Eine Straßenbahn an der Endhaltestelle: Der Fahrer liest in einem Buch, das lebenswichtig für ihn ist. Fahrgäste erwartet er seit langem nicht mehr. Doch in dieser Nacht steigt ein Fremder ein ...
»Die Zeit so still« begleitet zwei außergewöhnliche Männer eine Nacht lang durch eine stumme Stadt in einer Zeit, in der nichts mehr so ist, wie es einst war. Mitgefühl und Menschlichkeit aber sind geblieben.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Womöglich werde ich demnächst häufiger Novellen lesen, das hat mir gut gefallen. Kurz und doch steht jede Menge auf den 100 Seiten.
Eine Pandemie beherrscht die Welt. Ist es Corona.. man weiß es nicht, es gibt Parallelen. Jedoch spielt die Handlung etwa 25 Jahre nach dem ersten Ausbruch. Die Straßen sind verlassen, niemand darf mehr das Haus verlassen. Das Virus ist tödlich und Therapien nicht verfügbar. Die Natur ist dabei, sich die Erde zurück zu holen.
Ein Mann bricht aus seinem zu Hause aus und begegnet einem Straßenbahnfahrer, der trotz Mangels an Fahrgästen unbeirrt seine Strecke fährt. Die beiden Männer erzählen sich ihre Geschichte.
Florian L. Arnold hat einigen Interpretationsspielraum gelassen, das ist wirklich gut gelungen. Die Gedanken schweifen in diesem apokalyptischen Szenario herum, man sieht alles vor sich, erlebt diese Stille mit.
Ich glaube, man liest dieses Buch jetzt - heute - anders, als man es in 5 Jahren lesen wird und vor allem VOR 5 Jahren gelesen hätte. Auch wenn der Autor eine Seuche biblischen Ausmaßen erschafft, trotzdem steckt ein beklemmendes Fünkchen Realität in der Atmosphäre dieser Erzählung.
Die verwendete Sprache fand ich ganz wunderbar. So passend, still, nachdenklich, fast nostalgisch anmutend und unaufgeregt. Nun mag der eine oder andere sagen, Pandemie muss ich nicht auch noch in meiner gepflegten Feierabenliteratur haben, das Thema verfolgt mich schon im Alltag überall hin. Aber ich persönlich empfinde die literarische Auseinandersetzung hier nicht als "Überdosierung", da es doch auch um viel mehr geht, das verrate ich jetzt aber einfach mal nicht!
https://lieslos.blog/
5/5
25.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Unsere schwierige Gegenwart zur erschreckenden und erschütternden Dystopie ausgedehnt...
Ein tödliches Virus.
Beängstigendes Massensterben.
Absolute Ausgangssperre.
Völlige Ungewissheit.
Lähmende Eintönigkeit.
Zermürbende Warteposition.
Dringend einzuhaltende Regeln.
Verbote, Kontrolle und Strafen.
Stählerne Staatstürschlösser, Überwachungskameras, Infektionswärter, Lauscher, Jäger und Drohnen.
Die in Aluminiumschalen verpackten, rationierten Mahlzeiten werden mit städtischen Fahrzeugen an die Haustür geliefert.
Max, ein melancholischer Mann tigert unruhig und hoffnungslos in seiner stillen Wohnung umher, hängt seinen Gedanken nach, schwelgt in Erinnerungen und wünscht sich die Normalität zurück.
Eines Nachts wird es ihm zu viel. Er nimmt das Risiko einer drastischen Strafe in Kauf und verlässt verbotenerweise die Wohnung. Gedankenverloren streift er durch die menschenleeren und unbeleuchteten Strassen, die von Tieren erobert wurden.
Plötzlich begegnet er einer tödlichen Gefahr: einem Kind.
Das Kind ist verletzt und braucht Hilfe...
Und schließlich landet Max in einer stehenden Straßenbahn, in der ein lesender Schaffner sitzt, der eine zu Herzen gehende Geschichte zu erzählen hat ...
Seitlich vom Text stoßen wir immer wieder auf stichworthafte Randnotizen, die Gedankenfetzen darstellen oder Stand und Nachrichten der alles kontrollierenden Obrigkeit mitteilen.
So entsteht Spannung, die sich zu der schaurigen, düsteren und melancholischen Atmosphäre der stummen Stadt dazugesellt.
Wir alle haben im Moment immer wieder mit beängstigenden und erschreckenden Dystopien in unserem Kopf zu kämpfen.
Der Gedanke liegt nahe, nicht auch noch in Romanen oder Novellen damit konfrontiert zu werden.
Auch ich verspürte zunächst einen gewissen Widerstand, zu dem Werk zu greifen.
Aber ich bin sehr froh darüber, es dennoch getan zu haben, denn ich wurde reich belohnt.
Sich auf diese poetische und originelle Weise mit der Materie auseinanderzusetzen und zum Nachdenken angeregt zu werden, war nicht nur unterhaltsam, sondern in gewisser Weise auch beruhigend, denn trotz allem Schwierigem, Einschränkendem und Beängstigendem ... wir sind noch weit entfernt von dieser Dystopie.
Den Ängsten bzw. beängstigenden Phantasien ins Auge zu blicken, sie durchzubuchstabieren und zu formulieren, macht sie etwas kleiner. Egal ob durch ein Gespräch oder durch Lektüre, eine konstruktive Auseinandersetzung hat das Potential, die Panik zu vermindern.
Ich empfehle dieses schmale, erschütternde, bewegende und tief berührende Bändchen, das von Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Offenheit, Vertrauen und Courage im sich immer mehr zuspitzenden Grauen erzählt, sehr gerne weiter.
Am Anfang gab es nur Leere, Verzweiflung und Distanz... am Ende kamen Nähe, Ruhe, Licht und das Gefühl von Freiheit dazu...
Ich bin beeindruckt.
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