Nebenan

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Beschreibung

Ein kleiner Ort am Nord-Ostsee-Kanal, zwischen Natur, Kreisstadt und Industrie, kurz nach dem Jahreswechsel. Mitten aus dem Alltag heraus verschwindet eine Familie spurlos. Das verlassene Haus wird zum gedanklichen Zentrum der Nachbarn: Julia, Ende dreißig, die sich vergeblich ein Kind wünscht, die mit ihrem Freund erst vor Kurzem aus der Großstadt hergezogen ist und einen kleinen Keramikladen mit Online-Shop betreibt. Astrid, Anfang sechzig, die seit Jahrzehnten eine Praxis in der nahen Kreisstadt führt und sich um die alt gewordene Tante sorgt. Und dann ist da das mysteriöse Kind, das im Garten der verschwundenen Familie auftaucht.

Sie alle kreisen wie Fremde umeinander, scheinbar unbemerkt von den Nächsten, sie wollen Verbundenheit und ziehen sich doch ins Private zurück. Und sie alle haben Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste. Ihre Wege kreuzen sich, ihre Geschichten verbinden sich miteinander, denn sie suchen, wonach wir alle uns sehnen: Geborgenheit, Zugehörigkeit und Vertrautheit.

»Was für ein feines Buch! Es entspinnt sich um ein verlassenes Haus in einem Dorf am Nord-Ostsee-Kanal und entfaltet einen so einnehmenden Sog, dass es man es vermisst, sobald man es aus der Hand legt.« ("Daniel Schreiber")
»Ein hellsichtiges Gesellschaftsporträt der Hamburger Schriftstellerin Kristine Bilkau. Es geht um Kleinstadtleben, um unerfüllte Sehnsüchte und die Flucht in idealisierte Welten, in denen alles einfacher scheint als in der sperrigen Realität.« ("Sabine Rennefanz / Der Spiegel")
»Kristine Bilkau (›Die Glücklichen‹) erzählt einmal mehr meisterhaft vom brüchigen Lebenstraum.« ("Meike Schnitzler / Brigitte")
»Nach ›Eine Liebe, in Gedanken‹ und ›Die Glücklichen‹ wieder ein leiser, feiner Roman von Kristine Bilkau.« ("NDR Kultur")
»Meisterlich nimmt sie Lebensträume auseinander, vermisst die Gegenwart und vor allem den gesellschaftlichen Mittelstand, der zwischen Selbstverwirklichung und Selbsttäuschungen schwankt.« ("Britta Heidemann / Westdeutsche Allgemeine Zeitung")
»In ihrer klaren, schnörkellosen, sparsam mit Naturimpressionen geschmückten Sprache schildert die Autorin den Einzug des Misstrauens in die Provinz.« ("Gunda Bartels / Der Tagesspiegel")
»Bilkau erzählt in genauen, leisen Worten, sie erkundet die Rätsel des unscheinbaren Ortes, zeigt die Poesie der spröden Landschaft drumherum, mäandert durch die Vorgeschichten ihrer Figuren.« ("Sabine Rohlf / Berliner Zeitung")
»Ein stilles, feinsinniges, gar nicht so überschaubares Buch, in dem die Figuren miteinander teilen, was schließlich auch der Leserin auf der letzten Seite schwerfällt: das Loslassenmüssen.« ("Maike Schiller / Hamburger Abendblatt")
»Kristine Bilkaus kluger Roman zeigt, dass es manchmal einfacher scheint, das Leben anderer Menschen zu betrachten, anstatt das eigene.« ("Antonia Barboric / Die Presse am Sonntag")
»Der internationale Frauentag passt durchaus als Erscheinungsdatum für Kristine Bilkaus neuen Roman. Denn es sind vor allem die weiblichen Figuren, die in dieser stillen Erzählung mit ihren Erschütterungen hervortreten.« ("Ida Kretzschmar / Märkische Oderzeitung")

Details

Verkaufsrang

3905

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

08.03.2022

Verlag

Luchterhand

Seitenzahl

288

Beschreibung

Details

Verkaufsrang

3905

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

08.03.2022

Verlag

Luchterhand

Seitenzahl

288

Maße (L/B/H)

21,9/14,2/2,9 cm

Gewicht

475 g

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-630-87519-4

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Leere, nicht nur hinterm Zaun

Weisheitszahn aus Hamburg am 15.06.2022

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Hier ist eine fünfköpfige Nachbarsfamilie quasi über Nacht verschwunden, dort liegt eine alte Frau tot in der Badewanne. Der Inhalt eines Postsacks liegt verweht auf einem winterlichen Acker, an anderer Stelle liegen anonyme Drohbriefe im Kasten. Und im Wasser des Nordostsee-Kanals schwimmen bunte Plastik-Schnipsel. Einen (Umwelt-)Krimi hat Kristine Bilkau jedoch nicht geschrieben, die Spannung des Buches entfaltet sich durch die den Einblick in die Köpfe der beiden Hauptprotagonistinnen: Eine der Frauen, Julia, ist 38 und lebt seit kurzem mit ihrem Partner (einem Umweltwissenschaftler) in einem norddeutschen Dorf. Die Ortschaft ist zweigeteilt durch den Nordostseekanal. Bilkaus Beschreibung der Landschaft, die von Schiffsriesen durchkreuzt wird, erzeugt im Kopf zugleich idyllische und beklemmende Bilder. Julia und Partner sind jüngst aus dem Hamburger Szeneviertel hergezogen, in der Hoffnung hier ihr persönliches Bullerbü zu finden. Was fehlt, ist ein Baby. In der nahen Kreisstadt - Leerstand und ein Gefühl der Lähmung dominieren den Ortskern – arbeitet Bilkaus zweite Protagonistin Astrid als tüchtige Hausärztin auf ihre baldige Pensionierung hin und wandert zugleich gedanklich immer öfter in die Vergangenheit. Mit Unbehagen und Melancholie beobachtet die Sechzigjährige die Verödung ihrer Heimatstadt und die Veränderung der Menschen in ihrem Umfeld. Beide Frauen suchen eher auf dem Nachbargrundstück nach Antworten auf ihre Lebensfragen, als sie mit ihren jeweiligen Partnern zu reflektieren. Überhaupt, was ist hier mit den Männer los? Die kommen in diesem Buch durchaus vor. Einerseits lernt die Leser*in zwei wohlmeinende Lebenspartner kennen, die sich jedoch vor allem mit den ganz großen Bedrohungen der Welt beschäftigen. Zugleich lauert die Spezies Mann in "Nebenan" eher im Hintergrund. Als Gefahr, der sich fast jede Frau irgendwann in ihrem Leben bewusst wird. Bilkaus Sprache ist unverschnörkelt, manchmal sachlich. Sie ist eine feine Beobachterin und eine gelassene Erzählerin – und hat das Talent, wie eine nordische Malerin Bilder in Grau-Blautönen zu komponieren. Was mir besonders gefällt: Sie gesteht ihren Protagonistinnen durchaus unsympathische Seiten zu, das sorgt für eine (kleine) kognitive Dissonanz beim Lesen.

Leere, nicht nur hinterm Zaun

Weisheitszahn aus Hamburg am 15.06.2022
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Hier ist eine fünfköpfige Nachbarsfamilie quasi über Nacht verschwunden, dort liegt eine alte Frau tot in der Badewanne. Der Inhalt eines Postsacks liegt verweht auf einem winterlichen Acker, an anderer Stelle liegen anonyme Drohbriefe im Kasten. Und im Wasser des Nordostsee-Kanals schwimmen bunte Plastik-Schnipsel. Einen (Umwelt-)Krimi hat Kristine Bilkau jedoch nicht geschrieben, die Spannung des Buches entfaltet sich durch die den Einblick in die Köpfe der beiden Hauptprotagonistinnen: Eine der Frauen, Julia, ist 38 und lebt seit kurzem mit ihrem Partner (einem Umweltwissenschaftler) in einem norddeutschen Dorf. Die Ortschaft ist zweigeteilt durch den Nordostseekanal. Bilkaus Beschreibung der Landschaft, die von Schiffsriesen durchkreuzt wird, erzeugt im Kopf zugleich idyllische und beklemmende Bilder. Julia und Partner sind jüngst aus dem Hamburger Szeneviertel hergezogen, in der Hoffnung hier ihr persönliches Bullerbü zu finden. Was fehlt, ist ein Baby. In der nahen Kreisstadt - Leerstand und ein Gefühl der Lähmung dominieren den Ortskern – arbeitet Bilkaus zweite Protagonistin Astrid als tüchtige Hausärztin auf ihre baldige Pensionierung hin und wandert zugleich gedanklich immer öfter in die Vergangenheit. Mit Unbehagen und Melancholie beobachtet die Sechzigjährige die Verödung ihrer Heimatstadt und die Veränderung der Menschen in ihrem Umfeld. Beide Frauen suchen eher auf dem Nachbargrundstück nach Antworten auf ihre Lebensfragen, als sie mit ihren jeweiligen Partnern zu reflektieren. Überhaupt, was ist hier mit den Männer los? Die kommen in diesem Buch durchaus vor. Einerseits lernt die Leser*in zwei wohlmeinende Lebenspartner kennen, die sich jedoch vor allem mit den ganz großen Bedrohungen der Welt beschäftigen. Zugleich lauert die Spezies Mann in "Nebenan" eher im Hintergrund. Als Gefahr, der sich fast jede Frau irgendwann in ihrem Leben bewusst wird. Bilkaus Sprache ist unverschnörkelt, manchmal sachlich. Sie ist eine feine Beobachterin und eine gelassene Erzählerin – und hat das Talent, wie eine nordische Malerin Bilder in Grau-Blautönen zu komponieren. Was mir besonders gefällt: Sie gesteht ihren Protagonistinnen durchaus unsympathische Seiten zu, das sorgt für eine (kleine) kognitive Dissonanz beim Lesen.

Nebenan oder nebenher?

nil_liest am 09.05.2022

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Kristine Bilkau ist ein großartiges Portrait zweier durchschnittlicher Frauen gelungen. Der Roman ist ganz gegenwärtig und durch die Normalität der oberflächlichen Betrachtung, erscheint es uns als ob wir die eine oder die andere schon getroffen hätten. Wir arbeiten uns in beiden Figuren voran, tauchen ab und lernen peu á peu was in ihnen vorgeht. Da ist Astrid, Anfang 60, Landärztin und tief verwurzelt in diesem kleinen Nest am Nordostseekanal. Eine glückliche Ehe mit 3 Kindern, sie steht mit beiden Beinen fest im Leben, resolut und anpackend. Aber mit der Zeit merken wir Leser:innen, dass sich da doch was tut im Inneren, wenn viele verschwinden aus dem Ort, die eigenen Kinder sich nicht mehr melden. Ihre Sorgen keimen auf. Die andere Protagonistin ist Julia, 38 Jahre alt. Erst kürzlich in den Ort gezogen mit ihrem Partner Chris und mit einem Kinderwunsch, der sich bisher nicht erfüllen ließ. Beide gehören in die achtsame Welt der Umweltretter und wollen ihren Teil dazu beitragen, dass die Welt für die nächsten Generationen ein besserer Ort wird. Sie eröffnet einen Keramikladen im Nachbarort, aber wäre doch gerne mit ihren Sehnsüchten alleine. Es ist bereits der dritte Roman der Hamburgerin Kristine Bilkau und Schreiben gelingt ihr! Es liest sich wunderbar leicht und hat trotzdem diese Tiefen. Es gibt nicht nur das eine Thema, hier werden Fragen aufgeworfen, hier wird gedacht und die Charaktere reiben sich (meist an sich selbst). Ich habe den Roman als ausloten von Grenzen empfunden, wann wird kümmern zu einmischen? Wann ist es in einem kleinen Ort aufeinander achten und wann ist es schon Voyeurismus? Vor allem auch das Hinterfragen von Plänen, die für das eigenen Leben gemacht werden, stand im Mittelpunkt des Textes. Hält man strickt an ihnen fest oder sollte man die Zügel auch mal lockern um wieder atmen zu können? Und zu guter Letzt war natürlich ein Kernelement der Strukturwandel auf dem Land in den kleineren Ortschaften spürbar und wirft auch Fragen des gesellschaftlichen Miteinander auf. Fazit: Vielschichtig, kontrastreiche Lektüre - Absolut lesenswert!

Nebenan oder nebenher?

nil_liest am 09.05.2022
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Kristine Bilkau ist ein großartiges Portrait zweier durchschnittlicher Frauen gelungen. Der Roman ist ganz gegenwärtig und durch die Normalität der oberflächlichen Betrachtung, erscheint es uns als ob wir die eine oder die andere schon getroffen hätten. Wir arbeiten uns in beiden Figuren voran, tauchen ab und lernen peu á peu was in ihnen vorgeht. Da ist Astrid, Anfang 60, Landärztin und tief verwurzelt in diesem kleinen Nest am Nordostseekanal. Eine glückliche Ehe mit 3 Kindern, sie steht mit beiden Beinen fest im Leben, resolut und anpackend. Aber mit der Zeit merken wir Leser:innen, dass sich da doch was tut im Inneren, wenn viele verschwinden aus dem Ort, die eigenen Kinder sich nicht mehr melden. Ihre Sorgen keimen auf. Die andere Protagonistin ist Julia, 38 Jahre alt. Erst kürzlich in den Ort gezogen mit ihrem Partner Chris und mit einem Kinderwunsch, der sich bisher nicht erfüllen ließ. Beide gehören in die achtsame Welt der Umweltretter und wollen ihren Teil dazu beitragen, dass die Welt für die nächsten Generationen ein besserer Ort wird. Sie eröffnet einen Keramikladen im Nachbarort, aber wäre doch gerne mit ihren Sehnsüchten alleine. Es ist bereits der dritte Roman der Hamburgerin Kristine Bilkau und Schreiben gelingt ihr! Es liest sich wunderbar leicht und hat trotzdem diese Tiefen. Es gibt nicht nur das eine Thema, hier werden Fragen aufgeworfen, hier wird gedacht und die Charaktere reiben sich (meist an sich selbst). Ich habe den Roman als ausloten von Grenzen empfunden, wann wird kümmern zu einmischen? Wann ist es in einem kleinen Ort aufeinander achten und wann ist es schon Voyeurismus? Vor allem auch das Hinterfragen von Plänen, die für das eigenen Leben gemacht werden, stand im Mittelpunkt des Textes. Hält man strickt an ihnen fest oder sollte man die Zügel auch mal lockern um wieder atmen zu können? Und zu guter Letzt war natürlich ein Kernelement der Strukturwandel auf dem Land in den kleineren Ortschaften spürbar und wirft auch Fragen des gesellschaftlichen Miteinander auf. Fazit: Vielschichtig, kontrastreiche Lektüre - Absolut lesenswert!

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Monika Föckeler

Mayersche Castrop-Rauxel

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4/5

Die Idylle des dörflichen Lebens

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Dieser wunderbar poetische Roman erzählt von einem kleinen Ort am Nord-Ostsee-Kanal, in dem eigentlich nie viel passiert und das Leben so vor sich hinplätschert. Doch plötzlich ist eine Familie verschwunden! Die Sorge um die vermisste Familie zieht sich wie ein roter Faden durch die komplette Geschichte, in der wir die beiden Frauen Julia und Astrid näher kennenlernen. Wir erfahren mehr von ihrem Leben, ihren unterschiedlichen Sorgen und Nöten und dem Alltag des dörflichen Lebens. Man fühlt sich selbst mitten hineingezogen und obwohl nichts aufregendes geschieht, bleibt die Spannung erhalten, denn auch als Leser möchte man erfahren, was mit der verschwundenen Familie passiert ist.
4/5

Die Idylle des dörflichen Lebens

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Dieser wunderbar poetische Roman erzählt von einem kleinen Ort am Nord-Ostsee-Kanal, in dem eigentlich nie viel passiert und das Leben so vor sich hinplätschert. Doch plötzlich ist eine Familie verschwunden! Die Sorge um die vermisste Familie zieht sich wie ein roter Faden durch die komplette Geschichte, in der wir die beiden Frauen Julia und Astrid näher kennenlernen. Wir erfahren mehr von ihrem Leben, ihren unterschiedlichen Sorgen und Nöten und dem Alltag des dörflichen Lebens. Man fühlt sich selbst mitten hineingezogen und obwohl nichts aufregendes geschieht, bleibt die Spannung erhalten, denn auch als Leser möchte man erfahren, was mit der verschwundenen Familie passiert ist.

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Monika Fuchs

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Zwei ganz normale Frauenleben

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

2015 wurde Kristine Bilkau mit ihrem ersten Roman „Die Glücklichen“ einem breiten Publikum bekannt. Sie bekam auch im Feuilleton viel Lob für dieses Buch, in dem es um ein junges Paar geht, das nach der Geburt ihres Kindes plötzlich feststellen muss, wie sich ihr Leben dadurch verändert. Ich habe dieses Buch damals angefangen, bin aber über den Anfang nicht hinausgekommen. Anscheinend war ich noch nicht bereit für diese Autorin. Doch jetzt bin ich anscheinend reifer geworden, denn ihren neuen „Nebenan“ habe ich gelesen. Und das gerne. Die Inhaltsangabe hat mich auf dieses Buch neugierig gemacht. Und die Inhaltsangabe ist auch sehr stimmig. In diesem Roman geht es um Frauen. Frauen in einem ganz normalen Leben, mit ihren Wünschen und Träumen. Die beiden Hauptpersonen sind die in der Inhaltsangabe erwähnten Frauen Julia und Astrid, die vor großen Veränderungen in ihrem Leben stehen. Aber es gibt auch noch drei weitere Frauen in diesem Roman, die ebenfalls sehr interessant sind. Julia möchte so gerne Mutter werden. Aber sie und ihr Mann Chris haben zu lange gewartet. Jetzt ist Julia Ende dreißig und auf natürlichem Wege klappt es nicht mehr. Und während sie zwischen den einzelnen Arztterminen hofft, wird das Thema für sie immer mehr zu einer Besessenheit. Was würde passieren, wenn es nicht klappt. Astrid ist eine Hausärztin in dem kleine Ort, die ihre Praxis gerne aus Altersgründen aufgeben möchte. Aber da der Ort, der von dem Nord-Ostsee-Kanal durchschnitten wird, immer unattraktiver wird, findet sie niemanden. Neben diesem Thema beschäftigt sie die Sorge um ihre alte Tante Elsa, die sich plötzlich merkwürdig verhält, und um ihren Mann Andreas, der nach seiner Pensionierung fast nur noch vor dem Fernseher hockt und eine politische Sendung nach der anderen guckt. Die beiden Frauen verbindet in dieser Geschichte nichts. Außer vielleicht dem Haus nebenan von Julia, gegenüber von Astrids Tante. Deren Bewohner sind nämlich urplötzlich verschwunden. Niemand weiß, wann genau und warum. Beide Frauen grübeln getrennt darüber nach, was da wohl passiert sein mag. In diesem Haus wohnte Mona mit ihrem Mann Erik und den Kindern. Warum sind sie wohl gegangen? Gab es Streit in der Familie? Haben sie etwas mit den Artikeln im Netz zu tun, die Julia entdeckt hat? Elsa, die Tante Astrids ist eine ebenfalls interessante Nebenperson. Warum fängt sie an ihr Haus mehr und mehr auszuräumen, Dinge zu verschenken? Plant sie ihr baldiges Ableben? Oder möchte sie es ihrer Nichte später nur leichter machen? Über Astrid erfährt man etwas mehr über ihr früheres Leben als junge Frau. Ein offensichtlich sehr entbehrungsreiches , aber trotzdem befriedigendes Leben. Darüber hätte ich gerne noch mehr erfahren. Und dann gibt es noch Marli, eine ehemalige Freundin von Astrid, die weggezogen und nun doch noch einmal zurückgekommen ist. Die beiden Frauen waren als junge Ehefrauen und Mütter beste Freundinnen, doch dann ist etwas mit Marlis Sohn passiert, was die Freundschaft hat zerbrechen lassen. Besteht noch eine Chance auf einen Neuanfang? Es sind diese kleinen, eigentlich nicht weltbewegenden Frauenleben, von denen Kristine Bilkau in ihrem Roman erzählt. Ganz zart und leise. Man wird neugierig auf diese Frauen und ihr Leben. Wie wird es weitergehen für sie? Erfüllen sich ihre Wünsche und Sehnsüchte? Und durch einige kleine Vorfälle baut die Autorin Spannung auf, die das Buch sogar ein wenig unheimlich erscheinen lassen - anonyme Briefe und ein mysteriöser kleiner Junge. Doch dann kommt das Ende des Buches, welches zu diesem Zeitpunkt völlig überraschend kommt. Gerade denkt man beim Lesen noch, dass die Fragen jetzt langsam beantwortet werden, und dann ist einfach Schluss. Ich war anfangs total verwirrt und unzufrieden. Und ich habe einige Tage mit mir gerungen, wie ich dieses Buch bewerte. Und dies ist jetzt meine Antwort, die ich für mich gefunden habe: Kristine Bilkau hat uns mit auf eine Reise in diesen kleinen Ort am Nord-Ostsee-Kanal genommen. Sie bleibt dort eine Weile und beobachtet die vier anwesenden und die eine abwesende Frau. Sie erzählt uns, was sie über diese Frauen und ihre Gefühlslagen herausgefunden hat. Doch dann zieht es sie weiter und wir bleiben mit unseren Fragen zurück. Das ist erst einmal total verwirrend und sogar schockierend. Aber es ist auch große Chance für uns Leser:innen. Wir können uns über dieses Buch austauschen. Was meinst du, warum sie das Buch so hat enden lassen? Wie ist das Leben für die fünf Frauen wohl weitergegangen? Was denkt ihr darüber? Ob wohl Mona und ihre Familie noch einmal an den Ort zurückkehren? Nach einigem Reflektieren finde ich dieses Buch immer noch wunderbar. Es sind Momentaufnahmen von den Leben fünf ganz unterschiedlicher Frauen. Wir dürfen sie ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten, und dann müssen wir sie auch schon wieder verlassen. Aber wie häufig geht es uns auch im wirklichen Leben so. Wie häufig verlieren wir Menschen aus den Augen, die uns eben noch ganz nah erschienen? Wie oft denken wir, wir kennen sie und wissen, was in ihnen vorgeht? Diese Zeit, die wir sie begleiten durfte, fand ich sehr erfüllend. Ich mochte die ruhige Art der Autorin wie sie ihre Geschichte erzählt. Ich mochte ihre psychologischen Betrachtungen. Und ich war immer gespannt, wie es wohl weitergeht, obwohl wirklich nicht viel passiert. Und ich mag in der Zwischenzeit auch das offene Ende. Nicht immer gibt es befriedigende Abschlüsse, manchmal muss man einfach lernen loszulassen.
5/5

Zwei ganz normale Frauenleben

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

2015 wurde Kristine Bilkau mit ihrem ersten Roman „Die Glücklichen“ einem breiten Publikum bekannt. Sie bekam auch im Feuilleton viel Lob für dieses Buch, in dem es um ein junges Paar geht, das nach der Geburt ihres Kindes plötzlich feststellen muss, wie sich ihr Leben dadurch verändert. Ich habe dieses Buch damals angefangen, bin aber über den Anfang nicht hinausgekommen. Anscheinend war ich noch nicht bereit für diese Autorin. Doch jetzt bin ich anscheinend reifer geworden, denn ihren neuen „Nebenan“ habe ich gelesen. Und das gerne. Die Inhaltsangabe hat mich auf dieses Buch neugierig gemacht. Und die Inhaltsangabe ist auch sehr stimmig. In diesem Roman geht es um Frauen. Frauen in einem ganz normalen Leben, mit ihren Wünschen und Träumen. Die beiden Hauptpersonen sind die in der Inhaltsangabe erwähnten Frauen Julia und Astrid, die vor großen Veränderungen in ihrem Leben stehen. Aber es gibt auch noch drei weitere Frauen in diesem Roman, die ebenfalls sehr interessant sind. Julia möchte so gerne Mutter werden. Aber sie und ihr Mann Chris haben zu lange gewartet. Jetzt ist Julia Ende dreißig und auf natürlichem Wege klappt es nicht mehr. Und während sie zwischen den einzelnen Arztterminen hofft, wird das Thema für sie immer mehr zu einer Besessenheit. Was würde passieren, wenn es nicht klappt. Astrid ist eine Hausärztin in dem kleine Ort, die ihre Praxis gerne aus Altersgründen aufgeben möchte. Aber da der Ort, der von dem Nord-Ostsee-Kanal durchschnitten wird, immer unattraktiver wird, findet sie niemanden. Neben diesem Thema beschäftigt sie die Sorge um ihre alte Tante Elsa, die sich plötzlich merkwürdig verhält, und um ihren Mann Andreas, der nach seiner Pensionierung fast nur noch vor dem Fernseher hockt und eine politische Sendung nach der anderen guckt. Die beiden Frauen verbindet in dieser Geschichte nichts. Außer vielleicht dem Haus nebenan von Julia, gegenüber von Astrids Tante. Deren Bewohner sind nämlich urplötzlich verschwunden. Niemand weiß, wann genau und warum. Beide Frauen grübeln getrennt darüber nach, was da wohl passiert sein mag. In diesem Haus wohnte Mona mit ihrem Mann Erik und den Kindern. Warum sind sie wohl gegangen? Gab es Streit in der Familie? Haben sie etwas mit den Artikeln im Netz zu tun, die Julia entdeckt hat? Elsa, die Tante Astrids ist eine ebenfalls interessante Nebenperson. Warum fängt sie an ihr Haus mehr und mehr auszuräumen, Dinge zu verschenken? Plant sie ihr baldiges Ableben? Oder möchte sie es ihrer Nichte später nur leichter machen? Über Astrid erfährt man etwas mehr über ihr früheres Leben als junge Frau. Ein offensichtlich sehr entbehrungsreiches , aber trotzdem befriedigendes Leben. Darüber hätte ich gerne noch mehr erfahren. Und dann gibt es noch Marli, eine ehemalige Freundin von Astrid, die weggezogen und nun doch noch einmal zurückgekommen ist. Die beiden Frauen waren als junge Ehefrauen und Mütter beste Freundinnen, doch dann ist etwas mit Marlis Sohn passiert, was die Freundschaft hat zerbrechen lassen. Besteht noch eine Chance auf einen Neuanfang? Es sind diese kleinen, eigentlich nicht weltbewegenden Frauenleben, von denen Kristine Bilkau in ihrem Roman erzählt. Ganz zart und leise. Man wird neugierig auf diese Frauen und ihr Leben. Wie wird es weitergehen für sie? Erfüllen sich ihre Wünsche und Sehnsüchte? Und durch einige kleine Vorfälle baut die Autorin Spannung auf, die das Buch sogar ein wenig unheimlich erscheinen lassen - anonyme Briefe und ein mysteriöser kleiner Junge. Doch dann kommt das Ende des Buches, welches zu diesem Zeitpunkt völlig überraschend kommt. Gerade denkt man beim Lesen noch, dass die Fragen jetzt langsam beantwortet werden, und dann ist einfach Schluss. Ich war anfangs total verwirrt und unzufrieden. Und ich habe einige Tage mit mir gerungen, wie ich dieses Buch bewerte. Und dies ist jetzt meine Antwort, die ich für mich gefunden habe: Kristine Bilkau hat uns mit auf eine Reise in diesen kleinen Ort am Nord-Ostsee-Kanal genommen. Sie bleibt dort eine Weile und beobachtet die vier anwesenden und die eine abwesende Frau. Sie erzählt uns, was sie über diese Frauen und ihre Gefühlslagen herausgefunden hat. Doch dann zieht es sie weiter und wir bleiben mit unseren Fragen zurück. Das ist erst einmal total verwirrend und sogar schockierend. Aber es ist auch große Chance für uns Leser:innen. Wir können uns über dieses Buch austauschen. Was meinst du, warum sie das Buch so hat enden lassen? Wie ist das Leben für die fünf Frauen wohl weitergegangen? Was denkt ihr darüber? Ob wohl Mona und ihre Familie noch einmal an den Ort zurückkehren? Nach einigem Reflektieren finde ich dieses Buch immer noch wunderbar. Es sind Momentaufnahmen von den Leben fünf ganz unterschiedlicher Frauen. Wir dürfen sie ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten, und dann müssen wir sie auch schon wieder verlassen. Aber wie häufig geht es uns auch im wirklichen Leben so. Wie häufig verlieren wir Menschen aus den Augen, die uns eben noch ganz nah erschienen? Wie oft denken wir, wir kennen sie und wissen, was in ihnen vorgeht? Diese Zeit, die wir sie begleiten durfte, fand ich sehr erfüllend. Ich mochte die ruhige Art der Autorin wie sie ihre Geschichte erzählt. Ich mochte ihre psychologischen Betrachtungen. Und ich war immer gespannt, wie es wohl weitergeht, obwohl wirklich nicht viel passiert. Und ich mag in der Zwischenzeit auch das offene Ende. Nicht immer gibt es befriedigende Abschlüsse, manchmal muss man einfach lernen loszulassen.

Monika Fuchs
  • Monika Fuchs
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