Blinder Spiegel

Blinder Spiegel

Buch (Gebundene Ausgabe)

20,00 € inkl. gesetzl. MwSt.

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Beschreibung

Paris. Sie und er. Elle und Lui. Sie begegnen sich in einem Café. Lui ist Fluglotse. Er wechselt die Städte und Flughäfen immer dann, wenn ihm das Leben zu eng wird. Sie ist die Frau eines Unternehmers, der in die Politik drängt und sie zu oft über lange Zeit allein zurücklässt. In einer obsessiven Affäre flüchten sie in Tagträume und halten sich gegenseitig in ihrer abgründigen Verlorenheit. Um etwas zu fühlen, suchen sie den Schmerz. Lui, indem er nach Nähe strebt, um dann vor ihr zu flüchten, und Elle in ihrer masochistischen Neigung, die ihr Mann an ihr ausnutzt. Beide ahnen, dass es für sie kein glückliches Ende geben wird, bis ihnen die Realität eine Entscheidung abverlangt.

Salih Jamal zeichnet mit zärtlicher, poetischer und schonungslos ehrlicher Sprache eine tragische Liebe in fünf Akten. Erzählt wird sie von Lui, der im Gefängnis die Geschichte aufschreibt.
Existenziell, grausam und schön. Eine Geschichte, die sich anfühlt wie ein französischer Film.

SALIH JAMAL hat seine Wurzeln in Palästina. Er lebt und arbeitet in Düsseldorf. Sein Roman Das perfekte Grau kam im vergangenen Jahr auf die »Hotlist« und gehört zu den zehn besten Büchern aus unabhängigen Verlagen 2021. Schon sein Debüt Briefe an die grüne Fee – Über die Langeweile, das Begehren, die Liebe und den Teufel wurde 2018 auf der Frankfurter Buchmesse mit dem »SKOUTZ Award« für das beste Buch in der Kategorie »Zeitgenössische Literatur« gewürdigt.
Blinder Spiegel ist sein zweiter Roman, der bei Septime erscheint.

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

01.03.2022

Verlag

Septime Verlag

Seitenzahl

120

Beschreibung

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

01.03.2022

Verlag

Septime Verlag

Seitenzahl

120

Maße (L/B/H)

19,6/12,4/1,4 cm

Gewicht

224 g

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-99120-010-9

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Leidenschaft

Kaffeeelse am 23.03.2022

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Intensiv, brachial, roh, brutal, aber auch poetisch, so empfinde ich diesen Blick auf die Liebe, diesen Blick auf das Verlangen, diesen Blick auf die Leidenschaft. Wobei diese Beschreibung/diese Adjektive das Wesen der Liebe in meinen Augen exakt beschreiben. Und diese Art der Beschreibung auch absolut zu Salih Jamals Texten und Charakteren passt. Die Schreibe von "Blinder Spiegel" erinnert mich sehr an "Orpheus". Auch dort ist das Animalische in uns spürbar. Und ebenso ist auch dort das Dunkle in den Worten enthalten. Denn diese zuckersüßen Umhüllungen, diese bunten Masken, in denen wir uns unserer Umwelt präsentieren, in denen wir versuchen uns zu bezwingen, sollen doch nur von unserem animalischen Kern ablenken. Dem Dunklen, dem Düsteren in uns. Elle und Lui treffen aufeinander, zwei vom Leben Enttäuschte, zwei ruhelose Seelen. Sie treffen aufeinander und erkennen sich natürlich. Eine Anziehung beginnt. Auch das kommt bei Salih immer mal wieder vor. Enttäuschte und suchende Menschen. Menschen, die eine Veränderung wollen. Menschen, die suchen und eventuell finden. Doch Anziehung und Dunkelheit, wie funktioniert dies miteinander? Salihs Sprache kann man immer wieder nur genießen. Diese Poesie, diese Worte, deren Intensität, die in mein Hirn, in mein Herz eindringen/eindringt. Dieses Spiel, dieser Tanz mit den Wörtern, mit deren Sinn ist eindringlich und bezaubernd. Und genau diese Schreibe lässt mich innerlich frohlocken, lässt diese Bücher zu ihren Ehrenplätzen in meinen Regalen finden, bereit für eine Lektüre zu einem späteren Zeitpunkt! Salih Jamal hat ein weiteres Mal die Höchstpunkteanzahl erreicht und mich wieder mit seiner Schreibkunst beeindruckt. Schreibkunst, ein Wort, welches bei Salih Jamal fast eine neue/ noch intensivere Bedeutung bekommt! Love it!

Leidenschaft

Kaffeeelse am 23.03.2022
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Intensiv, brachial, roh, brutal, aber auch poetisch, so empfinde ich diesen Blick auf die Liebe, diesen Blick auf das Verlangen, diesen Blick auf die Leidenschaft. Wobei diese Beschreibung/diese Adjektive das Wesen der Liebe in meinen Augen exakt beschreiben. Und diese Art der Beschreibung auch absolut zu Salih Jamals Texten und Charakteren passt. Die Schreibe von "Blinder Spiegel" erinnert mich sehr an "Orpheus". Auch dort ist das Animalische in uns spürbar. Und ebenso ist auch dort das Dunkle in den Worten enthalten. Denn diese zuckersüßen Umhüllungen, diese bunten Masken, in denen wir uns unserer Umwelt präsentieren, in denen wir versuchen uns zu bezwingen, sollen doch nur von unserem animalischen Kern ablenken. Dem Dunklen, dem Düsteren in uns. Elle und Lui treffen aufeinander, zwei vom Leben Enttäuschte, zwei ruhelose Seelen. Sie treffen aufeinander und erkennen sich natürlich. Eine Anziehung beginnt. Auch das kommt bei Salih immer mal wieder vor. Enttäuschte und suchende Menschen. Menschen, die eine Veränderung wollen. Menschen, die suchen und eventuell finden. Doch Anziehung und Dunkelheit, wie funktioniert dies miteinander? Salihs Sprache kann man immer wieder nur genießen. Diese Poesie, diese Worte, deren Intensität, die in mein Hirn, in mein Herz eindringen/eindringt. Dieses Spiel, dieser Tanz mit den Wörtern, mit deren Sinn ist eindringlich und bezaubernd. Und genau diese Schreibe lässt mich innerlich frohlocken, lässt diese Bücher zu ihren Ehrenplätzen in meinen Regalen finden, bereit für eine Lektüre zu einem späteren Zeitpunkt! Salih Jamal hat ein weiteres Mal die Höchstpunkteanzahl erreicht und mich wieder mit seiner Schreibkunst beeindruckt. Schreibkunst, ein Wort, welches bei Salih Jamal fast eine neue/ noch intensivere Bedeutung bekommt! Love it!

Eine verhängnisvolle Affäre

petraellen aus Neuss am 09.03.2022

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Autor Salih Jamal Inhalt Lui ist Fluglotse. Er hasst Routine und Enge, ist von Ruhelosigkeit getrieben. Er hält es nirgends lange aus, wechselt die Städte und wird nicht sesshaft. „Etwas zu finden, ist wie an den schönsten Küsten fremder Länder zu landen, sie zu erfassen, zu erforschen, zu entdecken und jedes Mal aufs Neue zu erschmecken.“ (S. 17) In Paris lernt er in einem Café Elle kennen. Elle ist mit einem erfolgreichen Unternehmer und aufstrebenden Politiker verheiratet. Beide verlieben sich ineinander und stürzen in eine verhängnisvolle Affäre mit dramatischen Auswirkungen. Ihre Zuneigung und Liebe beginnt zunächst sanft, doch sie geraten in einen Sog tiefer Abgründe. Beide sind seelisch Verlorene, die durch ihre Verwundbarkeit immer wieder wieder Distanz erzeugt. Sie mieten eine Wohnung für ihre Treffen. Lui ist irritiert, denn Elle bleibt zwischendurch immer für längere Zeit weg. Sie erklärt Lui, dass ihre Ehe unzerstörbar sei. Er will den Grund erfahren. Er bricht in die Villa von Elle und ihrem Ehemann ein, der oft auf Dienstreise ist. Was er dort sieht, ist ein schockierendes Bild von ihr, was alles verändert. Sprache und Stil „Ein Spiegel kann durch viele Ursachen mit der Zeit blind werden – blind bedeutet: Durch Mikrorisse der Glasoberfläche oxidiert die darunterliegende Silberschicht, die für die eigentliche Reflektion verantwortlich ist.“ Elles Leben ist geprägt von ihrer narzisstischen Mutter und kann sich von ihr nicht lösen, auch wenn sie längst keinen Kontakt mehr hat. „Wie eine Blume auf das Licht wartete Elle bis zuletzt auf ein Zeichen ihrer Zuneigung.“ (S. 56) Auch in ihrer Ehe wird sie dominiert. Lui und Elle wissen, dass ihre Liebe kein glückliches Ende haben wird. Sie schauen in ihren Spiegel und erkennen vage „die drunterliegende oxidierte Silberschicht“, mit einer nachlassenden Reflexion. Lui, der aus einer Zelle heraus die Vergangenheit reflektiert und bis zur Katastrophe alles ganz genau beschreibt, beendet seinen Bericht mit einer Mehrdeutigkeit. Der Roman ist wie ein Theaterstück in fünf Akten aufgebaut. Der Protagonist Lui steht einsam auf einer Bühne und offenbart mit all seinen Gefühlen seine Gedankenwelt. In dem Monolog von Lui schaut der Leser unmittelbar in seine Gedanken. Er gibt einen tiefen Einblick. Im ersten Akt, der Exposition, stellt der Protagonist sich vor. „Mein Name ist Lui, und das ist die Geschichte von Elle und mir.“ (S. 7) Er lernt Elle kennen und weiß sofort, dass sein Leben eine Wendung nehmen wird. Salih Jamal lässt in den folgenden Kapiteln, dem Aufbau eines Dramas entsprechend, die Handlung fortließen. Der gesamte Text besteht aus Poesie, die an keiner Stelle durch nüchterne Wiedergabe der Ereignisse unterbrochen wird. Der Autor nutzt die Polysemie, ein Stilmerkmal, dass Mehrdeutigkeit und die Existenz mehrerer Sinnschichten zulässt. Jeder Satz besticht mit mehreren Bedeutungsschichten, die eine literarische und psychologische Tiefe und Vieldeutigkeit zulassen. „Wir blickten uns für stumme Minuten an. Nie habe ich jemanden getroffen, den ich wortlos verstand. Elle sprach mit den Augen, und ich hörte sie, lange bevor sie anfing zu reden.“ (S. 63) Es entsteht eine wortgewaltige Sprache mit Wörtern, die eine schonungslose Ehrlichkeit offenbaren. Salih Jamal ist in seiner Sprache kompromisslos. Er scheut nicht zurück die Beziehung zwischen beiden, die von Schmerz, Gewalt und Sex geprägt ist, klar zu benennen. Die Drastik der Sexszene und der Gewalt lassen eine Mischung aus Obszönität und Schönheit entstehen. Und auch die Welt der Lügen, wie auch der eigenen Lebenslügen und Illusionen offenbaren sich. Das Cover ist schwarz-weiß gehalten. Es zeigt zwei Menschen in sich versunken. Sie ist an ihn gelehnt, ihre Augen sind geschlossen. Er ist nach vorne gebeugt, sein Blick nach unten gerichtet. Sie nehmen ihre Umwelt nicht wahr. In ihren Rücken hängt ein der Spiegel, der diffus die Menschen im Restaurant zeigt. La Méthode, Paris Fazit Der Roman erinnert an eine Novelle. Salih Jamal versteht melancholische und dunkle Bilder zu erschaffen. Seine Nähe zu „Sartre“ ist unverkennbar. Zwei Menschen finden zueinander und können doch ihrer Vergangenheit nicht entfliehen. Sie schauen in einen Spiegel, in dem alles verschwommen, wie in einem Nebel nur die Umrisse erkennbar sind. Die Klarheit kommt nicht zum Vorschein. Ihr Erwachsensein wird durch ihre Kindheit überschattet, unfähig aus ihren geprägten Mustern zu entfliehen. Irgendwann ist ein blinder Spiegel nicht mehr zu retten. „Nun ist es schon zehn und ich sehe den Mond hinter den Gitterstäben meines Fensters. Niemand weiß, wie seine dunkle Seite aussieht. Nur die Sonne kennt sie. Nur die Sonne.“ (S. 114)

Eine verhängnisvolle Affäre

petraellen aus Neuss am 09.03.2022
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Autor Salih Jamal Inhalt Lui ist Fluglotse. Er hasst Routine und Enge, ist von Ruhelosigkeit getrieben. Er hält es nirgends lange aus, wechselt die Städte und wird nicht sesshaft. „Etwas zu finden, ist wie an den schönsten Küsten fremder Länder zu landen, sie zu erfassen, zu erforschen, zu entdecken und jedes Mal aufs Neue zu erschmecken.“ (S. 17) In Paris lernt er in einem Café Elle kennen. Elle ist mit einem erfolgreichen Unternehmer und aufstrebenden Politiker verheiratet. Beide verlieben sich ineinander und stürzen in eine verhängnisvolle Affäre mit dramatischen Auswirkungen. Ihre Zuneigung und Liebe beginnt zunächst sanft, doch sie geraten in einen Sog tiefer Abgründe. Beide sind seelisch Verlorene, die durch ihre Verwundbarkeit immer wieder wieder Distanz erzeugt. Sie mieten eine Wohnung für ihre Treffen. Lui ist irritiert, denn Elle bleibt zwischendurch immer für längere Zeit weg. Sie erklärt Lui, dass ihre Ehe unzerstörbar sei. Er will den Grund erfahren. Er bricht in die Villa von Elle und ihrem Ehemann ein, der oft auf Dienstreise ist. Was er dort sieht, ist ein schockierendes Bild von ihr, was alles verändert. Sprache und Stil „Ein Spiegel kann durch viele Ursachen mit der Zeit blind werden – blind bedeutet: Durch Mikrorisse der Glasoberfläche oxidiert die darunterliegende Silberschicht, die für die eigentliche Reflektion verantwortlich ist.“ Elles Leben ist geprägt von ihrer narzisstischen Mutter und kann sich von ihr nicht lösen, auch wenn sie längst keinen Kontakt mehr hat. „Wie eine Blume auf das Licht wartete Elle bis zuletzt auf ein Zeichen ihrer Zuneigung.“ (S. 56) Auch in ihrer Ehe wird sie dominiert. Lui und Elle wissen, dass ihre Liebe kein glückliches Ende haben wird. Sie schauen in ihren Spiegel und erkennen vage „die drunterliegende oxidierte Silberschicht“, mit einer nachlassenden Reflexion. Lui, der aus einer Zelle heraus die Vergangenheit reflektiert und bis zur Katastrophe alles ganz genau beschreibt, beendet seinen Bericht mit einer Mehrdeutigkeit. Der Roman ist wie ein Theaterstück in fünf Akten aufgebaut. Der Protagonist Lui steht einsam auf einer Bühne und offenbart mit all seinen Gefühlen seine Gedankenwelt. In dem Monolog von Lui schaut der Leser unmittelbar in seine Gedanken. Er gibt einen tiefen Einblick. Im ersten Akt, der Exposition, stellt der Protagonist sich vor. „Mein Name ist Lui, und das ist die Geschichte von Elle und mir.“ (S. 7) Er lernt Elle kennen und weiß sofort, dass sein Leben eine Wendung nehmen wird. Salih Jamal lässt in den folgenden Kapiteln, dem Aufbau eines Dramas entsprechend, die Handlung fortließen. Der gesamte Text besteht aus Poesie, die an keiner Stelle durch nüchterne Wiedergabe der Ereignisse unterbrochen wird. Der Autor nutzt die Polysemie, ein Stilmerkmal, dass Mehrdeutigkeit und die Existenz mehrerer Sinnschichten zulässt. Jeder Satz besticht mit mehreren Bedeutungsschichten, die eine literarische und psychologische Tiefe und Vieldeutigkeit zulassen. „Wir blickten uns für stumme Minuten an. Nie habe ich jemanden getroffen, den ich wortlos verstand. Elle sprach mit den Augen, und ich hörte sie, lange bevor sie anfing zu reden.“ (S. 63) Es entsteht eine wortgewaltige Sprache mit Wörtern, die eine schonungslose Ehrlichkeit offenbaren. Salih Jamal ist in seiner Sprache kompromisslos. Er scheut nicht zurück die Beziehung zwischen beiden, die von Schmerz, Gewalt und Sex geprägt ist, klar zu benennen. Die Drastik der Sexszene und der Gewalt lassen eine Mischung aus Obszönität und Schönheit entstehen. Und auch die Welt der Lügen, wie auch der eigenen Lebenslügen und Illusionen offenbaren sich. Das Cover ist schwarz-weiß gehalten. Es zeigt zwei Menschen in sich versunken. Sie ist an ihn gelehnt, ihre Augen sind geschlossen. Er ist nach vorne gebeugt, sein Blick nach unten gerichtet. Sie nehmen ihre Umwelt nicht wahr. In ihren Rücken hängt ein der Spiegel, der diffus die Menschen im Restaurant zeigt. La Méthode, Paris Fazit Der Roman erinnert an eine Novelle. Salih Jamal versteht melancholische und dunkle Bilder zu erschaffen. Seine Nähe zu „Sartre“ ist unverkennbar. Zwei Menschen finden zueinander und können doch ihrer Vergangenheit nicht entfliehen. Sie schauen in einen Spiegel, in dem alles verschwommen, wie in einem Nebel nur die Umrisse erkennbar sind. Die Klarheit kommt nicht zum Vorschein. Ihr Erwachsensein wird durch ihre Kindheit überschattet, unfähig aus ihren geprägten Mustern zu entfliehen. Irgendwann ist ein blinder Spiegel nicht mehr zu retten. „Nun ist es schon zehn und ich sehe den Mond hinter den Gitterstäben meines Fensters. Niemand weiß, wie seine dunkle Seite aussieht. Nur die Sonne kennt sie. Nur die Sonne.“ (S. 114)

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