Die Konkretisierung der Ambivalenz Gerichtsrat Walters in Michael Thalheimers Inszenierung von "Der zerbrochne Krug"
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Sprache:Deutsch
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Produktdetails
Format
Kopierschutz
Nein
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Nein
Text-to-Speech
Nein
Erscheinungsdatum
04.06.2019
Verlag
GRINSeitenzahl
15 (Printausgabe)
Dateigröße
513 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783668952195
"Der zerbrochne Krug", eines von Kleists bekanntesten und am häufigsten adaptierten Stücken, erntete bei dessen Uraufführung im Weimarer Hof 1808 nur wenig Erfolg. Das klassische Lustspiel, in dem Dorfrichter Adam in dem kleinen Dorf Huisum einen vom Gerichtsrat Walter überprüften Gerichtsprozess führt, dessen Bestand ihn selbst zum Täter hat, konnte das Publikum damals nicht überzeugen. Dies ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Goethe das Stück in drei Akte aufteilte, in dessen Folge Kleist die Länge seines Lustspiels noch einmal überarbeitete
Dies gibt verschiedensten Adaptionen die Freiheit, sich bewusst dafür oder dagegen zu entscheiden, den Variantschluss auszuspielen und damit gegebenenfalls eine vorgesehene Wirkung zu offerieren und zu stärken.
Diesen Weg geht auch Michael Thalheimer: In seiner Inszenierung, die in Hamburg im Deutschen Schauspielhaus am 25. März 2017 seine Premiere feierte, wird die durchaus ambivalente Schlussszene verwendet und suggeriert damit eine Deutung, die das Prinzip von Ohnmacht und Korruption in den Fokus rückt: Gerichtsrat Walter küsst Eve gewaltsam, fasst ihr an die Brust, wird übergriffig.
Die Inszenierung ist bitter, durch Vereinfachung und zugleich Überspitzung des Leitmotivs Kleists von Macht und Ohnmacht wird das tragische Schicksal Eves stärker ausgespielt und somit viel direkter offengelegt. Hier spielt die Figur des Gerichtsverwalters Walter, der als Revisor in das Dorf Huisum kommt und den Gerichtsprozess um den zerbrochnen Krug untersucht, eine entscheidende Rolle, denn in der Inszenierung wird er ganz deutlich zum Träger eines Misstrauensimpulses, welcher eine absolute Macht des Gerichtswesens und parallel Ohnmacht der restlichen Bevölkerung aufzeigt.
Dies wirft die Frage auf, welche Ambivalenzen die Person Walters bereits in dem Kleisttext aufweist und ob die Konkretisierung jener in der Inszenierung auf brutale Weise eine Deutungsvariante offenlegt, die bereits im Dramentext anklingt. Der Begriff der Ambivalenz wird hier vor allem als ein bestehendes Spannungsfeld verschiedener Verhaltensweisen und im spezifischen charakterlicher Züge aufgegriffen, also einer Zwiespältigkeit im Bezug auf die Gesamtdeutung der behandelten Figur.
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