Evolution der Weltbilder

Evolution der Weltbilder

Mythische Weltanschauungen im Kontext wissenschaftsbasierter Daseinsdeutung

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Evolution der Weltbilder

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Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

16.01.2017

Verlag

Disserta

Seitenzahl

236

Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

16.01.2017

Verlag

Disserta

Seitenzahl

236

Maße (L/B/H)

22/15,5/1,5 cm

Gewicht

382 g

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-95935-352-6

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Textprobe:
1. Grundzüge der keltischen Kultur:
Religion:
Über die Jahrhunderte hinweg boten die Religionsvorstellungen der Kelten viel Anlass zu den fantastischsten Spekulationen. Und bis heute hat sich daran im Grunde wenig verändert. Eine einheitliche, systematisierende Mythologie wie über das griechische Pantheon oder den hinduistischen Götterhimmel ist für die keltische Religion nicht belegt. Dennoch lassen sich im gesamtkeltischen Siedlungsgebiet anhand des Quellenmaterials Gemeinsamkeiten herausarbeiten, die auf eine verwandte, wenn nicht sogar dieselbe mythische Weltdeutung schließen lassen.
Auf gemeinsame Weltanschauungen deuten nicht nur die im gesamten keltischen Siedlungsgebiet zu findenden Übereinstimmungen bei den Bestattungen, Grabbeigaben, versenkten Opfergaben und heiligen Kultplätzen, sondern vor allem die Weigerung, religiöse Inhalte schriftlich niederzulegen, obwohl die damals bekannten Schriften etwa im Handel nachweisbar zur alltäglichen Verwendung in Gebrauch waren. Es ist schon erstaunlich, dass kein Priester, kein Dichter, kein Gelehrter dieser zahlreichen Stämme über einen Jahrhunderte andauernden Zeitraum auch nur ein einziges Schriftstück mit Bezug auf die eigene Glaubensvorstellung und Weltdeutung hinterließ, insbesondere, da doch gerade die Rede- und Dichtkunst bei den keltischen Stämmen in so hohem Ansehen gestanden haben soll.
Große Bedeutung kam dem Opferwesen zu. Zu opfern, bedeutet, etwas "heilig" zu machen und anschließend in die nicht fassbare, die "Andere Welt" zu überführen. Auf diese Art war es möglich, den transzendenten Wesen die Wünsche oder den Dank des Einzelnen wie auch der Gemeinschaft kundzutun, sie zu stärken, oder begangenes Unrecht wieder gutzumachen, um die Wesen zu versöhnen. Das Vollziehen von Sach-, Tier- und Menschenopfern gehörte zu den Kulthandlungen der Druiden. Diese Opfergaben wurden meist auf eine spezielle Weise an einem besonderen Ort dargebracht. Viele der Gegenstände, besonders Waffen und Werkzeuge, wurden vor der Weihung unbrauchbar gemacht, um damit ihr Ausscheiden aus der profanen (natürlichen) Welt anzuzeigen. Weit verbreitet waren außerdem Riten, die darin bestanden, ein Götterbildnis oder einen Steinpfeiler mit Fett, Blut oder Rötel einzureiben. Vermutlich ging es dabei um die Kräftigung und Stärkung der damit verbundenen Gottheit.
Neben der Darbringung oft unbrauchbar gemachter Votivgaben in Höhlen, Spalten und vor allem Gewässern, deuten versenkte Menschenopfer auf eine tiefe Verehrung chthonischer Mächte. Handelte es sich um einen Kult der Erdmutter? Einst war er weit verbreitet. Insbesondere den frühen Ackerbauern diente er der Huldigung der fruchtbaren Erde, aus der alles Leben stammte und in die es an seinem Ende wieder einging. Doch wieso genossen die erdgebundenen Gottheiten bei den Kelten eine solche Stellung? Hatten die kriegerischen Völker der Indogermanen mit ihrem Sieg über die autochthone Bevölkerung Europas nicht auch einen Sieg über die alten Gottheiten errungen?
Anhand der griechischen und römischen Mythen lässt sich gut nachvollziehen, wie die Funktionen der Erdgöttin zu einem Großteil auf männliche Gottheiten übertragen wurden. Als unberechenbare Urmutter hatte sie kaum noch Anteil an den offiziellen Götterkulten, wenngleich sich Hinweise auf ihre einstige Macht in zahlreichen Mythen finden und Rituale ihres Kultes über lange Zeit hinweg in geheimen Mysterienkulten ausgeübt wurden.
Hatte die Verehrung chthonischer Mächte eine Abwendung von den lichten, Ordnung bringenden Himmelsbewohnern zu bedeuten, hin zu den dunklen Kräften des Chaos, dem Schoß der alles verschlingenden Erdmutter? Nicht unbedingt. So stand an der Spitze der keltischen Götterwelt eine männliche Gottheit. Sie war zugleich Ahnherr des Stammes und Herrscher über das fruchtbare Jenseits.
Die Linguistin und Keltologin Marie Louise Sjoestedt vermutet, dass es in der keltischen Religion zwei Leitmotive gab: das m
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