Sind Wahrheit und Schönheit verbunden? Hilft es Naturwissenschaftlern, wenn sie ästhetisch denken? Lehrt uns Schönheit etwas über die Natur?
Wenn einem wissenschaftlichen Gedanken Schönheit zukommt, steigt seine Glaubwürdigkeit: Zu diesem Satz haben sich führende Physiker seit Kepler und Newton bekannt, ohne rot zu werden. Umgekehrt ist manch ein wissenschaftlicher Gedanke zu hässlich, um wahr zu sein, und muss daher sterben. Doch warum orientieren sich Physiker so erfolgreich an ihrem Sinn für Ästhetik?
Olaf L. Müller schaut den Genies bei ihrer schönheitsbeflissenen Arbeit über die Schulter. Wie er anhand zahlloser Beispiele aus Kunst, Musik und Dichtung vorführt, bestehen enge ästhetische Verwandtschaften zwischen künstlerischen und naturwissenschaftlichen Errungenschaften: Unser Schönheitssinn konstituiert einen Teil dessen, was wir in der naturwissenschaftlichen Erkenntnis anstreben.
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Aufmerksam wurde ich auf das Buch durch eine Radio-Sendung im Bayerischen Rundfunk.
Der Autor stellt die Zusammenhänge zwischen der Ästhetik naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und der Schönheit der Künste mit großer Akribie in beeindruckender Weise dar.
Das Buch ist, auch bedingt durch seinen Umfang, etwas schwer zu lesen, entspricht aber insgesamt voll meinen Erwartungen.
Peinlich und anmaßend…
Dr. Thaddeus Toad aus Stuttgart am 19.06.2019
Bewertungsnummer: 2718980
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Peinlich und anmaßend Peinlich ist dieses Buch, weil hier Altbekanntes aus populären Büchern abgekupfert und bramabasierend aufgewärmt wird; anmaßend, weil hier jemand über Physik und Kunst doziert, als wüsste er, wovon er spricht: Er weiß es nachweislich nicht. Auf fast 600 Seiten soll die These belegt werden, dass „Ästhetik“ in Theorien und Experimenten nicht nur eine oft beschworene, subjektiv bewertende, freundlich anerkennende und letztlich harmlos begleitende Rolle spielt, sondern dass ein objektives Prädikat „das ist schön“ a priori eine erkenntnistreibende Kraft besitze, während „das ist hässlich“ automatisch den Wahrheitsgehalt einer Theorie herabsetze. Als Korrollar ergebe sich eine neue Verwandtschaft zwischen Kunst und Wissenschaft, und am Ende stehe die Konsequenz, dass eine verstärkte Betonung der Ästhetik zu einer neuen und besseren Physik führen werde. Unsystematisch aufgereihte Beispiele, zahllose Quellen, meist aus zweiter Hand, und dazu lange, in den Text eingeklebte unreflektierte Zitate sollen diese These beweisen. Da ist denn also Newtons schönes Experiment mit dem Prisma, durch das weißes Licht in Farben zerlegt wird. Schöner ist angeblich Goethes konkurrierender Versuch mit Kantenspektren und – man höre und staune – „Finsternisstrahlen,“ die Müller dem nichtsahnenden Physik-Genie Goethes zuschreibt und die irgendwie ein komplementäres Spektrum erzeugen können. Man fragt sich, wie Goethe (und Müller) mittels Finsternisstrahlen und anderen Zaubermitteln wohl den Regenbogen (inklusive den sekundären Regenbogen) erklärt hätten, für Newton eine simple Anwendung von „reflection“ und „refraction“. Abgesehen von diesem „Farbenstreit“, den Müller in einem anderen Buch bereits künstlich inszeniert hatte (und aus dem Goethe „als Sieger“ hervorgeht), sind die Beispiele kursorisch und oberflächlich. Kepler kommt vor (aber weniger mit seinen Gesetzen denn als astrologischer Freund der platonischen Körper), Namen wie Faraday und Maxwell werden genannt. Aus der modernen Physik treten natürlich Einstein und Heisenberg und, als Mitbegründer des Standardmodells, Weinberg, auf. Sie alle haben etwas über Schönheit, alias Symmetrie, zu sagen, vor allem, wenn es sich um ihre eigene Theorie handelt. Es ist sicher ein verbreitetes schönes Gefühl, das der Anblick gewisse Gleichungen in uns hervorruft, eine Euphorie liegt in dem Verstehen gewisser logischer Zusammenhänge, in der Ahnung, dass die schöne Natur, die sich nach Heraklit mit Vorliebe versteckt, durch elegante Theorien eingefangen werden kann. Dies ist aber auch der Punkt, wo ein Wissenschaftler sich kritisch einbringen müsste. Sofort fällt nämlich auf, dass viele der fundamentalen Theorien (Kepler, Maxwell, Einsteins GRT) nicht schön symmetrisch sind. Nicht einmal die Ellipsen Newtons, hässlicher als Ptolemäus’ Kreise, sind wirkliche Ellipsen, sondern sie hängen einigermaßen schief im Raum. Viele der bedeutendsten Experimente sind so komplex, dass sie hässlich wirken: Tycho Brahes Tabellen waren sicherlich kein Kunstwerk. Und die weniger oft erwähnte Quantentheorie ist zwar exakt, aber, wie viele ihrer Anhänger zugeben, eine einzige Katastrophe, vielleicht nicht einmal das Etikett „Theorie“ verdienend. In diesem seit Jahrhunderten legitimen Thema „Ästhetik in den Naturwissenschaften“ macht dieses Buch keine Fortschritte. Im Gegenteil. Die undisziplierte, etwas arrogante, faux-naïve Sprache ist abstoßend. Selbst-Ironie und kritische Selbsteinschätzung sind abwesend bei diesem Autor, der seine Leser wie ein Heilsbringer „beglücken“ will. Statt dem zähen Wortgewurstel über 600 Seiten hätte der Autor etwas Physik studieren sollen, um sich nach zwei Jahren intensiver ehrlicher Arbeit mit einem 6-seitigen durchdachten Paper der Kritik von Fachleuten zu stellen.
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