Jim Francis hat endlich seinen Frieden gefunden. Zusammen mit seiner Frau und den beiden Töchtern führt er ein beschauliches Leben unter der Sonne Kaliforniens. Nichts mehr deutet darauf hin, dass er einst ein berüchtigter Straftäter war. Doch dann wird sein Sohn aus erster Ehe ermordet. Um der Beerdigung beizuwohnen, reist Jim noch einmal in die Stadt, die er nie wieder betreten wollte. Und auf Edinburghs Straßen flüstern die Leute: Franco Begbie ist zurück ...
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Eine schottische Milieustudie, verpackt in eine absolut spannende Gangster-Story.
Jim Francis hat endlich seinen Frieden gefunden. Zusammen mit seiner Frau und den beiden Töchtern führt er ein beschauliches Leben unter der Sonne Kaliforniens. Nichts mehr deutet darauf hin, dass er einst ein berüchtigter Straftäter war. Doch dann wird sein Sohn aus erster Ehe ermordet. Um der Beerdigung beizuwohnen, reist Jim noch einmal in die Stadt, die er nie wieder betreten wollte. Und auf Edinburghs Straßen flüstern die Leute: Franco Begbie ist zurück ...(Klappentext)
"Wenn der Zorn ihn übermannt, kann er sein früheres Selbst noch spüren.
Doch in Kalifornien gibt es bei seiner Lebensführung nur wenig,
was ihn so in Rage zu bringen vermag, dass er diesen Punkt erreicht.
Allerdings liegt zwischen ihm und Kalifornien augenblicklich ein ganzer Ozean."
(S. 113)
Wer "Trainspotting" kennt, kennt auch Begbie, wer "Trainspotting" nicht kennt, wird ihn kennenlernen. Diesen Roman kann man also ohne weiteres ohne Vorkenntnisse lesen.
Begbie, bzw. Jim Francis, hat sich vom Gangsterleben völlig zurückgezogen und hat sich im sonnigen Kalifornien ein normales Leben aufgebaut - eine hübsche Frau, zwei entzückende Töchter, Haus am Meer und er ist nun ein gefragter Künstler. Doch einmal Gangster, immer Gangster?
Das man ihm nicht blöd zu kommen braucht und er mit allen Wassern gewaschen ist, wird schon auf den ersten Seiten klar. Wenn es dabei auch noch um seine Familie geht, kennt er nichts und fährt schon mal schärfere Geschütze auf. Als er erfährt, dass sein Sohn tot ist und er dazu erstmal nichts näheres erfährt, ist für ihn klar, dass er wieder in das verhasste Edinburgh zurück muss. Er will nicht nur die Beerdigung besuchen, sondern erfahren was genau vorgefallen ist.
Er bemüht sich nicht in alte Gangstergewohnheiten zu verfallen und die Kontrolle über seine Aggressionen und Emotionen zu behalten, versucht sich wirklich dort in nichts hineinziehen zu lassen. Doch kaum in Edinburgh scheint sich diese dunkle Atmosphäre wieder in ihm einzunisten und er wird immer mehr zu dem Mann, der er früher war - zu Begbie.
Und wir, die Begbie kennen, wissen was das bedeutet, denn - einmal Gangster, immer Gangster...oder?
Welsh hat eine ganz eigene Dialogführung, was anfangs eventuell etwas gewöhnungsbedürftig sein mag, an die man sich jedoch sehr rasch gewöhnt.
"-Ich habe doch was angestellt, gesteht er und beobachtet, wie ihre Gesichtszüge entgleiten.
-Nicht mit den beiden Kerlen. Aber mit ihrem Auto."
(S. 16)
Diesem Stil ist er treu geblieben, ansonsten merkt man, dass "Kurzer Abstecher" ein späteres Werk von Welsh ist. Dieser Roman ist zwar durchaus mit blutigen und gewalttätigen Szenen gespickt und auch die vulgäre und derbe Sprache, welche das Milieu der Edinburgher Gangsterszene hervorragend einfängt, ist vorhanden, trotzdem ist es einer der ruhigeren und vor allem tiefsinnigeren Romane von Welsh.
Das große Thema hier ist, ob man immer das bleibt was man ist und was die Umgebung aus einem gemacht hat, oder ob man sich grundlegend ändern und zu einem völlig anderen Menschen werden kann. Kann man die Einflüsse, welche einem als Kind prägten und einem zu dem gemacht hat was man ist völlig vergessen und verdrängen, oder...einmal Gangster, immer Gangster?
Die Story wird zwischendurch immer wieder durch Rückblenden in die Kindheit von Begbie unterbrochen. So erfährt man wie er zu dem Menschen wurde, der er jetzt ist. Im Grunde konnte aus ihm überhaupt nichts anderes als ein Gangster werden. Schon früh lernte er die Sprache der Straße und der Gewalt kennen, waren doch alle männlichen Familienmitglieder der Begbies schottische Kleinmafiosi.
Dadurch erhält man Einblick auf die prägenden Einflüsse Begbies, seine oft falschen Entscheidungen und auch in seinen Charakter. Dadurch erhält diese Thematik ungewöhnlich Tiefe.
Nur wenige Autoren schaffen es Tiefsinnigkeit in einen fesselnden Roman voll derber Sprüche und blutiger Gewalt zu packen, doch Irvine Welsh ist einer von ihnen. Ein Grund, weshalb er zu einem meiner Lieblingsautoren gehört.
"Die meisten von ihnen haben eine gewisse Ahnung davon, dass die klügsten Menschen diejenigen sind,
die sich selbst als ewige Schüler begreifen,
die niemals damit aufhören zu lernen und sich angesichts der ständig wechselnden Möglichkeiten und Bedrohungen des Lebens immer wieder neu ausrichten."
(S. 101)
Fazit:
Steht Irvine Welsh drauf, ist Irvine Welsh drin und somit war ich auch von diesem Roman restlos begeistert, wenn er auch etwas "ruhiger" ist als "Trainspotting", "Porno" und vor allem als "Drecksau".
Für all diejenigen, welche mal etwas neues bezüglich Genre probieren wollen und vor Gewalt und derben Sprüchen nicht zurückschrecken, kann ich Irvine Welsh sehr empfehlen.
j.h.
aus Berlin
5/5
15.09.2017
Buch (Taschenbuch)
THE BLADE ARTIST - Franco Begbie als Anti-Held von Irvine Welshs erneuter Rückkehr auf die dunklen Straßen Edinburghs
Jim Francis lebt als erfolgreicher Künstler unter der Sonne Kaliforniens - mit liebender Frau und zwei kleinen Töchtern. Seine Plastiken sind etwas sehr Spezielles, denn sie huldigen der Kunst der Destruktion und damit Jim Francis wahrer Leidenschaft. Eines Tages erhält er einen unerwarteten Anruf aus Edinburgh, der ihn über die Ermordung seines erstgeborenen Sohnes Sean informiert. Damit erwacht auch Francis eigentliche Identität wieder zum Leben: Franco Begbie, der notorische Gewalttäter. Trotzdem er zu Sean seit langem keinen Kontakt hatte und Edinburgh eigentlich auf ewig hinter sich lassen wollte, reist Franco umgehend zur Beerdigung und macht sich auf die Suche nach dem Mörder. Immer wieder wird er mit der eigenen dunklen Vergangenheit konfrontiert. Die Gewalt, der Jim Francis eigentlich abgeschworen hatte, scheint in Franco Begbie noch lebendig zu sein ...
Irvine Welsh (*1958), seit längerer Zeit in Chicago lebend, kehrt nach A DECENT RIDE (Ein ordentlicher Ritt, 2015) erneut in die Straßen von Edinburghs Stadtteil Leith zurück, in denen bereits sein Debütroman TRAINSPOTTING (1993) angesiedelt war. Hier spielt nun erstmals der als schillernde Randfigur seit TRAINSPOTTING bekannte Franco Begbie die Hauptrolle und wird auch in Rückblenden umfassender als bisher beleuchtet. Neben dem Taxifahrer Juice Terry und Begbies Exfrau June tauchen auch weitere alte Bekannte in ganz anderer Sichtweise auf. Wie immer ist Irvine Welshs Stil schonungslos direkt - und die Sprache von schöngeistigen Einflüssen weit entfernt. Die Personen sprechen ohne falsche Kompromisse im Slang der Vorstädte. Die zunächst relativ ruhig beginnende Geschichte wird nahezu vollständig aus der Sicht Franco Begbies erzählt und mündet in ein wahrhaft apokalyptisches Finale, nach dem der Leser den Guns-N'-Roses Titel "Chinese Democracy" definitiv mit anderen Ohren hören wird. Die Grenzen des guten Geschmacks werden von Welsh erneut recht heftig ausgetestet und unterschritten.
Der HEYNE-VERLAG veröffentlichte den 2016 erschienenen Roman in hervorragender Übersetzung von Stephan Glietsch unter dem Titel KURZER ABSTECHER in der HARDCORE-Reihe, die ihrem Namen damit wohl in jeder Hinsicht gerecht wird. Für Fans von Irvine Welsh uneingeschränkt empfehlenswert. Zart besaitete Leser sollten das Buch besser meiden. Die Kenntnis wenigstens von TRAINSPOTTING ist für das Verständnis in jedem Falle hilfreich.
S. F. Herrstedt
4/5
05.01.2023
Buch (Taschenbuch)
4/5
Das Buch habe ich von einer Freundin geschenkt bekommen mit den Worten, dass es sehr spannend sei. Da kann ich nur beipflichten. Es ist nie Langweile aufgekommen. Trotzdem ziehe ich einen Stern ab, denn die wörtliche Rede wurde nicht mit Anführungszeichen eingeleitet und beendet. Das hat mich doch sehr gestört beim Lesen.
Havers
3/5
02.10.2017
Buch (Taschenbuch)
Wer erinnert sich nicht an…
Wer erinnert sich nicht an „Trainspotting“, den 1993 erschienenen Roman Irvine Welshs über die schottische Drogenszene. Fortgeschrieben wurde die Geschichte der Clique in „Porno“ (2002), und 2012 machte uns der Autor in „Skagboys“ mit der Vorgeschichte bekannt. Was ist in der Zwischenzeit aus den Protagonisten geworden? Haben sie die Drogenexzesse überlebt, sitzen sie im Knast oder sind sie clean geworden? Diese Fragen mag sich auch der Autor gestellt haben. Antwort darauf gibt er in „The Blade Artist“ aus dem Jahr 2016, nun in der Übersetzung unter dem Titel „Kurzer Abstecher“ in der Übersetzung bei Heyne Hardcore erschienen, wobei Welsh sich hier auf Franco Begbie konzentriert, den einzigen aus der Clique, der nicht drogensüchtig war, sondern sich an und mit Gewalt berauscht hat. Franco Begbie gibt es nicht mehr. Nein, er ist nicht tot, er hat nur einen anderen Namen angenommen und lebt jetzt als Jim Francis in Kalifornien mit Frau (einer Kunsttherapeutin, die er im Gefängnis kennengelernt hat) und zwei Töchtern. Sein neues Betätigungsfeld ist nun die Bildende Kunst, und mit seinen verstörenden Plastiken hat er sich einen Namen bei den Reichen und Schönen gemacht. Aber die Aggressionen brodeln noch immer unter der Oberfläche. Eine Nachricht aus seinem früheren Leben katapultiert ihn zurück in die Vergangenheit. Sean, sein Sohn aus einer früheren Beziehung, wurde in Edinburgh ermordet. Zwar hat er schon seit Jahren nichts mehr von ihm gehört, aber er ist sein Fleisch und Blut. Also dann, auf zu einem kurzen Abstecher nach Schottland! Und zwar nicht nur, um an den Trauerfeierlichkeiten teilzunehmen, sondern um den Mörder seines Sohnes ausfindig zu machen. Edinburghs Unterwelt ist alarmiert, denn hier weiß jeder, dass Begbie ein Meister mit der Klinge ist… Schaut man sich „Kurzer Abstecher“ im Vergleich mit den Vorgängern an fällt auf, dass deren Stories zwar durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten wurden, aber dennoch eher in der Struktur einem Mosaik ähnelten. „Kurzer Abstecher“ hingegen ist ein astreiner Thriller und konzentriert sich ausschließlich auf Franco Begbie und dessen Rückkehr auf bekanntes Terrain. Innere Monologe kombiniert mit Rückblicken in die Vergangenheit lassen die Zwiespältigkeit des Protagonisten erkennen, der sich durch seinen jüngeren Sohn mit seinem alten Ich konfrontiert sieht. Und es stellt sich die Frage, ob er sich wirklich geändert hat oder noch immer der kaltschnäuzige Kriminelle von damals ist. Das ist der Dreh- und Angelpunkt dieses Thrillers. Wie immer ist Irvine Welsh nicht zimperlich in seiner Wortwahl bzw. der Beschreibung von Gewaltszenen – von daher eher eine Lektüre für abgebrühte Leser. Kurze Bemerkung zum Schluss: Wie eingangs erwähnt ist „Kurzer Abstecher“ der mittlerweile vierte Roman um die Edinburgher Clique, und wenn man diesen mit „Trainspotting“ vergleicht, hat die Geschichte doch ziemlich an Substanz verloren. Zu viel Blut, zu viel Nabelschau, zu wenig kritische Blicke auf die gesellschaftspolitischen Zustände, zu wenig bissige Kommentare. Scheint so, als wäre diese Story auserzählt.
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2/5
07.11.2017
Buch (Taschenbuch)
Zu viel Blut, zu viel Nabelschau,...
Zu viel Blut, zu viel Nabelschau, zu wenig kritische Blicke auf die gesellschaftspolitischen Zustände, zu wenig bissige Kommentare. Scheint, als wäre die Geschichte auserzählt.
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