Anmutige Tänzer, Meister der Tarnung und romantische Liebende, doch auch schwerhörige Vielfraße, launische Griesgrame und langsame Faulpelze: All das und mehr sind Seepferdchen. Man findet die kleinen Fische nicht nur in Seegraswiesen und Mangrovenwäldern, sondern ebenso im Schachspiel und in griechischen Sagen - und wie kommen sie eigentlich auf Kinderbadeanzüge, Geldmünzen und Toilettenschüsseln aus dem alten Rom? Was macht sie trotz ihrer Trägheit zu erstklassigen Jägern, warum ist ein Hirnareal nach ihnen benannt, wie können sie uns helfen, besser zu schlafen, und sogar die Robotik inspirieren? Unterhaltsam und informativ erzählt Till Hein von kuriosen Erkenntnissen der aktuellen Forschung, geht Mythen auf den Grund und lüftet so Geheimnisse über die verrückten Pferde der See.
Kundinnen und Kunden meinen
4.6/5.0
Bewertung
5/5
02.05.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der grosse Ritt
Crazy Horse ist der grosse Ritt: Spannend, unterhaltsam, lehrreich und humorvoll. Grosse Gratulation dem Autor.
Jashrin
aus Baesweiler
5/5
15.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unterhaltsam und lehrreich
„Jeder Reisende weltweit darf am Zoll vier tote Seepferdchen mitführen. Diese Anzahl gilt als »persönlicher Bedarf« - und wird kulant behandelt.“ (S.31)
Aber wehe, jemand hat ein einziges lebendes Seepferdchen dabei – da ist CITES sehr streng und überhaupt nicht kulant.
Solche und viele andere Fakten, von skurril über informativ bis hin zu lustig oder spannend, finden sich in Till Heins Buch „Crazy Horse - Launische Faulpelze, gefräßige Tänzer und schwangere Männchen: Die schillernde Welt der Seepferdchen“.
In 20 Kapiteln führt uns der Autor quer durch eine bunte Welt. Dabei werden wissenschaftliche Fakten ebenso präsentiert wie Mythen oder Legenden. So ganz nebenbei werden auch andere Themen angeschnitten, wie etwa die Aquaristik oder Emanzipation. Letztere drängt sich ja förmlich auf bei einer Spezies, wo die Männchen schwanger werden. So trägt das dazugehörige Kapitel auch den Titel „Wann ist ein Mann ein Mann?“.
Seepferdchen gehören zu den Knochenfischen finden sich überall auf der Welt, sogar bei uns in der Nordsee sind zwei verschiedene Arten zu finden. Doch wie sind diese trägen und eher faulen Tiere eigentlich überall hingekommen? Denn seien wir ehrlich: Selbst Schnecken bewegen sich schneller. Auch wenn es keine knallharten Beweise gibt, so gehen Wissenschaftler davon aus, dass der Halte-Instinkt eine mögliche Ursache sein könnte. Seepferdchen halten sich mit ihrem Schwanz gerne fest, insbesondere wenn sie in Gefahr sind. Klammern sie sich an etwas, dass nicht fest verwachsen sondern beweglich ist, dann werden sie womöglich über sehr weite Strecken mitgeschleppt.
Der Greifschwanz der Seepferdchen ist auch aus anderen Gründen interessant. In der Robotik und Bionik wird daran geforscht, ob sich der Mechanismus auch sinnvoll technisch umsetzen lässt, denn die Kraft, mit der sich Seepferdchen festklammern können, ist wirklich erstaunlich.
Till Hein schildert die Welt der Seepferdchen gleichwohl unterhaltsam und informativ. Er regt zum Nachdenken an, insbesondere wenn es um die Gefährdung dieser erstaunlichen Tiere geht. Wie so oft ist der Mensch der größte Feind und viele Arten sind vom Aussterben bedroht. Schleppnetze fangen Seepferdchen und auch in der traditionellen Medizin werden sie in einigen Ländern der Erde immer noch verwendet, um nur zwei Beispiele zu nennen
»Als er das Seepferdchen erschuf, war Gott wahrscheinlich besoffen.«
Meeresbiologe Jorge Gomezjurado
Das Einzige, das ich mir bei diesem Buch noch gewünscht hätte, wären ein paar Abbildungen. Diese hätten das Buch meiner Meinung nach noch perfekt abgerundet.
Aber auch ohne Bildmaterial ist „Crazy Horse“ eine wunderbare Lektüre und zugleich ein lehrreiches Buch, das ich gerne weiterempfehle.
Tina Bauer
aus Essingen
5/5
14.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
winzige zauberhafte Tierwesen
In zwanzig Kapiteln gewährt uns Till Hein ein Blick in das geheime und aufregende Leben der Seepferdchen. Es ist wirklich erstaunlich: Jedes Kind kennt sie und doch wissen wir fast nichts über sie! Selbst die Artbestimmung lässt die Forscher häufig verzweifeln! Das liegt zum einen daran, dass sich die verschiedenen Arten häufig sehr ähneln und gleichzeitig die Individuen sehr unterschiedlich aussehen können.
Doch die unglaubliche Welt der Seepferdchen ist nur ein Aufhänger für viele weitere Gebiete, in die der geneigte Leser Einblick erhält. Der Autor unternimmt spannende Ausflüge in die Aquaristik und erklärt, warum Salzwasseraquarien so schwierig zu unterhalten sind.
Er nimmt uns mit in die Welt der Mythen und Popkultur und erklärt, welchen Einfluss die Rosse der Meere auf die Mythologien unserer Welt hatten und haben. Danach nehmen wir eine weitere Abfahrt und landen in der Emanzipation, denn die Seepferdchen sind die einzigen Tiere, bei denen das Männchen schwanger wird.
Wir werden zu den Dichtern geführt, hier insbesondere zu Joachim Ringelnatz, der seinen Künstlernamen von den Seepferdchen (Ringelnass) abgeleitet hatte.
Natürlich muss sich dieses Buch auch mit den Gefahren auseinandersetzen, denen die Seepferdchen ausgesetzt sind. Dabei ist natürlich der Mensch wieder einmal die größte Gefahrenquelle!
Es ist gar keine Frage, dass ein Tier mit einem solch außergewöhnlichem Sexualleben auch einen positiven Effekt auf unsere Libido und Potenz haben muss – getrocknet und gemahlen, als Pulver zum Einnehmen.
Und selbst wenn wir es nicht speziell auf das Seepferdchen als Beute abgesehen haben, so sind sie und ihr Lebensraum durch die Fangmethoden der Fischerei, zum Beispiel mit Schleppnetzen, stark gefährdet!
Till Hein hat hier einen wilden Ritt durch die Welt der Seepferdchen zusammengestellt, fesselnd und lehrreich zugleich! Ein Buch, das uns aus vielen Blickwinkeln diese zarten und geheimnisvollen Wesen näherbringt.
Ich hätte mir nur ein paar Bilder von diesen erstaunlichen Geschöpfen gewünscht. Einsam und allein fühlt sich bestimmt auch das Seepferdchen auf dem Cover!
sommerlese
5/5
09.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Was wir schon immer mal über…
Was wir schon immer mal über Seepferdchen wissen wollten! Seepferdchen gehören zu den Knochenfischen, sie schweben langsam und geradezu aufrecht durch das Wasser. Ihr pferdeähnlicher Kopf verleiht ihnen ein putziges Aussehen, vielleicht erfreuen sich diese Tiere deshalb so sehr menschlicher Beliebtheit. »Als er das Seepferdchen erschuf, war Gott wahrscheinlich besoffen.« Meeresbiologe Jorge Gomezjurado Seepferdchen sind ganz besondere Lebewesen, es gibt über 40 verschiedene Arten. Sie sind anmutige Tänzer, Meister der Tarnung und bei ihnen werden die Männchen schwanger. Man findet sie weltweit in tropischen und gemäßigten Meeren, dort leben sie u.a. in Seegraswiesen. Auch wenn sie nur wenige Freßfeinde haben, gehören sie doch zu den sehr gefährdeten Tiergattungen, ihr Feind ist der Mensch durch intensive Befischung der Weltmeere und massive Zerstörung ihrer Lebensräume und im asiatischen Raum gelten sie in der traditionellen Medizin als heilend und potenzsteigernd. Was fasziniert die Menschen so an diesen kleinen, trägen Pferdchen? Sie schwimmen träge und aufrecht tänzerisch durch das Wasser und sind damit so ganz anders als Fische. Das Freßverhalten dieser kleinen Tiere ist enorm, sie sind effektive Jäger. Mit ihrer Wunderwaffe, dem "Saugschnappen" bringen sie in 9 von 10 Fällen ihr angepeiltes Beutetier, meistens Ruderfußkrebse, zur Strecke. Wie das genau vonstatten geht, wird im Buch detailgetreu beschrieben. Besonders für Genderforscherinnen ist die Schwangerschaft der Männchen ein Grund, auch die Geschlechterrollenverteilung in der menschlichen Gesellschaft zu hinterfragen. Die biologischen Grundlagen, die das dem Tier ermöglichen, erfährt man auf unterhaltsame Weise, die das nötige biologische Wissen verständlich erklärt. Für alle Buchfreunde unter uns: Auch Joachim Ringelnatz hatte ein Faible für diese Tiere, er fühlte sich mit ihnen seelenverwandt, widmete ihnen ein Gedicht und änderte sogar seinen eigentlichen Namen (Hans Gustav Bötticher). Gehören diese Tiere in Aquarien? Kann man ihnen das antun und was ist dabei zu beachten. Hierzu gibt es einige Informationen und Erfahrungsberichte von Elena Theys, ihres Zeichens Seepferdchenflüsterin aus Visselhövede. Sie widmet ihr ganzes Interesse ihrer Meerestier-Zoohandlung und dort finden sich auch viele Seepferdchen. Die Haltung ist alles andere als einfach, doch wer sich dafür interessiert, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Die Robotik und Bionik verbindet Grundsätze aus der Biologie und setzt sie in Technik um. Hier sind der Greifschwanz der Seepferdchen und der Panzer der Tiere besonders interessant. Die weltweite Bedrohung dieser Tiere schreitet weiter voran, Schuld ist vor allem der weltweite Handel als "Heilmittel" im asiatischen Raum. Leider sind die Zahlen erschütternd, sie kommen häufig auch als Beifang in den Schleppnetzen der Trawler ums Leben. Aber auch die Überdüngung der Meere nehmen den Tieren ihren gesunden Lebensraum. Wo Seepferdchen leben, ist das Wasser noch sauber, sie sind also eine Art Frühwarnsystem, auf das wir Menschen reagieren sollten. Mir hat dieses Buch wieder die Augen geöffnet, dass der Mensch für die Tierwelt die größte Gefahr darstellt. Es ist bedauerlich, wie sehr Menschen dem Irrglauben der Heilwirkung hinterher rennen und damit diese Tiere dem Aussterben aussetzen. Sehr informativ, unterhaltsam und auch für Laien geeignet, erzählt Till Hein von kuriosen Erkenntnissen der aktuellen Forschung, geht Mythen auf den Grund und lüftet einige Geheimnisse über die verrückten Pferde der See. Auch die Gefährdung dieser selten gewordenen Tierart erklärt er sehr umfassend.
books and phobia
aus Halle
3/5
07.07.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unglaublich interessant, aber eben auch mit ein paar Schwächen
Seepferdchen, wer kennt sich nicht, die majestätischen Meeresbewohner mit der langen Schnauze und der aufrechten Haltung!? Was aber viele wohl nicht kennen, ist die Geschichte der Fische und was sie allgemein so besonders macht. So er ging es mir auf jeden Fall, weswegen ich mich mit Freude diesem Buch widmete, das schon auf der Rückseite mit ein paar interessanten Fakten aufwartete.
Leider verschoss der Autor damit auch schon einen Teil seines Materials, da er die Aussagen der Rückseite in den 20 Kapiteln nur mehr beleuchtete. So wurde ein Stück der Spannung genommen, auch wenn so manche Erläuterung mich dann doch sehr überraschte. Allgemein wurde hier das Thema „Seepferdchen“ wirklich interessant erzählt, auch wenn Herr Hein hin und wieder ein wenig über das Ziel hinaus schoss und mancher Abschnitt dadurch etwas aufgesetzt wirkte. Das war sehr schade, zumal er ansonsten auf einen herrlich leichten Schreibstil setzte, der eben auch mitriss.
Man muss allerdings dazu erwähnen, dass viele Fakten nicht von ihm stammen, sondern man hier das Wissen über die Unterwasserpferdchen zusammengetragen hatte. Dabei setzte man sich allerdings auch mit Experten auseinander, welches dann eben von Herrn Hein hervorragend wiedergegeben wurde.
Was mir dann aber doch fehlte, waren Bilder. Egal ob bei den Beschreibungen zu den verschiedenen Arten, dem Einfluss in Mythologie und Popkultur oder ihrem außergewöhnlichen Körperbau, es fehlte einfach Bildmaterial, das dabei half ein besseres Verständnis zu bekommen. So gab es einfach unglaublich viel Text, der zwar wie oben beschrieben sehr angenehm war, aber gerade bei ausschweifenderen Beschreibungen auch nicht half. Ich half mir zwar mit dem Tablet, aber angenehm war dies dann eben auch nicht.
Wenn dieses Buch eines schafft, dann einen für Seepferdchen zu begeistern. Bei mir allerdings unter dem Vorbehalt, dass mir der Schreibstil hin und wieder zu aufgesetzt wirkte, viele Informationen durch die Rückseite schon verloren gingen und man keinerlei Bilder mit ins Spiel brachte.
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