"Zzaun" gewann 2015 den ersten Creators-Wettbewerb für Musical-Autoren, was ein bisschen darauf schließen lässt, was eine der renommierten Musical-Repräsentanten, die die Jury ausmachten, auf deutschsprachigen Bühnen sehen wollen. Nicht also historische Stoffe mit großen Melodiebögen, sondern eine Satire, deren Handlung eines zum Krieg eskalierenden Konflikts an das Musical "Strike up the Band" der Gershwin-Brüder von 1930 erinnert.
Wie gut das auf der Bühne funktioniert, ist schwer zu beurteilen, auch wenn das Booklet sehr hilfreich ist, um der Handlung zu folgen. Die Partitur jedenfalls macht sehr viel Spaß. Aufgrund des satirischen Focus gibt es nur wenige Lieder, die einen emotionalen Kern anzugehen versuchen - das beschränkt sich auf Olivia Delauré als Leonie und Jannik Harneit als Felix, deren Ehemänner zu den feindlichen Kriegsherren werden, während die beiden heimlich ihre Freundschaft weiterführen. Damit stechen Delauré und Harneit als Sympathieträger heraus.
Aber Cornelia Drese positioniert sich hier als intrigante Schwiegermutter in einem gänzlich anderen Licht als in ihrer wohl bekanntesten Rolle als Fantine bei der Duisburger Premiere von "Les Misérables", und auch sonst ist das Ensemble durch die Bank gut besetzt.
Von Komponist und Liedtexter Alexander Kuchinka kenne ich bisher kein weiteres Werk, aber er kann viele Stile bedienen, ohne dabei seine eigene Sprache zu verlieren. Er bedient sich ziemlich virtuoser Reime und schreibt für die gossige Tochter eines der beiden Kriegsherren eine Nummer, die ohne Frage auch Tic Tac Toe hätten singen können.
Satire ist selten so komplett meine Welt, aber "Zzaun!" ruht sich nicht auf dem Modus aus, sondern ist insgesamt ein gelungenes Musical - wohl nicht auf meiner persönlichen Lieblingsliste, aber fraglos eine Empfehlung wert, wie selbstbewusst und patent deutschsprachige Musicals sein können, sodass nicht alles entweder importiert oder seicht sein muss.
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