Claire geht auf die 40 zu. Zeit für eine ehrliche Bilanz. In ihrem Leben läuft es eigentlich wie geschmiert. Partner. Familie. Beruf. Freunde. Alles scheint zu stimmen. Aber warum kämpft sie trotzdem mit depressiven Verstimmungen? In einem inneren Monolog gesteht Claire sich ein, stets den sicheren Weg gewählt zu haben. Ohne ihre Sehnsüchte zu verfolgen. Plötzlich erhält sie unerwartet die Chance beruflich eine neue Position zu übernehmen. Ist es das, was sie will? Das hohe Gehalt und die Bekanntschaft mit einem anderen Mann führen Claire in Versuchung, sich dem Rausch hinzugeben. Das neu entflammte Begehren stellt die Paarbeziehung hart auf die Probe. Claire ist gefordert,
herauszufinden, was genau es ist, nach dem sie sich sehnt.
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Martina Stubenschrott konfrontiert uns in „Die Sehnsucht nach dem High“ mit den unzensierten Innenmonologen von Claire. Als Mutter und beruflich erfolgreiche Ehefrau hinterfragt diese ihr Leben in seiner ganzen Bandbreite. Nichts wird schamhaft ausgespart, wenn sich Claire – immer wieder spritzig formuliert – als schonungslos ehrlich erweist. Mal liest sich dies einfühlsam und nahezu poetisch, dann wieder frech oder derb. Hier wird eine Frau in ihrer Ganzheit geschildert, mit allen Facetten ihres kurvigen Seins. Im Durchwandern von Höhen und Tiefen widmet sie sich auch jenen Teilen ihrer Weiblichkeit, die in den patriarchalischen Kulturen gerne als unheilig gelten und Frauen bis heute verschiedentlich abgesprochen werden. Alles hat Platz, alles darf sein und wird auf integrierende Weise gewürdigt. Jede Zeile dieses Buches spricht dabei die Einladung aus: „Ich darf so sein, wie ich bin“.
Wer es bis jetzt (noch) nicht wagt, wirklich ehrlich mit sich selbst zu sein, wird durch dieses Buch erkennen: Wir können nicht einfach so tun, als ob bestimmte Emotionen, Gefühle, Bedürfnisse, Wünsche und Träume nicht da wären. Sie wollen angeschaut, akzeptiert und bei Bedarf durchliebt werden. Wie wir am Ende mit ihnen umgehen und ob wir sie tatsächlich durchleben, bleibt jedem Menschen selbst überlassen.
Für mich ist dieses Buch keine reine Frauenliteratur. Gerade weil die Autorin so offen über (zum Teil tabuisierte) Alltäglichkeiten schreibt, bietet „Die Sehnsucht nach dem High“ auch Männern eine Möglichkeit, sich mit ihrer Innenwelt auseinanderzusetzen und gleichzeitig Einblicke in die Ganzheit der weiblichen Natur zu erhalten. Wer es ausschließlich seicht und lieblich mag, sollte dieses Buch tunlichst meiden. Allen anderen vermag es auf kurzweilige Weise als Erkenntnisquelle der besonderen Art dienen.
Kurzweiliger tiefgründiger Unterhaltungsroman, der so viel Weisheit enthält!
Bewertung am 22.03.2022
Bewertungsnummer: 1680492
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich habe einen kurzweiligen Frauenroman erwartet. Mein Erwartung wurde erfüllt, ich habe das Buch in 2 Tagen gelesen, weil es so spritzig und locker geschrieben ist. Die Autorin nimmt wirklich kein Blatt vor den Mund und schreibt, wie ihr der Schnabel gewachsen ist. Die Stimme in unserem Kopf können wir ja auch nicht kontrollieren und zensieren. Das von außen eher unscheinbare Büchlein überrascht sowohl durch seine Vielfalt an Themen als auch mit Tiefgang. Es enthält erotische Passagen und auch philosophische tiefgründige Auseinandersetzungen.
Die Protagonistin Claire ist in meinem Alter und die Stimme in ihrem Kopf kommt mir sehr bekannt vor, auch wenn sich unsere Lebenssituationen ziemlich unterscheiden. Claire hat alles, was in unserer Gesellschaft für ein zufriedenes Leben notwendig scheint und dennoch ist da diese Leere oder eine Sehnsucht nach Abenteuer. Claire lässt uns an ihrem Erkenntnisprozess teilhaben, dass die Erfolge im Außen nichts mit innerer Erfüllung zu tun haben. Bei mir kam beim Lesen der Gedanke auf, dass ein Neuanfang sogar leichter ist, wenn alles perfekt scheint und sich keinerlei Ansatzpunkt zur Optimierung mehr bietet. Bei Claire brauchte es beruflichen Erfolg und das Interesse eines anderen Mannes, der die Klarheit brachte, dass es Zeit für sie ist, einen anderen Weg einzuschlagen. Ich fand es sehr hilfreich, dass das Buch nicht an dieser Stelle endet oder direkt in ein Happy End übergeht, wie wir es aus Filmen oftmals kennen. Die Realität ist nämlich, dass eine äußere Veränderung tiefe Veränderungsprozesse in uns anstößt, die nicht immer angenehm sind. Der Autorin gelingt es meiner Meinung nach sehr gut, diese Transformation in Worte zu fassen. Neben dem Gefühl der Freiheit und Selbstbestimmung tauchen ähnliche Gefühle wie vorher auf, die vielleicht sogar unangenehmer sind und Zweifel aufkommen lassen, ob die Entscheidung richtig war. Mir scheint, als würde bei diesem Prozess die vorherige innere Leere zunächst nach Außen verlagert: keine Termine, kein beruflicher Stress, keiner ruft an, es passiert nichts, man wird nicht gebraucht, Vakuum, Stille. Das löst ein Chaos und eine Unruhe in uns aus. Martina Stubenschrott beschreibt auf sehr anschauliche und unterhaltsame Weise, wie ihre Protagonistin diesen Übergang erlebt. Erst als sie das Chaos in ihr beseitigt hat, fügen sich die Dinge im Außen wie von selbst.
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