Steffen Kverneland präsentiert mit „Ein Freitod" seine bislang persönlichste Graphic Novel. Die Geschichte kreist um seinen Vater und dessen überraschenden Suizid, als Kverneland gerade achtzehn Jahre alt war. Die herausragenden Zeichnungen werden mit Fotografien aus dem Familienalbum montiert und erzählen, wie dieses einschneidende Erlebnis das weitere Leben des Autors beeinflusste.
Steffen Kverneland (*1963) ist wohl der bekannteste zeitgenössische norwegische Comicautor, der als erster Zeichner überhaupt den renommierten Brage-Literaturpreis erhalten hat.
„Es ist so weise, so meisterhaft gemacht ... eine zutiefst erschütternde Arbeit“. Dagbladet
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Ein gesichtsloser Mann in Uniform. Dazu der Titel "Ein Freitod". Es könnte einfach eine düstere, frei erfundene Geschichte sein. Die Geschichte eines Gesichtslosen, der sich das Leben nimmt eben. Steffen Kverneland (*1963) erfindet in seiner Graphic Novel aber nichts, er erzählt von seinem Vater und dessen Suizid. Schon auf den ersten Seiten taucht so das gleiche Bild des Vaters in Uniform nochmals auf, diesmal aber mit einem breiten Lächeln. Kverneland ist selbst Vater geworden und denkt zurück an die Zeit als er achtzehn war und der Vater sich das Leben nahm- er wartete bis seine beiden Söhne erwachsen waren. Auch wenn er wohl lange geplant war: mit dem Suizid wartete er, damit sie nicht auf die schiefe Bahn kamen. Die Annäherung geschieht sowohl graphisch als auch inhaltlich sehr vielseitig. Der Vater wird nicht angeklagt oder gar verdammt, Kverneland erinnert sich an sein Leben mit dem Vater, versucht einfach zu verstehen mit Briefen, Fotos, Aquarell- und Tuschezeichnungen. Er vertraut auf die Kraft der Bilder und lässt vieles umkommentiert, schreibt aber auch seine Fragen und oft klare, kurze Sätze auf. Somit nutzt er die Möglichkeiten der Verdichtung von Graphic Novels gekonnt. Der Vater hat der Mutter erzählt, dass er schon vor der Hochzeit an Selbstmord dachte. Zum Sohn sagte sie, das hätte ihr Warnung genug vor ihm gewesen sein müssen. Der Vater war ein vielschichtiger Mensch mit Ecken und Kanten wie der früher verbreiteten Homophobie oder der Abneigung gegen Schwarze. Er scheint aber auch ein liebevoller Vater gewesen zu sein: Erfinder, angestellt in einer gut gehenden Firma, er baute eine Hütte für die Familie am Meer, schuftete, kümmerte sich, ermutigte seine Kinder und Frau. Das Buch schließt mit dem Foto des lachenden Vaters, der auf der Vorderseite gesichtslos war. Womöglich auch mit einer Versöhnung, wo bei Kverneland aber auch zu Beginn schon kein Groll, sondern nur Mitgefühl zu sein schien. Die Auseinandersetzung ist reflektiert, kritisch, verständnisvoll und facettenreich. Mir ist das Buch wirklich ans Herz gewachsen, es hat mich nachdenklich gemacht und mich viel nachempfinden lassen, wie es dem Autor mit seinem Vater geht und ging. Es tut, was gute Literatur für mich leisten soll: Es hat mir Einblick in ein anderes Leben gegeben und mich zugleich über mein Leben nachdenken lassen. Über Nähe und Unverständnis und darüber, dass Eltern wie alle anderen auch Fehler machen, mit Problemen kämpfen und manchmal keinen Ausweg mehr sehen.
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