Roman einer Kindheit in der Parallelwelt der Russlanddeutschen in Kasachstan - zum Nachdenken und zum Schmunzeln:
- über babylonische Sprachverwirrungen und das Überleben im Sozialismus
- über Vertreibung und Verbannung, Heimatlosigkeit und den Versuch einer Heimatverortung
- über ein ramponiertes Schaukelpferdchen vom Sperrmüll und über das Christkind, das man sehen kann. Es sogar berühren könnte, wenn man sich nur trauen würde.
- über die blühende Tulpensteppe, ein einzigartiges Schauspiel in der sonst so kargen Landschaft im Nordwesten Kasachstans
- über schöne und weniger schöne Erinnerungen und die Heiligsprechung der Kindheit.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Ida Häusser beschreibt hier ihre Einnerungen bezüglich ihrer Kindheit in der kargen Steppe Kasachstan.
Diese sind in 21 Geschichten vorzüglich beschrieben.
Wie ihre Großeltern nach mehreren Vertreibungen in Kasachstan angekommen sind und weiterhin an ihrer deutschen Kultur festhalten.
Nachdem die Kinder in der Schule Russisch lernen, wird Wert darauf gelegt, dass dahaam nur deitsch geredet wird.
Die Autorin beschreibt ihre Klavierstunden oder wie sie eine Hose nach der neuesten Mode näht.
Warum die Kuh Manjka der Mittelpunkt ist und welche große Bedeutung sie hat.
Wie sie im Garten ist und ihre geliebten Äpfel Ranekta isst, die uns gänzlich unbekannt sind. Man möchte sie sofort selbst essen.
Was es mit dem Schaukelpferd und dem Christkind auf sich hat.
Und auch ein Quelle Katalog spielt eine große Rolle.
All dies erzählt sie in in den Kurzgeschichten ruhig und in einer angenehmen Sprache.
Mit ihren Worten hat sie mich in eine Welt entführt, die mir bis dahin fremd war.
Sie schreibt sehr bildhaft und ausdrucksvoll, deshalb konnte ich mir alles sehr gut vorstellen.
Wenn man das Buch gelesen hat, bekommt das Cover eine eigene Bedeutung. Dieses ist sehr passend zu der Geschichte ausgewählt.
Mich hat dieses Buch tief berührt und zeigt, dass man auch mit wenig sehr glücklich sein kann.
Ich könnte mir durchaus einen richtigen Roman vorstellen, angefangen mit der Vertreibung bis hin zur Eingliederung in Deutschland. Die Voraussetzung dazu hat die Autorin.
Fazit: sehr eindrucksvolle Kurzgeschichten, die berühren und zum Nachdenken anregen.
Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und 5 Sterne.
Bewertung
aus Armstorf
5/5
20.06.2020
Buch (Taschenbuch)
Wunderschöne Geschichten!
Rezension von: Sascha Helck.
So kann man Russland auch besuchen und träumen!
Der flüssige Schreibstil von Ida Häusser nimmt den Leser mit auf eine fantastische und wunderbare
Reise nach Russland.
Vor dem geistigen Auge sieht man förmlich die riesigen Blumenfelder in der endlosen Steppe.
In der Seele des Lesers erklingt die Balalaika.
Lustige Erzählungen laden zum schmunzeln ein, erfreuen das Herz und streicheln dem Leser
die Seele.
Aber es gibt auch traurige Momente in diesem Büchlein, die ein paar Tränen und
emotionales hervorrufen.
Hach, ich mag solche Storys einfach.
Gerade die aus Russland.
Meine Mutter kommt auch aus Ostpreußen und mein Neffe ist mit einer Russin verheiratet.
Ein damaliger Mitschüler von mir, kam auch Kasastan.
Dieses Buch, liebe Leserinnen und Leser, kann ich ihnen nur ans Herz legen.
Top!
Herbstrose
aus 87772
5/5
30.12.2019
Buch (Taschenbuch)
Eine Kindheit in Kasachstan
Die Autorin Ida Häusser wurde 1962 als Älteste von dreizehn Kindern einer Familie mit deutschen Wurzeln in Kasachstan geboren. Wie ihre Kindheit dort war schildert sie in diesem reizenden Büchlein - lässt den Leser teilhaben an glücklichen und berührenden Augenblicken, an Kindheitserlebnissen, wie sie nur im damaligen Russland sich zutragen konnten, wenn „dahaam deitsch“ geredet wurde und deutsche Weihnachtsbräuche im Geheimen zelebriert werden mussten.
In einundzwanzig Geschichten, die immer einem anderen Thema gewidmet sind, berichtet Ida Häusser über den damaligen Alltag und schwelgt in ihren Erinnerungen. Schon das Cover ist eine Augenweide und lädt zum Zugreifen und Schmökern ein. Dabei erfährt man, dass im Frühling in der Steppe im Norden Kasachstans Millionen Tulpen erblühen. Der Schreibstil ist ganz der jeweiligen Situation angepasst und lässt sich sehr angenehm lesen. Es sind Erlebnisse mit der Großmutter, die den Leser schmunzeln lassen, es sind aber auch die berührenden und traurigen Momente (wenn beispielsweise die einzige Kuh der Familie notgeschlachtet werden muss), bei denen man mitleidet. Immer ist jedoch zu erahnen, dass die Eltern trotz Entbehrungen versuchten, ihren Kindern Sicherheit und eine glückliche, unbeschwerte Kindheit zu bieten.
Fazit: Ein nettes kleines Büchlein über Kindheitserlebnisse, bei dem man gedanklich ab und zu an die eigene Kindheit erinnert wird - ideal zum Verschenken oder sich selber schenken.
Bewertung
5/5
07.07.2026
Gebrauchtbuch (Taschenbuch)
Deins!
„Ich bin gespannt auf die Parallelen, die wir in unserer Kindheit hatten“, schrieb mir Ida Häusser in der Widmung zu ihrem Buch Meins!
Auch ich war nicht weniger gespannt auf Idas Geschichte. Und gleich zu Beginn muss ich etwas anmerken: den Namen Ida. In meiner Familie gab es sogar drei Idas – meine Mutter, meine Schwester und meine Tante.
Dann tauchte ich in eine Kindheit ein und konnte nicht anders, als immer wieder zu lächeln und zustimmend zu nicken: „Ja, genauso war es auch in meiner Kindheit.“
Nein, unsere Familien waren nicht gleich, aber schon der Begriff Russlanddeutsche einte sie. Ihre Vorfahren nahmen einst aus der Urheimat Deutschland Traditionen und Bräuche mit, die sie im neuen Land fortführten und pflegten. Für russische Verhältnisse waren sie fremd. Das machte diese Familien besonders, und zur Zeit der Diktatur Stalins und des Zweiten Weltkriegs besonders gefährlich.
Die Deutschen in Russland erlebten schwere Repressionen. Die Wolgadeutsche Republik wurde nahezu aufgelöst, und die Menschen wurden in alle Himmelsrichtungen deportiert, die meisten nach Kasachstan und Sibirien. Doch ob in Kasachstan, wo Ida aufwuchs, oder in Westsibirien, wo ich meine Kindheit verbrachte – das Dorfleben war ähnlich. Auch ich erinnere mich gut an Ranetki (in Sibirien gab es noch andere Apfelsorten) und deren köstlichen Geschmack. Es gab so vieles, was gleich war. Nur ein Pianino besaßen wir nicht, dafür aber ein Fußharmonium, auf dem mein Vater spielte. Leider habe ich es nicht gelernt. Ebenso besaß mein Vater ein Motorrad mit Beiwagen, das er sorgfältig pflegte. Ach, alles kann ich hier gar nicht auflisten, und das muss auch nicht sein.
Dieses kleine, aber inhaltsreiche Buch tat mir in der Seele gut. Nicht nur wegen der Gemeinsamkeiten, sondern gerade weil die Atmosphäre in Idas Familie eine ganz andere war als in meiner. Ich spürte die Wärme und vor allem die Achtung, die den Kindern entgegengebracht wurde. Diese Wärme, die Zugewandtheit der Eltern fehlten mir in meiner Familie.
Ida Häusser hat einen wunderbaren Schreibstil: Poetisch, einfühlsam, und doch mit viel Humor beschreibt sie ihre Vergangenheit. Sie erzählt nicht nur von schönen Episoden. Ich habe sie gern begleitet, habe mich mitgefreut, stellenweise aber auch mitgelitten, denn es gab auch Trauriges, das seine Schatten über die Familie ausbreitete. Trotzdem erinnert sich Ida gern ans Kindsein, und ich bin dankbar für diese kleine Reise, die ich mitmachen konnte.
„Meine Eltern wurden vom Leben kinderreich beschenkt und steckten in uns ihre ganze Kraft, all ihre Wärme und Liebe. Wenigstens wir sollten in der Verbannung eine schöne Kindheit haben.“
Es freut mich, dass Ida eine behütete Kindheit hatte. Keiner der dreizehn Geschwister wurde benachteiligt oder weniger geliebt. Das können nicht viele von sich behaupten, die zu dieser Zeit in Russland lebten.
„Ich bin dafür, dass man die Kindheit heiligspricht, in allen Religionen, in allen Kasten, auf der ganzen Welt. Die Kindheit ist der kleinste gemeinsame Nenner aller Menschen, das Heiligste, was wir haben. Wenn das jedem bewusst ist, wird sie keiner stören, keiner wird einem Kind, einer Mutter, einem Vater etwas antun, weil er es seiner eigenen heiligen Kindheit antäte.“
Ein Gedanke, dem ich aus tiefstem Herzen zustimme. Doch die Wirklichkeit ist oft eine andere. Gerade die Unschuldigen, die Schwächsten unter uns tragen die schwersten Lasten. Weil sie klein sind. Weil sie wehrlos sind. Weil die Großen ihre Macht über sie ausnutzen.
Aber Kindheit ist kein Besitz, kein Kapitel, das man einfach hinter sich lässt. Sie ist ein inneres Land, das uns prägt, uns formt und uns durchs Leben trägt. Sofern diejenigen, die Macht über uns haben, es nicht zerstören …
Alles, was du aus diesem Land der Kindheit mitgenommen hast, liebe Ida – seien es schöne oder weniger schöne Momente – gehört dir und bleibt in dir. Es ist alles: Deins! Es wird dich für immer begleiten und dein Leben bereichern. Und genau so soll es sein!
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