Durch einen Zufall entdecken Inga und Mette, die eine aus Berlin, die andere aus Norwegen, dass ihr Leben durch die Geschichte ihrer Eltern schicksalhaft verwoben ist. Ihr Aufbruch zueinander wird zu einer wahrhaften Seelenreise und führt sie an Grenzen, die sie gar nicht erkunden wollten: Sehnsucht stößt auf Angst, Missverständnisse lauern überall.
In diesem deutsch-norwegischen Familienroman stecken die Lesenden einmal in Ingas, dann wieder in Mettes Kopf. Spannungsreich und einfühlsam schildert Karin Nohr Wendepunkte im Leben zweier Frauen und berührt dabei wunde Punkte zweier Nationen.
"Das Buch bringt uns ins Rätseln über unsere eigenen Familiengeheimnisse. Großartig."
Knut Werner-Rosen, Lyriker, Historiker, Künstler
Kundinnen und Kunden meinen
3.8/5.0
Bewertung
aus Magdeburg
5/5
21.07.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfühlsam und ungewöhnlich
Das Buchcover ist wunderschön gestaltet. Sofort sehe ich eine norwegische Hafenstadt, deren Lichter sich im Wasser spiegeln. Diese Zeichnung setzt sich auf der Rückseite fort. Sowohl im vorderen als auch im hinteren Einband findet sich diese Zeichnung wieder, versehen mit einem weiteren Detail: der Mond, der sich hier zu einem Herz formt. Ein weiteres liebevolles Detail ist der Titel, der sich zu Beginn eines jeden Teils gespiegelt wieder findet.
Karin Nohr schreibt die Geschichte der beiden Halbschwestern auf eine ungewöhnliche Art und Weise. Inga steht an einem Wendepunkt im Leben und erinnert sich auf einer Reise nach Norwegen an ihren verstorbenen Vater. Dabei werden Erinnerungen an Eltern und Kindheit, Ingas Brüder, die Probleme der Gegenwart miteinander verwoben, so dass es eine Vielzahl von Informationen gibt, die etwas zusammenhanglos nebeneinander stehen und sortiert werden wollen. Ganz genau so, wie Gedanken kommen und gehen.
Der Austausch der Geschwister über die Erinnerungen an die Eltern, insbesondere den Vater, der während des Krieges in Norwegen stationiert war, wird in einem Mailwechsel, später bei einem Treffen in ihrer Unterschiedlichkeit sehr gut dargestellt.
In diesem Roman geht es um Inga und ihren Weg zurück ins Leben, der eng mit dem Kennenlernen von Mette verbunden ist. Inga liebt das Segeln und das Meer, einige Kapitel befassen sich damit. Sie fließen ruhig dahin, es passiert nicht viel, der Leser nimmt an Ingas Gedankengängen teil. Mir hat das sehr gefallen, weil Erinnerungen an Segelurlaube in Skandinavien geweckt wurden.
Die Autorin hat, wie schon zu lesen war, als Psychoanalytikerin gearbeitet, was diesem Buch sehr positiv anzumerken ist.
Viele Themen werden angerissen: die Familiengeschichte, die norwegisch-deutsche Geschichte im Zweiten Weltkrieg, die Auswirkungen von Kriegstraumata auf die nachfolgende Generation und die Verarbeitung persönlicher Schicksalsschläge.
Fazit: Wer von diesem Roman Antworten erwartet, wird enttäuscht werden. Ich empfehle dieses Buch sehr gern allen, die einen Roman mit viel Stoff zum Nachdenken in einem außergewöhnlichen Schreibstil lesen möchten.
Bewertung
aus Kronberg
4/5
20.07.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Psychologisch einfühlsame Familiengeschichte mit beeindruckend ungewöhnlichem Schreibstil
"Kieloben" ist ein ungewöhnlicher, feinfühliger Roman über...ja, über was? Viele Dinge werden hier behandelt, trotz der relativen Kürze des Buches mit bemerkenswertem Tiefgang.
Wir werden gleich mitten in das Geschehen hineingesetzt, zu Beginn war ich ein wenig überfordert von den unbekannten Namen, den Verwandtschaftsverhältnissen und zurückliegenden Ereignissen. Man muß dieses Buch konzentriert lesen. Die Informationen werden (größtenteils) nach und nach enthüllt. Wir begleiten zu Beginn Inga, die nach dem Unfalltod ihres Mannes eine Reise nach Norwegen macht. Handlung gibt es hier kaum, es geht hier um Ingas Gedanken. Auch im weiteren Verlauf des Buches werden einige solch kontemplativer Kapitel folgen, manche, wie dieses am Anfang, fand ich sehr gelungen, manche etwas zu langatmig. Für mich schien Ingas Reise zu sich selbst letztlich der Hauptfokus des Buches. Das entsprach nicht den Erwartungen, die ich hatte, was aber natürlich nicht Buch und Autorin anzulasten ist und auf die Rezension keinen Einfluß hat. - Ingas Vater war während des Zweiten Weltkriegs mit der Marine vor Norwegen stationiert und so erweckt diese Reise auch Ingas Erinnerungen, Fragen. Diese versucht sie, per Email mit ihren Brüdern Markus und Matthias zu klären. Der Emailaustausch dieser drei Geschwister ist hervorragend dargebracht. Ohne einleitende Worte, ohne Drumherum lesen wir ausschließlich die Emailtexte, die Absender sind jeweils in Klammern mitgeteilt. Dieses etwas ungewöhnliche Herangehen gefiel mir ausgezeichnet und so wirkten die Emailinhalte viel unmittelbarer und ich als Leser war mittendrin im Austausch.
Der Teil des Buches, in dem die drei Geschwister gemeinsam versuchen, ihre (durchaus unterschiedlichen) Erinnerungen und Gesichtspunkte in Einklang zu bringen und mehr über den Vater herauszufinden, war für mich der absolut beste Teil. Wir erfahren die Fakten nach und nach, wie Puzzleteile, oft nur in einem Nebensatz, einem kleinen Wort. Auch hier ist wieder aufmerksames Lesen und Mitdenken gefragt. Schnell wird deutlich, daß die drei Geschwister eine unschöne Kindheit hatten und beide Eltern vom Krieg psychisch schwer gezeichnet waren. Was genau damals passiert ist, das erfahren wir nach und nach, allerdings nur teilweise. Es bleiben doch einige Fragen offen.
Der bemerkenswerte Schreibstil paßt sich der Situation stets wundervoll an. Bei Ingas "Gedankenkapiteln" das Langsame, das Verharren in nebensächlichen Informationen (was mir teilweise nicht so gut gefiel), bei den Emailabschnitten das völlige Weglassen des Drumherums. Bei der einzigen Begegnung der drei Geschwister dann wieder eine andere stilistische Umrahmung. Die Probleme im Geschwisterverhältnis werden hier bildhaft dargestellt, wir erlesen sie nicht durch Erklärungen, wir erfahren sie unmittelbar. Einige Abschnitte dieser Unterhaltung waren mir etwas zu sprunghaft, anstrengend, aber es ist im Ganzen eine meisterhaft ausgearbeitete Szene. Hier tauchen wir auch ein die norwegisch-deutsche Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Ich weiß wenig davon, deshalb war es ausgesprochen interessant. Auch die in späteren Kapiteln folgende Sicht der Norweger auf vieles, die Erlebnisse der Norweger während und nach des Krieges waren sehr lesenswert. Davon hätte ich gerne noch viel mehr gehabt.
Der zweite Teil des Buches läßt dann zu meinem Bedauern die für mich interessantesten Personen fast gänzlich hinter sich und widmet sich hauptsächlich Ingas innerer Reise, hier kommt nun auch die Norwegerin Mette zu Wort. Diese Kapitel sind sehr ruhig, an manchen Stellen für mich zu langgezogen, gerade nach dem fulminanten Klimax der Begegnung der drei Geschwister und ihrer Nachforschungen. Segelfreunde werden mit den teils doch recht detaillierten Segelinformationen mehr anfangen können als ich - diese nahmen mir an mehreren Stellen des Buches zu viel Raum ein. Ein ausführliches Kapitel über einen Segeltörn verband für mich diese Segeldetails, das Verharren in nebensächlichen Informationen und das Langatmige und hat mir nicht gefallen.
Ingas Finden zu sich selbst wird ebenso einfühlsam beschrieben wie die Auswirkungen, die die Kriegstraumata nicht nur auf die Betroffenen, sondern auch auf die nachfolgende Generation haben können. Die Autorin ist Psychologin, das merkt man im Buch auf angenehme Weise.
So haben wir hier also mehrere, miteinander verwobene Themen - die norwegisch-deutsche Geschichte, die Familiengeschichte (die beiden kamen mir persönlich etwas zu kurz), die psychologischen Aspekte verschiedener Lebensereignisse und den langen Arm der Kriegstraumata. Alles erzählt mit Wissen, Können und eben diesem so ungewöhnlichen, teils faszinierendem Schreibstil, der auch nach dem Lesen noch zum Nachdenken anregt. Ein Buch, das Eindruck macht.
rewareni
aus wien
3/5
23.07.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Familiengeheimnisse
Inga und ihre Zwillingsbrüder Matthias und Markus, erfahren durch Zufall, dass sie eine Halbschwester haben, die in Norwegen lebt. Es beginnt eine Reise in die Vergangenheit, wo die Geschwister in Berlin und Mette versuchen heraus zu finden, was ihr gemeinsamer Vater Richard Niemann im Krieg erlebt hat und wie es kommen konnte, dass sich ihre Wege nach vielen Jahren nun kreuzen.
,,Kieloben´´ von Karin Nohr ist ein sehr anspruchsvoller und nicht immer leicht zu lesender Roman. Alle ihre Protagonisten kämpfen mit der Vergangenheit und ihren Erinnerungen an ihre Kindheit. Jeder hat die Familie und die einzelnen Mitglieder anders gesehen und auch erlebt. Da bekommt man immer wieder von der Autorin in Email Form geschrieben die Dialoge zu lesen, die die Geschwister Inga, Matthias und Markus führen. Während für Inga ihr Vater ein Held war, der furchtbares im Krieg miterleben musste, war es für Markus ein humorvoller Ausflug in die Vergangenheit, wo er nicht mehr genau wusste, was ihm sein Vater erzählt hat. Für Matthias aber war ihr Vater ein Versager, der Schuld daran war, dass viele Menschen wegen ihm gestorben sind. Bei diesen ,, Gesprächen´´ war viel an Gefühl und an Emotionen zu spüren. Jeder der Geschwister ist auf seine eigene Art und Weise mit den Erlebnissen an früher umgegangen. Da hat man gespürt, dass die Autorin, die Psychologie studiert hat, sich gut in die menschliche Seele hinein versetzen kann. Man wird mit Schuld, Hass und Verzweiflung konfrontiert. Ebenso zeigt sie auch immer wieder in unterschiedlichen Empfindungen das Verhältnis der Geschwister untereinander und auch gegenüber ihren Eltern auf. Gut und interessant beschrieben waren die Kriegserlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg, wo Richard Niemann auf dem Schlachtschiff Tirpitz der Kapitän war. Im Laufe der Geschichte gibt es auch Szenen ,die sich mit dem Segeln beschäftigen, wo die Autorin auch einige Begriffe aus der Segelsprache verwendet, die mir aber leider völlig unbekannt waren.
Es ist ein eigenwilliger Roman, der zwar auf der einen Seite interessant ist, weil es um viele Familiengeheimnisse geht, die nicht wirklich ausgesprochen werden und man als Leser nur ahnen kann, was wirklich passiert ist, aber auf der anderen Seite hat mir dann doch der richtige Zugang zu der Geschichte gefehlt. Der ständige Wechsel zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart hat für mich zu viel Unruhe hereingebracht. Auch wenn es dazwischen kleine humorvolle, bisweilen sogar zynische Gespräche gegeben hat, sind mir die Protagonisten irgendwie unnahbar erschienen und ich konnte keinen richtigen Zugang zu ihnen finden.
Aber ich bin sicher, dass dieser gefühlvolle und tiefgründige Roman seine Leserschaft findet.
Bewertung
aus Igensdorf
3/5
19.07.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Guter Inhalt - ungewöhnlicher Schreibstil
Vorweg: Ganz schlecht, wenn es einen Titel schon einmal gibt ( Jürgen Leskien - Kiel Oben) Ansonsten war der Inhalt dieser Familiengeschichte mit Verbindungen zum 2. Weltkrieg zwar gut und interessant beschrieben, aber der gewählte Schreibstil mehr als ungewöhnlich. Teils in E-Mailform, teils in einer Art Drehbuch geschrieben. Außerdem sollte man schon passionierter Segler sein um mit dem Fachjargon zurecht zu kommen. Sorry - kam bei mir nicht so gut an.
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