Wir wollen den Misserfolg! Das war die Losung seiner Jugend. Inzwischen ist HP Aufseher in der Hamburger Kunsthalle und bewacht Caspar David Friedrich.
Als sein Jugendfreund Maximilian vermisst wird, macht sich HP auf die Suche und entdeckt: Der klaut mir meine Lebensgeschichte, um seine Biographie zu schreiben!
Ein entführtes Kunstwerk, ein toter Ehemann, ein Zwischenfall mit fiesem Hund und eine Buchmesse, auf der zu viel gelacht wird, stören HPs Suche; ebenso eine Anhalterin, die erklärt: Der Umweg ist das Ziel, Baby!
Lutz Flörkes zweiter Roman gleicht einem Roadmovie – eine ebenso groteske wie erheiternde Irrfahrt durch die Erinnerung, den Stoff, aus dem die Träume sind.
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„Weshalb soll ich Bücher lesen, über die ich mit meinen Freunden nicht reden kann?, fragt mich die Blumenhändlerin. Suchen Sie sich andere Freunde!, sage ich zu ihr.“ (Zitat Seite 217)
Inhalt
HP hat studiert, doch anders als sein Freund Maximilian hält er an dem Beschluss ihrer Jugend fest, sich nicht dem Erfolgszwang zu unterwerfen. Heute ist HP Museumswärter in der Hamburger Kunsthalle, während Maximilian ein erfolgreicher Unternehmer ist. Nun ist Maximilian verschwunden und HP soll ihn suchen. Er findet heraus, dass sein Freund an einem Bildungsroman schreibt. Durch einen Zufall entdeckt HP das Skript, beginnt zu lesen und stutzt. Diese Geschichten kennt er genau, denn es sind seine eigenen Erlebnisse. Maximilian hat nur die Namen geändert und will sie offensichtlich als seine Biografie veröffentlichen. HP will seine Lebensgeschichte zurück und er folgt weiter Maximilians Spuren, die ihn zurück in seine Jugend und Erinnerungen führen.
Thema und Genre
In diesem Roman geht es um Jugenderinnerungen, die Frage nach dem Platz im eigenen Leben, Philosophie, aber auch um Literatur, Erzähltheorien, Bücher, Beziehungen und natürlich ist auch die Liebe ein Thema. Nicht ohne Grund gab Caspar David Friedrichs „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ diesem Roman den Namen.
Charaktere
HP will endlich die Hauptperson in seinem eigenen Leben sein, seine eigene Geschichte schreiben. Unterstützung findet er bei der unbekümmerten Marnie, die er am Beginn seiner Reise kennenlernt.
Handlung und Schreibstil
„Ich fliehe vor einer Karriere in die Kunsthalle. Ich fliehe aus der Kunsthalle in ein Roadmovie, vom Roadmovie zurück in die Kunsthalle, von dort in die Ottenser Hauptstraße, aus der ins Theater.“ (Zitat Seite 223)
HP ist Hauptperson und gleichzeitig Ich-Erzähler in diesem Roman, der in der Gegenwart spielt. HP besucht die Orte seiner Kindheit und Jugend, seine Reise wird chronologisch geschildert, ergänzt durch Rückblenden und Erinnerungen. Zitate und Textauszüge über das Schreiben, Erzählformen, Textanalyse, gesellschaftskritische und philosophische Überlegungen ziehen facettenreich immer wieder durch die Gedanken von HP. Ein Roman wie eine Wundertüte, jede Geschichte birgt in sich eine weitere Geschichte, die Ebenen verschieben sich, werden neu zusammengefügt. HP liebt Anfänge und probiert sie alle aus. Der Autor spielt vergnügt mit der Sprache, mit Möglichkeiten, Varianten und unterschiedlichen Erzählformen. Wir Lesende folgen ihm gespannt, staunend und manchmal verwirrt, dann wieder mit lautem Lachen.
Fazit
Dieser Roman ist eine Mischung aus Roadmovie und wilder Achterbahnfahrt, skurril, witzig und voll von überraschenden Wendungen, interessant und vielseitig. Hier zeigt es sich wieder, dass es sich lohnt, sich in den Programmen der kleinen, unabhängigen Verlage umzusehen und aus dieser bunten Vielfalt den persönlichen Lesestoff zu erweitern.
Literarische Herausforderung, die mich etwas zu sehr verwirrt hat
Lia48 am 04.09.2021
Bewertungsnummer: 1561297
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
INHALT:
HP arbeitet als Aufseher in einer Kunsthalle und bewacht dort Caspar David Friedrich, als eines Tages Dorothée auf ihn zugestürmt kommt. Sie ist außer sich, weil Maximilian, ihr fester Freund und gleichzeitig ein früherer Mitschüler von HP, ein Video aufgenommen hat, in dem er davon spricht, den Misserfolg zu wollen. Rebellische Worte, die HP und Maximilian bereits bei der Abiturfeier von sich gegeben hatten.
Doch Maximilian wurde erfolgreich, investierte sein Geld, eröffnete eigene Art-Hotels, die Kunst war ihm wichtig.
Dorothée versteht daher nicht, was mit Maximilian los ist. Dieser hat keine Lust mehr dazu, Geld zu verdienen, und seine Worte klingen wie ein Abschied. Er wird sich doch nichts antun wollen? HP muss ihn suchen!
Doch HP muss feststellen, dass Maximilian ein Buch geschrieben und ihm dabei seine Lebensgeschichte geklaut hat, die er nun als eigene Biografie betitelt („Es gibt so viele Menschen, die es niemals schaffen, zur Hauptperson ihres Lebens zu werden. Weshalb soll ich nicht deren Biographie literarisch nutzen?“).
Anhand des Manuskripts reist HP durch seine Vergangenheit, die sich mit der von Maximilian kreuzt, er begibt sich von Neuem an die Orte seiner Kindheit und Jugend, knüpft neue Bekanntschaften, schwelgt in Erinnerungen und trifft auf alte Gesichter.
Er beginnt die Dinge zu hinterfragen, wie sie sind und bekommt durch Maximilians Beschreibungen und Interpretationen, nochmals einen ganz anderen Blick auf das Erlebte und vielleicht auch darauf, was vor ihm liegt.
MEINUNG:
Hinter mir liegt jedenfalls ein Leseerlebnis besonderer Art, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Wahrscheinlich werden manche Literaturexperten in dem Buch eine wahre Kunst entdecken.
Doch es enthält so viele verschiedene Elemente, die miteinander verknüpft wurden, dass mir persönlich in diesem Karussell ganz schwindelig wurde und ich mich immer wieder gefragt habe, wo ich eigentlich bin:
Äußert HP gerade seine eigenen Gefühle und Gedanken, oder sind es die aus Maximilians Roman, welchen er nämlich gleichzeitig liest? Handelt es sich hier um Dialoge der Vergangenheit, oder sind diese aus der Gegenwart? Wer spricht denn überhaupt? Ist das ein Zitat oder ein Gedanke? Was entspricht der Wahrheit und was hat Maximilian nur erfunden? Das waren Fragen, über die ich mir eigentlich keine Gedanken machen wollte beim Lesen, aber musste, da mir immer wieder der Durchblick fehlte.
Zwischendurch fand ich manche Zeilen ganz interessant und auch inhaltlich hatte das Buch für mich Potenzial.
Besonders gut hat mir gefallen, dass vor allem anfangs immer wieder Gemälde und deren Beschreibungen mit in den Text eingebunden wurden.
Insgesamt muss ich jedoch leider zugeben, dass mich diese rasante Karussell-Fahrt etwas zu sehr verwirrt hat.
Aber wer eine literarische Herausforderung sucht und es auch mal etwas skurriler mag, könnte sich das Buch mal anschauen!
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