Ex-Weltfußballer Lothar Matthäus soll als Trainer die Mannschaft des israelischen FC Maccabi Netanja aus der Talsohle führen. Lothar Matthäus, sein Dolmetscher und dessen Onkel Sauberger begeben sich auf Talent-Suche in einem Land, in dem die Sonne gnadenlos vom Himmel brennt und (mindestens) drei Weltreligionen unerbittlich aufeinanderprallen. Robert Scheer erzählt mit viel Humor und Fantasie und die Leser erfahren interessante Dinge über Israel.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Rebekka Tammen
aus Hannover
5/5
25.10.2019
Buch (Taschenbuch)
Unbeschreiblich!
"Matthäuspassion - ein humorvoller Roadmovie aus Israel" von Robert Scheer aus dem Hamsa Verlag
Lothar Matthäus ist Trainer des israelischen FC Maccabi Netanja und soll sich eigentlich mit seinem Dolmetscher auf Talentsuche begeben. Der Dolmetscher und Ich-Erzähler im Buch wird von seinem großartigen Onkel Sauberger begleitet und man kann sagen, dass das die Reise erst zu dem macht, was sie ist: einer Geschichte mit soviel Liebe zum Detail, soviel Witz - und einem ständig knurrenden Magen, denn Onkel Sauberger liebt die Sau in allen Varianten.
Ich habe mich unglaublich auf dieses Buch gefreut und wurde nicht enttäuscht. Rober Scheer versteht es wie kaum ein anderer, mich ständig zum breiten Grinsen und schallenden Lachen zu bringen - ja, auch in der Straßenbahn! Ich musste mich zwingen, langsam zu lesen, damit ich viel von dem Buch habe. Es ist nicht nur der einzigartige Humor des Autors: die Sprache zwischen den Zeilen, das Nichtgeschriebene, macht seine Bücher für mich zu einer wertvollen Lektüre.
Es gibt viel interessantes, wo ich gleich nachgucken musste, ob das stimmt oder der Fantasie des Autors geschuldet ist, z. B. wie das "Hallo" am Telefon entstanden ist, oder was Schweine im Stall am liebsten für Musik hören: Weisheiten von Onkel Sauberger, der perfekt darsgestellt wurde. Ich fühlte mich umringt von der Truppe und war mit ihnen im orthodoxen Hotel mit dem mobilen Kühlschrank, ich lag am See Genezareth und kann mir Lothar Matthäus bildlich vorstellen, wie er da mit seiner schwarz-rot-goldenen Unterhose im Wasser stand. Danke Robert, das bekomm ich nie mehr aus meinem Kopf raus! ;-)
Auch ein kurzer Ausflug und somit eine Andeutung zu Robert Scheers erstem Buch "Der Duft des Sussita", wo ein Kamel die Sussita frisst, lässt mich nochmal an dieses lesenswerte Buch denken und schon muss ich wieder lachen...
Elke Seifried
aus Gundelfingen
4/5
26.11.2019
Buch (Taschenbuch)
Mit Schweineleidenschaft durchs Heilige Land
Der israelische Fußballverein FC Maccabi Natjana hofft mit dem neuen Trainer Lothar Matthäus bald wieder Erfolge erzielen zu können. Am Geld liegt es nicht, aber erfolgsversprechende Talente scheinen Mangelware zu sein und deshalb muss das Land abgesucht werden.
Als Leser bekommt man das Roadmovie aus Sicht des Dolmetschers, der in der Ich-Perspektive plaudert, beschrieben. Man darf mit ihm, seinem Onkel Sauberger und natürlich Lothar Matthäus auf die Reise gehen. Ist bei der ersten Station, Daliyat El Karmel, ein drusisches Dorf, noch das Sichten von Fußballspielern Zweck der Reise, ändert sich dies spätestens nach dem Schock, denn „Die Drusen hatten die Angewohnheit, als Glücksbringer ein Lamm zu opfern und die Beine der Fußballer mit dessen Blut zu beschmieren.“ Fortan läuft Onkel Sauberger zur Höchstform auf, wenn es darum geht, die Geldgeber des Fußballvereins zu vertrösten, und es wird nur noch gereist. So geht´s erst einmal weiter nach „Kfar Nachum, der Ort in Galiläa am See Genezareth, wo Jesus angeblich von Johannes dem Täufer unter Wasser getunkt wurde.“, anschließend werden u.a. Tiberias, Tel Aviv oder auch ein Kibbuz in der Wüste besucht, bevor die ganze Geschichte dann mit einer Stippvisite in Nazareth endet. Sowohl der Dolmetscher liefert in Erinnerungen zwischendurch Episoden aus seinem Leben, auch aus anderen Ländern, als auch Onkel Sauberger, der hier zum Geschichtenerzähler aller erster Güte mutiert. Seine Leidenschaft dafür kommt gleich nach seiner Vorliebe für Schweinefleisch und alles was man daraus machen kann. Diese schlängelt sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte, denn nachdem Lothar sein Erfolgsgeheimnis verrät, „Training, Training, Training, und viele Schnitzel und Schweinebraten, das war mein Rezept.“, ist klar, hier haben sich zwei gefunden, auch wenn gilt: „Autsch, autsch. Behalte dein Erfolgsgeheimnis lieber für dich. Jedenfalls solange du hier bist. Hier verstehen die Leute keinen Spaß, wenn es ums Schwein geht, gar keinen Spaß. Keiner weiß das besser als ich.“
Gut haben mir die kleinen Einblicke ins Leben in Israel gefallen, hatte ich da doch bisher eher wenig Vorstellung davon. So erfährt man z.B. über die Gemeinschaft der Drusen z.B. „Obwohl sie Arbaber und Muslime sind, glauben sie an so etwas wie die Seelenwanderung und dienen treu und brav der israelischen Armee.“, warum man die Modelle der Automarke Sussita als kulinarische Autos bezeichnen kann, oder darf man mit der Reisegruppe in einem koscheren Hotel übernachten, und lernt so Dinge wie einen Schabbat Ofen, einen Schabbat Aufzug oder auch den Behelf mit einem Goj shel Schabbat, die den Betrieb auch am heiligen Feiertag, an dem so allerhand verboten ist, aufrechterhalten, kennen. Durch die Erzählungen und Erinnerungen von Erzähler und Onkel Sauberger fließen z.B. auch einige Details zu den Kopten in Ägypten oder auch zum Judentum in Ungarn mit ein, wenn da auch schnell die ungarische Paprikasalami die Oberhand gewinnt. Diese Infos, die man mit witzigen Episoden verknüpft präsentiert bekommt, haben mir wirklich gut gefallen. Wobei ich manchmal schon am Überlegen war, was wohl Wirklichkeit, was den Ausschmückungen Onkel Saubergers geschuldet war.
Als Leser könnte man sich aufgrund der Beschreibung vielleicht mehr Fußball erwarten. Da ich aber absolut kein Fan davon bin, kam mir das gerade recht, dass die Talentsuche recht schnell ad acta gelegt wird. Ich konnte auch lange Zeit über die Leidenschaft für Kottelet, Speck, Schnitzel und Schinken, die ja in Israel so verpönt und der deshalb unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit gefrönt werden muss, herzhaft lachen. So konnte ich doch mehr als darüber schmunzeln mit welchen Tricks das verbotene Schweinefleisch seine dankbaren Abnehmer findet und der mobile Kühlschrank, der Onkel Sauberger auf der Reise unerschöpflichen Vorrat an Köstlichkeiten bereithält, hat hier wirklich einiges auf Lager. Irgendwann läuft sich aber auch der beste Witz einmal ab und gegen Ende hin, vor allem als die Erinnerungen und Erzählungen oft fern ab von Israel handeln, konnten mich die witzigen Episoden nicht mehr ganz so begeistern wie zu Beginn. Aber das lag vielleicht auch mehr daran, dass mich Erfahrungen wie z.B. bei einem Flyer verteilen für einen DJ in London nicht so sehr interessiert haben, wie Land und Leute in Israel.
Der kurzweilig, pointierte Sprachstil des Autors liest sich locker, leicht. Man bekommt hier wirklich humorvolle Unterhaltung. Sehr gut hat mir gefallen, mit welch spitzer Zunge Robert Scheer formuliert und damit auf Macken der Menschen im Allgemeinen und so manche Schieflage aufmerksam macht. Auch so manche Stereotype kommen aufs Tapet. Da kann es durchaus mal heißen, „Und dass die Russen weder geizig wie die Holländer noch sparsam wie die Schwaben sind, das wissen die jüdischen Geschäftsleute, die den christlichen Devotionalienhandel betreiben, sehr zu schätzen.“, wenn das Geschäft schon längst die Oberhand über die religiöse Bedeutung gewonnen hat, oder in brütender Hitze wird die Aussicht am Strand auch mal mit „…Frauen, die träge in der Sonne liegen und sich wie schwere Echsen ab und zu in Zeitlupentempo vom Rücken auf den Bauch drehen,..“ bzw. „..das Fleisch der Frauen im Bikini appetitlich und fest, das Fett der Männer schlaff wie Wackelpudding“ beschrieben. An Sprachwitz und originellen Einfällen mangelt es dem Autor wirklich nicht.
Der Dolmetscher plaudert aus der Ich-Perspektive und war mir von Anfang an sympathisch. Onkel Saubergers Charme verfallen in der Geschichte alle, so auch ich, alles Fehlende hätte er sowieso in Grund und Boden geredet. Lothar Matthäus blieb für mich ein wenig blass und mit den beiden Damen, die sich der Truppe für ein Weilchen anschließen, konnte ich weniger anfangen.
Alles in allem ein kurzweiliges, amüsantes Lesevergnügen, das mir auf humorvolle Weise Land und Leute Israels ein wenig näher gebracht. Für fünf Sterne genügt es bei mir nicht ganz, aber sehr gute vier und eine Leseempfehlung sind auf jeden Fall drin.
Zsadista
4/5
18.11.2019
Buch (Taschenbuch)
Rezension zu "Matthäus Passion"
Lothar Matthäus, ja genau der Loddar, ist gerade Trainer beim FC Maccabi Natanya. Er soll sich im Hinterland einen neuen Spieler ansehen und kaufen. Da er den Spieler den er eigentlich haben will, Dietmar Hamann, wegen seinem Namen nicht haben darf.
Also machen sich Lothar und sein Dolmetscher auf den Weg um den neuen Maradona zu begutachten. Mit von der Partie ist natürlich auch Onkel Sauberger. Ohne ihn geht fast nichts.
In Daliyat El Karmel angekommen stellt sich der neue Maradona nur als heiße Luft heraus. Also geht es weiter auf der Suche nach dem neuen Fußballgott quer durchs halbe Land.
„Matthäus-Passion“ ist der zweite Roman über Israel, Schweinefleisch und Sauberger aus der Feder des Autors Robert Scheer.
Die erste Hälfte des Buches ist wirklich sehr rasant und humorvoll. Lothar, Onkel Sauberger und sein Neffe (Wie heißt der eigentlich?) legen eine richtige Odyssee auf der Suche nach dem neuen Spieler an den Tag. Es ist skurril, witzig und einmalig.
Etwa in der zweiten Hälfte des Buches steigen zwei Damen mit in den Wagen. Ab da fand ich es etwas zäh. Lothar spielt ab dann auch nur noch eine Randfigur. In den folgenden Ereignissen tritt Onkel Sauberger in den Vordergrund.
Es ist zwar alles sehr interessant, mir allerdings fast zu viel Gerede von Sauberger. Ich hätte mir da gewünscht, dass es so weiter geht, wie am Anfang des Romans. Dazu passen diese beiden Frauen auch nicht wirklich in die Geschichte. Das Saubergers Redeschwall nicht zu bremsen ist, war mir aus dem ersten Band schon klar. Daher war das ab und an mal zäh, aber doch gut auszuhalten. Nur hätte ich mir eben mehr die Suche nach dem neuen heiligen Gralspieler gewünscht. Eben mehr Loddar und weniger Tussies.
„Matthäus-Passion“ ist ein humorvolles Buch, das einem zum Lachen bringt. Vor allen Dingen, wenn man es versucht zu lesen, während im Fernsehen Lothar Matthäus ein Fußballspiel kommentiert.
Monika Schulte
aus Hagen
4/5
13.10.2019
eBook (ePUB)
Macht einfach Spaß zu lesen!
Was für eine herrliche Geschichte! Vor einiger Zeit habe ich "Der Duft des Sussita" von Robert Scheer gelesen und da hatte ich schon jede Menge Spaß. Aus der Zeit ist mir auch Onkel Sauberger bekannt, der auch in der "Matthäus-Passion" wieder eine große Rolle spielt. Wie schön, ihm wieder zu begegnen und seinen Geschichten lauschen zu können!
Lothar Matthäus, der als Trainer für die israelische Mannschaft Maccabi Netanja arbeiten soll, spielt eher eine Nebenrolle, obwohl er stets dabei ist. Die Hauptperson ist eindeutig sein Dolmetscher, der Ich-Erzähler und halt Onkel Sauberger, der immer noch am liebsten Schweinefleisch isst und das ausgerechnet im gelobten Land! Sein Konsum an Wurst ist fast schon legendär!
Lothar Matthäus, sein Dolmetscher und Onkel Sauberger machen sich auf den Weg einmal quer durch Israel, um irgendwo ein großartiges Fußballtalent zu entdecken, dass die Mannschaft endlich voranbringen könnte. Die Talentsuche entpuppt sich allerdings als sehr große Herausforderung, doch Onkel Sauberger wäre nicht er selbst, wenn er nicht aus jeder Situation das Beste machen würde. In der Hauptsache geht es ihm natürlich ums Essen.
Unter nahöstlichen, blauen und heißem Himmel begegnen die drei Männer den unterschiedlichsten Menschen und Religionen. Als Leser sitzt man irgendwie mit im Auto, erlebt alles hautnah und erfährt so ganz nebenbei sehr viel über Land und Leute.
Robert Scheer erzählt ehrlich, genau und witzig. Die Handlung schreitet leicht und unterhaltsam voran. Die Geschichte ist erfrischend bunt und heiter und ich hoffe, dass es weitere Geschichten von Onkel Sauberger geben wird. Ob Lothar Matthäus mit seiner Talentsuche Erfolg gehabt hat? Tja, das müsst Ihr schon selbst lesen!
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