In diesem fulminanten Bildband reist der Ausnahmefotograf Olivier Grunewald in der Zeit zurück zu den Ursprüngen unseres Planeten und dokumentiert in 150 atemberaubenden Bildern die Erdgeschichte vom ursprünglichen Chaos aktiver Vulkane zu explodierender Vegetation und der Evolution des Tierlebens. Wir sehen Vulkane, deren Lava sich in breiten Strömen ergießt, Polarlichter, die durch die Nacht tanzen, Eisberge, die über das dunkle Meer ziehen und durch Erosion geformte Berge und Felsen. Aus heißen Quellen entsteht das Leben, und die Vegetation erobert karge Regionen: Blumen breiten sich in den Wüsten aus, Wälder bilden sich an steilen Hängen. Schließlich erscheinen die ersten Tiere: Insekten, Reptilien, Vögel und Säugetiere bevölkern nach und nach alle Naturräume unseres Planeten – die Wurzeln des menschlichen Lebens. Die sachkundigen Texte von Bernadette Gilbertas und Beiträge namhafter Wissenschaftler erzählen von der Geburt des Planeten Erde und der Entstehung der Tier- und Pflanzenwelt. Ein bildgewaltiges Porträt eines unglaublich vielfältigen und erstaunlichen Planeten, den es für zukünftige Generationen zu bewahren gilt.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Dr_ M
aus Sachsen
5/5
07.03.2019
Modernes Antiquariat (Gebundene Ausgabe)
"Ich mache mir keine Sorgen um die Erde …"
Sagt Professor Gouyon vom französischen Nationalmuseum für Naturgeschichte, um dann hinzuzufügen: "Sorgen mache ich mir um künftige Generationen, die in der Welt leben müssen, die wir ihnen schaffen." Und so endet die Einführung in diesen Band auch mit der Aufforderung, der Erde mit mehr Respekt zu begegnen. Respekt vor dieser Einleitung. Auf nur wenigen Seiten gelingt es den Autoren ein Feuerwerk abzubrennen, in dem alles Mögliche durcheinandergeworfen wird, nur um diese Aufforderung loszuwerden. Also liebe Leser und Betrachter: Ihr besteht zu zwei Dritteln aus Wasser, und es gibt mindestens so viele Bakterien in euch wie ihr Zellen habt. Und schon alleine deswegen: Kommt endlich herunter von eurem hohen Ross. Kein Scherz – das steht da wirklich.
Damit man sich von dieser anklagenden Einleitung ein wenig erholen kann, folgt nach ihr erst einmal ein tolles Foto von Polarlichtern. Dieser Bildband soll "eine fotografische Reise durch die Geschichte unserer Erde" sein, was natürlich nicht geht, denn dazu hätten wir bei ihrer Entstehung schon dabei sein müssen. Da steht übrigens wirklich "unsere" Erde, was darauf hinweist, dass vermutlich auch die Autoren auf einem hohen Ross sitzen, es nur noch nicht bemerkt haben. Denn nicht nur diese Besitzergreifung ist verräterisch, sondern es sind auch die Fragen, die bereits in der Einleitung aufgeworfen werden: Warum existieren wir, warum gibt es das Universum? Wer solche Fragen stellt, hat offenbar nicht verstanden, wie sinnlos sie sind. Hinter ihnen steht jedoch die Vermutung eines großen Plans, einer höheren Intelligenz, eines Schöpfers, der sich bei all dem etwas gedacht hat. Schließlich denken wir uns auch andauernd etwas, woraus sich unsere Überlegenheit als Krone der Schöpfung ergibt. Das wiederum ist der Schoß, aus dem die von den Autoren beklagte Respektlosigkeit geboren wird.
Unabhängig von den Anklagen in diesem Band bleiben von ihm wohl vor allem die hervorragenden Fotografien in sehr guter Erinnerung. Mit Sicherheit ging es vor allem um sie, der Rest fügt sich gut in den Zeitgeist ein und muss wohl sein. Weil man die Erdgeschichte nicht zurückdrehen kann, ist man fotografisch gezwungen, von ihren nur noch schwachen Überbleibseln zu leben, also von kleinen Vulkanen, Säureseen, Wüsten und anderen Wildheiten der Natur der heutigen Erde. Bis man dann schließlich beim Leben und seiner Schönheit ankommt. In den wenigen Textteilen präsentieren die Autoren die verschiedenen Theorien zur Entstehungsgeschichte der Erde und ihrer Flora und Fauna.
Während man in diesem Buch die enormen Veränderungen auf der Erde, die sich für uns in einer unvorstellbar langen Zeit vollzogen haben, wie im Zeitraffer kennenlernt, erweisen sich die Autoren als seltsam konservativ. Sie hoffen allen Ernstes, dass sich ab sofort nichts mehr auf diesem Planeten ändern sollte, obwohl sie doch berichten, wie stürmisch die bisherige Entwicklung war. Und zwar ohne das Zutun der Menschheit. Die Motoren der Veränderung laufen nach wie vor: die Sonne, das Magnetfeld der Erde, kosmische Körper auf Kollisionskurs – um nur einige zu nennen. Fünf Mal, so lernt man aus diesem Buch, kam es zu einem globalen Massensterben auf der Erde. Und nun? Nun, so heißt es dann weiter, sind wir wahrscheinlich dabei das sechste Massensterben vorzubereiten. Diesmal sind wir vermutlich schuld. Wobei wir wieder beim hohen Ross oder dem menschlichen Größenwahn wären, denn die kosmischen Kräfte, die schon fünf Mal zugeschlagen haben, besitzt der Mensch mit Gewissheit nicht. Vielmehr kann man auch Hoffnung schöpfen, denn die Menschheit hat bereits Eiszeiten, durch Vulkanismus erzeugte Hungersnöte und viel höhere Durchschnittstemperaturen auf der nördlichen Halbkugel überlebt (zuletzt in der mittelalterlichen Warmzeit). Zu Panik und Hysterie, die leider auch in diesem Band zu beobachten ist, besteht kein wirklicher Anlass. Was natürlich nicht heißt, dass wir gedankenlos mit dem Planeten umgehen können.
Abgesehen von den klagenden Tönen in diesem Buch, ist den Autoren ein beeindruckender Band gelungen, der wenigstens einen kleinen Teil der Kräfte zeigt, die in der Erdgeschichte gewirkt haben und die weit weg von menschlichen Einflussfaktoren liegen. Insbesondere die Fotografien überzeugen durch ihre Aussagekraft und Schönheit. Dafür gibt es die Sterne. Übrigens: Müsste es nicht "Vom Chaos zu Eden" heißen?
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