Was kann Freundschaft in einem System der Unmenschlichkeit bewirken? Siena, 1942. Der zwölfjährige Lorenzo soll bei seiner Tante in Siena unterkommen, bis der Krieg vorüber ist. Die Toskana gilt als sicher. Mit seinem neuen Freund Franco träumt Lorenzo vom glorreichen Triumph des faschistischen Italiens. Doch die Begegnung mit dem Jungen Daniele bringt seine Überzeugungen ins Wanken. Denn Daniele ist Jude. Als die Stadt schließlich von den Deutschen besetzt wird, schweben er und seine Eltern in großer Gefahr. Und Lorenzo trifft eine folgenreiche Entscheidung. Familienerinnerungen der Autorin und das Italien der 1940er-Jahre verschmelzen zu einer kraftvollen Lesung. Voller Feingefühl liest Markus Hofmann diese Geschichte über Mut und Freundschaften, die stärker sind als jede Ideologie.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Bewertung
5/5
18.08.2024
Buch (Taschenbuch)
Wow, einfach Krass
Das Buch ist einfach toll und hat mich innerhalb von einer Woche total in einen Bann gezogen! Es ist spannend, interessant und lehrreich zeigt Geschichten über die man nichts in der Schule lernt und für ein besseres Verständnis der damaligen Zeit sorgt, ich kann dieses Buch allen nur ans Herz legen, es hat mich zum Nachdenken und zum Verstehen animiert, es war ein tolles Erlebnis!!!
Gertie G.
aus Wien
5/5
03.02.2021
eBook (ePUB)
Ein beeindruckende hist.Roman aus dem faschistishen Italien
Dieser historische Roman führt die Leser in eine hierorts vielleicht nicht ganz so bekannte Zeit des 20. Jahrhunderts:
Wir befinden uns in den Jahren 1942 bis 1944. Der Zweite Weltkrieg tobt und viele Familien versuchen, wenigstens ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. So auch die Eltern von Lorenzo, die ihren Sohn aus Tripolis, der heiß umkämpften Hauptstadt Libyens, nach Siena schicken. Man erklärt dem 12-jährigen, dass er während der Ferien bei Tante Chiara und seinem Großvater bleiben soll.
Lorenzo, ganz mit der faschistischen Propaganda von Mussolini und Hitler aufgewachsen, findet im Nachbarsjungen Franco einen Freund.
Chiara, eine Lehrerin, lehnt die Faschisten ab und verliert deswegen ihren Job. Lorenzo hat es nicht leicht, weitere Freunde zu finden, weil seine Familie aus altem sienesischem Adel stammt, der dem Duce und seinen Schergen ein Dorn im Auge ist. Doch dann begegnet er Daniele und die Freundschaft mit dem grobschlächtigen Franco gerät ins Hintertreffen. Was Lorenzo anfangs nicht weiß ist, dass Daniele genauso Jude ist, wie Dottore Matteo, der mit der Familie freundschaftlich verbunden ist.
Das Blatt wendet sich als die deutsche Wehrmacht in Italien einmarschiert und auch hier mit ihren Deportationen beginnt. Lorenzo wird Zeuge wie Daniele und seine Familie abtransportiert werden. Er beginnt über die Rechtmäßigkeit des Regimes nachzudenken. Wenig später taucht der völlig verschreckte Daniele bei Lorenzo auf und Lorenzo versteckt seinen Freund am Dachboden …
Meine Meinung:
Selten hat mich eine Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg so gefesselt wie diese. Zum einem, weil ich wenig über die Faschisten in Italien weiß. Daher nehme ich dieses Buch zum Anlass, hier weitere Informationen einzuholen.
Der zweite Grund ist dem Schreibstil von Nicoletta Gianpietro geschuldet. In einfühlsamen und aufwühlenden Worten beschreibt sie die Lebensumstände der Menschen in Italien. Zu Beginn des Faschismus leben Juden in Italien, wenn auch nur geduldet, zumindest beinahe unbehelligt. Mussolini hat es eher auf den alten Adel abgesehen, denn auf Juden. Das ändert sich schlagartig, als Hitlers Truppen in Italien einmarschieren, weil ihm der Duce nicht mehr wirklich vertrauenswürdig erscheint und die Amerikaner in Süditalien einmarschiert sind. Leidtragende wie immer, die Bevölkerung, die gleich in eine Doppelmühle gerät: Neben den Repressalien des eigenen Regimes, kommen die amerikanischen Truppe vom Süden und die deutschen vom Norden.
Die Autorin versteht es meisterhaft, den kleinen Lorenzo vom Saulus zum Paulus werden zu lassen. Er zeigt mehr Zivilcourage als viele Erwachsene und zerbricht fast daran. Für seine Freundschaft setzt er fast alles aufs Spiel. Sein eigenes Leben als auch das seiner Familie, denn Franco und seine Familie sind Spitzel ersten Ranges.
Diese Erzählebene rund um Lorenzo und Daniele, sowie den zivilen Widerstand, den Lorenzos Familie leistet, geht unter die Haut. Die geschichtlichen Ereignisse werden dabei so unterschwellig eingeflochten, dass man als Leser gar nicht bemerkt, Geschichtsunterricht zu erhalten.
Fazit:
Ein beeindruckender historischer Roman aus einer der dunkelsten Epochen unserer Zeit. Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
Cassandra
aus Berlin
5/5
03.02.2021
eBook (ePUB)
Wunderbares Buch
Ich wusste bisher wenig über die Zeit während des zweiten Weltkrieges in Italien. Der Erstling der italienischen Autorin Nicoletta Giampietro ermöglichte mir eine Zeitreise in die Toskana zwischen 1942- 1944, die ich so schnell nicht wieder vergessen werde.
Durch die Augen des zwölfjährigen Lorenzo, der von seinen Eltern aus Tripolis zu Großvater und Tante nach Siena geschickt wurde, erlebte ich hautnah die Blüte und das jähe Vergehen des italienischen Faschismus.
Mich hat dabei sehr beeindruckt, wie lebendig das alltäglich Leben, die innere Zerrissenheit einer ganzen Nation dargestellt wurde. Wie immer wieder Schönes, Gutes und Mitmenschlichkeit in finstersten Elend ein Licht anzünden. Wie Verblendung, Fanatismus und Massenwahn die Menschen wie die Lemminge ins Unglück rennen lassen.
Lorenzo versteckt ganz allein seinen jüdischen Freund Daniele auf dem Dachboden. Er versteht früh, dass nicht nur Essen und Trinken, sondern vor allem die Hoffnung zum Überleben notwendig ist. Lorenzo verliert seine Unschuld, sieht klarer als viele Erwachsenen und reift in diesen zwei Jahren weit über sein Alter.
Ich liebte diese Buch in jeder Zeile. Es ist toll geschrieben, hat warme, lebendige Charaktere und hält sich wohltuend fern von Schwarz-Weiß-Malerei.
Mehr davon!
Bewertung
aus Berlin
5/5
03.02.2021
eBook (ePUB)
Glauben! Gehorchen! Kämpfen!
Italien ist im Krieg, und der 12 jährige Lorenzo ist ein glühender Verehrer Mussolinis. Durch das Elternhaus geprägt idealisiert es dessen Faschismus. Er wird aus Tripolis zu seiner Tante und seinem Großvater in die Toscana geschickt In der Hausangestellten Cesaria findet er etwas Herzenswärme.Er vermisst seine Eltern, alte Heimat und seine Freunde, bis er den rücksichtslosen Nachbarjungen Franco kennenlernt. Dieser möchte lieber heute als morgen in den Krieg ziehen und für sein Italien kämpfen.Die beiden freunden sich an. Besonders dessen Cousine Ilaria hat es Lorenzo angetan.
Seine Tante Zia Chiara, Lehrerin, kann sich mit den faschistischen Zuständen an der Schule nicht abfinden. Sie begehrt auf, als ein jüdisches Kind der Schule verwiesen wird. Dieser Vorfall wird zu einem Schlüsselerlebnis, und er beginnt seine Welt mit anderen Augen zu sehen. Mit Daniele, einem aufgewecktem Nachbarjungen,verbinden ihm viele Gemeinsamkeiten, eine innige Freundschaft. Bis zu dem Tag, der Lorenzo vor eine Entscheidung stellt. Die Deutschen haben Italien besetzt und beginnen mit ihren Säuberungen, die Gefahr lauert überall, selbst von den hellhörigen Nachbarn.
„Niemand weiß, dass du hier bist“, ist ein gut recherchiertes Buch. Es zeigt den Faschismus in Italien, den die Bevölkerung huldigt.Blind vor dessen Parolen, schließlich hat er viel für ihr Land verändert, besser gemacht, verehren sie ihren Duce. Die in die Handlung eingebauten Personen werden sehr wandlungsfähig beschrieben. Auch das typische Verhalten sich immer den Gegebenheiten anzupassen, kommt gut zum Ausdruck.
Aber im Mittelpunkt steht natürlich Lorenzo, der einem mehr und mehr ans Herz wächst. Er dem seine Ideale mehr und mehr zu schwinden beginnen, durchlebt einen Ablauf von Ereignissen, denen er teilweise hilflos ausgeliefert ist.
Die Autorin benutzt eine Sprache, die gut lesbar und verständlich einen schnellen Einstieg ermöglicht. Gräueltaten gehen nicht ins Detail, lassen aber viel Spielraum des Verstehens.
Wieder ein Buch, das Geschichte, eingebunden in einer einfühlsamen Handlung, gerecht wird. Sind es doch gerade diese unmenschlichen Ereignisse die nie in Vergessenheit geraten dürfen.
Nicolette Giampietro hat hiermit sehr gut beigetragen.
Bewertung
4/5
31.01.2026
Buch (Taschenbuch)
Interessanter Einblick ins faschistische Italien
Spannende Geschichte im faschistischen Italien. Eindrucksvolle Darstellung über die politische Verführung von Kindern durch einen faschistischen Führerkult. Auch die moralische Frage von richtigem und falschen Handeln Krieg fand ich sehr gelungen.
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