Theater und Bildung. Formen des Wissens und Bildungsvorbilder bei Bertolt Brecht gezeigt am Stück "Leben des Galilei"
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Sprache:Deutsch
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Produktdetails
Format
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Nein
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Nein
Erscheinungsdatum
15.08.2017
Verlag
GRINSeitenzahl
24 (Printausgabe)
Dateigröße
537 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783668504387
Der Stoff von Brechts epischem Bühnenstück Leben des Galilei, das von der historischen Figur des Erfinders handelt, sind Gespräche und Reflexionen, die beim >Neuen Wissen< den Status von Fakten gewinnen und eine Wirklichkeit darstellen, die innerhalb des kopernikanischen Systems (wobei sich die Planeten um die Sonne drehen) zu interpretieren ist.
Das Drama aktualisiert die Fragen nach der Fähigkeit des Menschen, die Veränderung und die daraus entstehende Unsicherheit zu akzeptieren und thematisiert das Verhältnis von Kirche und Wissenschaft sowie die Verantwortung des Wissenschaftlers für seine Erfindung. Galilei, war der erste Forscher, der mit Hilfe des Fernrohrs das kopernikanische (heliozentrische) Weltbild bewies bzw. sichtbar machte. Im Zentrum des historischen Stoffs, nach dem Brechts Drama gestaltet ist, steht die Auseinandersetzung des mit der wissenschaftlichen Erkenntnis einhergehenden Beginns der Neuzeit (und der neuzeitlichen Wissenschaft), in der die Stellung des Menschen im Kosmos revolutioniert worden ist, mit dem Festhalten am traditionellen, anthropozentrischen (ptolemäischen) Weltbild, das auf der Annahme basierte, dass sich die Sonne und die Planeten um die Erde drehen.
Das vorliegende Essay untersucht verschiedene Aspekte des Denkens und des soziales Handelns des Wissenschaftlers Galilei und fokussiert insbesondere auf seine Rolle als Pädagoge und auf seine Auffassung des Konzepts von Bildung angesichts des dialektischen Verhältnisses zwischen naturwissenschaftlicher und gesellschaftlich eingreifender Haltung. Die Bildung ist das Gebiet des Lehrers, der als unumgängliche Voraussetzung für die Entwicklung des Individuums die Freiheit des menschlichen Geistes setzt. Galilei vertritt die Einsicht, dass Bildung nicht von außen her verordnet werden kann: Beim Bildungsprozess darf das, was der Lehrende denkt und fühlt, nicht von anderen bestimmt werden.
Galileis erzieherische Methode besteht in der Vorbereitung des Lehrenden - seines engsten Helfers und Schülers, Andrea Sarti - auf das Empfangen der Wahrheit. Galilei drückt nie direkt aus, was er meint. Dies ist der Kern seiner Bildungsstrategie bzw. seiner psychologischen-pädagogischen Annährungsweise. Die Erkenntnisfunktion muss vom Lehrenden selbst geleistet werden. Die von Galilei vertretene Ethik der Erziehung ist keine präskriptive Ethik: Innerhalb eines kopernikanischen Weltsystems muss der Mensch selbst entscheiden, was er verstehen will.
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