauptfigur begibt man sich auf Spurensuche, an dessen Ende die Entlarvung des Mörders wartet. Neben einer großartigen Kulisse und einem spannenden Fall bekommt man zudem noch eine zarte Liebesgeschichte geboten, die keinesfalls kitschig ist und das Lesevergnügen abrundet. Ich kann dieses Buch guten Gewissens weiterempfehlen und freue mich schon auf die anderen Romane der Gloria-Reihe! Ich vergebe 4,5/5 Punkten.
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