»Ich weiß nicht genau, wann es passierte. Wann ich aufhörte zu atmen. Doch als es passierte, war keiner da, um mich aufzufangen. Denn im Leben ist nicht immer jemand an deiner Seite, um dir aufzuhelfen, wenn du fällst.« Der 22-jährige Espen Svendson treibt durch die Dunkelheit. Während er versucht, mit den Konsequenzen der Vergangenheit seiner Familie zu leben, kämpft er zugleich gegen seine persönlichen Dämonen an: Angst, Verunsicherung, Wut und Trauer sind alltägliche Begleiter seines Lebens. Düstere Gedanken umkreisen Espen, und drohen ihn allmählich zu erdrücken. Als seine Freundin Uwa einen schrecklichen Vorfall durchlebt und um ihr Bewusstsein kämpft, wagt Espen den Schritt, um nach Hilfe zu suchen. Trotz dessen kreiert er langsam seine eigene Welt, in der er immer mehr zu versinken droht. Es fällt ihm schwerer, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten und die Wirklichkeit von seinen beklemmenden Illusionen zu unterscheiden. Als dann noch Finn Larson in sein Leben tritt, ist Espen zwischen seinem alten und neuem Leben hin- und hergerissen.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Ein tolles Buch, das sehr tiefgründig und mit viel Emotion geschrieben ist. Das Buch befasst sich mit wichtigen Themen, wie Depressionen und Ängsten und zeigt den Leser*innen, wie es sich anfühlt unter Depressionen zu leiden. Ich kann es nur weiterempfehlen und freue mich schon sehr auf den zweiten Teil.
Ein grandioses Debüt
Bewertung am 15.02.2022
Bewertungsnummer: 1657518
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
„Splitterliebe“ von Nabiha Bakir ist letztes Jahr erschienen und bewegt sich schon lange nicht mehr auf Abgründe zu, sondern befindet sich bereits direkt zwischen ihnen.
Im Leben des 22-jährigen Espen haben Gefühle wie Trauer, Wut, Verzweiflung und Einsamkeit schon lange die Überhand gewonnen. Als seine beste Freundin Uwa dann einen schrecklichen Vorfall durchlebt und um ihr Leben kämpft, droht für Espen alles endgültig in sich zusammenzubrechen. Doch dann lernt er Finn kennen, die so viel mehr für’s Leben übrig zu haben zu scheint als er selbst. Und obwohl Finn ein Lichtblick, eine Pause, eine Hoffnung ist – Für Espen beginnt eine unaufhaltsame Abwärtsspirale.
Dieses Buch ist so viel mehr als ein Roman. Nabihas „Splitterliebe“ gibt Gefühlen Worte, für die wir nur selten selbst welche finden. Espens Kopf ist das reinste Chaos. Und das merkt man auch beim Lesen – Die Grenzen zwischen Wahn und Realität verschwimmen. Denn Espen ist krank. Die Anzeichen einer möglichen Posttraumatischen Belastungsstörung, Depression und Angststörung sind kaum zu übersehen. Das ist einer der vielen Gründe, was dieses Buch so besonders macht. An einigen Stellen musste ich fünf Mal lesen, um zu verstehen, was gerade eigentlich wirklich passiert. Im ersten Moment wirkte das überladen und undurchsichtig. Aber als ich mich nicht mehr nur auf das bloße Verstehen, sondern viel mehr auf das Gefühl beim Lesen konzentriert habe, war eine Sache klar: Genauso habe ich mich jahrelang gefühlt. Genau dieses Chaos, was für Außenstehende so schwer zu begreifen ist, hat über Ewigkeiten hinweg auch in meinem Kopf geherrscht. „Splitterliebe“ gibt Betroffenen psychischer Krankheiten und Traumata nicht nur das Gefühl, verstanden zu werden – Es gibt Außenstehenden einen Einblick in die Gefühlswelt der Betroffenen. Nabihas Roman macht geradezu erschreckend deutlich, wie es sich anfühlt, betroffen zu sein.
Ich glaube, über den Schreibstil müssen wir gar nicht groß reden, denn er ist großartig. Eine sehr bildliche Sprache, die in den richtigen Momenten genau die richtige Abwechslung zwischen Leichtigkeit und Schwere schafft. Der ganze Roman ist ein Auf und Ab und in mir hat es die ganze Zeit nur geschrien: Ja, genau so fühlt sich Schmerz an. Nabiha schafft es nicht nur, Handlung spannend zu beschreiben – Sie trifft jeden genau ins Herz.
Der Handlungsort Norwegen hat mir übrigens besonders gut gefallen. Die Kälte, die Dunkelheit, die Einsamkeit Espens – Und die Wärme, die Freude und all die Lichtblicke, die Finn daraus macht. All das spiegelt dieser Ort treffend wider und ich habe mich beim Lesen immer wieder dabei ertappt, wie ich mich völlig neu in die wunderschön klingenden Landschaften verliebt habe. Nicht nur ein schöner Ort, sondern auch eine grandiose Metapher.
(CN/TW: Missbrauch) Neben den Momenten mit Finn ist „Splitterliebe“ mehr als düster. Es ist einsam und verschlossen und gibt doch jenen eine Stimme, die ihre schon lange verloren haben. Nabiha traut sich, über ein Thema zu schreiben, über das noch immer viel zu selten gesprochen wird. Eines von Espens Traumata wurde ausgelöst von schwerster sexualisierter Gewalt. Das ist einer der Gründe, warum ich dieses Buch jedem ans Herz lege, der diese Thematik beim Lesen aushält. Betroffen oder nicht – Es bietet einen unglaublich detaillierten Einblick in eine Gefühlswelt, die meistens im Verborgenen liegen bleibt. Es schafft Verständnis dafür, was das schlimmste an diesen Verbrechen ist.
Fazit: Nabiha ist nicht nur eine schöne, kleine Geschichte gelungen – Sondern ein grandioser Debütroman, der definitiv zu meinen Highlights 2021 zählt und daher eine klare Leseempfehlung ist. Ich weiß nicht, wie es euch geht – Aber ich möchte von Nabihas Werken in Zukunft kein einziges verpassen.
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