Sie war siebzehn, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Bis dahin hatte es keine große Rolle für sie gespielt, dass sie Jüdin war, doch plötzlich entschied diese Frage über Leben oder Tod. 1942 schloss sie sich dem niederländischen Widerstand an, lebte unter falschem Namen. Mehrmals konnte sie den Nazis entkommen, doch im Juli 1944 wurde sie verraten und nach Ravensbrück transportiert. Sie hat die Grauen des Konzentrationslagers überlebt, ihre Familie nicht. In dieser Zeit wusste niemand, dass sie Jüdin war, keiner kannte ihren Namen. Erst danach wagte sie wieder zu sagen: Mein Name ist Selma.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
selina (ig: literaturnen)
5/5
02.08.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
must-read: emotional, ehrlich, wichtig.
selma ist 17 als der zweite weltkrieg ausbricht, 23 als er endet. in den 6 jahren verliert sie ihre eltern, ihre schwester, unzählige verwandte, freunde & bekannte. sie taucht unter, schließt sich dem widerstand an, ändert ihre identität. nach ihrer verhaftung ist sie im lager vught, später in ravensbrück, und erlebt das grauen der dortigen umstände selbst mit. selma entkam dem tod unzählige male knapp, durch glück, kontakte, wohlwollende menschen & intuition.
dass zeitzeugnisse aus dieser zeit ungemein wichtig sind & wir den erfahrungen jüdischer menschen unbedingt gehör schenken müssen ist denke ich klar. was mich jedoch abgesehen von diesem aspekt von selma van de perres zeugnis überzeugt hat, war die beschreibung. ihre nacherzählung beginnt nicht inmitten der entrechtung, des krieges, sondern einige zeit davor. die lesenden erleben selmas kindheit als zwar von unsicheren finanziellen verhältnissen & krankheit geprägt, aber doch glückliche gemeinschaft mit den liebsten. sie hat eine enge beziehung mit ihrer familie, findet einige freundinnen - dass sie & ihre familie jüdisch sind, spielt keine wirkliche rolle für sie.
danach folgt ein harter bruch, man erfährt wie all das glück plötzlich endet, die lage sich immer weiter verschlimmert.
dabei nutzt selma eine so klare & doch sanfte sprache, eine erzählweise die neutral & doch so bewegend ist. der kontrast zwischen dem erzählstil zu dem erzählten wirkte auf mich besonders stark. oft traf mich nach dem lesen einer so sanft beschriebenen, hoffnungsvollen nacherzählung der letzte satz, der das letztliche schicksal der personen beschrieb, wie ein schlag ins gesicht.
besonders beeindruckte mich auch die hoffnung, das wohlwollen gegenüber anderen, die zwischen den zeilen oft mitschwangen.
obwohl ich gerne auch mehr über selmas person an sich erfahren hätte, fand ich diese distanz zu ihrem 'wahren selbst' doch sehr passend: im buch geht es neben dem offensichtlichen auch darum, wie sie sich & den bezug zu sich selbst verlor.
https://lieslos.blog/
5/5
12.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Erschütternd, interessant, wissenswert und lesenswert!
Wir lernen die Jüdin Selma kennen, die 17 Jahre alt war, als der zweite Weltkrieg ausbrach.
Mit der Besetzung der Niederlande durch die Deutschen wurde das Leben für sie, wie für alle Juden, hochgefährlich.
Auf einen Schlag wurden Selma und ihre Familie zu Bürgern zweiter Klasse.
Selma tauchte unter, legte sich einen anderen Namen zu, verbarg ihre jüdische Identität und schloss sich dem Widerstand an.
Von nun an war sie als Margareta „Marga“ van de Kuit als Botin im ganzen Land tätig.
Mit Lebenswille, Engagement, unerschütterlicher Hoffnung und viel Glück im Unglück überlebte sie das Konzentrationslager Ravensbrück und den Krieg.
„Mein Name ist Selma“ ist ein ergreifendes und hochinteressantes Buch über eine starke und mutige Frau.
Der Roman, der durch Fotos und Dokumente ergänzt und bereichert wird, ist nicht nur eine beeindruckende Autobiographie und ein wissenswerter Tatsachenbericht aus der Feder einer Zeitzeugin.
Er ist auch ein bedeutsames Mahnmal gegen das Vergessen und ein Stück unbedingt lesenswerte Literatur, dessen Sprache und Stil mir gefielen.
Hut ab vor der fast hundertjährigen Selma van de Perre, die über ihre unfassbar harte Zeit im Widerstand und über die unfassbaren Grausamkeiten im Konzentrationslager schreibt.
Bewertung
aus Rannungen
5/5
06.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wichtiges Zeitzeugnis
Im btb-Verlag ist Anfang März ein sehr wichtiges Buch zum Holocaust erschienen: „Mein Name ist Selma – Erinnerungen einer Widerstandskämpferin und Holocaust-Überlebenden“ von Selma van de Perre.
Die jüdische Niederländerin schreibt in ihrem autobiografischen Roman über ihre Erlebnisse vor Kriegsbeginn bis in die Nachkriegszeit. Da die Niederländer die Gefahr lange unterschätzen, kommt die Besetzung ihres Landes durch die Nazis für viele überraschend. Aufgrund der Repressalien und Trennung von ihrer Familie schließt sich Selma im Alter von 20 Jahren unter einem Decknamen der Widerstandsbewegung an. 1944 wird sie schließlich verhaftet und zunächst in das Durchgangslager Vught und schließlich in das KZ Ravensbrück deportiert. Mit viel Glück überlebt sie und lebt später in England.
Auch wenn man bereits vieles über diese Zeit und all die Schreckenstaten der Nazis gelesen hat, so ist es dennoch immer wieder unglaublich, wie grausam Menschen sein können und was damals wirklich passiert ist. Umso erstaunlicher ist es auch, wie mutig Menschen wie Selma waren und Widerstand geleistet haben.
Mein einziger Kritikpunkt ist der Sprachstil, der recht einfach, zuweilen etwas umständlich formuliert daherkommt. Das kann aber auch von den diversen Übersetzungen vom Englischen ins Niederländische und dann ins Deutsche herrühren.
Das Buch ist ein Zeitzeugnis, das erschüttert - aber auch Mut macht. Absolute Leseempfehlung.
Mareike Kollenbrandt
aus Jülich
5/5
06.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Widerstand im Zweiten Weltkrieg
Selma ist eine der wenigen noch lebenden Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs. Geboren und aufgewachsen in den Niederlanden, ist sie sich ihres jüdischen Abstammung gar nicht so bewusst, bis der Zweite Weltkrieg ausbricht. Sie schließt sich dem Widerstand an und riskiert mehr als einmal ihr Leben. Ihre Eltern und ihre Schwester werden in Konzentrationslagern ermordet, ihre beiden Brüder überleben den Krieg, weil sie bei der Armee sind. 1944 wird sie verraten und kommt nach Ravensbrück, wo sie die vielen schrecklichen Gräueltaten der Nazis miterlebt. Doch sie gilt als politische Gefangene und nicht als Jüdin, da sie bereits seit Jahren unter falschem Namen lebt. Erst als sie durch das Schwedische Rote Kreuz befreit wird, kann sie zum ersten Mal wieder ihren richtigen Name sagen.
In den Niederlanden wurden während des Zweiten Weltkrieges mehr als zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung ermordet. Dieses Buch macht betroffen, ist aber dennoch sehr sachlich gehalten. Selma van de Perre hält sich nicht mit Anklagen auf, sie möchte ihren Beitrag zu Gedenken leisten.
„Denn die Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges und die mutigen Taten der Menschen, die ihnen stolz entgegengetreten sind, dürfen nie in Vergessenheit geraten“
Bewertung
5/5
15.03.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sehr berührend und erschütternd...
Sehr berührend und erschütternd erzählt Selma van de Perre von ihren Erfahrungen als Jüdin in den besetzten Niederlanden während des zweiten Weltkrieges und von ihren Erlebnissen als Widerstandskämpferin. Lohnenswert zu lesen und wichtiges Thema um nicht zu vergessen.
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