Die schwere Leichtigkeit des Bauleiterseins wird im historischen Kontext zu einer Sternstunde der Menschheit. Eine fiktive und absurde Geschichte, satirisch aufbereitet. Bissige Parallelen zur Jetztzeit mit ihrer unüberschaubaren Anzahl an Bauvorschriften und sonstigen Rechtsmaterien führen uns vor Augen, mit welchen Problemen Bauherren und Ausführende zu kämpfen haben. Der Autor versteht es, diese Schwierigkeiten mit Ironie und „Augenzwinkern“ in einer famosen und fantastischen Geschichte über den Bau eines der beeindruckenden Bauwerke der Antike darzustellen, in der manche göttliche Eingebung „wie im Schlaf“ erfolgt. Fiktive Ereignisse werden mit tatsächlichen Persönlichkeiten und historischen Ereignissen zu einer Geschichte verwoben, die uns staunend völlig neue Zusammenhänge erklärt.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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„Wenn man davorsteht, klappt die Kinnlade herunter.“
Ich vermute, so ergeht es jedem Betrachter, wenn er zum ersten Mal die Cheops-Pyramide, die älteste und größte der drei Pyramiden von Gizeh in Ägypten, mit eigenen Augen sieht. Um sich von der besonderen Architektur und Geschichte dieses über 4000 Jahre alten Weltwunders der Antike beeindrucken zu lassen, muss man nicht, wie der Autor dieses Buches, Michael Waldek, Diplomingenieur und Architektenbauleiter sein. Sofern man aber, wie dieser, mit der heutigen unüberschaubaren Anzahl an Bauvorschriften und sonstigen Rechtsmaterien vertraut ist, oder einmal versucht hat, eine Baugenehmigung für eine Garage zu beantragen und diese dann auch bauen zu lassen, der wird sich erstaunt einem weiteren Wunder gegenübersehen. Sofern die bürokratischen Hürden im Alten Reich genauso ausgefuchst waren wie im heutigen Zentrum Europas, darf man bass erstaunt sein, dass dieses grandiose Bauwerk überhaupt realisiert wurde.
Ein solches Gedankenexperiment spielt der Autor bis ins Detail durch und erzählt die fiktive Entstehungsgeschichte der großen Pyramide des Pharaos Cheops vom Bauauftrag bis zur Fertigstellung unter Einbeziehung historischer Fakten und ganz viel modernen Irrsinns.
Ich wurde hier unweigerlich an die amerikanische Zeichentrickserie „Flintstones“ aus den 60er Jahren erinnert, in der eine Steinzeitfamilie ein modernes Leben führt.
Der Autor entwirft hier das Bild einer ähnlichen Gesellschaft, nur eben nicht in der Steinzeit, sondern im Alten Reich am Nil, in der der ÖPNV zwischen Gizeh und Theben genauso schlecht ausgebaut ist, wie im Mecklenburger Land dieser Tage und in der reiche Einfamilienhausbesitzer bei der Jagd auf unterirdische Tiere aus Versehen das Golfspiel erfinden und auf Öl stoßen.
Michael Waldek lässt hier seiner scheinbar grenzenlosen Fantasie bezüglich moderner Referenzen freien Lauf, schießt dabei aber auch das ein oder andere Mal übers Ziel ins Tal der Albernheit hinaus.
Die Erzählung ist aus verschiedenen Erzählsträngen aufgebaut, die aus unterschiedlichen Perspektiven berichten. So folgt der Lesende dem Bauleiter als Ich-Erzähler zu unzähligen Baubesprechungen und dem ein oder anderen Besäufnis, inklusive Schnapsideen zum Bauprojekt, oder bekommt aus der auktorialen Erzählperspektive geschildert, was es mit dem Einfluss der Götter (!) auf das Baugeschehen auf sich hat.
Grundsätzlich wird hier vieles in der Indirekten Rede vorgetragen.
Damit bedient sich der Autor auch des teilweise sehr umständlichen bürokratischen Stils, den er in diesem Roman gleichsam karikiert und daher vermutlich bewusst so gewählte, was mich als Leserin jedoch über lange Strecken etwas ermüdet hat, zumal das Buch mit 443 Seiten nicht unbedingt als schmal bezeichnet werden kann.
Dadurch ist es leider kein wirklicher „Pageturner“ durch dessen Seiten es mich „wie im Fluss“ hindurchrauschte, sondern es kostete mich durchaus Konzentration und die ein oder andere Extra-Satzrunde, um der Handlung zu folgen. Glücklicherweise kann ich mich an dem humoristischen Potential des Stils durchaus erfreuen, aber auch hier hätte es ein bisschen weniger auch getan.
Ein paar Grundkenntnisse über das „Alte Ägypten“ sind ebenfalls hilfreich für die Lektüre.
Die Zielgruppe für dieses Buch würde ich schon als durchaus exklusiv bezeichnen.
Es hilft, wenn man sich für die Geschichte des Alten Reichs interessiert und wenn es einem bei Begriffen und Formulierungen aus dem sogenannten „Beamtendeutsch“ nicht gleich die Gehirnwindungen verknotet. Humor und einen Sinn für die ein oder andere Albernheit sind auch von Vorteil. Das klingt widersprüchlich und nach hohen Anforderungen an den potentiellen Leser, die potentielle Leserin, aber ich bin sicher, dass es davon einige gibt. Möglicherweise wissen diese es nur noch nicht.
Hervorzuheben sind auch die wunderbar humorvollen Illustrationen von Fadi Esper, die das ein oder andere Kapitel sowie das Buchcover zieren und bereichern.
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