Die Gesellschaft erlebt sich in einem Krisenmodus, ausgelöst durch eine Vielzahl ökologischer, sozialer und politischer Fehlentwicklungen. Was treibt diese an und wie können sie abgewendet werden? Bei der Beantwortung dieser Fragen wendet sich der Sozialwissenschaftler und Ethiker Thilo Hagendorff einem zentralen und dennoch kaum beachteten Aspekt zu: dem menschlichen Verhältnis zu Tieren. Denn gerade die industrielle Nutzung und Tötung von Tieren hat versteckte, aber weitreichende Implikationen für alle der genannten Fehlentwicklungen. Hagendorff zeigt die ideologischen wie psychologischen Mechanismen auf, die nicht nur zur Akzeptanz und Unterstützung von Gewalt gegenüber Tieren, sondern auch gegenüber Menschen führen. Mit Rückgriff auf zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse macht er deutlich, dass die Abwendung aktueller Krisen untrennbar mit einem veränderten Umgang mit Tieren verknüpft ist. Eine von Frieden und gegenseitigem Respekt geprägte Gesellschaft ist ohne die Beendigung der globalen Tierindustrie nicht denkbar.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Das erste Kapitel heißt Vernichtung, das letzte Frieden. Dazwischen arbeitet sich der Autor in gut nachvollziehbarer Reihenfolge am Mensch-Tier-Verhältnis ab. Von den Standardpraktiken der Tierindustrie über die psychologischen Manipulationen und Abwehrmechanismen, die es Menschen ermöglichen, an Gewalt gegenüber Tieren wie selbstverständlich teilzunehmen oder Produkte tierischen Ursprungs zu konsumieren, hin zu den Widersprüchen unseres täglichen Handelns, die uns mitnichten als rationales Wesen outen, über die Erkenntnis, daß uns Menschen keine exklusiven Fähigkeiten zugestanden werden können, die sich nicht auch ansatzweise in Tieren finden ließen. Von Fehlentscheidungen in der Evolution, die zur heutigen Erzeugung von Nahrungsmitteln geführt haben, über die Kritik an der überwiegend auf den Menschen ausgerichteten Soziologie und Philosophie, hin zu einem Plädoyer für eine anwendbare Ethik der Achtsamkeit, mit der ein sozialer Wandel hin zu einer tierleidfreien Gesellschaft erfolgen kann. Ein sehr wichtiges, intelligentes und gut zu lesendes Buch für alle Menschen.
Manuel
aus Wien
5/5
14.07.2021
Buch (Taschenbuch)
„Tierprodukte zu konsumieren…
„Tierprodukte zu konsumieren ist […] wie Bombenwerfen.“ Ich selbst habe mich vor zwei Jahren für einen veganen Lebensstil entschieden. Diesen bewusst gewählten Wandel verdanke ich vor allem der Sensibilisierung zu diesem Thema, die ich ohne Unterstützung durch meine Partnerin niemals in diesem Ausmaß erfahren hätte. Und genau hier sehe ich das große Potenzial dieses Buches. In den Fällen in denen vergleichbare Bezugspersonen fehlen, kann diese Publikation der entscheidende Impulsgeber zum Prozess der kritischen Auseinandersetzung mit den eigenen Lebensumständen werden. Durch eine fachlich fundierte und sachlich vorgetragene Weise werden Leser*innen an ein Thema herangeführt, dessen weitreichende Auswirkungen beim Lesen nach und nach aufgedeckt werden. Besonders zu Beginn des Buches wird die Problematik derzeitiger Lebensumstände für Mensch und Tier durch eine schonungslose Darstellung vorherrschender Widersprüche zwischen Moralvorstellung und Realität offengelegt. Was sich liest wie ein Auszug aus einem Roman von Stephen King, ist leider nichts anderes, als die allgegenwärtige Tatsache dessen, wie der Mensch durch kulturelle Überformung seiner Umwelt gegenüber zu handeln gelernt hat. „Das Problem ist nicht das Fehlen von Ethik. Das Problem ist das Zuwiderhandeln gegen die Werte und Normen, von denen die allermeisten ‚normalen‘ Menschen […] eigentlich so überzeugt sind.“ Doch auch für Leser*innen die sich bereits für einen veganen Lebensstil entschieden haben, hat das vorliegende Werk noch über die weitverbreitete Argumentationskette hinaus einiges zu bieten. Ich denke hier vor allem an das zweite Drittel des Buches: Ein stark biologischer und philosophisch anmutender Teil der Publikation. Das ist keinesfalls negativ zu verstehen – allerdings musste ich den ein oder anderen Absatz wiederholt lesen, um dessen Bedeutung oder Kernaussage vollends nachvollziehen zu können. Das ist natürlich auch der Komplexität des Themas geschuldet und in diesem Zusammenhang durchaus legitim – wenn nicht sogar essentiell. Beim Lesen selbst hatte ich das Gefühl, dem von mir praktizierten Veganismus wird noch eine Dimension hinzugefügt. Kulturell überformte Lebenswelten, die Reinheit tierischer Moral und die Ethik in ihrer Aufgabe als Medizin zur Linderung von Symptomen, anstatt zur Stärkung der Gesundheit, sind genau die Denkanstöße, die ich mir von diesem Buch erhofft bzw. erwartet habe. Die Vermittlung oben genannter Impulsgeber wird nicht zuletzt durch eine Reihe provokativer Aussagen unterstützt, welche ihre Wirkung nicht verfehlen dürften. „Menschen, die andere Tiere essen, sehen in Vegetariern und insbesondere Veganern […] die Personalisierung eines moralischen Angriffs auf ihre Identität. Einen solchen Angriff gilt es abzuwehren […].“ Nach meinem Empfinden wird im letzten Abschnitt, und speziell im letzten Kapitel des Buches, das persönliche Anliegen des Autors spürbar: Ein Plädoyer für den veganen Lebensstil hinsichtlich seiner Bedeutung als Grundlage für ein friedliches Miteinander zwischen Menschen und nicht menschlicher Tiere. Trotz der persönlichen Überzeugung, die der Entstehung dieses Buches zweifellos zu Grunde liegt, bleibt jedoch die sachlich fundierte Herangehensweise stets die Basis um über die „politische Bedeutung von Tieren“ zu informieren. Fazit: „Essen bedeutet, Macht auszuüben.“ „Die Macht, Frieden zu schaffen, stammt von dem simplen Akt, Nein zu sagen und Opposition zu beziehen.“ Was sich am Fleisch entscheidet zeigt die Verantwortung, welche mit der erwähnten Macht einhergeht und warum es höchste Zeit ist besagte Opposition zu beziehen. In diesem Zusammenhang ist es dem Autor gelungen ein informatives und aufklärendes Werk zu schaffen, welches ich dank seiner themenbezogenen Tiefe ebenso Einsteigern, wie auch fachkundigen Leser*innen ans Herz legen möchte.
Bewertung
5/5
22.05.2021
Buch (Taschenbuch)
Ein fantastisches Buch, das zur Grundlektüre einer aufgeklärten Gesellschaften gehören sollte.
In diesem Buch setzt sich der Autor Thilo Hagendorff mit den Auswirkungen unseres Verhaltens im Umgang mit Nutzentieren auf die Gesellschaft auseinander und belichtet dabei die Entstehung und Möglichkeiten zur Behebung eines solchen Verhaltens.
Ich habe mich bereits vor dem Lesen dieses Buches mit Veganismus auseinandergesetzt und hatte auch schon einen recht guten Eindruck bezüglich der Zustände, die in unserer Nutztierwirtschaft derzeitig bestehen. Dennoch hat es mich sehr schockiert und lässt mich erschrocken zurück, dass in einem Deutschland mit einer Fülle an Gesetzen, Verordnungen und Regelungen solche Zustände immer noch vorherrschen können.
Es ist dem Autor wunderbar gelungen, unser Verhalten auf so vielschichtige Weise zu ergründen, hinterfragen und Ideen zur Verbesserung vorzuschlagen. Dabei wird kein Bereich ausgelassen - Klima, Philosophie, Biologie, Politik sowie Wirtschaft. Es ist eine umfassende Analyse, die durchweg fundiert, sachlich und vorwurfsfrei dargelegt wird.
Der Autor hat sich hier einem umfassenden, komplexen und gesellschaftlich schwierigen Thema gewidmet und mich dabei auf ganzer Länge überzeugt. Egal wer es liest - jeder wird daraus einen Mehrwert für sich ziehen. Kein leichtes Thema und damit auch kein leichtes Buch. Es wird auf den Magen schlagen und zum Nachdenken anregen, aber vor allem wird aufklären und uns als Individuen aber als auch Gesellschaft nachhaltig beeinflussen. Eine klare Leseempfehlung!
Bewertung
5/5
21.05.2021
Buch (Taschenbuch)
Über die politische Bedeutung von Tieren
Informativ und aufklärend - es werden Zusammenhänge aufgezeigt, deren sich selbst fachkundige Leser*innen nicht immer bewusst sein dürften.
Ein Sachbuch zu rezensieren, verlangt nach einer völlig eigenen Herangehensweise. Meiner Auffassung nach ist eine inhaltliche Wertung nur auf Basis der eigenen Expertise zum vorliegenden Thema zulässig. Zusätzliche Informationsbeschaffung und kritisches Hinterfragen liegen somit in der Eigenverantwortung der Leser*innen. Darüber hinaus sollte man sich als Verfasser*in der Rezension stets bewusst sein, dass einem Sachbuch – in den meisten Fällen – eine andere Absicht der Unterhaltung zu Grunde liegt, als dies zum Beispiel bei einem Abenteuerroman der Fall wäre. Diese Einschätzungen bilden die Grundlage für die nachfolgende Rezension.
„Tierprodukte zu konsumieren ist […] wie Bombenwerfen.“
Ich selbst habe mich vor zwei Jahren für einen veganen Lebensstil entschieden. Diesen bewusst gewählten Wandel verdanke ich vor allem der Sensibilisierung zu diesem Thema, die ich ohne Unterstützung durch meine Partnerin niemals in diesem Ausmaß erfahren hätte. Und genau hier sehe ich das große Potenzial dieses Buches. In den Fällen in denen vergleichbare Bezugspersonen fehlen, kann diese Publikation der entscheidende Impulsgeber zum Prozess der kritischen Auseinandersetzung mit den eigenen Lebensumständen werden. Durch eine fachlich fundierte und sachlich vorgetragene Weise werden Leser*innen an ein Thema herangeführt, dessen weitreichende Auswirkungen beim Lesen nach und nach aufgedeckt werden. Besonders zu Beginn des Buches wird die Problematik derzeitiger Lebensumstände für Mensch und Tier durch eine schonungslose Darstellung vorherrschender Widersprüche zwischen Moralvorstellung und Realität offengelegt. Was sich liest wie ein Auszug aus einem Roman von Stephen King, ist leider nichts anderes, als die allgegenwärtige Tatsache dessen, wie der Mensch durch kulturelle Überformung seiner Umwelt gegenüber zu handeln gelernt hat.
„Das Problem ist nicht das Fehlen von Ethik. Das Problem ist das Zuwiderhandeln gegen die Werte und Normen, von denen die allermeisten ‚normalen‘ Menschen […] eigentlich so überzeugt sind.“
Doch auch für Leser*innen die sich bereits für einen veganen Lebensstil entschieden haben, hat das vorliegende Werk noch über die weitverbreitete Argumentationskette hinaus einiges zu bieten. Ich denke hier vor allem an das zweite Drittel des Buches: Ein stark biologischer und philosophisch anmutender Teil der Publikation. Das ist keinesfalls negativ zu verstehen – allerdings musste ich den ein oder anderen Absatz wiederholt lesen, um dessen Bedeutung oder Kernaussage vollends nachvollziehen zu können. Das ist natürlich auch der Komplexität des Themas geschuldet und in diesem Zusammenhang durchaus legitim – wenn nicht sogar essentiell.
Beim Lesen selbst hatte ich das Gefühl, dem von mir praktizierten Veganismus wird noch eine Dimension hinzugefügt. Kulturell überformte Lebenswelten, die Reinheit tierischer Moral und die Ethik in ihrer Aufgabe als Medizin zur Linderung von Symptomen, anstatt zur Stärkung der Gesundheit, sind genau die Denkanstöße, die ich mir von diesem Buch erhofft bzw. erwartet habe. Die Vermittlung oben genannter Impulsgeber wird nicht zuletzt durch eine Reihe provokativer Aussagen unterstützt, welche ihre Wirkung nicht verfehlen dürften.
„Menschen, die andere Tiere essen, sehen in Vegetariern und insbesondere Veganern […] die Personalisierung eines moralischen Angriffs auf ihre Identität. Einen solchen Angriff gilt es abzuwehren […].“
Nach meinem Empfinden wird im letzten Abschnitt, und speziell im letzten Kapitel des Buches, das persönliche Anliegen des Autors spürbar: Ein Plädoyer für den veganen Lebensstil hinsichtlich seiner Bedeutung als Grundlage für ein friedliches Miteinander zwischen Menschen und nicht menschlicher Tiere. Trotz der persönlichen Überzeugung, die der Entstehung dieses Buches zweifellos zu Grunde liegt, bleibt jedoch die sachlich fundierte Herangehensweise stets die Basis um über die „politische Bedeutung von Tieren“ zu informieren.
Fazit:
„Essen bedeutet, Macht auszuüben.“
„Die Macht, Frieden zu schaffen, stammt von dem simplen Akt, Nein zu sagen und Opposition zu beziehen.“
Was sich am Fleisch entscheidet zeigt die Verantwortung, welche mit der erwähnten Macht einhergeht und warum es höchste Zeit ist besagte Opposition zu beziehen. In diesem Zusammenhang ist es dem Autor gelungen ein informatives und aufklärendes Werk zu schaffen, welches ich dank seiner themenbezogenen Tiefe ebenso Einsteigern, wie auch fachkundigen Leser*innen ans Herz legen möchte.
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