Ferne Welten, ferne Zeiten.
Nichts ist spannender als das Unbekannte, das nicht nur da draußen wartet, sondern auch in einer anderen Zeit.
Die Zukunft birgt nicht nur Lösungen und Antworten, sie fordert ein Umdenken und eine neue Betrachtung unserer Rolle.
Sind wir allein? Und warum nicht?
Ist der Mensch oder sein Schaffen noch wichtig? Und weshalb sollte es das nicht sein?
Seit 2009 veröffentlicht Galax Acheronian seine Zukunftsgedanken in verschiedenen Facetten.
Raumschiffe, Aliens, der Spiegel der Gegenwart und all die schmutzigen Dinge der Realität.
Utopien sind zu einfach, Dystopien ergeben selten Sinn, denn es gibt genügend Grautöne dazwischen.
In neun Geschichten zeigt diese Sammlung den Alltag in der Raumfahrt, alternative Realitäten, Abenteuer auf fremden Planeten oder einfach nur Schicksale einer möglichen Zukunft.
Inhalt:
Das Liebeslied, Uriel, Neumond, Worte in Gold, NNT 275, Wahrer Wert, Der Fremde in dir und Reboot
Bonusnovelle: D.A. V3 - jeweils mit einer eigenen farbigen Titelseite illustriert.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Die Geschichten sind teilweise recht alt. Ich kenne zwei neuere Erzählungen dieses Autors und würde jederzeit zuerst die neueren Werke weiterempfehlen, besonders wenn man seine Prosa erst einmal kennenlernen möchte.
Besonders Verloren auf Firr'Dars, die für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert war, würde ich empfehlen (erschienen in "Hyper Orbis" im Verlag für moderne Phantastik - und dann bald auch in seinen Science Fiction Stories Teil 3, die in wenigen Monaten erscheint).
Aber auch in dieser Sammlung finden sich einige großartige Stories. Was der Autor offenbar schon immer konnte: Dialoge, Pointen und exotische Aliens beschreiben (plus, aus ihrer Sicht schreiben). Übrigens, bzgl. Diversität: Der heterosexuelle, männliche, perfekt aussehende, able-bodied Hero im einwandfreien Alter kommt eher selten zu Wort ;-).
Noch ein paar Worte zu einer Auswahl der Geschichten, die mir natürlich nicht alle gleich gut gefallen haben:
Uriel
2010 für das Story Center von p.machinery geschrieben. Vorgabe war: "Steampunk und der Vatikan".
Die Geschichte beginnt mit dem zwölfjährigen Andrej. Dieser sitzt im Rollstuhl, ist leider alles andere als frei von Schmerzen und stets auf die Hilfe seines Großvaters angewiesen.
Sein Großvater, Silvio Cendron, ist die Hauptfigur der Geschichte. Zunächst bleibt offen, warum er es ist, der sich um Andrej kümmert. Was mit den Eltern geschehen ist und warum Andrej im Rollstuhl sitzt, wird später enthüllt. Die Namen muten recht italienisch an, was auch zum Thema der Ausschreibung passt.
Silvio ist ein interessanter Charakter, stets mit Zylinder unterwegs, (zunächst) im Dunkeln liegende Vergangenheit, die gleich neugierig auf die Auflösung macht. Außerdem begeistert mich recht bald sein Erfinder-Geist und seine Art, Probleme anzugehen.
Das Setting ist beunruhigend. Überall könnten Spitzel sein, die nur darauf warten, dass man etwas blasphemisches sagt oder tut. Das Land hat keine besonders guten Beziehungen zu anderen Ländern, Russland wird explizit erwähnt, steht aber nicht alleine da. Es gibt die Inquisition und eine kirchliche Polizei - na, wohnen will ich da nicht! Wenn man nicht rechtzeitig jemanden trifft, wird man zwangsverheiratet. Na vielen Dank auch!
Silvio war Mitarbeiter der Wissenschaftskirche, die es nicht mehr gibt. Wie man sich bereits denen kann, ist Silvio der Wissenschaft mehr zugetan als der Kirche.
Der Steampunk kommt auch nicht zu kurz. Da gibt es Dampfwagen und - vor allem - ein Dampftaxi, yeah!
Die Kritik an der Kirche hätte ruhig ein wenig subtiler sein können. "Diese Spinner aus dem Vatikan", das ist schon recht heftig für die Welt, in der Silvio sich da befindet, auch wenn ich Verständnis für so einen Ausbruch habe.
Silvio hat einen ganz klaren Antrieb, den ich absolut nachvollziehen kann und die Handlung nimmt richtig Fahrt auf, als sich einige Herren an ihn wenden, um ihn in ihr Projekt einzubinden - nicht alle, die an dem Projekt beteiligt sind, sind Silvio unbekannt. Man beachte: Der Himmel gehört Gott. Himmelsgefährte sind Blasphemie.
Mal hier mal da gibt es coole Andeutungen. Z. B. liest Silvio das "Spiegelbild". Ein Heft, das zu lesen nicht ganz frei von Risiken ist. Worauf das wohl anspielt?
Neumond
Die Idee für die Story entstand schon 2007. Geschrieben dann 2009. Diese Erzählung war erste "offizielle" Veröffentlichung des Autors. In der Story-Sammlung "Das Wort".
Wie bei dem Titel nicht weiter überraschend, spielt es auf dem Mond. Es dauert ein wenig, bis die Story in Fahrt kommt, dann nimmt sie mich aber so richtig mit.
Die Geschichte spielt im Jahr 2061 - viel ist seit der Besiedlung des Mondes ab dem Jahr 2043 passiert und erbaut worden (siehe Seite 2 der Story, grins), unter anderem ist 2053 ein Krieg zwischen Russland und China ausgebrochen, die Leute auf dem Mond haben aber entschieden, sich neutral zu verhalten, ganz egal welche Nationalität sie ursprünglich mal hatten.
Hier wird eine Leiche gefunden - ein Mensch. Dieser ist aber offenbar 60.000 Jahre alt. Was ist hier los?
Das Rätsel fand ich sehr interessant, die Lösung war in Ordnung. Die Prämisse war mir zunächst etwas zu klar und plakativ, jedenfalls beim Lesen. Nachdem es eine Weile gesackt war, fand ich es dann aber wieder richtig so.
Die Botschaft kann ich eigentlich genauso unterstreichen und mir ist noch einiges aufgefallen, dass eben nicht direkt im Text stand, das ich aber dennoch herauslesen konnte. Daher trifft die Geschichte eben doch meinen Geschmack und erfüllt meine persönlichen Anforderungen sinnvoller Prosa locker. Und, was noch wichtiger ist: Sie bietet ein spannendes Rätsel mit einer gescheiten Auflösung.
NNT 275
2015 für die Jahresanthologie des Verlags für Moderne Phantastik
Diese Geschichte hat meinen Geschmack voll getroffen. Es gibt einen Hauch fremdartige Monster (außerirdische Tiere, die super beschrieben werden) und Mutation bei den Menschen (Homo Quant - tolle Idee!) und einen Plot, der genau den richtigen Anteil Spannung und Action bietet.
Die Geschichte spielt übrigens im selben Universum wie "Verloren auf Firr'Dars".
D. A. V3
Hier wird mal wieder die Geduldige belohnt. Zwar ist die Quantität des Casts mal wieder in Richtung Tolstoi gewandert, aber Aussage und Pointe des Texts fand ich ziemlich cool. Hier werden die Robotergesetze mal gekonnt gegen den Strich gebürstet. Den Clou der Story habe ich ein paar Sätze vor dem Schluss kommen sehen, perfektes Timing.
Das Setting bietet einiges sehr lesenswertes, nicht zuletzt eine interessante Beziehung zwischen zwei Jungen, die nicht einmal derselben Spezies angehören. Einer davon ist auch noch ein Mischling von zwei unterschiedlichen Spezies und hat es deswegen besonders schwer.
Interessant auch, dass eine mehrgeschlechtliche Spezie geschildert wird (die Hadobs). Das hat mich dann doch mal wieder an Ursula K. Le Guins Worldbuilding erinnert. Warum nicht mal so richtig schön aufbrechen, was wir gewohnt sind?
Das ‚Vergnügen‘ mit Dave
Bewertung aus Eisenach am 20.04.2021
Bewertungsnummer: 1485029
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ein interstellarer Krieg und eine Raumschiff-KI, die mehr Menschlichkeit als ihre Kommandanten hat, ein alter Konstrukteur im Dienste der Hoheitskirche, unerwartete Funde auf dem Mond und ein Roboter, der Wünsche erfüllt – all das und noch einiges mehr findet sich in dieser Kurzgeschichtensammlung des Autors. Die Geschichten sind thematisch sehr unterschiedlich, wobei es sich bei „Uriel“ eigentlich eher um Steampunk als um SciFi handelt. Die meisten Stories sind gut, auch wenn es oft etwas dauert, in die betreffende Welt hineinzufinden. Manche konnte mich auch nicht so recht ‚abholen‘. Aber das ist man bei Kurzgeschichtensammlungen ja gewohnt.
Wie immer in solchen Fällen will ich die Geschichten, die mir besonders gefallen konnten, einzeln herausheben:
In „Das Liebeslied“ trauert Admiral Cooper der KI seines alten Raumschiffs nach, die er bei dessen Zerstörung zurücklassen musste. Beim nächsten Zusammentreffen mit dem Feind hat er nur eine junge KI zur Verfügung, die noch in Ausbildung ist. Statt Rache wie der Admiral hat die jedoch ganz eigene Ideen.
Die Steampunk-Story „Uriel“ führt den Leser in ein alternatives Europa, in dem die Kirche vor Jahrzehnten die Macht an sich gerissen hat. Ein alter Erfinder hadert mit den Ideen, die er der Inquisition zur Verfügung gestellt hat.
Der einzige übriggebliebene Androide „D.A. V3“ auf einem seit langem verlorenen Raumschiff möchte endlich wieder Wünsche erfüllen. Der Crew, die das alte Schiff untersucht, wird das allerdings zum Verhängnis, denn Dave hat etwas eigenwillige Vorstellungen vom Wünsche erfüllen.
Vor allem ein paar wirklich originelle Einfälle machen die enthaltenen SciFi- (und Steampunk-) Stories unterhaltsam.
Fazit:
Insgesamt kann diese Kurzgeschichtensammlung trotz einzelner schwächerer Beiträge mit neuen Ideen gut unterhalten.
Alle meine Rezensionen auch zentral im Eisenacher Rezi-Center: www.rezicenter.blog
Dem Eisenacher Rezi-Center kann man jetzt auch auf Facebook folgen.
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