Ludger Kowal-Summek erläutert in diesem Buch, was Musikpädagogen von der Hirnforschung und der Psychologie lernen können. Es wird eine wissenschaftlich-kritische Analyse dessen durchgeführt, was die Musikpädagogik von der Neurowissenschaft realistischerweise erwarten kann, sowie die Möglichkeiten und Grenzen der Übertragung von Wissen aus benachbarten Disziplinen am Beispiel des Verstehens und der Vermittlung musikalischer Inhalte neu austariert. Dabei bereitet der Autor die Untersuchung so auf, dass diese auch dem Laien verständlich wird.
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Die Erkenntnisse der Neurowissenschaften können das Erlernen von Instrumenten und Gesang verbessern. Dies ist die zentrale Aussage dieses Buches, das zunächst die Grundlagen der Neurophysiologie erklärt:
Das Gehirn wiegt 1,4 kg (2% des Körpergewichts) und verbraucht 20% der Energie. Es ist etwa dreimal so groß wie ein Schimpansengehirn, unterscheidet sich aber sonst kaum von letzterem. Die verschiedenen Hirnareale funktionieren als integriertes System, dessen Zusammenspiel noch nicht wirklich erforscht ist. Es arbeitet in breiten Verarbeitungsströmen, die verschiedenen Areale funktionell vernetzen und ist ein typisches Säugetiergehirn. Große Gehirne haben einen kleinen Balken, da der intrahemisphärische Austausch dominiert, der interhemisphärische hingegen zu aufwendig ist. Der Parietallappen ist links für Mathematik, Logik und Sprache zuständig, rechts für räumliche Wahrnehmung und Körperschema. Der Frontallappen ist für Planung, Steuerung und Kontrolle zuständig, sein oberer Teil entwickelt sich erst nach der Trennung von Ich und Du, Die Selbstidentität reift erst in der Pubertät aus. Sport und Musik sind besonders geeignet für die Ausreifung der Selbstkontrolle und der Handlungskontrolle. Der Frontalcortex verliert Masse, die nicht benutzt wird. Die weiße Masse (Leitungen, 5% d Masse) wächst ab dem 5. Lebensjahr kontinuierlich. Die kortikale Repräsentanz unterscheidet sich z.B. zwischen Geiger und Gitarristen. Der Hippocampus speichert die am Tag erlernten Inhalte im Cortex ab. Die Intensität der Speicherung ist abhängig von Neugier, Bedeutsamkeit und Emotion. Beim Verlust des Hippocampus verschwindet das Kurzzeitgedächtnis, das Langzeitgedächtnis bleibt. „Das Gehirn ist ein Protokoll seiner Benutzung“ (Spitzer 2012). Die Neuroplastizität ist in der Jugend am größten, bleibt aber lebenslang. Die Wirkung massiver individueller Erfahrung schlägt sich genetisch nieder und wird dadurch vererbbar.
Die kreative Leibtherapie arbeitet mit der Erkenntnis, dass Erfahrungen kognitiv, emotional und leiblich abgespeichert werden, wobei die Gefühlsintensität die Erfahrung reguliert.
Längsschnittuntersuchungen zeigen, dass zusätzlicher Musikunterricht dem Lernerfolg nicht schaden. Positive Effekte sind aber nicht stichhaltig nachweisbar, dazu sind die Untersuchungen zu ungenau.
Musizieren ist eine der komplexesten Leistungen des Gehirns, da Motorik und mehrere Sinne in Millisekunden zusammenarbeiten müssen. Aktives Musizieren bewirkt eine Vergrößerung der entsprechenden Hirnareale, es gibt aber weder ein Musik- noch ein Rhythmuszentrum.
Männer sind besser intrahemisphärisch vernetzt, Frauen besser interhemisphärisch, beim Kleinhirn ist es umgekehrt. Männer sind motorisch und in der Raumwahrnehmung besser, Frauen im Gedächtnis und im Sozialen. Bei Musikern bilden sich Hirnstrukturen für Tonhöhe, Timbre, Zeitstruktur und Rhythmus aus. Sie analysieren linkshemisphärisch, Laien rechtsh. Sie brauchen dabei weniger Neuronen, die aber effizienter vernetzt sind. Das absolute Gehör lässt sich in maximal 1,5 J erlernen. Musik hat nachgewiesene positive Effekte auf alle anderen Hirnleistungen, die aber sehr individuell durch die Erfahrung geprägt sind.
Dr. Rüdiger Opelt, Autor von „Zaubere dein Leben. Erfülle dir alle Träume und erreiche jedes Ziel“
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