Der Hamburger Musikalienhändler und Cellist Aaron Stern muss 1939 Deutschland ohne seine Tochter verlassen. Eine verhängnisvolle Odyssee beginnt. Er findet in keinem Land sichere Aufnahme und gerät in die Fänge der Nationalsozialisten. Nach leidvollen Erfahrungen als Schiffsflüchtling und Lagermusiker kehrt er schließlich nach Hamburg zurück. Eine berührende und abenteuerliche Suche nach seiner Tochter beginnt.
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"Alma" - eine unheimlich berührende, emotionale und auch erschütternde Geschichte über ein junges Ehepaar, dass 1939 aus Deutschland flüchten und die zu früh geborene Tochter Alma bei einem befreundeten Arzt zurücklassen muss. Eine Odyssee auf dem Meer beginnt. Weder Kuba noch Amerika, die die Zusage erteilt haben, die 900 jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die vor der Nazi-Herrschaft geflohen sind, aufzunehmen, halten ihr Wort. Die Flüchtlinge werden abgewiesen. Dem Kapitän bleibt nichts anderes übrig, als zurück nach Europa zu fahren. Aaron, der Cellist ist, spielt als Lagermusiker um sein Leben, doch wird er auch seine Frau retten können und wird er jemals seine kleine Tochter wiedersehen?
Schlimm genug, dass man zugelassen hat, dass der Nazi-Terror in Deutschland solche furchtbaren Ausmaße annehmen konnte, doch fast genauso fassungslos macht mich immer wieder, dass so viele Länder die Flüchtlinge abgewiesen haben und sie damit in den sicheren Tod getrieben haben.
"Alma" - ein unglaublich intensives Buch, das unbedingt gelesen werden sollte.
Vernichtetes Lebensglück, trotzdem ein Happy End
Bewertung aus Quickborn am 27.01.2023
Bewertungsnummer: 1868182
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Dagmar Fohls Buch Alma hatte ich mir als Geschenk gewünscht, nachdem ich schon ihre Bücher „Wer ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“ und „Frieda“ gelesen hatte. Die Thematik des Nationalsozialismus, des Holocaust und auch der Euthanasie ist mir seit meiner Kindheit vertraut, immer wieder stoße ich seitdem auf neue Bücher, Filme oder Hörspiele. Aber die Verarbeitung der Thematik in fiktionale Geschichten sehe ich als eine besondere Herausforderung an, einerseits verlangt sie nach Geschichtswissen und klaren Fakten, andererseits muss ein Roman menschliches Leid und die Vielfalt der tatsächlichen Einflüsse auf menschliches Verhalten widerspiegeln. Das ist gar nicht so einfach, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Umso mehr gefallen mir die Bücher von Dagmar Fohl, denn sie hat eine große, empathische Fantasie, die ihr beim Schreiben hilft.
Nun zum Buch: Hamburg, 1938, Antisemitismus, Verfolgung, Entrechtung der Juden. Alma ist die zu früh auf die Welt gekommene Tochter des jüdischen Musikalienhändlers und Cellisten Aaron Stern und seiner jungen Frau Leah. Beide haben endlich die Papiere für die Schiffspassage nach Cuba in der Hand, als die Frühgeburt einsetzt. Ein befreundeter Arzt rettet das Kind und versichert den jungen Eltern, dass er sie bei sich behält, bis „alles vorbei sei“. Aaron und Leah begeben sich schweren Herzens auf die St. Louis, die tragische Geschichte dieser Schiffsreise ist bekannt, am Ende der Reise landen beide wieder in Europa. Sie werden von den Niederlanden aufgenommen, aber sofort im Lager Westerbork interniert. Westerbork ist nach der Besetzung durch Deutschland übergangslos zum Sammellager der Juden in den Niederlanden und zum Ausgangspunkt der Deportation von Hunderttausenden geworden. Aarons Cellospiel in Lagerorchester rettet weder ihn noch Leah, beide werden im Viehwaggon nach Auschwitz verfrachtet. Aaron schafft es wieder, im Orchester einen Platz zu erhalten, Leah aber ist den Strapazen nicht gewachsen. Das Einzige, was Aaron nun am Leben hält, ist der Wille, seine Tochter Alma nach der Befreiung wiederzufinden. Bis auf den Tod bleibt ihm aber nichts erspart, er gelangt nach Bergen-Belsen, überlebt knapp und begibt sich endlich in seiner Heimatstadt auf die Suche. Vergeblich. Mit seinem Freund Ludwig plant er die illegale Einreise nach Palästina, unglücklicherweise mit dem Schiff Exodus. Auch diese traurige Geschichte, die der Welt noch heute die Schamröte ins Gesicht treiben müsste, überlebt er und landet irgendwann wieder in Hamburg.
Sein ganzes Leben in Freiheit wird Aaron unter Panikattacken, Angstzuständen und Depressionen leiden. Dagmar Fohl beschreibt nicht nur seine seelischen Schmerzen, sie beschreibt auch, wie er damit umgeht. Gut nachvollziehbar, dass er teilweise versucht, den Mantel des Vergessens über seine Vergangenheit zu legen, andererseits das Misstrauen gegenüber seinen Mitmenschen niemals aufgeben kann.
Im letzten Drittel des Romans ist mir der Schreibstil manchmal ein wenig zu schwülstig, aber offenbar verlangt die Geschichte nach all den Schrecken der Vergangenheit auch nach ein wenig Romantik und Schönheit. Ein Happy End liefert das Buch dann auch.
Der Roman ist geschrieben als eine Art Lebensbericht des mittlerweile fast einhundertjährigen Aaron, das gibt dem Buch einen durchgehenden Halt und roten Faden.
Ich kann dieses Buch sehr empfehlen und bin gespannt, welches Thema die Autorin als nächstes aufgreift.
Meinung aus der Buchhandlung
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„Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen.“ (William Faulkner -1951)
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„Alma“ ist ein Lese-Highlight im Frühjahr 2017!
In ihrem Roman "Alma" nimmt uns die Autorin Dagmar Fohl mit auf eine beeindruckende Reise in die Zeit des Nationalsozialismus – eine bewegende Geschichte, die aufrüttelt und den Leser nachdenklich stimmt, aber mit einem großen Hoffnungsschimmer zurücklässt.
Der Roman beginnt mit einem Zitat von William Faulkner: „Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen.“ Zutreffender könnte ein Zitat nicht gewählt sein. „Alma“ ist ein sensibler Roman, der genau um richtigen Zeitpunkt an unsere Vergangenheit erinnert und wegen der aktuellen politischen Situation, insbesondere der Flüchtingsthematik, zum Nachdenken und zur kontroversen Diskussion anregt.
Es ist die eindringliche und offene Sprache der Autorin, die uns Leser deutlich macht, was es bedeutet ein Flüchtling zu sein, wenn man nirgendwo willkommen ist, einem Hass und Fremdenfeindlichkeit entgegenschlägt, statt Hilfsbereitsbereitschaft und Zuneigung.
In der Sache erzählt der Roman von Aaron Stern, einem jungen Mann der gebildeten Oberschicht Hamburgs. Aaron ist Musikalienhändler und ein begabter Cellist. In den 1930 er-Jahren lernt er Leah kennen, die Frau seines Lebens. Sie heiraten, Leah wird schwanger. Ungünstiger könnte der Zeitpunkt nicht sein, denn durch den Nationalsozialismus verändert sich ihr Leben jäh. Aaron und Leah sind jetzt Juden. Sie stehen auf einer Liste, die in Deutschland erstellt wurde. Alma – ihr Kind – kommt zu früh auf diese grausame Welt. Ihnen bleibt 1939 nur die Flucht aus Deutschland. Schweren Herzens entscheiden sie sich, Alma, die als Frühchen zu schwach ist um die Reise zu überleben, in der Obhut des 'arischen' Kinderarztes zu lassen. Allein die Vorstellung ein Neugeborenes zurücklassen zu müssen, um es hoffentlich vor dem Tod zu schützen, ist aufwühlend. Für Aaron und Leah beginnt die wohl schwerste Odyssee ihres Lebens. Sie finden Platz auf einem Flüchtlingsschiff nach Kuba, doch niemand will die Flüchtlinge bei sich aufnehmen. So irren sie umher, bis dass sie schließlich nach Auschwitz deportiert werden. Wir alle wissen, was das bedeutet. In all diesem Leid findet Aaron Trost im Cello-Spiel. Leah hingegen zerbricht unter der Last der Trennung von Alma und die Ignoranz der um Asyl gebetenen Ländern nimmt ihr den letzten Hoffnungsschimmer. Der Leser spürt deutlich die Ohnmacht und die schmerzhafte Unmenschlichkeit, mit der das Schicksal erbarmungslos zuschlägt. Viele Jahre später kehrt Aaron in das völlig zertrümmerte Hamburg zurück. Er macht sich verzweifelt auf die Suche nach Hinterbliebenen, insbesondere auf die Suche nach seiner Tochter Alma, die er 19 Jahre nicht gesehen hat. Wird er Alma je wiedersehen? Wird er sie endlich beschützen können?
Jetzt habe ich Ihnen einiges geschildert, aber ich verspreche Ihnen, das war längst nicht alles. Die gut 200 Seiten des Roman haben es nämlich in sich und begeistern.
Dieser Roman beeindruckt mehrfach: Es ist nicht nur der Umstand, dass uns die Gräueltaten des Naziregimes vor Augen gehalten werden. Was „Alma“ aus den anderen Werken hervorstechen lässt, ist die spürbar große Verzweifelung der Eltern ihr Kind zurücklassen zu müssen. Aaron und Leah werden von Selbstvorwürfen gequält, lieber würden sie in Angst und Armut leben, als ohne ihr Kind. Zum anderen ist es die oben aufgezeigte Parallele zur aktuellen politischen Lage. Zum weiteren ist es der Wunsch nach einem gemeinsamen unabhängigen, demokratischen jüdisch-palästinensischen Staat, weil nur ein gemeinsamer Staat Gerechtigkeit und Frieden schaffen kann.
„Alma“ ist ein Buch, welches Sie unbedingt auf sich wirken lassen sollten!
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