In einem hübschen, idyllisch gelegenen Dorf, in dem sich wie üblich alle Einwohner hassen, gibt es einen satanischen Kult. Für diesen hat die stotternde Kultpriesterin irrtümlich den falschen Dämon versklavt. Anstelle des blutrünstigen Bartos - "dem Schrecklichen" - ist der gutmütige, vegetarisch lebende Barbartos genötigt, sich mit den irrsinnigen Kultmitgliedern und ihren Tier- und Menschenopfern herumzuplagen.
Außerdem kommen in dieser Geschichte vor:
Ein ordensflüchtiger Mönch, der seine Sexualität entdeckt.
Ein rachsüchtiger Puppenmacher. Eine besonders doofe Taube und andere lustige Tiere.
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Der falsche Dämon, ein armer Vegetarier, gerät in die Gefangenschaft von elenden, mortalen Menschlein, um ausgebeutet zu werden! Witzig! Top
Das ist meine Gesamtrezension für den ersten Band in zwei separaten Büchern.
Die schräge, liebenswürdige, im positiven Sinne verrückte Reihe ist eine Tetralogie. ( Tetralogie, nicht Tetraloge, Ups, Teratologe hat nichts mit Edward Lee zu tun! )
Just begab es sich im neunten Monat, Septembrus genannt, im Jahre des Teufels Neunzehnhundertsiebenundachtzig, in einem Dorf namens Lueg, daß ein Kult der infernalischen Art einen blutrünstigen Dämon namens Bartos beschwören und versklaven wollten. Die Hohepriesterin des Tenebrarum, Viktoria, gleichzeitig Meisterin der Bürger, mit Sprachfehler, gemeinhin wohl Stottern genannt, ( kommt davon, wenn man nicht zum Logopäden geht ), hat so aus einem Lapsus hinaus Barbartos unter ihrer Fuchtel.
Dieser, nett, freundlich, mit Emotionen, Vegetarier, tierfreundlich, muß niederste Arbeiten verrichten und grausige Order ausführen. Er freundet sich mit Viktorias Sohn Matt an. Immerhin kann er den Dörflern hübsche Streiche spielen.
Karl, der zweite Hauptprotagonist, etwas weltfremd, lebt, seitdem er die Schule abgeschlossen hat, in einem Kloster. Nach einem Erlebnis verläßt er die Klause endgültig und lernt in eben jenem Lueg und Trueg ( äh, pardon ) Lueg seinen Vater kennen, der allerdings zu stark den geistigen Getränken zuspricht. Karl merkt, daß im Dorf irgendetwas hmh, schweflig riecht - es ist etwas faul im Staate Dänemark. ( Hamlet ist auch englisch für einen kleinen Weiler wie Lueg, also paßt das Zitat des alten Will! ).
Karl merkt bald selbst, daß er etwas Besonderes sein könnte und ein gewißes Talent besitzt, auch wenn er das alles nicht so richtig wahrhaben will. Die Frauen des Dorfes umgarnen ihn nicht grundlos, aber er blickt einfach nicht ganz durch, bis er vielleicht doch etwas unerwartet erfährt? Und überraschende Begegnungen hat?
Barbartos und Matt wollen Karl retten ( offensichtlich auch vor sich selbst ), denn sie wissen, daß der Kult etwas im Schilde führt und Karl nun einmal nicht George C. ist. Werden sie Erfolg haben? Was wird aus dem armen Barbartos?
Das erste Buch der Reihe ist in zwei Bände gespalten, aber dessen Persönlichkeit ist es nicht.
Die ironische Sprache und der Sarkasmus geben der Geschichte Situationskomik, Wortwitz und Hintergründigkeit. Ich kam gut und schnell zurecht mit dem eingängigen, abgründigen Schreibstil. Abgründig im besten Sinne natürlich!
Die wechselnde Perspektive zwischen Barbartos und Karl bringt Dynamik in das Buch, wie überhaupt dieser Auftakt vor geradezu diabolischer Vitalität sprüht!
Außerdem ist der Topos gegen den Strich gebürstet und Klischees werden TNT - mäßig gesprengt. Denn der geknechtete Dämon Barbartos gar so nett ist, emotional, hilfsbereit, träumt ( Gruß an Morpheus, einem der sieben Ewigen! ), Tiere und sogar einige Menschen seine Freunde nennt, VEGETARIER! Muß ich mich mehr sagen? Toll!
Der naive, weltentrückte, unerfahrene Karl ist von der Sorte, daß ich ihn des öfteren schütteln möchte, ja, anschreiben, weil er oft nicht erkennt, was Sache ist.
An Spannung und Twists fehlt es nicht. Der Bogen wird konstant hochgehalten! Sogar Höllenausgeburten wie ich, altgediente Leser, wurde noch überrascht!
Wenn man sich Lueg und ihre irren, durchgeknallten und psychopathischen Insassen so anschaut, ist Innsmouth dagegen ein müder Haufen. Ähnlichkeiten mit realen Dörfern sind rein zufällig und ( nicht ) beabsichtigt. Egal ob lebend, tot, immortal oder untot!
Emotionen kommen nicht zu kurz, man entwickelt große Sympathien für Barbartos und gewinnt ihn sogar sehr lieb.
Das Buch ist äußerst vielschichtig und raffiniert aufgebaut.
Manche sagen, daß Buch sei kein Mainstream. Was ist schon Mainstream? Einheitsbrei! Clark Ashton Smith und H. P. Lovecraft waren ebenfalls kein Mainstream und hatten zu Lebzeiten nicht viel Erfolg, jedenfalls nicht den verdienten.
Das wird Nicole Kohlstock hoffentlich nicht passieren und ihr gar schröckliches Fatum sein. Und falls der Erfolg doch posthum kommen sollte, wenn die Autorin im erklecklichen Alter von 112 Jahren die schnöde Erde verläßt, dann wird sie durch einen Nekromanten heraufbeschworen, von welchen Elysischen Gefilden auch immer, um neubelebt dann an ihrem eigenen Weltruhm partizipieren zu können! Hurra!
Eine Möhre für den Dämon
Bewertung aus Osnabrück am 06.06.2020
Bewertungsnummer: 1337384
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
In einem scheinbar idyllischem Dorf namens Lueg beherrscht ein Kult die Einwohner. Besiegelt wurde dieser mit der Beschwörung eines Dämons. Allerdings hat die Priesterin einen Sprachfehler, wodurch statt Bartos, der Schreckliche, Barbartos, ein friedlicher und vegetarisch lebender Dämon, nun im Ort lebt.
Im September 1987, flüchtet ein Mönch aus seinem Kloster und versucht, seinen Vater zu finden. Und so landet der weltfremde Karl an einem Ort, an dem so einiges vor sich geht, was er sich nicht einmal in seinen Träumen vorstellen könnte. Wobei diese Träume langsam auch immer weiter außer Kontrolle geraten.
Der Schreibstil ist ungewöhnlich und erfrischend. Die Autorin Nicole Kohlstock nimmt kein Blatt vor den Mund, egal um welches Thema es geht. Am Anfang muss man sich vermutlich erst einmal dran gewöhnen, aber dann genießt man den ganz eigenen Humor der Geschichte. Dazu zeichnet sich das Buch durch einen sehr großen Detailreichtum aus, was vermutlich die Meinungen spaltet. Mir gefällt es. Die Perspektiven von Karl und Barbartos wechseln sich ab, was nicht durch Namen, sondern durch Tierbilder gekennzeichnet ist.
Spannung kommt erst mit der Zeit auf, da ich etwas gebraucht habe, um wirklich in der Geschichte angekommen zu sein. Sobald dies erreicht war, fieberte ich mit den beiden, Barbartos und Karl, mit und hoffte sehr, dass beide heil aus der ganzen Sache heraus kommen.
Barbartos erinnert durch seine humorvolle und leidende Art an andere Dämonen wie „Bartimäus“ aus der gleichnamigen Buchreihe oder „Xemerius“ aus der Edelsteintrilogie. Durch das Stottern ist er an eine fiese Priesterin und ihr Dorf gebunden und würde einfach gerne sein Leben leben. Dazu kommt, dass keiner ihn wirklich ernst nimmt und keiner glaubt, dass er der ist, der er wirklich ist, da sich keiner den Fehler eingestehen will. Karl ist die andere sehr wichtige Figur: ein junger, absolut weltfremder Mann, der von einem Schlamassel ins nächste rutscht. Mein häufigster Gedanke beim Lesen war „Armer Karl“. Doch trotzdem wurde ich mit ihm nicht 100% warm, was vermutlich einfach an seiner manchmal schon schmerzhaft naiven Art liegt, die im absoluten Widerspruch zu allen anderen Figuren steht. Wichtig für die Geschichte ist auch die Familie Ward, angefangen bei der Mutter, die besagt Priesterin ist und den beiden Kindern, die durch das Aufwachsen in einem Kult definitiv den ein oder anderen Knacks bekommen haben. Aber auch viele weitere Figuren in dem Dorf zeichnen sich nicht durch ihre menschenfreundliche Art aus….
Eigentlich handelt es sich bei dieser Reihe um eine Trilogie, wobei der erste Teil noch einmal in zwei Bände aufgeteilt wurde – ein Konzept, was dem einen oder anderen durch einige Buchverfilmungen bekannt sein wird.
Insgesamt hat mir die Idee sehr gut gefallen, die Skurrilität finde ich wirklich gelungen. Auch, wenn das Cover auf eine eher jüngere Zielgruppe abzielt, würde ich das Buch dieser nicht empfehlen. Auf die Themen eines Kultes, der einen Dämon beschwört, die sehr deutliche Sprache und den schwarzen Humor, sollte man sich bewusst einlassen.
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